Marilson Gomes Dos Santos läuft zu erstem brasilianischen Sieg in New York

Der erste brasilianische Sieger in New York – Marilson Gomes dos Santos. © Victor Sailer
Der erste brasilianische Sieger in New York – Marilson Gomes dos Santos. © Victor Sailer

Der amerikanische Traum erfüllte sich nicht. So gut wie lange nicht schienen die Chancen auf einen Sieg eines US-Läufers beim New York-Marathon zu stehen. Vor 24 Jahren hatte zuletzt ein Amerikaner das größte und spektakulärste Rennen über die 42,195 Kilometer gewonnen: Alberto Salazar. Vor allen auf Deena Kastor, der London-Marathon-Siegerin dieses Jahres, ruhten die Hoffnungen der Amerikaner. Im multikulturellen New York jubelten am Ende allerdings die Brasilianer anstelle der Amerikaner.

Sensationell gewann der 29-jährige Marilson Gomes dos Santos das Rennen mit 37.000 Läufern und zwei Millionen Zuschauern in 2:09:58 Stunden. Es war der erste Sieg eines Brasilianers in der 37-jährigen Geschichte des New York-Marathons. Bei den Frauen wiederholte Jelena Prokopcuka (Lettland) in 2:25:05 Stunden ihren Vorjahressieg. Tatiana Hladyr (Ukraine/2:26:05) und Catherine Ndereba (Kenia/2:26:58) belegten die nächsten Ränge während Deena Kastor nicht über Platz sechs hinauskam mit 2:27:54.

Acht Jahre nach dem ebenso überraschenden Weltrekordlauf des Brasilianers Ronaldo da Costa, der in Berlin 1998 in 2:06:05 Stunden gewann, haben die Südamerikaner wieder einen Sieger bei einem der ganz großen Marathonrennen. „Der New York-Marathon ist das Beste vom Besten – hier gewonnen zu haben, ist ein Traum für mich“, erklärte Marilson Gomes dos Santos.

Eine große Gruppe von Läufern hatte die Halbmarathonmarke nach 65:35 Minuten erreicht. Erst an der 25-km-Marke wurde das bis dahin verhaltene Tempo angezogen, die Gruppe verkleinerte sich danach fortwährend. Unter jenen die zurückfielen, war auch der Vorjahres-Zweite Hendrick Ramaala (Südafrika), der am Ende Neunter wurde in 2:13:04. Damit lag er einen Rang vor dem besten Amerikaner, Peter Gilmore (2:13:13).

An der Spitze hatte sich Marilson Gomes dos Santos rund zehn Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe gelöst. Die Favoriten um den Marathon-Weltrekordler Paul Tergat (Kenia), der in Berlin vor drei Jahren die Bestmarke auf 2:04:55 Stunden geschraubt hatte, ließen den Außenseiter gewähren. Doch sie hatten sich verkalkuliert. Dos Santos, dessen bestes Marathonresultat zuvor ein sechster Rang in Chicago in 2:08:48 Stunden gewesen war, brach nicht auf den letzten Kilometern ein sondern hielt sein Tempo. Zu spät attackierten die Kenianer Paul Tergat und Stephen Kiogora. Der Vorsprung schmolz am Ende zwar rapide, doch als KIMbias Kiogora ins Ziel sprintete, war er acht Sekunden zu spät (2:10:06). Vorjahressieger Tergat wurde Dritter in 2:10:10. „Wir dachten, dass wir ihn noch einholen können“, sagte Kiogora und Paul Tergat erklärte: „Bei 38 Kilometern war mir klar, dass er gewinnen könnte, aber da war es zu spät. Wir haben zu lange taktiert und den Vorsprung zu groß werden lassen. Ich wusste nicht genau, wer er ist. Aber Gomes ist ein starkes Rennen gelaufen, es war sein Tag“, sagte Paul Tergat.

Während deutsche Topathleten nicht am Start waren, war der zweite Platz auch ein deutscher Erfolg. Denn Stephen Kiogora wird betreut von Dieter Hogen und gehört zur KIMbia-Gruppe.

Jelena Prokopcuka hatte sich gemeinsam mit Tatiana Hladyr vor der Halbmarathonmarke abgesetzt. Dieser Mut war entscheidend. Während die anderen Favoritinnen um Catherine Ndereba und Rita Jeptoo (Kenia), die im April den Boston-Marathon gewonnen hatte, taktierten und sicherlich auf einen Vorstoß von Deena Kastor warteten, liefen Hladyr und Prokopcuka davon. Das Duo erreichte die Halbmarathonmarke in 1:13:52 Stunden und hatte bei 25 km (1:27:29) bereits einen Vorsprung von rund 40 Sekunden, der weiter wuchs. Vor ihnen war bis zu diesem Zeitpunkt noch Luminita Talpos (Rumänien) gelaufen. Doch niemand hatte das Tempo der Pacemakerin angenommen, die alleine rannte und nach 25 km wie geplant ausstieg. Rund sieben Kilometer vor dem Ziel löste sich Prokopcuka dann entscheidend von Hladyr. Vergeblich hatten die Zuschauer auf eine Aufholjagd von Deena Kastor gewartet. Als erste Amerikanerin seit 1977 wollte Kastor den New-York-Marathon gewinnen. Vor knapp 30 Jahren hatten Miki Gorman 2:43:10 Stunden zum Sieg gereicht. Deena Kastor lief zwar schneller, doch es war nicht ihr Tag in New York. „Es war ein taktischer Fehler, Jelena davonlaufen zu lassen. Als dann später Catherine Ndereba das Tempo in unserer Gruppe verschärfte, hatte ich eine schlechte Phase und konnte nicht reagieren. Ich wollte hier etwas anderes erreichen – aber Jelena ist stark gelaufen“, sagte Deena Kastor.

Die 30-jährige Lettin Prokopcuka hat nicht nur den New York-Marathon gewonnen sondern auch die Führung in der World Marathon Majors-Serie (WMM) übernommen. Nach dem Premiere-Jahr der neuen Serie, zu der neben New York auch die Marathonrennen von Berlin, Boston, London und Chicago gehören, liegt bei den Männern der Kenianer Robert Cheruiyot in Führung. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sammeln die Läufer bei den WMM-Rennen Punkte. Der beste Mann und die beste Frau teilen sich dann einen Jackpot von einer Million Dollar. Da die Zwei-Jahres-Serien überlappen, wird es vom nächsten Jahr an jährliche Jackpot-Sieger geben. Bereits 2007 beginnt die WMM-Serie 2007-2008. Aber schon in New York gab es großes Geld für die Sieger: Prokopcuka und dos Santos erhielten neben der Siegprämie von 130.000 noch jeweils 25.000 Dollar an Zeitprämien.

Ein viel beachtetes Marathon-Debüt lief in New York Lance Armstrong. Der siebenfache US-Sieger der Tour de France, der vor einem Jahr seine Radsport-Karriere beendet hatte, kam nach 2:59:36 Stunden auf Platz 870 ins Ziel am Central Park.