Joseph Ebuya siegt vor Kenenisa Bekele im winterlichen Edinburgh

Von Jörg Wenig
Eliud Kipchoge, Joseph Ebuya und Titus Mbishei (von links) belegten die ersten drei Ränge im 9-km-Rennen der Männer in Edinburgh. © Mark Shearman/Athletics Images
Eliud Kipchoge, Joseph Ebuya und Titus Mbishei (von links) belegten die ersten drei Ränge im 9-km-Rennen der Männer in Edinburgh. © Mark Shearman/Athletics Images

Das schneereiche Winterwetter in Europa hat auch Auswirkungen auf den Laufsport: In den Niederlanden musste der traditionsreiche Halbmarathon von Egmond, dessen Kurs in der Regel ein Stück über den Strand führt, kurzfristig abgesagt werden. Die Veranstalter konnten die Sicherheit der Läufer nicht garantieren. Dagegen konnte das Elite-Crossrennen in Edinburgh (Großbritannien) gestartet werden. Der Crosslauf in Schottland ist einer der bestbesetzten der Saison. Auf schneebedecktem Boden endete das Rennen mit einer Überraschung: Kenenisa Bekele (Äthiopien), der seit Jahren beste Crossläufer der Welt, musste sich mit Rang vier zufrieden geben.

Dreimal hatte Kenenisa Bekele das Rennen in Edinburgh in den vergangenen Jahren gewonnen, doch dieses Mal waren drei kenianische Läufer schneller: Joseph Ebuya siegte auf dem schweren 9-Kilometer-Kurs durch den Holyrood Park von Edinburgh in 28:41 Minuten.

Joseph Ebuyas persönliche Geschichte bewegt. Zu arm, um das Schulgeld bezahlen zu können, war er dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben und auf der Farm seiner Familie zu arbeiten. Erfolgreiche kenianische Läufer, wie John Kibowen, Benjamin Limo und Charles Kamathi, beim Training zu beobachten, inspirierte ihn, 2003 ebenfalls mit dem Laufsport zu beginnen. Ohne Sportschuhe und Laufbekleidung absolvierte er sein erstes Training in Lederschuhen und Jeans. Die Einnahmen aus seinen Wettkämpfen ermöglichten es ihm, Land für seine Familie in Kenia zu erwerben. „Ich möchte ihr Leben ändern“, wurde er 2008 in einem IAAF-Bericht zitiert.

Eliud Kipchoge, Titus Mbishei und Kenenisa Bekele ringen um die Führungsposition. © Mark Shearman/Athletics Images
Eliud Kipchoge, Titus Mbishei und Kenenisa Bekele ringen um die Führungsposition. © Mark Shearman/Athletics Images

Nur zwei Sekunden hinter Joseph Ebuya erreichte Titus Mbishei das Ziel, Dritter wurde mit Eliud Kipchoge (29:04) der 5.000-Meter-Weltmeister von 2003. Kenenisa Bekele lief in 29:17 auf Rang vier und meinte nach dem Rennen: „Die Kenianer haben mich heute deutlich geschlagen.“ Es war überhaupt erst die dritte Crosslauf-Niederlage in der Karriere von Kenenisa Bekele. „Ich bin schon am Donnerstag angereist, weil ich mir in London das Olympiagelände angesehen habe. Normalerweise komme ich immer erst einen Tag vor dem Rennen, so fehlten mir noch ein paar Trainingseinheiten“, erklärte der Äthiopier nach seinem ersten Start seit September 2009.

Bei den Frauen siegte die äthiopische Doppel-Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba (5.000 und 10.000 m). Nach einem von Verletzungen beeinträchtigten Jahr 2009 triumphierte sie über die 5,8 km in 21:37 Minuten souverän vor der 5.000-m-Weltmeisterin von Berlin 2009, Vivian Cheruiyot (Kenia/21:47). Rang drei ging an Kalkidan Gezahegn (Äthiopien) mit 21:48. Zeitgleich in 21:51 folgten auf den Plätzen vier und fünf zwei Britinnen: Cross-Europameisterin Hayley Yelling lief knapp vor der Nachwuchshoffnung Stephanie Twell ins Ziel.