Ein „Wanjiru“ gewinnt den Athens Classic-Marathon

Von Jörg Wenig
Josephat Ngetich, genannt „Wanjiru“, auf dem Weg zum Sieg in Athen. © www.photorun.net
Josephat Ngetich, genannt „Wanjiru“, auf dem Weg zum Sieg in Athen. © www.photorun.net

Der Mann, den seine Trainingspartner nach dem Marathon-Olympiasieger Sammy Wanjiru und aufgrund seiner Statur und seines Laufstils „Wanjiru“ nennen, machte seinem Spitznamen alle Ehre: Der Kenianer Josephat Ngetich gewann die 27. Auflage des Alpha Bank Athens Classic-Marathons am Sonntag und feierte damit den ersten Marathonsieg seiner Karriere. Bei den Frauen entschied bei zeitweiligem Regen Akemi Ozaki (Japan) das Rennen für sich. Auf der historischen Strecke von Marathon, dem Ursprungsort des klassischen Rennens über 42,195 Kilometer, nach Athen erreichte der 23-jährige Ngetich das Ziel in 2:13:44 Stunden vor seinen beiden Landsleuten Edwin Kipchom (2:14:18) und Pius Mutuku (2:14:39). Akemi Ozaki triumphierte im Panathinaikon-Stadion, dem Austragungsort der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahre 1869, nach 2:39:56 Stunden vor der Äthiopierin Eshetu Degefa (2:40:32) und der Weißrussin Sviatlana Kouhan (2:40:54). Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, beteiligten sich beim Athens Classic-Marathon 11.825 Läufer.

Bei anfangs strömendem Regen bildete sich eine rund zwölfköpfige Spitzengruppe. Doch als es dann ab Kilometer zehn bergauf ging, verkleinerte sich diese Gruppe nach und nach. Nach 32 km und einem Bergauflauf von rund 150 Höhenmetern waren noch drei Läufer in der Spitzengruppe übrig: Neben dem späteren Sieger Ngetich handelte es sich dabei um Edwin Kipchom und den Äthiopier Belachew Alemayehu Ameta. Abwärts nach Athen laufend, verlor dann Kipchom Kontakt zu seinen Konkurrenten. Rund zwei Kilometer vor dem Ziel fiel die Entscheidung, als sich Ngetich von Belachew Alemayehu Ameta lösen konnte. Der Äthiopier sah lange Zeit sehr locker aus, doch bekam er dann auf dem letzten Stück große Probleme und musste sich schließlich mit Rang vier in 2:14:51 Stunden zufrieden geben. Der Vorjahressieger und Kursrekordler Paul Lekuraa (2:12:42) kam aufgrund von muskulären Problemen nicht über Rang 16 in 2:28:02 Stunden hinaus.

„Eigentlich dachte ich schon während meines Trainingslagers in Kapsabet, dass ich in Athen gewinnen könnte. Sicher war ich mir dann heute im Rennen nach der 35-km-Marke“, erklärte Josephat Kipkurui Ngetich, der die zweitschnellste je bei der Veranstaltung gelaufene Zeit erzielte. Ngetich hatte im vergangenen Jahr in Brescia (Italien) bei seinem Marathondebüt einen dritten Platz in 2:17:09 Stunden belegt. Der Kenianer stellte in Athen trotz der schweren Strecke eine persönliche Bestzeit auf. Dass es während der ersten Hälfte des Rennens regnete, störte Josephat Kipkurui Ngetich nicht. „Das war eine willkommene Abkühlung für mich“, sagte der Sieger. Später kletterten die Temperaturen auf rund 20 Grad in der Sonne. Ngetich hat in Kapsabet hervorragende Trainingspartner. Zu ihnen gehören unter anderem der mehrfache London-Marathon-Sieger Martin Lel und James Kwambai, der mit 2:04:27 Stunden gemeinsam mit Duncan Kibet der zweitschnellste Marathonläufer aller Zeiten ist.

Akemi Ozaki gewinnt den Athens Classic-Marathon. © www.photorun.net
Akemi Ozaki gewinnt den Athens Classic-Marathon. © www.photorun.net

Zum zweiten Mal in Folge gab es in Athen einen japanischen Sieg bei den Frauen. Danach hatte es zwischenzeitlich allerdings nicht ausgesehen. Denn kurz nachdem sie in der Spitzegruppe die Halbmarathonmarke in 1:20:38 Stunden erreicht hatte, fiel Akemi Ozaki etwas zurück. „Die anderen haben an dieser Stelle das Tempo verschärft, ich wollte aber lieber gleichmäßig laufen“, erklärte die 32-jährige Japanerin später. Ihre Taktik erwies sich als richtig. Bei Kilometer 30 hatte sie die Spitzengruppe mit Eshetu Degefa Bruktavit, Sviatlana Kouhan und der am Ende viertplatzierten Natalia Volgina (2:41:48) wieder eingeholt. Bei 39 km löste sich Akemi Ozaki dann entscheidend und lief gut zwei Monate nach ihrem zweiten Platz beim Sapporo-Marathon, wo sie mit 2:27:23 ihre Bestzeit aufgestellt hatte, zum Sieg. Im vergangenen Jahr hatte ihre Landsfrau Mai Tagami in Athen mit 2:36:58 Stunden gewonnen. „Die Strecke ist sehr schwer, der Regen war dagegen kein Problem für mich“, sagte Akemi Ozaki, die im Gegensatz zu vielen japanischen Topläufern nicht für ein Unternehmen, sondern für einen Verein startet: Second Wind heißt ihr Klub in Tokio. In Athen sorgte sie dafür, dass der ‚zweite Wind‘ auf dem ersten Platz landete.

Haile Gebrselassie plant neue Weltrekordjagd in Dubai

Vielleicht schafft es Haile Gebrselassie im dritten Anlauf. Erneut wird der äthiopische Marathon-Weltrekordler, der in Berlin 2008 die aktuelle Bestzeit von 2:03:59 Stunden erreichte, in Dubai an den Start gehen. Auf der wohl flachsten Marathonstrecke der Welt hatte der 36-Jährige sowohl 2008 als auch 2009 gewonnen, jedoch beide Male sein zweites Ziel neben dem Sieg verpasst: Gebrselassie wollte seinen eigenen Weltrekord brechen. Das will er nun am 22. Januar in den Vereinigten Arabischen Emiraten nachholen.

Nicht nur 2008, sondern auch 2009 lag Haile Gebrselassie in Dubai lange Zeit auf Weltrekordkurs. Doch beide Male konnte er das Tempo aus unterschiedlichen Gründen nicht halten: 2008 war das Anfangstempo zu hoch, so dass er am Ende deutlich langsamer wurde, ein Jahr später stoppte ihn ein Unwetter auf der zweiten Hälfte der Strecke. 2008 erreichte Gebrselassie in 2:04:53 Stunden das Ziel, 2009 lief er 2:05:29.

„Ich glaube nach wie vor, dass ich in Dubai den Weltrekord brechen kann. Aber es muss alles perfekt zusammen passen, deswegen kann ich keine Prognose abgeben“, sagte Haile Gebrselassie und fügte hinzu: „Im Nachhinein kann ich immer noch nicht verstehen, warum ich 2008 den Rekord nicht gelaufen bin – alles war perfekt, nur das Anfangstempo war zu hoch. In diesem Jahr war der starke Regen sehr störend, zudem war ich nicht 100-prozentig fit. Dass ich unter diesen Umständen gewonnen habe und gut gelaufen bin, war ein Erfolg für mich.“ Die Veranstalter hatten vor dem Rennen im vergangenen Januar die Strecke noch einmal verbessert und eine Reihe von Ecken herausgenommen. Der neue Kurs hatte nur noch eine Ecke, zwei Wenden und drei Schrägen!

Im September hatte Haile Gebrselassie den Berlin-Marathon zum vierten Mal in Folge gewonnen. Hier siegte er in 2:06:08 Stunden. Im Oktober lief Gebrselassie beim Halbmarathon in Porto sein erstes Rennen nach Berlin und gewann in 60:04 Minuten. Einen Testlauf plant er noch vor dem Standard Chartered Dubai-Marathon: Am 31. Dezember will er über die acht Kilometer beim Silvesterlauf in Trier an den Start gehen.

Irina Mikitenko ist Siegerin der WMM-Serie 2008-2009

Mit dem größten Vorsprung, den je ein Läufer bei bisher drei abgeschlossenen Serien erreichen konnte, hat Irina Mikitenko die World Marathon Majors (WMM)-Serie 2008-2009 gewonnen. Die 37-jährige Athletin des TV Wattenscheid sammelte mit drei Siegen (London 2008 und 2009 sowie Berlin 2008) und einem zweiten Rang (Chicago 2009) 90 Punkte und hatte zum Abschluss der Serie gleich 50 Zähler mehr als die zweitplatzierte Äthiopierin Dire Tune. Vor einem Jahr lag Irina Mikitenko in der bisher knappsten WMM-Entscheidung ebenfalls vorne: Hier war sie zwar zunächst punktgleich mit Gete Wami (Äthiopien) auf Platz eins, die Berücksichtigung weiterer Faktoren (u.a. Anzahl der Rennen und Durchschnittszeit) verhalf ihr jedoch schließlich zum knappen Sieg.

Gemeinsam mit dem Sieger der Männer, Sammy Wanjiru (Kenia), wurde Irina Mikitenko in New York ausgezeichnet. Beide erhielten jeweils einen symbolischen Scheck über 500.000 US-Dollar – der WMM-Siegprämie.

„Ich freue mich riesig, dass ich ein zweites Mal die WMM-Serie gewonnen habe. Das ist ein mit großem Prestige verbundener Erfolg, denn man muss über zwei Jahre hinweg konstant sehr erfolgreich sein. Das ist nicht einfach und ein solcher Erfolg kann nicht auf Zufall oder Glück basieren“, erklärte Irina Mikitenko im Rahmen des WMM-Empfanges im Central Park und fügte hinzu: „Unabhängig von meinen Siegen halte ich sehr viel von dem WMM-Konzept. Mit dieser Idee ist es den fünf Race-Direktoren gelungen, unseren Sport noch stärker in den Blickpunkt zu rücken und damit den Laufsport weiter zu entwickeln.“