Warum Fußballer gute Läufer sein müssen

Von Marisa Reich
Jean-Pierre Papin beim Allstar-Game anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin. © Marisa Reich
Jean-Pierre Papin beim Allstar-Game anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin. © Marisa Reich
Karlheinz Förster, der zweimaliger Vize-Weltmeister beim Allstar-Game in Berlin. © Marisa Reich
Karlheinz Förster, der zweimaliger Vize-Weltmeister beim Allstar-Game in Berlin. © Marisa Reich

Ganz Deutschland ist im Fußballfieber. Die 32 Mannschaften, die derzeit zur Fußball-Weltmeisterschaft in den Stadien auflaufen, spielen Fußball auf einem Niveau, wie es höher nie war. Ganz gleich, ob es die Teams aus England, Frankreich, den USA, Deutschland, Ghana oder Australien sind – nie zuvor wurde Fußball mit so viel Tempo und Laufbereitschaft gespielt wie bei diesem Turnier. 90 Minuten lang werden von den Spielern Koordination, Geschicklichkeit, Schnellkraft und Ausdauer verlangt.

Effektiv sind die Spieler während eines 90-minütigen Fußballspiels etwa 60 Minuten in Bewegung. Dabei wird von den Fußballern sowohl Ausdauer wie auch schnell Schnelligkeit gefordert. Im Durchschnitt legen sie während eines Spiels 11 bis 13 Kilometer zurück. Zwei Drittel dieser Strecke werden gegangen oder getrabt, etwa ein Viertel der Distanz wird mit mittlerer Intensität absolviert. Und insgesamt sechs Minuten bewegen sich die Fußballer im Sprint übers Feld. Mit dem Ball am Fuß läuft jeder Spieler während eines Spiels etwa 200 Meter. Um die azyklischen Beanspruchen und dem ständigen Tempowechsel während der 90 Minuten gerecht zu werden und um in Zweikämpfen zu gewinnen, braucht ein Fußballer eine vielfältig ausgeprägte Fitness. Eine gute körperliche Verfassung ermöglicht zudem eine hohe Trainingsbelastung und mindert gleichzeitig die Anfälligkeiten für Verletzungen und Krankheiten.

Doch nicht nur bei den aktuellen Top-Fußballern spielen Ausdauer und Fitness eine wichtige Rolle. Auch ehemalige Fußball-Größen wie Ex-Nationalspieler Karlheinz Förster wissen um die Bedeutung von Kondition beim Fußball, auch wenn das Spiel vor einigen Jahren bei weitem nicht so schnell und intensiv war wie heute. Schon während Karlheinz Försters Karriere in den 70er und 80er Jahren gehörte Laufen zum täglichen Training. Zwar sind Laufeinheiten für viele Fußballer ein „Rotes Tuch“. „Aber ohne Ausdauertraining schafft es kein Spieler, international erfolgreich zu sein“, behauptet Förster. Er weiß, wovon er spricht: Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde der robuste Abwehrspieler 1980 Europameister und zweimal Vize-Weltmeister, mit dem VfB Stuttgart gewann er 1984 die Deutsche Meisterschaft, in Frankreich wurde er mit Olympique Marsaille zweimal Meister. „Auch nach meiner Karriere halte ich mich fit“, sagt der heute 47-Jährige. Trotz eines versteiften Kniegelenks geht Karlheinz Förster mindestens drei Mal wöchentlich eine gute halbe Stunden joggen.

Auch der ehemalige französische Nationalspieler Jean-Piere Papin weiß, was er dem Konditionstraining zu verdanken hat. Ohne seine guten Ausdauerleistungen wäre er in der L’Équipe Tricolore nicht so oft im Einsatz gewesen. 54 Mal lief er im französischen Nationaltrikot auf, wobei er 30 Tore erzielte. Vor allem seine koordinativ-technischen Fähigkeiten machten Papin, der einige Zeit auch beim FC Bayern München spielte, zu einem der erfolgreichsten Torjäger in den 80er und 90er Jahren. Während seiner Zeit bei Olympique Marsaille wurde er von 1987 bis 1992 fünf Mal in Folge erfolgreichster Torschütze der französischen Liga.

Auch in seiner zweiten Karriere als Fußballtrainer will Papin in Sachen Fitness und Ausdauer Vorbild sein. „Ich gehe jeden zweiten Tag acht Kilometer joggen“, erzählt der 42-Jährige. Der viel beschäftige Ex-Profi lässt sich bei seinem Fitnessprogramm von Nichts abhalten: „Mir ist egal, wo ich gerade unterwegs bin: ob in der Stadt, im Wald oder am Strand, laufen kann man überall. Ich muss einfach raus und etwas für mich tun, sonst fühle ich mich nicht gut“, sagt Papin. „Ich mag das Laufen, weil man so unabhängig ist. Man kann einfach rausgehen und zu jeder Zeit und bei jedem Wetter loslaufen.“ Beim Fußball sei Laufen „elementar“, weiß Papin. „Oft entscheidet die Kondition über Sieg oder Niederlage.“