Gilbert Kirwa und Günther Weidlinger brechen Rekorde in Frankfurt

Von Jörg Wenig
Gilbert Kirwa gewinnt mit Streckenrekord in Frankfurt. © www.photorun.net / Sailer
Gilbert Kirwa gewinnt mit Streckenrekord in Frankfurt. © www.photorun.net / Sailer

Der Kenianer Gilbert Kirwa triumphierte vor rund 350.000 Zuschauern beim Commerzbank Frankfurt-Marathon mit einer Kursrekordzeit von 2:06:14 Stunden. Auch der zweitplatzierte Vorjahressieger Robert K. Cheruiyot erzielte mit 2:06:23 Stunden eine Weltklassezeit und blieb deutlich unter seinem alten Streckenrekord von 2:07:21. Damit hat das Rennen seinen Status als Gold Label Race, der höchsten Kategorie des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), bestätigt. Die Rekordzahl von 12.614 Marathonläufern aus 71 Nationen hatte sich für das Rennen angemeldet.

Mit seiner Siegzeit platzierte sich Gilbert Kirwa in der aktuellen Jahresweltbestenliste auf Rang zehn. Platz drei belegte mit William Kiplagat der Trainer von Robert K. Cheruiyot. Der 37-jährige Kenianer erreichte das Ziel nach 2:07:05 Stunden. Drei weitere Läufer blieben unter der 2:10-Stunden-Marke: Elias Kemboi (Kenia/2:08:15), Alemayehu Tafere (Äthiopien/2:08:46) und Sammy Kurgat (Kenia/2:09:34).

Agnes Kiprop siegt in der Frankfurter Festhalle. © www.photorun.net / Sailer
Agnes Kiprop siegt in der Frankfurter Festhalle. © www.photorun.net / Sailer

Das Frauenrennen am Main gewann Agnes Kiprop und machte somit den ersten kenianischen Doppelsieg seit dem Jahr 2000 perfekt. Vor neun Jahren war Esther Barmasai zugleich die letzte kenianische Frau, die in Frankfurt siegte. Agnes Kiprop lief nach 2:26:57 Stunden ins Ziel in der Frankfurter Festhalle.

Aufgrund der starken Männerergebnisse liegt der Frankfurt-Marathon in der Liste der schnellsten City-Marathonrennen der Welt nun bereits auf Rang elf. Hierbei zählt der Durchschnitt der zehn schnellsten Männerzeiten, die je bei einem Rennen erzielt wurden. Für Frankfurt beträgt dieser Wert nun 2:07:49,6 Stunden.

Mit einer Zwischenzeit von 63:35 Minuten hatte die 14-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke erreicht. Das war etwas langsamer als ursprünglich geplant. Doch bald darauf war es der Titelverteidiger Cheruiyot, der die Initiative ergriff. Jetzt wurde das Rennen deutlich schneller. Zunächst versuchte Elias Kemboi dem Vorjahressieger zu folgen, doch das gelang ihm nur kurzzeitig. Dann aber schaffte es Gilbert Kirwa, zum Ausreißer aufzuschließen. Kurz nach der 30-Kilometer-Marke waren beide gleichauf, bei 38 km konnte sich Gilbert Kirwa im zweiten Marathon seiner Karriere entscheidend lösen. „Ich bin jetzt zweimal Marathon gelaufen und habe zweimal gewonnen – ich bin wirklich glücklich“, erklärte Gilbert Kirwa, der im April sein Debüt in Wien in 2:08:21 gewonnen hatte. Der 23-jährige Kenianer verbesserte den Streckenrekord von Robert K. Cheruiyot um 67 Sekunden und verdiente dafür eine Prämie von 95.000 Euro.

Günther Weidlinger bricht den österreichischen Marathonrekord. © www.photorun.net / Sailer
Günther Weidlinger bricht den österreichischen Marathonrekord. © www.photorun.net / Sailer

Eine ebenso starke wie überraschende Leistung schaffte Günther Weidlinger. Der Österreicher verbesserte sich in seinem zweiten Marathon auf 2:10:47 Stunden und wurde Zehnter. Damit brach er den 23 Jahre alten österreichischen Landesrekord von Gerhard Hartmann (2:12:22). „Ich bin schneller gelaufen als geplant und bin froh, dass es geklappt hat“, sagte Günther Weidlinger, der bei seinem Debüt im April in Wien 2:12:39 Stunden gelaufen war. Der 31-Jährige steht nunmehr auf Position sieben der europäischen Jahresbestenliste. „Ich möchte mich bei den Organisatoren und den Zuschauern bedanken, denn ich wurde hier behandelt wie ein Frankfurter Lokalmatador“, sagte Günther Weidlinger.

Auch bei den Frauen bestimmten kenianische Läuferinnen das Geschehen. Agnes Kiprop erreichte das Ziel nach 2:26:57 Stunden vor ihrer Landsfrau Hellen Kimutai (2:27:50). Dritte wurde Karolina Jarzynska (Polen) mit 2:29:10. Die 29-jährige Kiprop erhält für ihren Sieg 15.000 Euro. Kurz vor der 30-km-Marke hatte sie sich von der Konkurrenz abgesetzt. „Aber erst bei Kilometer 41 war ich mir sicher, dass ich gewinnen würde, denn ich hatte Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur“, sagte die 29-jährige Siegerin, die daher keine schnellere Zeit erreichte.

Zehnte wurde bei ihrem Abschiedsrennen Luminita Zaituc (LG Braunschweig) in 2:35:06 Stunden. Nach einem flotten Beginn hatte sie zwischen Kilometer 25 und 35 eine schwere Phase, doch die 41-Jährige kämpfte sich zurück ins Rennen. „Es war ein tolles Erlebnis heute und ich bin ein bisschen wehmütig. Vielleicht bin ich 2010 noch einmal als Hobbyläuferin dabei“, erklärte Luminita Zaituc.

Farah gewinnt in Portsmouth, Komen in Venedig

Während Günther Weidlinger in Frankfurt den 23 Jahre alten österreichischen Marathonrekord knackte, gelang einem anderen europäischen Läufer ebenfalls ein Achtungserfolg: Mo Farah gewann den Bupa Great South Run im englischen Portsmouth. Der Brite besiegte über die 10-Meilen-Distanz die starke afrikanische Konkurrenz. Farah siegte bei windigem Wetter in 46:25 Minuten.

„Die Jungs haben es mir nicht leicht gemacht“, erklärte Mo Farah in Bezug auf den Rennverlauf. Stephen Mokoka (Südafrika) und der Marathon-Weltmeister von 2007, Luke Kibet (Kenia), hatten sich frühzeitig abgesetzt. Doch Mo Farah wählte eine andere Taktik: Er hielt sich aufgrund des Windes zurück und sparte Kräfte für das letzte Drittel des Rennens. In diesem Abschnitt schloss er zur Spitze auf und setzte sich schließlich im Schlussspurt mit einer Sekunde Vorsprung vor Mokoka durch. Kibet, der schon vorher zurückgefallen war, wurde Dritter mit 47:16 Minuten.

Ein Start-Ziel-Sieg gelang der Portugiesin Ines Monteiro, die einen Vorsprung von fast eineinhalb Minuten herauslief. Nach 52:32 Minuten war sie vor ihrer Landsfrau Ana Dulce Felix (Portugal/53:58) und Benita Willis (Australien/54:41) im Ziel.

Wie in Frankfurt gab es auch beim Casino Di Venezia Venedig-Marathon kenianische Sieger: John Komen setzte sich bei den Männern in flotten 2:08:13 Stunden vor seinen Landsleuten Paul Samoei (2:10:09) und Benson Cherono (2:10:19) durch. Vierter wurde der Ukrainier Alex Kuzin in 2:10:54. Die Kenianerin Anne Kosgei war in 2:27:46 vor Jelena Yal (Äthiopien/2:28:41) und Alena Samokhvalova (Russland/2:28:47) im Ziel.