Edwin Soi schafft Hattrick beim Silvesterrennen in Bozen

Von Jörg Wenig
In Bozen war Edwin Soi einmal mehr nicht zu schlagen. © BOclassic/life-style.it
In Bozen war Edwin Soi einmal mehr nicht zu schlagen. © BOclassic/life-style.it

An keinem anderen Tag des Jahres werden so viele Straßenrennen gestartet wie am 31. Dezember. Silvester ist für Läufer längst auch zu einem Synonym für den Ausdauersport geworden. Traditionell fanden dabei unter anderem Rennen in Bozen, São Paulo, Trier, Madrid und Peuerbach statt.

Edwin Soi hat am letzten Tag des Jahres den Hattrick geschafft: Zum dritten Mal in Folge gewann der Kenianer den Silvesterlauf in Bozen (Südtirol). Die 35. Auflage der BOclassic war dabei fest in afrikanischer Hand. Das Frauenrennen gewann bei Nieselregen die Junioren-Weltmeisterin Gedo Sule Utura aus Äthiopien.

In einem hochklassigen Männerrennen musste Soi für seinen dritten Erfolg in Bozen härter arbeiten als zuvor. Erst auf der sechsten von acht Runden des 10-Kilometer-Rennens konnte er sich von seinen Verfolgern etwas absetzen. „Dieser Sieg bedeutet mir mehr als meine beiden vorhergehenden, denn er war sehr hart erkämpft. Das Rennen war ausgezeichnet besetzt. Ich habe meinen Konkurrenten beim Halbzeitsprint den Vortritt gelassen. Danach habe ich sozusagen aus dem Hinterhalt zugeschlagen. Diese Taktik ist aufgegangen“, erklärte der 5.000-Meter-Olympiadritte, der in Bozen nach 28:44 Minuten im Ziel war.

Auf den Rängen zwei und drei folgten mit Jida Imane Merga (Äthiopien), WM-Vierter von Berlin über 10.000 m, und dem britischen Hallen-Europameister Mo Farah zwei weitere internationale Topläufer. Merga war nur eine Sekunde hinter Soi im Ziel, Farah lief 28:48 Minuten.

Drei Siege hat in Bozen außer Edwin Soi nur Sergej Lebid geschafft. Der Ukrainer landete diesmal an neunter Stelle. Bester Europäer war Italiens Jungstar Andrea Lalli (29:33) auf Platz fünf, unmittelbar hinter dem Kenianer Silas Kipruto (29:25). Dieser hatte mit einer superschnellen zweiten Runde das Feld auseinander gerissen.

Im Rennen der Frauen über 5 km siegte die Äthiopierin Gedo Sule Utura. Die 5.000-m-Junioren-Weltmeisterin hatte sich bereits in der zweiten Runde absetzen können. Den Vorsprung brachte sie sicher ins Ziel, das sie nach 16:11 Minuten erreichte. „Ich hatte nicht erwartet zu gewinnen, weil ich die Kälte nicht gewohnt bin. Es war für mich kein Spaziergang, auch wenn es vielleicht den Anschein hatte. Jetzt bereite ich mich auf die Cross-Weltmeisterschaft vor“, erklärte die Siegerin.

Überraschend stark lief Sonja Roman. Die slowenische 1500-m-Spezialistin belegte Rang zwei in 16:13 Minuten noch vor der Französin Christelle Daunay (16:17). Cross-Europameisterin Hayley Yelling (Großbritannien) kam auf Rang sieben ins Ziel.

James Kwambai gewinnt in São Paulo

Der Ursprung der Silvesterläufe liegt in Brasilien: Bei hochsommerlichen Temperaturen von gut 30 Grad Celsius sowie hoher Luftfeuchtigkeit fand die 85. Auflage des ,Corrida Internacional de São Silvestre‘ statt. Die Rekordzahl von 21.000 Läufern startete bei dem 15-km-Lauf durch São Paulo. Dominiert wurde das Rennen von den kenianischen Topathleten.

Der Mann, der in der Marathon-Jahresweltbestenliste 2009 vorne steht, war auch am Silvestertag in São Paulo wieder die Nummer eins: Vorjahressieger James Kwambai (Kenia) hatte im vergangenen April für Aufsehen gesorgt, als er beim Rotterdam-Marathon einen Schritt hinter seinem zeitgleichen Landsmann Duncan Kibet ins Ziel stürmte. Beide verbesserten sich dabei auf 2:04:27 Stunden und sind hinter Haile Gebrselassie (Äthiopien) die zweitschnellsten Marathonläufer aller Zeiten.

Bei dem 15-km-Rennen löste sich James Kwambai nach etwa 9 km von seinen Konkurrenten und erlief einen großen Vorsprung: In 44:40 Minuten gewann er schließlich vor seinen beiden Landsleuten Elias Chelimo (44:58) und dem dreifachen São Paulo- und dreifachen Boston-Marathon-Sieger Robert K. Cheruiyot, der am Donnerstag 45:30 lief. „Ich wäre gerne schneller gelaufen, aber die Luftfeuchtigkeit hat es mir schwer gemacht“, sagte James Kwambai gegenüber der Internetseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes (iaaf.org). Jedoch war er zwei Sekunden schneller als bei seinem Sieg 2008.

Auch bei den Frauen überzeugte eine Läuferin aus Kenia in São Paulo: Pasalia Kipkoech setzte sich auf der zweiten Streckenhälfte locker von ihren Konkurrentinnen ab und gewann mit großem Vorsprung: Nach 52:30 Minuten war die erst 21-Jährige im Ziel und feierte den größten Sieg ihrer noch jungen Karriere. Olivera Jevtic (Serbien/52:59) folgte auf Rang zwei, Dritte wurde Marily dos Santos (Brasilien) in 53:35. „Straßenrennen sind einfach – Du trainierst hart und dann gewinnst Du. Ich habe gut trainiert, laufe sehr schnell und das ist gut genug, um zu siegen“, erklärte Pasalia Kipkoech.

Haile Gebrselassie siegt im Konfetti-Regen von Trier

Haile Gebrselassie mit seinem stärksten Konkurrenten Shadrack Lagat in Trier. © Bitburger Silvesterlauf
Haile Gebrselassie mit seinem stärksten Konkurrenten Shadrack Lagat in Trier. © Bitburger Silvesterlauf

Nur der Konfettiregen, nicht jedoch seine Gegner konnten Haile Gebrselassie beim Bitburger Silvesterlauf in Trier aufhalten. Der äthiopische Marathon-Weltrekordler wurde bei der 20. Auflage des Rennens seiner Favoritenrolle gerecht. Haile Gebrselassie war über 8 km nach 22:23 Minuten bei Regen und Konfettiregen im Ziel. Schnellste Frau war über 5 km die Russin Yelena Zadorozhnaya, die mit einer Zeit von 15:49 Minuten gewann. Der Silvesterlauf in Trier, der aufgrund seiner Stimmung an der 1-km-Rundstrecke auch als ,deutsches São Paulo‘ bezeichnet wird, registrierte zum Jubiläum einen Teilnehmerrekord von 2.228 Läufern. Rund 20.000 Zuschauer säumten die Strecke.

In der vierten der acht Runden löste sich Haile Gebrselassie von seinen beiden an der Spitze verbliebenen kenianischen Konkurrenten Shadrack Lagat und Paul Kipkorir. Etwa nach der Hälfte der Distanz begann der 36-Jährige damit die ersten Läufer des Eliterennens zu überrunden. Mit einer 4-km-Zwischenzeit von 11:08 Minuten lag er dabei gut auf Kurs für den Streckenrekord von 22:21 Minuten. Den hatte der Kenianer Isaac Kariuki bereits vor 12 Jahren in Trier aufgestellt. Selbst der inoffizielle Weltrekord von 22:03 Minuten (Peter Githuka/KEN/1996) schien noch nicht völlig außer Reichweite. Doch mit zu überrundenden Läufern sowie Regen und einem dadurch teilweise rutschigen Untergrund konfrontiert, verlor Haile Gebrselassie etwas an Fahrt. Hinzu kam, dass ihn der Konfettiregen behinderte. „Die Stimmung war toll, fast so wie einem Stadion. Aber ich bekam Konfetti in die Augen“, sagte Haile Gebrselassie, der nun am 22. Januar in Dubai Marathon laufen wird. „Ich dachte, ich sei immer noch gut auf Kurs für einen Streckenrekord, deswegen ließ ich es in der letzten Runde etwas langsamer angehen. Im Ziel war ich dann überrascht, dass es nicht gereicht hatte.“

„Gegen Haile zu laufen, das ist wie gegen einen Löwen zu kämpfen“, sagte der zweitplatzierte Shadrack Lagat, der nach 22:48 Minuten im Ziel war. Dritter wurde Paul Kipkorir (Kenia), Rang vier belegte als bester Deutscher Arne Gabius (LAV Asics Tübingen/beide 23:19). Mittelstreckler Carsten Schlangen (LG Nord Berlin/23:53) wurde am Tag seines 29. Geburtstages Sechster hinter Benjamin Kemboi (Kenia/23:21).

Im 5-km-Rennen der Frauen mussten sich Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon) und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) gegen starke Konkurrenz behaupten. Da beide zurzeit Trainingsrückstände haben, verpassten sie schließlich die Podest-Plätze deutlich. Sabrina Mockenhaupt belegte in 15:59 Minuten den sechsten Platz vor Irina Mikitenko (16:16). Der Sieg ging in 15:49 Minuten an die russische 5.000-m-Olympia-Vierte von 2004, Yelena Zadorozhnaya. Die 32-Jährige setzte sich im Endspurt gegen die erst 18 Jahre alte Äthiopierin Emebeth Anteneh (15:51 Minuten) und die Kenianerin Caroline Chepkwony (15:54 Minuten) durch.

Moses Masai dominiert in Madrid

Kenias Stars waren auch beim seit Jahren sehr gut besetzten Silvesterlauf Nike ‚San Silvestre Vallecana‘ von Madrid vorne: Moses Masai, der WM-Bronzemedaillengewinner von Berlin über 10.000 m, setzte sich als Favorit auf dem 10-km-Kurs in Spaniens Hauptstadt souverän durch und lief nach 28:01 Minuten ins Ziel. Zweiter wurde der Spanier Alemayehu Bezabeh (28:10), der vor kurzem in Dublin Crosslauf-Europameister geworden war, vor seinem Landsmann Sergio Sanchez (28:21).

Auch bei den Frauen kam in Madrid die Favoritin als Erste in Ziel: Vivian Cheruiyot (Kenia), die im vergangenen August bei der WM in Berlin über 5.000 m die Goldmedaille gewonnen hatte, bestimmte das Geschehen und erreichte nach 32:15 Minuten das Ziel des 10-km-Rennens. Nuria Fernandez (Spanien/32:59), Rosaria Console (Italien/33:02) und die 3.000-m-Hindernisweltmeisterin Marta Dominguez (Spanien/33:13) folgten mit deutlichem Abstand.

Günther Weidlinger in Peuerbach knapp geschlagen

Der österreichische Int. Raiffeisen Silvesterlauf in Peuerbach fand traditionell zum 29. Mal vor 10.000 Zuschauern bei acht Grad Celsius statt. Rekordläufer Günther Weidlinger, der dort bereits sieben Siege gefeiert hat, stand als Lokalmatador im 6,8 km langen ,Lauf der Asse‘ auch diesmal im Mittelpunkt. In einem dramatischen Rennen kämpfte er sich in 18:49 Minuten auf den zweiten Rang – zeitgleich mit dem 25-jährigen Sieger Abere Chane aus Äthiopien. Beide kamen in ihrem spannenden Duell bis auf drei Sekunden an den Streckenrekord heran. Rang drei holte Aberu Kuma, ebenfalls aus Äthiopien, in 19:18 Minuten.

„Ich bin absolut zufrieden mit dieser Leistung. Es ist meine beste Zeit hier in Peuerbach seit mehreren Jahren. Das stimmt mich sehr zuversichtlich“, erklärte Günther Weidlinger gegenüber der Internetseite des Vienna City-Marathons (vienna-marathon.com). Am 18. April wird er beim Wien-Marathon starten.

Anfangs an sechster Stelle in Verfolgerposition laufend, konnte er sich bis zur fünften von acht Runden an die zweite Stelle vorarbeiten. Trotz einer schnellen Schlussrunde fehlten Weidlinger am Ende zwei Meter. „Ich habe nie aufgegeben, obwohl ich schon gut 40 Meter hinter dem Führenden lag. Ich hatte aber nicht mehr die Spritzigkeit, um zum Schluss ganz nach vorne zu laufen.“

Bei den Frauen setzte sich die erst 18-jährige Äthiopierin Asmera-Work-Bekele Wolkeba in Szene. Sie siegte auf der 5,1-km-Distanz in 16:25 Minuten vor Svetlana Kouhan aus Weißrussland (16:39) und der Ungarin Livia Toth (16:43). Österreichs Marathonrekordlerin und Wien-Siegerin 2009, Andrea Mayr, zeigte ein gutes Comeback nach ihrem Schlüsselbeinbruch und lief in 16:46 Minuten als Vierte dicht an einen Podestplatz heran.