Olympische Spiele 1996: Uta erzählt, was ihr in Atlanta passierte

Von Jörg Wenig
© Take The Magic Step
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Als große Favoritin war Uta Pippig in Atlanta an den Start gegangenen. Sie hatte knapp vier Jahre lang jedes ihrer großen Marathonrennen auch gewonnen: dreimal den Boston-Marathon, darunter die 100. Auflage im Frühjahr, zweimal den Berlin-Marathon und einmal New York.

Sie hatte in dieser Zeit die deutschen Rekorde über die Marathon- und Halbmarathondistanz deutlich unterboten und auf die Weltklassezeiten von 2:21:45 Stunden beziehungsweise 67:58 Minuten verbessert. Über die volle Distanz fehlten ihr nur 39 Sekunden zum Weltrekord.

Doch ausgerechnet bei den Olympischen Spielen, ihrem 20. Marathon, musste sie aufgeben. „Ich war fit”, erzählt die inzwischen 31-Jährige, die während des Laufes, nach etwa 12 Kilometern, Ischiasprobleme bekam, die immer stärker wurden. “Die extreme Belastung und ein Problem mit den Schuhen, in denen ich auf der regennassen Straße keinen perfekten Halt hatte, waren die Gründe für die einsetzenden Beschwerden”, erklärte Uta knapp zwei Wochen nach ihrem Rennen. “Das erste Mal im Leben auszusteigen, das ist schon traurig. Ich dachte zeitweilig, ich könnte noch zu einer Medaille laufen, aber da hatte ich mich verkalkuliert, deswegen blieb ich noch so lange im Rennen, bevor ich aufgab.”

Wie sich erst einige Wochen später herausstellte, erlitt Uta durch die Fehlbelastung wegen des fehlenden Haltes neben dem Ischiasproblem auch zwei Ermüdungsbrüche, einen in der Hüfte und den anderen im rechten Schienbein. Die Enttäuschung über die verpasste Chance war groß. Uta, die in Boulder seit Jahren auf welligem Terrain trainiert, sah auch kein Problem im anspruchsvollen Streckenprofil.

Die relative zeitliche Nähe zum Boston-Marathon im April wirkte sich nicht negativ aus: “Wir haben das Training seit Jahresbeginn im Hinblick auf beide Rennen aufgebaut. Und ich denke, ich kann souverän zwei Wettkämpfe innerhalb von 15 Wochen machen, zumal das Niveau bei den Frauen, ausgenommen Fatuma Roba, zurzeit entfernt ist von den Topzeiten.” Angesichts der guten Bedingungen und der Trainingswerte war das Anfangstempo von Uta für sie durchaus normal.

Uta denkt an die Zukunft und weniger an das, was in Atlanta passiert ist. Enttäuscht war sie allerdings über die Vorwürfe, die aus der Richtung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach dem Marathon kamen. “Schade, dass behauptet wurde, ich wäre nach dem Rennen nicht erreichbar gewesen und der Verband habe keine Telefonnummer. Schließlich gab es vor dem Lauf mehrere Anrufe vom Verband bei mir.“ sagte Uta. Dass die Nummer dem DLV sehr wohl bekannt war und die Vorwürfe somit aus der Luft gegriffen waren und es keinen Grund für ungerechte Beschuldigungen gab, bestätigte später der für den Lauf zuständige Disziplintrainer Lothar Pöhlitz.

Uta hofft nun, bei einem Frühjahrsmarathon 1997 starten zu können.