Eliud Kipchoge läuft Jahresweltbestzeit, Gladys Cherono bleibt unter der 2:20-Stunden-Barriere

Von Jörg Wenig
50 Meter vor der Ziellinie zusammen mit der RTL-Staffel. © Take The Magic Step
50 Meter vor der Ziellinie zusammen mit der RTL-Staffel. © Take The Magic Step

Kenias Eliud Kipchoge und Gladys Cherono erreichten in Berlin fantastische Marathon-Resultate beim Auftakt der großen City-Marathonläufe dieses Herbstes. Eliud Kipchoge triumphierte beim 42. BMW Berlin-Marathon mit einer Jahresweltbestzeit von 2:04:00 Stunden. Der 30-Jährige ließ ein Weltklassefeld hinter sich und verbesserte bei sehr guten Wetterbedingungen seine eigene Bestzeit um fünf Sekunden, obwohl er während des gesamten Rennens Probleme mit den Innensohlen seiner Schuhe hatte. Eliud Kiptanui (Kenia) wurde Zweiter mit 2:05:22 vor Äthiopiens Feyisa Lilesa, der nach 2:06:57 im Ziel am Brandenburger Tor war.

Die 32-jährige Kenianerin Gladys Cherono blieb in ihrem zweiten Marathon unter der prestigeträchtiges 2:20-Stunden-Barriere. Sie gewann in der Jahresweltbestzeit von 2:19:25 vor den äthiopischen Läuferinnen Aberu Kebede (2:20:48) und Meseret Hailu (2:24:33).

41.224 Läufer aus 131 Nationen hatten für das Rennen gemeldet, das zur Abbott World Marathon Majors-Serie gehört. 25 Jahre nach ihrem Sieg 1990 gab Take The Magic Steps Uta Pippig gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller den Startschuss. Außerdem fanden der Bambinilauf mit etwa 1.600 Kindern auf dem Vorfeld des Flughafens Tempelhof und der 4,2195 km lange mini-Marathon mit 10.031 Schülern auf der Potsdamer Straße im Herzen Berlins statt. Auch bei den Kinderläufen war Uta vor Ort und feuerte die Nachwuchsathleten begeistert an.

Die Staffel des RTL – Wir helfen Kindern – Spendenmarathons. © Take The Magic Step
Die Staffel des RTL – Wir helfen Kindern – Spendenmarathons. © Take The Magic Step

Am Marathontag schnürte Uta dann selbst die Laufschuhe und rannte als Teil des RTL-Spendenmarathon-Teams „Wir helfen Kindern“ von der 35-km-Marke an gemeinsam mit den Teilnehmern bis ins Ziel. Sie sagte: „Die Atmosphäre an der Strecke war atemberaubend und ich möchte allen Läufern ganz herzlich zu ihrem großartigen Marathontag gratulieren. Auch ein ganz besonderer Dank an das Organisationsteam des SCC Berlin, das mich für die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestages des historischen Wiedervereinigungs-Marathons eingeladen hatte, und an alle ehrenamtlichen Helfer, die mit viel Mühe und Leidenschaft dieses Marathonwochenende zu einem wahren Läuferfest gemacht haben.“

Hunderttausende begeisterte Sportfans säumten die Strecke des Rennens durch die deutsche Hauptstadt, das die Teilnehmer an Berliner Wahrzeichen wie der Siegessäule, dem Reichstag, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, dem Potsdamer Platz und dem für seine fantastische Stimmung bekannten Wilden Eber vorbeiführt. Zudem waren tausende ehrenamtliche Helfer im Einsatz für den beliebten Marathon.

Eliud Kipchoge auf dem Weg zum Sieg mit Hindernissen: Seine Schuh-Innensohlen lösten sich. © www.PhotoRun.net
Eliud Kipchoge auf dem Weg zum Sieg mit Hindernissen: Seine Schuh-Innensohlen lösten sich. © www.PhotoRun.net

Im Rennen der Männer bildete sich frühzeitig eine sechsköpfige Spitzengruppe. Analog zur Startliste lagen just jene sechs Athleten vorne, die die niedrigsten Startnummern hatten: 2, 3, 4, 5, 6 und 7 – Kenias Emmanuel Mutai, Eliud Kipchoge, Geoffrey Mutai und Eliud Kiptanui sowie die beiden äthiopischen Teilnehmer Feyisa Lilesa und Tamirat Tola. Geführt von Tempomachern waren es dabei die Schuhe von Eliud Kipchoge, die in dieser Phase für das meiste Aufsehen sorgten: Die Innensohlen hatten sich gelöst und steckten nur noch im Hackenbereich im Schuh.

„Es war kein guter Tag für mich in diesen Schuhen, obwohl sie eigentlich sehr gut sind. Ich hatte sie in Kenia getestet, es war einfach unglücklich. Ich hatte vom ersten Kilometer an Probleme“, erklärte Eliud Kipchoge, den dieses Problem wahrscheinlich sehr viel Zeit gekostet haben dürfte. Im vergangenen Jahr hatte Kenias Dennis Kimetto den Weltrekord von 2:02:57 Stunden aufgestellt.

Schon an der Halbmarathonmarke lag die Führungsgruppe mit 61:53 Minuten etwas außerhalb des avisierten Zeitplans, eine Durchgangszeit von 61:30 war vorgesehen. Trotz des Handicaps mit den Schuhen war es Eliud Kipchoge, der kurz nach dem Ausstieg des letzten Tempomachers, David Kogei (Kenia) nach 29 km, das Tempo forcierte und damit die Spitzengruppe auseinander zog. Mit dem schnellsten 1.000-m-Abschnitt im Rennen sorgte Eliud dann für die Vorentscheidung: Den 32. Kilometer lief er in 2:48 Minuten. Damit hatte er sich deutlich abgesetzt von seinem Trainingspartner Emmanuel Mutai, der später Eliud Kiptanui und Feyisa Lilesa vorbeiziehen lassen musste und in 2:07:46 Vierter wurde.

Philipp Pflieger lief in Berlin eine deutsche Jahresbestzeit. © www.PhotoRun.net
Philipp Pflieger lief in Berlin eine deutsche Jahresbestzeit. © www.PhotoRun.net

„Der Weltrekord war mein Ziel, aber es ging heute nicht. Trotzdem freue ich mich über diesen Sieg und meine persönliche Bestzeit. Ich würde gerne wieder zurückkommen nach Berlin, um meine Zeit noch weiter zu verbessern“, sagte Eliud Kipchoge, der vor zwei Jahren in Berlin als Zweiter seine bisherige persönliche Bestzeit von 2:04:05 Stunden aufgestellt hatte und nun die neuntbeste Zeit aller Zeiten erreichte.

Ein mutiges Rennen liefen Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) und Julian Flügel (TSG 08 Roth), die die Halbmarathonmarke nach 66:02 Minuten passierten und damit noch auf Kurs lagen für die deutsche Olympianorm. Nach der 30-km-Marke fiel Julian Flügel etwas zurück, erreichte aber am Ende mit 2:13:57 noch eine persönliche Bestzeit und den 19. Platz. „Ich bin sehr zufrieden, aber es war hart. Ich wusste, dass es schwer wird mit der Norm heute, und ich hatte sie heute nicht drauf. Aber ich freue mich, dass ich unter 2:14 Stunden gelaufen bin“, sagte Julian. Philipp Pflieger erreichte in seinem zweiten Marathon mit 2:12:50 eine deutsche Jahresbestzeit und Rang 16. „Ich hatte viel Respekt vor der Distanz. Nach der Halbmarathon-Durchgangszeit wusste ich nicht, was im zweiten Abschnitt des Rennens passieren würde. Es stimmt mich nicht so traurig, dass ich die Norm jetzt verpasst habe, denn ich bin ein gutes Rennen gelaufen“, sagte der 28-Jährige, der im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen wird in Richtung Olympia-Norm.

Gladys Cherono lief die schnellste Frauen-Marathonzeit auf einer rekordkonformen Strecke seit April 2012. © www.PhotoRun.net
Gladys Cherono lief die schnellste Frauen-Marathonzeit auf einer rekordkonformen Strecke seit April 2012. © www.PhotoRun.net

Im Rennen der Frauen bildete sich zunächst eine vierköpfige Spitzengruppe mit Gladys Cherono, die bei ihrem Marathon-Debüt in Dubai Anfang des Jahres hochklassige 2:20:03 gelaufen war, der zweifachen Berlin-Siegerin Aberu Kebede (Äthiopien/2010 und 2012) sowie Meseret Hailu und Tadelech Bekele (beide Äthiopien). Schon vor der 20-km-Marke entwickelte sich das erwartete Duell zwischen Gladys Cherono und Aberu Kebede, die sich absetzten. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 70:15 Minuten war es dann Gladys, die sich mit einer Tempoverschärfung zehn Kilometer vor dem Ziel von Aberu lösen konnte. Das höhere Tempo brachte sie auf Kurs für eine Zeit unter 2:20 Stunden.

Mit 2:19:25 erzielte Gladys Cherono am Ende die drittschnellste je in Berlin gelaufene Zeit und kam bis auf 13 Sekunden an den zehn Jahre alten Streckenrekord der Japanerin Mizuki Noguchi heran. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich so schnell sein würde und freue mich riesig über diesen Sieg und die Leistung“, sagte die kenianische Siegerin, die in Berlin die schnellste Marathonzeit weltweit auf einer rekordkonformen Strecke seit April 2012 erzielte.

Anna Hahner lief auf den 13. Platz. © www.PhotoRun.net
Anna Hahner lief auf den 13. Platz. © www.PhotoRun.net

Anna Hahner (Run2Sky/Gengenbach) war am Sonntag die schnellste deutsche Läuferin. Bis zur Halbmarathonmarke, die sie in 1:13:12 Stunden passiert hatte, lag sie noch auf Kurs für eine Bestzeit (2:26:44), doch in der zweiten Hälfte wurde die 25-Jährige langsamer und so geriet auch die anvisierte Olympianorm von 2:28:30 außer Reichweite. „Bis zur Halbmarathonmarke lief alles gut. Ich war mir immer sicher, dass ich zumindest die Norm laufen würde. Aber dann wurde es zäh. Das Training lief gut, aber in diesem Jahr konnte ich diese Form bei meinen Wettkämpfen nicht umsetzen“, sagte Anna nach ihrem 13. Platz in 2:30:19.

Platz zehn belegte in Berlin Fate Tola mit 2:28:24. Die äthiopische Läuferin lebt mit ihrer Familie bereits seit Jahren in Deutschland. Einen schweizerischen Rekord stellte Maja Neuenschwander auf, die nach 2:26:49 als Sechste im Ziel war.

Das Rennen der Rennrollstuhlfahrer entschieden der Brite David Weir (1:27:36) und Russlands Nataliya Kocherova (1:50:36) für sich, während der 20-malige Sieger Heinz Frei an seinem 30. Berlin-Marathon teilnahm. Bei den Handbikern siegten Vico Merklein (GER) mit 1:02:32 und Christiane Reppe (GER) mit 1:10:12 jeweils in Streckenrekordzeit.

Danke, Fridolin FRIDO Flink, das hast Du heute toll gemacht! © Take The Magic Step
Danke, Fridolin FRIDO Flink, das hast Du heute toll gemacht! © Take The Magic Step

Die Ergebnisse des 42. Berlin-Marathons

Männer:

1.Eliud KipchogeKEN2:04:00 Stunden
2.Eliud KiptanuiKEN2:05:21
3.Feyisa LilesaETH2:06:57
4.Emmanuel MutaiKEN2:07:46
5.Geoffreu MutaiKEN2:09:29
6.Reid CoolseatCAN2:10:28
7.Koen NaertBEL2:10:31
8.Yared ShegumoPOL2:10:47
9.Koji GokayaJPN2:10:58
10.Scott OverallGBR2:11:24

Frauen:

1.Gladys CheronoKEN2:19:25 Stunden
2.Aberu KebedeETH2:20:48
3.Meseret HailuETH2:24:33
4.Tadelech BekeleETH2:25:01
5.Andrea DeelstraNED2:26:46
6.Maja NeuenschwanderSUI2:26:49
7.Lisa NemecCRO2:27:57
8.Tomomi TanankaJPN2:28:00
9.Sonia SamuelsGBR2:28:04
10.Fate TolaETH2:28:24