Für Tore laufen

Von Marisa Reich
Andreas Brehme holte mit dem Team der deutschen Nationalmannschaft 1990 den letzten WM-Titel. © Marisa Reich
Andreas Brehme holte mit dem Team der deutschen Nationalmannschaft 1990 den letzten WM-Titel. © Marisa Reich
Auch Hans Pflügler gehörte mit zum Kader der Weltmeister von 1990. © Marisa Reich
Auch Hans Pflügler gehörte mit zum Kader der Weltmeister von 1990. © Marisa Reich

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist Geschichte. Und in den Statistiken, die jetzt über Tore, Fouls und Rote Karten geschrieben werden, ließe sich auch folgender Wert festhalten: Während eines Fußballspiels verliert der Körper bis zu drei Liter Flüssigkeit.

Besonders bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter, wie in den vergangenen Wochen der Fußball-WM kann es sogar noch mehr sein. Umso wichtiger ist das Trinken während des Spiels. Nicht nur, um sich zu erfrischen, sondern um dem Körper wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente zurückzuführen. Würde ein Spieler während eines Spiels so viel Flüssigkeit zu sich nehmen, wie er ausschwitzt, so sind während der WM am Spielfeldrand insgesamt etwa 7000 Liter Wasser und Elektrolytgetränke konsumiert worden. In den K.o.-Runden waren häufig Spieler zu sehen, die wegen Muskelkrämpfen auf dem Platz behandelt werden mussten. Natürlich hängt das mit der enormen Belastung während eines Turniers und des hohen läuferischen Einsatzes während eines Spiels zusammen – allein die deutsche Mannschaft spielte bis zum Spiel um Platz Drei bereits 600 Minuten – zehn Stunden Fußball auf höchstem Niveau. Doch je besser die Spieler trainiert sind, desto langsamer ermüden sie und ihre Muskulatur – vorausgesetzt sie trinken genug.

Das Ausdauertraining in der Vorbereitung eines WM-Turniers findet hauptsächlich im aeroben Zustand, also mit möglichst weniger Laktatbildung, statt. Ein trainierter und konditionierter Muskel absorbiert mehr Energie, was wiederum zu einem geringeren Verletzungsrisiko und weniger Krämpfen führt. Stürmer zeichnen sich oft durch ein geringeres Ausdauervermögen als Mittelfeld- oder Abwehrspieler aus. Auch der ehemalige Fußball-Weltmeister Andy Brehme sieht im Ausdauertraining einen Schlüssel, um konzentriert und ohne Ermüdungserscheinungen 90 Minuten lang spielen zu können. „Ich habe schon früher als Profi gemerkt, wie wichtig gute Fitness im Fußball ist“, sagt der heute 45-Jährige, der 1990 die deutsche Mannschaft im Finale zum WM-Titel schoss. Brehme, der zwischen 1984 und 1994 86 Länderspiele für Deutschland bestritt und dabei auf der Außenbahn unzählige Kilometer absolvierte, attestiert den Spielen der diesjährigen WM eine recht offensive Ausrichtung, „womit sie laufintensiver als vor zehn Jahren sind“.

Der Fußball ist mit weltweit über 200.000 professionellen- und rund 240 Millionen Amateurspielern die populärste Sportart. Besonders bei den Profis wird einer guten Ausdauer und einer hohen aeroben Leistungsfähigkeit wachsende Bedeutung beigemessen. Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft mussten sich alle 32 teilnehmenden Mannschaften einer standardisierten Vorsorgeuntersuchung unterziehen: das Turnier sollte mit gesunden und ausreichend trainierten Spielern stattfinden, um das Risiko auf dem Spielfeld zu minimieren. Das Beispiel macht weiter Schule: Seit diesem Jahr sind auch sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen für die Fußballprofis der Ersten und Zweiten Bundesliga Pflicht. Dazu gehört neben einem allgemeinmedizinischen und orthopädischen Teil auch ein kardiovaskuläres Screening (Herz und Herzgefäße), das aus einem Ruhe- sowie einem Belastungs-EKG und einer Echokardiographie besteht. Es ist aber nicht nur für die Profis wichtig, sich fit zu halten und regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. „Noch immer gehe ich mindestens zweimal in der Woche eine dreiviertel Stunde laufen“, sagte Andy Brehme gegenüber Take the Magic Step. Im Bemühen, sich fit zu halten, sei Laufen für ihn erste Wahl.

Auch der langjährige Fußballprofi Hans Pflügler, der mit Andy Brehme 1990 zum Weltmeister-Team gehörte, hält sich nach jahrelangem Fußballspielen weiterhin fit. „Man muss ja schließlich seinen Hintern hoch bekommen und sich bewegen“, meint der 46-Jährige. Mindestens dreimal pro Woche geht er laufen, vor allem im Wald, „da ist der Boden weicher und somit gelenkschonender“. Manchmal geht er zur Abwechslung auch mal skaten, immer getreu dem Motto „Hauptsache bewegen“. Zu einem Marathon fühlt sich Hansi Pflügler aber noch nicht berufen, obwohl er prophezeit: „Irgendwann wird das bestimmt kommen, aber jetzt reicht es mir, wenn ich irgendwo bei mir in der Nähe mal einen 10-km-Lauf mitmache.“

Dem Laufen werden mittlerweile zahlreiche positive Wirkungen zugeschrieben, wie zum Beispiel die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Gehirns, positive Effekte auf das Immunsystem, den Sauerstofftransport, den Stoffwechsel und die Wirbelsäule sowie auf Grundmechanismen wie zum Beispiel bei der Anpassung an Belastungen und der Regeneration. Bereits Hippokrates, der um 460 vor Christus lebte, empfahl seinen Patienten regelmäßiges Gehen, Laufen und Gymnastik – eine antike Weisheit, die auch im modernen Fußball immer mehr Beachtung findet.