Sieg von Robert Cheruiyot in Chicago

Von Jörg Wenig
Robert Cheruiyot kurz vor dem Sieg und vor dem Fall in Chicago. © Victor Sailer
Robert Cheruiyot kurz vor dem Sieg und vor dem Fall in Chicago. © Victor Sailer

Fast hätte der Kenianer Robert Cheruiyot auf dem allerletzten Meter noch das Rennen verloren. Beim Chicago-Marathon rutschte der 28-Jährige aus, als er die Arme zum Sieg hob, fiel dann rücklings auf den Boden, verletzte sich am Hinterkopf und rutschte jedoch unter dem Zielbanner hindurch. Dadurch hat er regulär in 2:07:35 Stunden das Ziel erreicht. Cheruiyot hatte fünf Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Daniel Njenga. Dritter wurde mit Jimmy Muindi in 2:07:51 ein weiterer Kenianer. Rund 40.000 waren bei sehr kalten und teilweise windigen Bedingungen am Start. Es war kein guter Tag für KIMbia. Bester Läufer dieser Gruppe war Ben Maiyo. Der Kenianer wurde Achter in 2:11:53 Stunden.

Die Äthiopierin Berhane Adere war die schnellste Frau in Chicago. Sie stellte mit 2:20:42 Stunden einen nationalen Rekord auf. Das schafften auch die nächsten drei Läuferinnen: Galina Bogomolova (Russland) wurde in 2:20:47 Zweite. Benita Johnson (Australien) lief in 2:22:36 Stunden auf Rang drei und brach die Bestzeit von Lisa Martin (Ondieki/2:23:51), die diese 1988 in Osaka aufgestellt hatte. Vierte wurde schließlich Madai Perez Carrillo (Mexiko) in 2:22:59. Auf Rang neun kam KIMbias Kathy Butler (Großbritannien), die in 2:28:39 eine persönliche Bestzeit aufstellte und erstmals unter 2:30 blieb.

Ohne Titelverteidiger Felix Limo (Kenia), der seinen Start aufgrund von Rückenproblemen kurzfristig absagen musste, passierte das Spitzenfeld der Männer die Halbmarathonmarke nach flotten 63:11 Minuten. Die rund 15-köpfige Spitzengruppe zog sich immer wieder weit auseinander. Doch eine Vorentscheidung fiel erst nach der 30-Kilometer-Marke (1:30:39). Nachdem die Tempomacher ausgestiegen waren, übernahmen besonders Muindi und Cheruiyot die Initiative. Neben Njenga war bis kurz nach Kilometer 35 auch der überraschend starke US-Amerikaner Abdi Abdirahman noch in der Spitzengruppe. Er war mit einer Bestzeit von 2:11:24 Stunden nach Chicago gekommen und verbesserte sich nun als Vierter auf 2:08:56.

Aus dem Dreikampf der Kenianer wurde dann erst auf den letzten zwei Kilometern ein Zweikampf. Immer wieder versuchte Cheruiyot den letzten verbliebenen Konkurrenten, Njenga, abzuhängen. Doch der 30-Jährige kämpfte verbissen. Jeweils zweimal hatte er in Chicago in den letzten Jahren zweite und dritte Plätze belegt – dieses Mal wollte er unbedingt gewinnen. Auf den letzten 500 Metern schließlich gelang es Cheruiyot, einige Meter Vorsprung zu erlaufen. Sein Ausrutscher am Ziel hätte dann fast doch noch Njenga zum Sieger gemacht.

Cheruiyot, der in Chicago 140.000 Dollar an Sieg- und Zeitprämien verdiente, hatte in diesem Jahr bereits den Boston-Marathon gewonnen. Somit hat er nun die alleinige Führung in der World Marathon Majors-Serie (WMM), zu der neben Boston und Chicago auch London, Berlin und New York gehören, übernommen. Der Mann und die Frau, die nach zwei Jahren am meisten Punkte gesammelt haben, teilen sich einen Jackpot von einer Million US-Dollar. Die Siegerehrung fiel für Cheruiyot allerdings aus, denn er musste mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.

Bei den Frauen stand Constantina Tomescu (Rumänien) lange Zeit im Mittelpunkt. Vom Start weg war die 36-Jährige, die vor zwei Jahren den Chicago-Marathon gewonnen hatte, davon gestürmt. In einem Tempo, das man im Frauen-Marathon bisher nur von der britischen Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) kannte, passierte sie 10 km in 32:13 Minuten. Die Halbmarathonmarke passierte die Rumänin, die noch vor zwei Wochen Vize-Weltmeisterin über 20 km geworden war, in 1:08:07 Stunden. Die Verfolgergruppe, in der unter anderen Berhane Adere, Galina Bogomolova und Benita Johnson liefen, hatte diese Marke erst gut zwei Minuten später in 1:10:15 erreicht.

Doch für das enorm hohe Tempo bei nicht optimalen Wetterbedingungen musste Constantina Tomescu am Ende bitter bezahlen. Ab Kilometer 30 begann der Vorsprung rapide zu schmelzen, denn die Rumänin wurde immer langsamer. Aus dem Verfolgerfeld hatten sich währenddessen Berhane Adere und Galina Bogomolova gelöst. „Bei Kilometer 25 dachte ich noch, es ginge hier für mich nur um Platz zwei“, sagte Berhane Adere. Bei Kilometer 37 zog das Duo dann an Tomescu vorbei, die am Ende noch auf Rang fünf in 2:24:25 zurückfiel.

Vorne versuchte Bogomolova sich mit Tempo von Adere zu lösen, was aber nicht gelang. „Natürlich wollte ich gewinnen. Aber ich wusste, dass es schwer wird. Ich habe alles versucht, was möglich war“, sagte die Russin später. Auf dem letzten Kilometer zog Adere, die 10.000-Meter-Weltmeisterin von 2003, dann davon und sicherte sich ihren ersten großen Marathonsieg. „Ich wusste, dass ich mich auf meine Grundschnelligkeit verlassen kann“, sagte Adere, die sich insgesamt 170.000 Dollar erlief.