Felix Limo und Deena Kastor gewinnen London-Marathon, Haile mit Schwierigkeiten

Von Jörg Wenig
Deena Kastor siegt beim Flora London-Marathon. © Jiro Mochizuki / Photo Run
Deena Kastor siegt beim Flora London-Marathon. © Jiro Mochizuki / Photo Run

Der bestbesetzte Marathon des Jahres produzierte sehr gute Ergebnisse und eine große Überraschung. Während der Kenianer Felix Limo nach 2:06:39 Stunden das Ziel am Buckingham Palast erreichte, blieb Haile Gebrselassie in seinem dritten Marathon nur ein enttäuschender Rang neun in 2:09:05 Stunden. Für das Highlight des Tages sorgte die US-Amerikanerin Deena Kastor, die in der Kontinental-Rekordzeit von 2:19:36 Stunden gewann und damit zur viertschnellsten Marathonläuferin aller Zeiten wurde. Ihr Ergebnis ist zudem eine neue Jahresweltbestzeit, während Limo diese Marke um eine Sekunde verpasste. Insgesamt gingen rund 35.000 Läufer in Greenwich an den Start. Über eine Million Zuschauer säumte die Strecke.

Über einen weiteren Weltrekord-Angriff von Haile Gebrselassie war vor dem Start spekuliert worden. Fünf Tage nach seinem 33. Geburtstag lief der äthiopische Serien-Weltrekordler, der in seiner Karriere bisher 20 Weltbestzeiten aufgestellt hat, in einer Spitzengruppe Zwischenzeiten, die auf den Weltrekord von Paul Tergat hinausliefen.

Der Kenianer hatte in Berlin 2003 in 2:04:55 Stunden gewonnen. Doch als der Vorjahressieger Martin Lel rund fünf Kilometer vor dem Ziel das Tempo verschärfte, konnte Haile Gebrselassie nicht mehr folgen und fiel sogar weiter zurück. Mit 2:09:05 Stunden kam er schließlich in der schwächsten Marathon-Zeit seiner Karriere ins Ziel, sieht man von einem Marathonversuch als Jugendlicher in Äthiopien ab.

An der Spitze entschied Felix Limo in einem dramatischen Endspurt gegen Martin Lel, der in 2:06:41 Stunden Zweiter wurde, das Rennen mit zwei Sekunden Vorsprung für sich. Limo hatte zuvor bereits die Marathonrennen in Berlin, Chicago und Rotterdam gewonnen. „Als ich die Startliste sah, dachte ich mir angesichts der Versammlung von Topstars, dass das nur gut für mich sein kann. Denn dadurch stand ich nicht unter Druck. Mir war klar, dass es ein taktisches Rennen geben würde, und dass das ein Vorteil für mich sein würde“, erklärte der 25-jährige Kenianer. Limo bezwang neben Gebrselassie unter anderen den Olympiasieger Stefano Baldini (Italien), der in 2:07:22 Fünfter wurde, und den Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko), der auf Rang acht in 2:08:45 lief.

Als achte Frau durchbrach Deena Kastor die 2:20-Stunden-Barriere im Marathon. Mit ihren 2:19:36 Stunden ist die olympische Bronzemedaillengewinnerin von 2004 nun die viertschnellste Frau aller Zeiten. Lediglich Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25), Catherine Ndereba (Kenia) und Olympiasiegerin Mizuki Noguchi (Japan) stehen noch vor ihr in der Liste.

„Ich hatte gut trainiert, und es war mein Ziel, hier unter 2:20 Stunden zu laufen“, erklärte Deena Kastor. Die 33-Jährige hatte sich nach der 25-Kilometer-Marke von der später drittplatzierten Susan Chepkemei (Kenia/2:21:46) abgesetzt. Zweite wurde Ludmila Petrowa (Russland) in 2:21:29. „Ich werde nun im Sommer über 5.000 und 10.000 Meter starten und dann voraussichtlich im Herbst einen weiteren Marathon der World Marathon Major-Serie laufen“, sagte Deena Kastor.

Der London-Marathon war sechs Tage nach dem Rennen in Boston die zweite Station der neuen World Marathon Majors-Serie (WMM). Für den Sieg in London gab wie in Boston 25 Punkte im Rennen um den Jackpot der World Marathon Majors. In Zwei-Jahres-Zyklen werden hier bei Männern und Frauen Sieger gekürt. Im Herbst folgen die Rennen in Berlin (24. September), Chicago (22. Oktober) und New York (5. November).

Doch nicht nur die Spitzenleistungen beeindrucken in London. 46.936 Läufer hatten sich für die 26. Auflage des Rennens angemeldet, über 90.000 um eine Startnummer beworben. 35.000 von ihnen wurden am Ende im Ziel erwartet. Trotz des regnerischen Wetters versammelte sich ein Millionenpublikum an der 42,195 km langen Strecke. Die breite Masse der Läufer wird ebenso angefeuert wie die Topathleten.

Dazu trägt auch der Charity-Aspekt bei, der in London eine so große Rolle spielt wie bei keinem anderen Straßenlauf in der Welt. 78 Prozent der Athleten nutzen ihren Lauf, um Spenden für gemeinnützige Zwecke zu sammeln. Auf diese Weise kommen jährlich in London hohe zweistellige Millionenbeträge zusammen. In der Geschichte des Rennens wurden bisher schon rund 400 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke gesammelt.