Patrick Makau triumphiert in Rotterdam mit einer Weltklassezeit

Von Jörg Wenig
Patrick Makau auf dem Weg zum Triumph in Rotterdam. © www.photorun.net
Patrick Makau auf dem Weg zum Triumph in Rotterdam. © www.photorun.net

Bei der 30. Auflage des Fortis Rotterdam-Marathon wurde Patrick Makau in seinem dritten Marathonrennen zum viertschnellsten Läufer aller Zeiten. Der 25-jährige Kenianer gewann am Sonntag bei kühlem, trockenem aber auch windigem Wetter in der Jahresweltbestzeit von 2:04:48 Stunden. Zudem lief Patrick Makau die fünftschnellste je gelaufene Zeit über die 42,195 Kilometer. Der zweitplatzierte Geoffrey Mutai (Kenia) blieb in dem großartigen Rennen ebenfalls unter 2:05 Stunden. Mit seinen 2:04:55 sortiert er sich in der Liste der Schnellsten gemeinsam mit seinem prominenten Landsmann Paul Tergat auf Position fünf ein.

Schnellste Frau war die Äthiopierin Aberu Kebede, die in 2:25:25 Stunden gewann. Für das Jubiläumsrennen, das erstmals 1981 mit 200 Teilnehmern stattfand, hatten sich 12.456 Läufer aus mehr als 60 Nationen angemeldet. Sie wurden entlang der Strecke von mehreren hunderttausend Zuschauern angefeuert.

Nach Kilometer 30 waren in Rotterdam noch immer zehn Läufer trotz eines hohen Tempos gemeinsam in der Spitzengruppe. Es war dann der Äthiopier Feyisa Lelisa, der forcierte und damit die Gruppe auseinander riss. Die Kenianer Geoffrey Mutai und Vincent Kipruto, letztgenannter war zuvor noch aufgrund eines leichten Krampfes kurz stehen geblieben, gingen sofort mit dem Äthiopier mit. Patrick Makau wählte eine etwas andere Taktik und lief stattdessen langsam an das Führungstrio heran. Zu Viert erreichten sie dann die 35-km-Marke nach 1:43:52 Stunden. Der Vorjahres-Zweite James Kwambai (Kenia), der 2009 mit 2:04:27 ins Ziel kam, gab zu diesem Zeitpunkt, obwohl er Probleme hatte, nicht auf und joggte in der Endphase bis ins Ziel. Er belegte schließlich sogar noch einen 20. Platz in 2:24:07.

An der Spitze machten zwischen Kilometer 35 und 39 die drei kenianischen Läufer das Tempo, während Feyisa Lelisa zwei Schritte hinter dem Trio lief. Dann versuchte sich Patrick Makau zu lösen, was dazu führte, dass Lelisa und Kipruto nicht mehr mithalten konnten. Doch Geoffrey Mutai ließ sich nicht so leicht abschütteln. Fast sah es so aus, als könnte es wie 2009 eine Spurtentscheidung in Rotterdam geben (damals überholte Duncan Kibet seinen Landsmann James Kwambai auf den letzten Metern und siegte zeitgleich vor ihm). Doch rund 800 Meter vor dem Ziel öffnete sich ganz langsam eine entscheidende Lücke und Patrick Makau hatte das Rennen zu seinen Gunsten entschieden.

Rang drei belegte Vincent Kipruto in 2:05:13, Vierter wurde Feyisa Lelisa mit 2:05:23. Auch diese beiden Zeiten sind Weltspitze. Damit erreichten erstmals in einem Marathonrennen vier Läufer unter 2:06 das Ziel. Der Durchschnitt der schnellsten zehn je in Rotterdam gelaufenen Männerzeiten liegt nun bei erstaunlichen 2:05:15,7 Stunden. Mit Bernard Kipyego folgte ein Debütant auf Rang fünf. Der Kenianer erreichte 2:07:01 Stunden, obwohl er an einem Verpflegungspunkt gestolpert war. Als bester Europäer wurde Koen Raymaekers (Niederlande) Neunter in 2:11:09.

Mit seinem eindrucksvollen Sieg hat Patrick Makau in seinem dritten Marathon das umgesetzt, was man aufgrund einer Reihe von starken Leistungen über kürzere Distanzen vermutet hatte. Mit einer Zeit von 58:52 ist der Kenianer im Halbmarathon der drittschnellste Läufer aller Zeiten. In Deutschland gewann er unter anderem den Halbmarathon und die 25 km in Berlin. Vor einem Jahr lief er in Rotterdam sein Marathondebüt und wurde Vierter mit 2:06:14 Stunden. Der Sport ist für Patrick Makau ein Ausweg aus der sozialen Not. Nach Angaben der Website der IAAF wuchs er in Armut auf und begann mit der Leichtathletik, um seine Lebenssituation zu verbessern. Mit den Einnahmen aus seinen Rennen machte er dies für sich und die Familie seines Vaters möglich.

Im Rennen der Frauen lief die erst 20-jährige Aberu Kebede zu einem Start-Ziel-Sieg. In 2:25:25 Stunden gewann die Äthiopierin vor der US-Amerikanerin Magdalena Lewy-Boulet, die mit 2:26:22 eine persönliche Bestzeit aufstellte. Rang drei ging an die ursprünglich favorisierte Chinesin Zhu Xialin (2:29:42), Vierte wurde die Russin Yevgenia Danilova (2:31:44). Aberu Kebede war im Januar in Dubai ihr Marathondebüt gelaufen. Dort hatte sie auf Anhieb 2:24:26 Stunden erreicht und kam mit nur sieben Sekunden Rückstand als Zweite ins Ziel. Im zweiten Anlauf gelang ihr nun der erste Marathonsieg.

Die 10 besten je gelaufenen Marathonzeiten der Männer

2:03:59 Haile Gebrselassie (ETH) Berlin 2008
2:04:26 Haile Gebrselassie (ETH) Berlin 2007
2:04:27 Duncan Kibet (KEN) Rotterdam 2009
2:04:27 James Kwambai (KEN) Rotterdam 2009
2:04:48 Patrick Makau (KEN) Rotterdam 2010
2:04:53 Haile Gebrselassie (ETH) Dubai 2008
2:04:55 Paul Tergat (KEN) Berlin 2003
2:04:55 Geoffrey Mutai (KEN) Rotterdam 2010
2:04:56 Sammy Korir (KEN) Berlin 2003
2:05:04 Abel Kirui (KEN) Rotterdam 2009

Lineth Chepkurui und Julliah Tinega bescheren KIMbia einen Doppelerfolg in Washington, D.C.

Lineth Chepkurui, hier beim Texas RoundUp 10-km-Lauf, gewinnt zum dritten Mal in Washington, D.C. © www.photorun.net
Lineth Chepkurui, hier beim Texas RoundUp 10-km-Lauf, gewinnt zum dritten Mal in Washington, D.C. © www.photorun.net

Beim 38. Credit Union Cherry Blossom 10-Meilen-Lauf in Washington, D.C. (USA) gewann KIMbia’s Lineth Chepkurui (Kenia) zum dritten Mal in Folge. Mit ihrer Siegeszeit von 51:51 Minuten war sie mehr als 90 Sekunden schneller im Ziel als bei ihrem Lauf 2009. Ihre Trainingspartnerin und Landsfrau Julliah Tinega (52:39) kam bei Temperaturen um die 16 Grad Celsius auf Platz zwei, Rang drei belegte die äthiopische Läuferin Belainesh Zemedkun (53:22).

Nach ihrem Triumph wurde Lineth Chepkurui von der US-amerikanischen Tageszeitung Washington Post zitiert, dass sie dankbar für ihren Sieg ist, denn es sei ein „großes, langes Rennen“.

Das diesjährige Traditionsrennen in der Hauptstadt der USA hatte mit 15.694 Läufern mehr Teilnehmer im Ziel als je zuvor. Die Läufer starten und beenden den Lauf vor dem berühmten Washington Monument.

Im Rennen der Männer, setzte sich der zuvor noch recht unbekannte Stephen Tum aus Kenia mit einem Sprint am Ende in 45:43 Minuten durch. Die Plätze zwei und drei belegten die beiden Äthiopier Lelisa Desisa (45:44) und Tilahun Regassa (45:50).