Kipsang katapultiert Frankfurt in die Weltelite der City-Marathonrennen

Von Jörg Wenig
Wilson Kipsang siegt mit einem Streckenrekord in Frankfurt. © www.photorun.net
Wilson Kipsang siegt mit einem Streckenrekord in Frankfurt. © www.photorun.net

Der Kenianer Wilson Kipsang gewann den Commerzbank Frankfurt-Marathon mit einem fantastischen neuen Kursrekord von 2:04:57 Stunden – der zehntschnellsten je gelaufenen Marathonzeit. Nur vier Rennen weltweit können Streckenbestzeiten von unter 2:05 aufweisen: Neben Berlin (2:03:59), Rotterdam (2:04:27) und Dubai (2:04:53) gehört nun auch Frankfurt dazu. Perfekte Wetterbedingungen (10 Grad Celsius und kaum Wind) sorgten dafür, dass zudem der Streckenrekord der Frauen verbessert wurde. Caroline Kilel setzte sich in 2:23:25 Stunden durch und machte den kenianischen Doppelsieg perfekt. 12.475 Läufer aus 76 Nationen hatten für den Marathon gemeldet.

„Das war ein perfekter Tag für uns. Ich hatte auf ein Resultat von knapp unter 2:06 Stunden gehofft, aber an unter 2:05 hatte ich nie gedacht“, kommentierte Race-Direktor Jo Schindler die Ergebnisse, während der für die Eliteathleten zuständige Christoph Kopp in seiner Einschätzung bestätigt wurde. In einem Interview hatte der Berliner in der vergangenen Woche erklärt: Frankfurts Strecke ist gut genug für 2:05 Stunden. Eine Reihe von jungen Athleten wurden von Christoph Kopp verpflichtet, ein weiteres Mal aus der Gruppe um Manager Gerard van de Veen. Der Holländer stellte schon mehrfach Sieger und Streckenrekordler in Frankfurt (so zum Beispiel den dreifachen Gewinner Wilfred Kigen oder den Vorjahressieger und Kursrekordler Gilbert Kirwa/2:06:14). Am Sonntag kamen gleich beide Sieger von Gerard van de Veen. Und auch für die KIMbia-Athleten aus der Trainingsgruppe von Dieter Hogen gab es gute Nachrichten in Frankfurt: Bei seinem Marathondebüt wurde der 23-jährige Ronald Rutto (Kenia) auf Anhieb Siebenter mit 2:09:17 Stunden. Zudem führte der drei Jahre jüngere Allan Kiprono als stärkster Tempomacher die Führungsgruppe bis Kilometer 33.

Der Start des Frankfurt-Marathons. © www.photorun.net
Der Start des Frankfurt-Marathons. © www.photorun.net

Die 29. Auflage des Frankfurt-Marathons, der ab dem kommenden Jahr mit BMW einen neuen Titelsponsor haben wird, produzierte noch eine Reihe von bemerkenswerten Resultaten: Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens schaffte der älteste deutsche Stadtmarathon den Sprung in die Top-10-Liste der schnellsten City-Marathonrennen der Welt. Hier wird die Durchschnittszeit der besten zehn je beim jeweiligen Rennen gelaufenen Männer-Zeiten zugrunde gelegt. Mit einer Durchschnittszeit von 2:06:53,5 (vorher: 2:07:39,6) hat sich Frankfurt so auf Platz sieben geschoben.

Eine Gruppe mit über 20 Läufern erreichte die Halbmarathonmarke nach 62:38 Minuten. Das war etwas schneller als geplant. Und das Tempo wurde nicht langsamer. 1:29:12 Stunden zeigten die Uhren bei Kilometer 30. Es war dann der Äthiopier Tadese Tola, der nach dem Ausstieg des letzten Tempomachers, Allan Kiprono, nach 33 km zunächst die Führung übernahm und das Tempo forcierte. Doch ein Läufer blieb dran: Wilson Kipsang. Der Kenianer startete seinerseits fünf Kilometer vor dem Ziel einen Antritt und sorgte damit für die Entscheidung. Sehr schnell erlief Wilson einen deutlichen Vorsprung. Mit seiner Siegzeit von 2:04:57 Stunden ist er nun der achtschnellste Läufer aller Zeiten. Den alten Kursrekord von Gilbert Kirwa (Kenia), der 2009 in 2:06:14 gewonnen hatte, verbesserte er deutlich. „Bei Kilometer 35 wusste ich, dass ich gewinnen kann und habe das Tempo entsprechend verschärft. Dann merkte ich auch, dass es unter 2:05 Stunden gehen kann, wenn ich das Tempo hoch halte“, erklärte Wilson Kipsang.

Hinter dem 28-jährigen Sieger wurde Tadese Tola am Tag seines 23. Geburtstages mit 2:06:31 Stunden Zweiter. Auch die nächsten beiden Läufer erzielten noch Weltklassezeiten: Elias Chelimo lief 2:07:04, Philip Sanga (beide Kenia) erreichte 2:07:11. Als bester Deutscher lief Falk Cierpinski (SG Spergau) in 2:20:43 Stunden auf Rang 31. Er litt einmal mehr unter starkem Seitenstechen. „Ich bin enttäuscht. Ich hatte ab Kilometer 12 wieder Probleme und Schmerzen auf der rechten Seite vom Nacken abwärts. Dadurch hatte ich am Ende auch Seitenstechen, denn das Zwerchfell wird blockiert. Wir denken, es kommt von den Weisheitszähnen, die werden nun in den nächsten Wochen herausgenommen. Ich bin vor drei Wochen in Berlin die zehn Kilometer unter 30 Minuten gelaufen und hatte keine Probleme. Ich will endlich mal wieder schnell laufen. Es nervt, wenn man nicht zeigen kann, was man drauf hat“, sagte Falk Cierpinski.

Caroline Kilel gewinnt überraschend vor Dire Tune. © www.photorun.net
Caroline Kilel gewinnt überraschend vor Dire Tune. © www.photorun.net

Auch bei den Frauen erreichte der Frankfurt-Marathon ein starkes Ergebnis. Caroline Kilel lief mit 2:23:25 die zehntschnellste Zeit des Jahres weltweit. Etwas überraschend war die Kenianerin dem hohen Anfangstempo der Äthiopierinnen Dire Tune und Mare Dibaba gefolgt. Diese Dreiergruppe erreichte nach 70:59 Minuten die Halbmarathonmarke. Etwas langsamer wurde das Tempo dann in der zweiten Hälfte. Kurz nach 35 km verlor zunächst Mare Dibaba den Kontakt. Den Zweikampf mit Dire Tune entschied Caroline Kilel dann bei Kilometer 40 für sich.

„Ich bin sehr glücklich, denn ich habe auch meine persönliche Bestzeit um zwei Minuten verbessern können. Das hatte ich nicht erwartet. Nach meiner Attacke bei Kilometer 40 war ich sicher, dass ich gewinne“, erklärte Caroline Kilel. Hinter der Kenianerin blieben auch Dire Tune (Äthiopien/2:23:44), Titelverteidigerin Agnes Kiprop (Kenia/2:24:07) und Isabellah Andersson (Schweden/2:25:10) noch unter dem alten Kursrekord von 2:25:12. Als beste deutsche Läuferin erreichte Silke Optekamp (PSV Grün-Weiß Kassel) Rang zwölf in persönlicher Bestzeit von 2:39:56.

Überraschungssieger beim Athen-Marathon

Rasa Drazdauskaite war die schnellste Frau beim großen Marathon-Jubiläum in Athen. © Athens Classic Marathon
Rasa Drazdauskaite war die schnellste Frau beim großen Marathon-Jubiläum in Athen. © Athens Classic Marathon

Mit einer doppelten Überraschung endetet das große Marathon-Jubiläum in Athen: Der Kenianer Paul Bett, der vor dem Start nicht zu den Favoriten gezählt hatte, und die Litauerin Rasa Drazdauskaite gewannen den Klassiker mit Veranstaltungsrekorden von 2:12:40 beziehungsweise 2:31:06 Stunden. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, beteiligten sich an dem 2.500-Jahre-Jubiläum rund 20.000 Läufer. 490 vor Christus war der Bote Pheidippides von Marathon nach Athen gelaufen, um den Sieg der Griechen über die Perser zu vermelden. Danach soll er tot zusammen gebrochen sein. Aus dieser Legende entstand der Marathonlauf. Mehr zur Geschichte des Marathons können Sie hier auf unserer Website erfahren.

Unmittelbar nach dem Start war klar, dass die Litauerin Rasa Drazdauskaite auf dem Weg in das antike Panathinaikon-Stadion schwer zu schlagen sein würde. Von Beginn an übernahm die 29-Jährige die Führung und vergrößerte ihren Vorsprung ständig. Mit 2:31:06 Stunden verbesserte Rasa Drazdauskaite schließlich den Veranstaltungsrekord von Svetlana Ponomarenko um mehr als zwei Minuten. Die Russin war vor drei Jahren 2:33:19 Stunden gelaufen.

Für Rasa Drazdauskaite war es der vierte Marathon und sicherlich ihr bester. Ihren persönlichen Rekord von 2:30:29 Stunden war sie vor einem Jahr in Frankfurt gelaufen. Doch ihre heutige Leistung in Athen ist angesichts der schweren Strecke von Marathon nach Athen deutlich höher einzuschätzen. Mit großem Vorsprung gewann Rasa Drazdauskaite das Jubiläumsrennen: Olga Glok (Russland) wurde Zweite in 2:33:51 Stunden, die Ukrainerin Svitlana Stanko rannte auf Rang drei mit 2:38:59.

„Während der ersten 10 Kilometer wurde mir sehr warm, aber dann hat mir jemand eine Sonnenmütze gegeben, und es ging besser“, erzählte Rasa Drazdauskaite. Nach Anfangstemperaturen von rund 13 Grad Celsius wurde es schnell deutlich wärmer. „Ursprünglich wollte ich heute den Marathon in Frankfurt laufen, aber jetzt bin ich glücklich, dass ich hier gestartet bin – es ist ein historisch bedeutendes Rennen.“

Der 26-jährige Paul Bett lief von Beginn an in der Spitzengruppe der Männer. Nach 65:49 Minuten erreichte die Führungsgruppe die Halbmarathonmarke. Damit schien der avisierte Streckenrekord von Stefano Baldini – der Italiener war 2004 mit 2:10:55 Stunden Olympiasieger geworden – noch erreichbar zu sein. Doch in der warmen Sonne ließ sich das Tempo trotz der Bergab-Passage nicht halten.

An der Spitze entwickelte sich dann ein Duell zwischen Paul Bett und dem vermeintlichen Favoriten Jonathon Kipkorir (Kenia). Fünf Kilometer vor dem Ziel löste sich Paul Bett entscheidend von seinem Landsmann und verbesserte den Veranstaltungsrekord von Paul Lekuraa (Kenia) um zwei Sekunden. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich hier gewinnen könnte. Es war sehr heiß und daher ein hartes Rennen mit viel Konkurrenz“, erklärte der Sieger, der eine Bestzeit von 2:11:32 hat. Sein Athener Ergebnis ist aber höher einzuschätzen.

Auch die folgenden Plätze belegten kenianische Athleten: Hinter Paul Bett wurde Jonathon Kipkorir Zweiter in 2:14:05 Stunden. Rang drei ging an Edwin Kimutai mit 2:15:21.