Meb Keflezighi siegt in Boston

Von Jörg Wenig
Meb Keflezighi war zutiefst bewegt nach seinem Erfolg beim Boston-Marathon. © www.PhotoRun.net
Meb Keflezighi war zutiefst bewegt nach seinem Erfolg beim Boston-Marathon. © www.PhotoRun.net

Der US-Amerikaner Meb Keflezighi hat am Ostermontag begleitet von jubelnden Zuschauern den Boston-Marathon gewonnen. Der 38-jährige Meb triumphierte bei der 118. Auflage des Traditionslaufes in 2:08:37 Stunden und sorgte für den ersten amerikanischen Boston-Sieg im Männerrennen seit 1983. Damals gewann Greg Meyer mit 2:09:00. In einem spannenden Finish, in dem der zeitweilig große Vorsprung von Meb noch bis auf wenige Sekunden schmolz, belegten die Kenianer Wilson Chebet (2:08:48) und Frankline Chepkwony (2:08:50) die Ränge zwei und drei.

Einen spitzensportlichen Höhepunkt gab es auch im Rennen der Frauen, in dem Rita Jeptoo ihren Vorjahressieg wiederholte und mit 2:18:57 Stunden einen Streckenrekord aufstellte. Damit unterbot sie den zwölf Jahre alten Kursrekord ihrer kenianischen Landsfrau Margaret Okayo, die 2002 mit 2:20:43 gewonnen hatte, um fast zwei Minuten. Rita Jeptoo ist die erste Frau seit Catherine Ndereba (Kenia/2004 und 2005), der eine Titelverteidigung in Boston gelungen ist. Die kenianische Siegerin, die auch schon 2006 in Boston triumphiert hatte, erzielte das erste Ergebnis unter 2:20 auf der hügeligen Strecke und lief die bislang schnellste Zeit des Jahres. Es ist das achtbeste Ergebnis aller Zeiten, allerdings ist die Punkt-zu-Punkt-Strecke des Boston-Marathons nicht rekordkonform. Dadurch werden die Ergebnisse aus Boston nicht offiziell als Rekorde oder Bestzeiten anerkannt. Die Äthiopierinnen Buzunesh Deba (2:19:59) und Mare Dibaba (2:20:35) belegten mit Weltklassezeiten die Ränge zwei und drei.

Bei sehr guten Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad Celsius, Sonnenschein sowie einem leichten Wind gingen knapp 36.000 Läufer unter großen Sicherheitsvorkehrungen an den Start.

Uta genoss die tolle Atmosphäre entlang der Strecke. © Take The Magic Step
Uta genoss die tolle Atmosphäre entlang der Strecke. © Take The Magic Step

Auch in diesem Jahr war Uta an diesem wunderbaren Marathon-Wochenende in Boston. Am Samstag hatte sie die Ehre, als Gastrednerin beim Treffen des „Team In Training” der US-amerikanischen Leukämie- und Lymphom-Gesellschaft dabei sein zu dürfen. Am Abend gab sie dann den Charity-Läufern der Hoyt Foundation, die sie in den vergangenen Monaten für das Rennen trainiert hat, bei ihrem Pasta Dinner noch ein paar letzte Tipps kurz vor deren großem Tag. Zusammen mit ihren Freunden der Dana-Farber Marathon Challenge konnte sie am Sonntag den 25. Geburtstag dieser wundervollen Organisation feiern.

Während des Marathons hatte Uta zudem die Gelegenheit, das legendäre Vater-Sohn-Gespann Dick und Rick Hoyt, die an ihrem 32. aufeinanderfolgenden Boston-Marathon teilnahmen, die inspirierenden Athleten der Hoyt Foundation sowie ihre vielen Lauffreunde zu unterstützen. Nach dem Rennen sagte Uta: „Der heutige Tag war eine unglaubliche Feier der Menschlichkeit – die Zuschauer waren einfach fantastisch! Was für ein großartiger Tag für Boston! Ich habe noch nie so eine Atmosphäre erlebt.“

Im Männerrennen waren es die US-Amerikaner, die vom Start weg das Geschehen an der Spitze bestimmten. Dabei war das Tempo verhalten, und die afrikanischen Favoriten des sehr stark besetzten Feldes hielten sich lange zurück. Ryan Hall (USA) lief zunächst an der Spitze einer 24-köpfigen Führungsgruppe. Doch der schnellste amerikanische Marathonläufer (Bestzeit: 2:04:58 in Boston 2011) fiel später zurück und kam schließlich auf Rang 20 ins Ziel. Es waren nach einer 10-km-Zwischenzeit von 30:29 Minuten zwei andere Amerikaner, die sich absetzen konnten: Josphat Boit und Meb Keflezighi. Die Favoriten des Rennens, der äthiopische Titelverteidiger Lelisa Desisa und Kenias Dennis Kimetto, konnte das Duo hinter sich lassen. An der 15-km-Marke (Durchgangszeit: 45:47 Minuten) hatten Meb und Josphat bereits zehn Sekunden Vorsprung. Die Lücke wuchs ständig, und bald waren die Führenden außer Sichtweite, nachdem sie den Halbmarathonpunkt in 64:21 passiert hatten.

Meb auf seinem Weg zum Sieg. © www.PhotoRun.net
Meb auf seinem Weg zum Sieg. © www.PhotoRun.net

Kurz vor der 25-km-Marke, die Meb Keflezighi dann nach 1:16:00 Stunden passierte, konnte Josphat Boit nicht mehr Schritt halten mit seinem Landsmann. Und nach 30 km (1:31:10) hatte der spätere Sieger 48 Sekunden Vorsprung auf Josphat und bereits 1:20 Minuten auf eine Verfolgergruppe, in der unter anderen Dennis Kimetto, Lelisa Desisa, Wilson Chebet und Markos Geneti (Äthiopien) liefen. Erst als Meb schon auf dem berühmten Heartbreak Hill war, kam die Aufholjagd der Favoriten – doch es war zu spät. Dennis Kimetto, Lelisa Desisa, Wilson Chebet und Frankline Chepkwony lagen nach 35 km noch 51 Sekunden zurück. Während Chicago-Sieger Dennis Kimetto bei seinem ersten Marathon auf einer hügeligen Strecke jenseits der 35-km-Marke ebenso wie Titelverteidiger Lelisa Desisa aufgeben musste, war es der dreimalige Amsterdam-Marathon-Sieger Wilson Chebet, der den Rückstand fast aufholte.

Nur noch zwölf Sekunden betrug der Vorsprung von Meb Keflezighi bei der 40-km-Marke. Eine Sekunde nach der anderen kam der kenianische Verfolger dichter heran. Als es bei etwa Kilometer 41 nur noch fünf Sekunden waren, sah es so aus, als ob Wilson Chebet das Rennen gewinnen würde. Doch dann gingen auch Wilson die Kräfte aus, während Meb Keflezighi, den historischen Sieg vor Augen, noch einmal zulegen konnte. „Nach dem, was im vergangenen Jahr in Boston passiert ist, hier nun als Amerikaner in Führung liegend auf die Zielgerade einzubiegen, das war außergewöhnlich. Es war unglaublich und hatte eine Bedeutung, die weit über den Laufsport hinausging. Ich wollte das Rennen für alle Läufer hier gewinnen, das war mein Ziel. Die Zuschauer haben mir auf den letzten Kilometern geholfen“, erklärte Meb, der schließlich unter dem Jubel seiner Landsleute elf Sekunden Vorsprung ins Ziel rettete.

„Es war mein Traum, Boston zu gewinnen. Dieser Sieg ist ein Riesenerfolg für mich, aber er ist für die Menschen hier“, sagte Meb, der vor zehn Jahren die Silbermedaille im olympischen Marathon von Athen gewonnen hatte, dann 2009 in New York triumphierte und 2012 bei Olympia in London Vierter war.

Was Meb Keflezighi im Männerrennen gelungen war, versuchte seine Landsfrau Shalane Flanagan ebenfalls: Mit hohem Tempo setzte sich die 32-Jährige an die Spitze des Feldes, jedoch konnten ihre Verfolgerinnen dran bleiben. Sieben Läuferinnen rannten hinter Shalane an der 15-km-Marke, die die US-Amerikanerin nach 49:05 Minuten erreichte: Titelverteidigerin Rita Jeptoo, ihre kenianischen Landsfrauen Jemima Jelagat Sumgong und Sharon Cherop sowie die äthiopischen Läuferinnen Mare Dibaba, Buzunesh Deba, Belaynesh Oljira und Meselech Melkamu, die kurzfristig noch zum Boston-Elitefeld hinzugekommen war.

Über rund 15 km änderte sich nichts an der Konstellation in der Frauen-Spitzengruppe. Shalane Flanagan führte die Gruppe fast im Stile einer Tempomacherin weiter an und passierte die Halbmarathonmarke nach 69:27 Minuten und den 30-km-Punkt in 1:39:20. Doch wenige Kilometer später änderte sich das Bild plötzlich. Am Heartbreak Hill fiel Shalane Flanagan ebenso zurück wie Sharon Cherop und Belaynesh Oljira. Shalane erreichte dennoch Rang sieben mit einer starken persönlichen Bestzeit von 2:22:02. „Ich habe alles gegeben. Ich werde solange nach Boston zurückkommen, bis ich gewinne“, kündigte sie an.

An der Spitze fiel die Entscheidung bei Kilometer 36. Hier setzte sich Rita Jeptoo, die bereits im vergangenen Jahr in Chicago die einzige Zeit des Jahres unter 2:20 Stunden gelaufen war (2:19:57) und nun deutlich unter dieser Barriere blieb, mit einer Tempoverschärfung ab. Zunächst sah es so aus, als ob Meselech Melkamu und Mare Dibaba noch einmal herankommen könnten, doch Rita Jeptoo war nicht mehr einzuholen. Bzunesh Deba sicherte sich Rang zwei und blieb mit 2:19:59 ganz knapp unter 2:20. Die ersten sechs Läuferinnen erreichten Weltklassezeiten von unter 2:21:30 Stunden.

Die Ergebnisse des Boston-Marathons

Männer:

 1.  Meb Keflezighi  USA  2:08:37 Stunden
 2.  Wilson Chebet  KEN  2:08:48
 3.  Frankline Chepkwony  KEN  2:08:50
 4.  Vitaliy Shafar  UKR  2:09:37
 5.  Markos Geneti  ETH  2:09:50
 6.  Joel Kimurer  KEN  2:11:03
 7.  Nicholas Arciniaga  USA  2:11:47
 8.  Jeffrey Eggleston  USA  2:11:57
 9.  Paul Lonyangata  KEN  2:12:34
 10.  Adil Annani  MAR  2:12:43

Frauen:

 1.  Rita Jeptoo  KEN  2:18:57 Stunden
 2.  Buzunesh Deba  ETH  2:19:59
 3.  Mare Dibaba  ETH  2:20:35
 4.  Jemima Jelagat Sumgong  KEN  2:20:41
 5.  Meselech Melkamu  ETH  2:21:28
 6.  Aleksandra Duliba  BLR  2:21:29
 7.  Shalane Flanagan  USA  2:22:02
 8.  Sharon Cherop  KEN  2:23:00
 9.  Philes Ongori  KEN  2:23:22
 10.  Desiree Linden  USA  2:23:54