Wilson Kipsang und Mary Keitany gewinnen New York-Marathon

Von Jörg Wenig

Wilson Kipsang feiert seinen Sieg. © www.PhotoRun.net
Wilson Kipsang feiert seinen Sieg. © www.PhotoRun.net
Die kenianischen Laufstars Wilson Kipsang und Mary Keitany haben in New York eindrucksvoll den größten Marathon der Welt gewonnen, bei dem mehr als 50.000 Athleten an den Start gingen. Bei kühlen und teilweise sehr windigen Wetterbedingungen waren schnelle Zeiten außer Reichweite, jedoch entwickelte sich in beiden Rennen ein spannendes Duell, das erst auf den letzten paar hundert Metern entschieden wurde. Der 32-jährige Wilson Kipsang gewann schließlich in 2:10:59 Stunden vor seinen äthiopischen Konkurrenten Lelisa Desisa (2:11:06) und Gebre Gebremariam (2:12:13).

Mary Keitany gelang in New York ein glänzendes Marathon-Comeback nach einer Babypause. Die 32-jährige entschied das Rennen in 2:25:07 Stunden vor ihrer Landsfrau Jemima Sumgong (2:25:10) knapp für sich. Dritte wurde überraschend die portugiesische Debütantin Sara Moreira, die nach hervorragenden 2:26:00 im Ziel war.

Der TCS New York City-Marathon hat es sich zur Aufgabe gemacht, seiner Gemeinde etwas zurückzugeben. Und so gab es am Sonntagmorgen eine ungeahnte Vielzahl von Siegern. Das Rennen, das von den New York Road Runners (NYRR) veranstaltet wird, bietet Läufern die Möglichkeit, über ein Charity-Programm Spenden für eine von 300 offiziellen Wohltätigkeitsorganisationen zu sammeln. Dazu gehört auch das ‚Team for Kids‘, das Jugendprogramme der New York Road Runners unterstützt. In diesem Jahr erliefen 8.500 Männer und Frauen aus der ganzen Welt fantastische 25 Millionen US-Dollar für einen guten Zweck.

Das Rennen der Männer: Wilson Kipsang war geduldig

Wilson Kipsang lässt Lelisa Desisa in der Schlussphase des Rennens hinter sich. © www.PhotoRun.net
Wilson Kipsang lässt Lelisa Desisa in der Schlussphase des Rennens hinter sich. © www.PhotoRun.net
„Ich war bereit und fühlte mich stark“, sagte Wilson Kipsang im Anschluss an das Rennen. Doch der kenianische Ausnahmeathlet, der im vergangenen Jahr in Berlin mit 2:03:23 Stunden einen Weltrekord aufstellte, den sein Landsmann Dennis Kimetto (2:02:57) erst vor wenigen Wochen verbesserte, musste sich anfangs zurückhalten. „Es war windig und dadurch entwickelte sich ein taktisches Rennen. Keiner wollte bei diesem starken Wind die Tempoarbeit übernehmen. Ich musste geduldig sein“, erinnerte sich Wilson, der in einer großen Führungsgruppe lief, die die Halbmarathonmarke nach 66:55 Minuten erreichte.

Bei Kilometer 30 war das Tempo immer noch nicht viel schneller. Zehn Läufer formten jetzt die Führungsgruppe. „Es war bei diesen Bedingungen zu riskant eher wegzulaufen“, erklärte Wilson, der aber im Hinblick auf den letzten Teil des Rennens zuversichtlich war. Rund zehn Kilometer vor dem Ziel erhöhte er das Tempo. Schnell fiel die Gruppe auseinander. Boston-Marathon-Sieger Meb Keflezighi (USA), der am Ende einen starken vierten Platz belegte, Weltmeister und Olympiasieger Stephen Kiprotich (Uganda) als auch der hoch eingeschätzte Peter Kirui (Kenia) konnten nicht mehr mithalten. Nach 35 km waren neben Wilson Kipsang nur noch Lelisa Desisa, Gebre Gebremariam sowie Titelverteidiger und Streckenrekordler Geoffrey Mutai (Kenia) im Rennen um den Sieg. Geoffrey Mutai fiel ebenso wie Gebre Gebremariam zurück und lief am Ende auf Rang sechs mit 2:13:44 ins Ziel. Doch Lelisa Desisa blieb an Wilson Kipsang dran. Der 24-jährige Äthiopier, der im vergangenen Jahr sowohl den Dubai- als auch den Boston-Marathon gewonnen hatte und dann noch WM-Zweiter wurde, sorgte selbst für Tempo.

Meb Keflezighi lief mit einem starken 4. Platz ins Ziel. © www.PhotoRun.net
Meb Keflezighi lief mit einem starken 4. Platz ins Ziel. © www.PhotoRun.net
Es war allerdings Wilson Kipsang, der in der Schlussphase besser aussah. Als sich Lelisa Desisa in einer Kurve im Central Park wenige hundert Meter vor dem Ziel an Wilson innen vorbeischieben wollte, schaute der Kenianer eindringlich zu seinem Konkurrenten hinüber, um dann kurz darauf den Endspurt anzuziehen. Wilson konnte Lelisa hinter sich lassen und lief zu seinem ersten New York-Marathonsieg, nachdem er vor zwei Jahren dort nicht hatte starten können. 2012 war das Rennen aufgrund des Hurrikans ausgefallen.

Angesprochen auf das Überholmanöver von Lelisa, sagte Wilson später: „Er kam von hinten und von der anderen Seite, dann streifte er mich an der Schulter. Da das Ziel nicht mehr weit weg war, begann ich danach zu spurten.“ Die Wetterbedingungen am Sonntag machten es den Athleten nicht leicht und so sagte Wilson: „Wir haben alles versucht, um eine gute Zeit zu erreichen, aber es war heute nicht möglich“.

Das Rennen der Frauen: Mary Keitany triumphiert im dritten Anlauf

Mary Keitany gewinnt knapp vor Jemima Sumgong. © www.PhotoRun.net
MMary Keitany gewinnt knapp vor Jemima Sumgong. © www.PhotoRun.net
In einem Marathon ohne Tempomacher kämpften auch die Frauen mit den schwierigen Windverhältnissen. Nachdem eine 10-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke in 1:13:40 Stunden passiert hatte, fiel eine der beiden großen Favoritinnen vorzeitig zurück. Die zweifache Weltmeisterin Edna Kiplagat (Kenia), die den New York-Marathon 2010 gewonnen hatte, lief letztendlich in 2:36:24 auf den 13. Platz.

An der Spitze war es Mary Keitany, die das Tempo erhöhte. Desiree Linden, die stärkste US-Amerikanerin im Rennen, wurde schließlich Fünfte, während die Vize-Weltmeisterin Valeria Straneo (Italien) und die in New York lebende Äthiopierin Buzunesh Deba die nächsten waren, die nicht mehr mithalten konnten.

In der Folge entwickelte sich ebenso wie bei den Männern eine Duell-Situation. Sara Moreira, die lange Zeit an der Spitze gelaufen war, Jelena Prokopcuka (Lettland), Rkia El Moukim (Marokko) und Firehiwot Dado (Äthiopien) verloren kurz nach der 35-km-Marke ebenso den Kontakt zu Mary Keitany und Jemima Sumgong.

Der Start des Frauenrennens. © www.PhotoRun.net
Der Start des Frauenrennens. © www.PhotoRun.net
Bis Kilometer 39 liefen Jemima Sumgong und die 25-km-Weltrekordlerin Mary Keitany nebeneinander. Dann war es Jemima, die sich ein paar Meter absetzen konnte. Doch Mary, die in New York in den Jahren 2010 und 2011 jeweils den dritten Platz belegt hatte, gab nicht auf. „Ich hatte nach 20 Meilen Tempo gemacht, um in einer guten Position zu sein. Jetzt wusste ich, dass es entscheidend sein würde, die Lücke wieder zu schließen“, erklärte Mary, die sich bis einen Kilometer vor dem Ziel wieder an ihre Konkurrentin herangeschoben hatte. Als sich Jemima umschaute, sah sie Mary plötzlich wieder unmittelbar hinter sich.

„Ich wollte unbedingt gewinnen, aber heute war es Marys Tag“, sagte Jemima, die im vergangenen Jahr den Rotterdam-Marathon gewonnen hatte und sowohl in Chicago als auch in Boston bereits zweite Plätze belegt hatte. 300 Meter vor dem Ziel löste sich Mary Keitany schließlich von ihrer Konkurrentin und gewann mit 2:25:07. „Ich habe hart dafür gearbeitet, hier starten zu können“, erzählte Mary später. „Zweimal bin ich diesen Marathon bereits gelaufen, jetzt habe ich endlich gewonnen. Darüber bin ich sehr froh.“

Ein starkes Marathondebüt auf der nicht leichten New Yorker Strecke lief Sara Moreira. Die 29-jährige Portugiesin sagte nach ihrem dritten Rang in 2:26:00: „Ich war gut vorbereitet, deswegen habe ich auch oft Führungsarbeit geleistet. Es ist fantastisch, dass ich auf Anhieb auf das Podium gekommen bin.“ Auf einen guten 10. Platz lief die US-Amerikanerin Annie Bersagel (2:33:02). Mehr über Annie können Sie hier auf unserer Website nachlesen.

Die Ergebnisse des New York City-Marathons

Männer:

 1.   Wilson Kipsang   KEN   2:10:59 Stunden 
 2.   Lelisa Desisa   ETH   2:11:06 
 3.   Gebre Gebremariam   ETH   2:12:13 
 4.   Meb Keflezighi   USA   2:13:18 
 5.   Stephen Kiprotich   UGA   2:13:25 
 6.   Geoffrey Mutai   KEN   2:13:44 
 7.   Masato Imai   JPN   2:14:36 
 8.   Peter Cheruiyot Kirui   KEN   2:14:51 
 9.   Ryan Vail   USA   2:15:08 
 10.   Nick Arciniaga   USA   2:15:39 

Frauen:

 1.   Mary Keitany     KEN   2:25:07 Stunden 
 2.   Jemma Sumgong   KEN   2:25:10 
 3.   Sara Moreira   POR   2:26:00 
 4.   Jelena Prokopcuka      LAT   2:26:15 
 5.   Desiree Linden   USA   2:28:11 
 6.   Rkia El Moukim   MAR   2:28:12 
 7.   Firehiwot Dado   ETH   2:28:36 
 8.   Valeria Straneo   ITA   2:29:24 
 9.   Buzunesh Deba   ETH   2:31:40 
 10.   Annie Bersagel   USA   2:33:02 
 11.   Deena Kastor   USA   2:33:18