WM-Aktuell: Bekele siegt zum vierten Mal, Dominguez überrascht

Von Jörg Wenig
Kenenisa Bekele schafft WM-Sieg Nummer vier in Berlin. © www.photorun.net
Kenenisa Bekele schafft WM-Sieg Nummer vier in Berlin. © www.photorun.net

Kenenisa Bekele ist zum vierten Mal in Folge Weltmeister über 10.000 Meter. Der 27-jährige Äthiopier hat damit sein großes Vorbild Haile Gebrselassie eingeholt, der den Titel 1993, 1995, 1997 und 1999 gewonnen hatte. Bekele siegte in Paris 2003, Helsinki 2005, Osaka 2007 und nun in Berlin 2009.

In einem von Beginn an sehr schnellen 10.000-m-Finale führten an den einzelnen Kilometerabschnitten zunächst Nicholas Kemboi (Katar), dann Moses Masai (Kenia) und bis eingangs der letzten Runde Zersenay Tadese (Eritrea), doch der Sieger hieß am Ende Bekele. In der Meisterschafts-Rekordzeit von 26:46,31 Minuten lief er vor Tadese (26:50,12) und Masai (26:57,39) ins Ziel. Erstaunlich stark hielten sich in dem einmal mehr von Afrikanern dominierten Finale zwei US-Amerikaner: Dathan Ritzenhein wurde in 27:22,28 Minuten Sechster und zwei Plätze hinter ihm lief sein Landsmann Galen Rupp 27:37,99.

Der Weltmeister auf dem Weg zum Sieg ... © www.photorun.net
Der Weltmeister auf dem Weg zum Sieg ... © www.photorun.net

Im Gegensatz zu den 10.000-m-Finals der letzten Jahre dominierten die Äthiopier dieses Mal nicht das Geschehen an der Spitze. „Wir hatten heute keine Team-Taktik“, sagte Kenenisa Bekele später und erklärte: „Wenn das Rennen so schnell ist, funktioniert das nicht. Ist das Tempo langsam, dann kann man das machen. So aber kannst du nur für dich selbst laufen.“ Das tat Kenenisa Bekele in Abwesenheit seines in den vergangenen Jahren stärksten Rivalen, Sileshi Sihine. Der Äthiopier hatte verletzungsbedingt nicht antreten können. Bekele hielt sich lange Zeit zurück, löste sich dann nach 6.500 Metern mit Tadese, Masai sowie dem am Ende siebtplatzierten Micah Kogo (Kenia) und rannte eingangs der letzten Runde Tadese davon. „Es ist großartig, zum vierten Mal in Folge diesen WM-Titel zu gewinnen“, sagte Kenenisa Bekele und erklärte: „Ich hatte geplant, mich bis zur letzten Runde zurückzuhalten und dann zu spurten.“

Eine Überraschung gab es im Berliner Olympiastadion im 3.000-m-Hindernislauf der Frauen. Hier triumphierte die Spanierin Marta Dominguez in der Jahresweltbestzeit von 9:07,32 Minuten vor der Russin Yuliya Zarudneva (9:08,39) und der Kenianerin Milcah Cheywa (9:08,57).

Obwohl Marta Dominguez bereits zuvor die Jahresweltbestzeit gehalten hatte, galt eine andere als große Favoritin: Die russische Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Gulnara Galkina, die als einzige Frau bisher die Neun-Minuten-Barriere durchbrochen hat. Doch in Berlin musste sich die Russin mit Rang vier in 9:11,09 Minuten zufrieden geben, nachdem sie in der letzten Runde dem Endspurt ihrer Konkurrentinnen nichts entgegensetzen konnte. Es ist erst das zweite Mal, dass Gulnara Galkina in ihrer Karriere ein 3.000-m-Hindernisrennen nicht gewann. Die einzige andere Niederlage hatte sie ebenfalls in einem WM-Finale hinnehmen müssen: 2007 in Osaka war sie nur Siebente.

Eine herausragende Leistung gelang einmal mehr Antje Möldner (SC Potsdam). Sie belegte in diesem starken Finale Platz neun und wird damit mit Sicherheit die beste deutsche Läuferin bei dieser Weltmeisterschaft sein. Mit 9:18,54 Minuten gelang der Potsdamerin zudem zum zweiten Mal bei diesen Titelkämpfen eine Verbesserung ihres deutschen Rekordes. „Ich bin sehr glücklich, dass mir noch einmal ein Rekord gelungen ist. Das hatte ich nicht erwartet, denn ich fühlte mich etwas schlapp nach dem Vorlauf am Samstag“, erklärte Antje Möldner.

Währenddessen jubelte Marta Dominguez, die erst die zweite spanische Goldmedaille einer Frau in der WM-Geschichte gewonnen hatte: „Das ist der größte Sieg meines Lebens, ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr vor heimischem Publikum bei der EM noch einmal siegen kann.“ Zweimal hatte Dominguez zuvor Silber gewonnen bei einer WM. 2001 und 2003 war sie allerdings über 5.000 m gestartet.

In den 800-m-Halbfinalrennen der Frauen blieb überraschend die Olympiasiegerin auf der Strecke: Pamela Jelimo, im vergangenen Jahr der Star über die Mittelstrecke, stieg gut 200 Meter vor dem Ziel aus, als sie keine Chance mehr hatte, sich noch für das Finale zu qualifizieren. Glück hatte ihre kenianische Landsfrau Janeth Jepkosgei, die im Vorlauf gestürzt war. Aufgrund eines Protestes kam die amtierende Weltmeisterin dann doch noch in das Halbfinale, in dem sie Dritte wurde. Damit hatte sie die direkte Qualifikation verpasst. Da aber aus allen Halbfinalläufen noch die zwei schnellsten Läuferinnen, die nicht Platz eins oder zwei belegten, in den Endlauf kommen, reichte es mit einer Zeit von 1:59,47 Minuten noch für das Finale. Mariya Savinova (Russland/1:59,30), Caster Semenya (Südafrika/1:58,66) und Elisa Cusma Piccione (Italien/2:00,62) waren die Sieger der drei Halbfinalrennen.

Einen unerwarteten Ausfall gab es für Kenia auch in den 1.500-m-Halbfinals der Männer. Hier trat Haron Keitany, der Zweite der Jahresweltbestenliste (3:30,20 Minuten), nicht an. Amine Laalou (Marokko/3:36,68) und Asbel Kiprop (Kenia/3:36,24) waren die Sieger der beiden Halbfinals. Der Titelverteidiger Bernard Lagat und der Jahresweltbeste Augustine Choge (Kenia/3:29,47) qualifizierten sich ebenfalls für das Finale am Mittwoch.