Tadese verbessert Halbmarathon-Weltrekord in Lissabon

Von Jörg Wenig
Zersenay Tadese ist seit Sonntag der Halbmarathon-Weltrekordler. © www.photorun.net
Zersenay Tadese ist seit Sonntag der Halbmarathon-Weltrekordler. © www.photorun.net

Viermal in Folge hat Zersenay Tadese zuletzt den Weltmeistertitel im Halbmarathon gewonnen. Seit Sonntag ist der 28-jährige Läufer aus Eritrea auch der Weltrekordler über die 21,0975-km-Distanz. Beim hochklassigen Halbmarathon in Lissabon siegte Zersenay Tadese in 58:23 Minuten und verbesserte die Bestmarke um zehn Sekunden. Vor drei Jahren war Kenias Marathon-Olympiasieger Sammy Wanjiru in Den Haag (Holland) 58:33 gelaufen. Peninah Arusei (Kenia) gewann das Rennen der Frauen in Lissabon in 68:38 Minuten. Dort starteten rund 30.000 Läufer bei guten Wetterbedingungen.

Mit Hilfe von Tempomachern begann Zersenay Tadese die Weltrekordjagd durch Portugals Hauptstadt. Als er die 10-Kilometer-Marke in 27:53 Minuten passierte – eine Zeit, die auch für ein 10-km-Rennen sehr gut wäre – war der 28-Jährige bereits alleine an der Spitze. Die Pacemaker konnten das Tempo nicht mehr halten. Den 15-km-Punkt erreichte Tadese dann nach 41:33 Minuten. Und damit war er nur vier Sekunden vom aktuellen Weltrekord über diese Distanz entfernt. Die erste Bestzeit fiel dann schon gut einen Kilometer vor dem Ziel: Nach 55:21 Minuten war Zersenay Tadese 20 km gelaufen. Damit hatte er den Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien), den dieser 2006 in Phoenix (USA) mit 55:48 Minuten aufgestellt hatte, gleich um 27 Sekunden unterboten.

Zersenay Tadese hielt das hohe Tempo bis ins Ziel durch, so dass er den Weltrekord von Sammy Wanjiru deutlich unterbot. Der Läufer aus Eritrea, der im vergangenen Jahr bei der WM in Berlin hinter Kenenisa Bekele (Äthiopien) Silber im 10.000-m-Finale gewonnen hatte, will nun beim London-Marathon am 25. April den Weltrekord über die 42,195 km angreifen. Diese Marke hält Haile Gebrselassie mit 2:03:59 Stunden. In London wird Tadese dabei unter anderen auf Wanjiru treffen. Bei seinem Marathondebüt vor einem Jahr war der Halbmarathon-Weltmeister in der britischen Metropole allerdings ausgestiegen. Seitdem ist er keinen Marathon mehr gelaufen.

Als Jugendlicher begeisterte sich Zersenay Tadese zunächst für den Radsport und gewann eine Reihe von Rennen in seinem Heimatland. Erst 2002 begann er laut der Website iaaf.org ernsthaft mit dem Laufsport. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen triumphierte er bereits mit einer Bronzemedaille über 10.000 Meter.

Neben Zersenay Tadese blieb in Lissabon ein weiterer Läufer unter einer Stunde: Der Kenianer Sammy Kitwara lief als Zweiter 59:47 Minuten. Ihm folgten seine Landsleute Emmanuel Mutai (60:03), Duncan Kibet (60:21) und Gilbert Masai (60:28). Sechster wurde Jaouad Gharib (Marokko/60:33).

Ebenso überlegen wie Zersenay Tadese bei den Männern war im Frauenrennen Peninah Arusei. Die Kenianerin lief vom Start weg ihr eigenes Tempo und siegte in flotten 68:38 Minuten mit großem Vorsprung vor Askale Tafa (Äthiopien/70:46) und Fernanda Ribeiro (Portugal/72:17).

Kamais und Yamauchi siegen in New York

Mara Yamauchi gewinnt den New Yorker Halbmarathon. © www.photorun.net
Mara Yamauchi gewinnt den New Yorker Halbmarathon. © www.photorun.net

Peter Kamais und Mara Yamauchi haben die fünfte Auflage des New York City-Halbmarathons gewonnen. Während der Kenianer in einer schnellen Zeit von 59:53 Minuten triumphierte, gab Topfavorit Haile Gebrselassie (Äthiopien) das Rennen nach rund 13 Kilometern auf. Die Britin Mara Yamauchi zeigte rund einen Monat vor ihrem Start beim Virgin London-Marathon eine überzeugende Leistung und stellte mit 69:25 Minuten einen Kursrekord auf. Bei guten Wetterbedingungen erreichten knapp 11.500 Läufer das Ziel in Manhattan.

Haile Gebrselassie hatte erwartungsgemäß für ein hohes Tempo gesorgt und frühzeitig die Initiative ergriffen. Der äthiopische Marathon-Weltrekordler (2:03:59 Stunden), der zeitweilig auch die Bestzeit im Halbmarathon gehalten hatte (58:55), setzte sich zusammen mit Peter Kamais von der Konkurrenz ab. Doch auf dem teilweise hügeligen Gelände des Central Parks bekam Haile Gebrselassie zunehmend Probleme und stoppte schließlich nach knapp 13 km ab. Der New Yorker Kursrekordler (59:24 Minuten im Jahr 2007) hatte an den Tagen zuvor an einer Erkältung gelitten und bekam Atemprobleme. Möglicherweise kam auch eine Pollenallergie hinzu. Haile Gebrselassie lief nach kurzer Gehpause noch einmal ein kleines Stück weiter, gab aber dann das Rennen auf.

So lag nun Peter Kamais allein in Führung, der sich jedoch schon vorher eines Sieges sicher war: „Nach rund 10 km wusste ich, dass ich gewinnen würde, denn ich habe mich sehr gut gefühlt“, erklärte der Kenianer, der in 59:53 Minuten unter der prestigeträchtigen Stunden-Marke blieb. In einem spannenden Kampf um Platz zwei setzte sich Moses Kigen (Kenia) in 60:38 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung vor Mohammed Trafeh (USA) durch.

Im Frauenrennen sah es lange Zeit nach einem Sieg von Deena Kastor aus. Die US-Amerikanerin hatte sich aus der Spitzengruppe abgesetzt. „Als Deena davonlief, dachte ich mir: Wenn du jetzt unter die ersten drei kommst, ist das in Ordnung“, erzählte Mara Yamauchi später. Gut drei Kilometer vor dem Ziel hatte Deena Kastor noch einen Vorsprung von rund 200 Metern, doch dann konnte die Amerikanerin das Tempo nicht mehr halten. „Als ich sie plötzlich wieder sah, sagte ich mir: Moment mal, dieses Rennen ist doch noch nicht zu Ende“, erklärte Mara Yamauchi. Die in Japan lebende Britin überholte Deena Kastor bald darauf und lief noch einen komfortablen Vorsprung von 18 Sekunden heraus. Mit 69:25 Minuten verbesserte die 36-jährige Siegerin den vier Jahre alten Streckenrekord der Kenianerin Catherine Ndereba (69:43) dabei deutlich. Kastor lief als Zweite genauso schnell wie Ndereba im Jahr 2006. Rang drei belegte knapp hinter Kastor die Mexikanerin Madai Perez mit 69:45. Mara Yamauchi und Deena Kastor werden am 25. April beim London-Marathon erneut aufeinander treffen. Dort startet auch Titelverteidigerin Irina Mikitenko (TV Wattenscheid).