David Rudisha läuft Weltrekord über 800 Meter in Berlin

Von Jörg Wenig
David Rudisha, hier beim Leichtathletik-Meeting in Ostrava, stürmte in Berlin zum 800-m-Weltrekord. © www.photorun.net
David Rudisha, hier beim Leichtathletik-Meeting in Ostrava, stürmte in Berlin zum 800-m-Weltrekord. © www.photorun.net

Der Kenianer David Rudisha hat beim 69. Internationalen Stadionfest (ISTAF) im Berliner Olympiastadion den Weltrekord über 800 Meter gebrochen. Der erst 21-Jährige stürmte bei dem traditionsreichen Leichtathletik-Meeting vor fast 47.000 jubelnden Zuschauern nach 1:41,09 Minuten ins Ziel und unterbot damit die 13 Jahre alte Bestmarke, die der Däne Wilson Kipketer 1997 in Köln mit 1:41,11 aufgestellt hatte um zwei Hundertstelsekunden. „Ich wusste, dass es heute mein Tag sein würde. Ich habe sehr hart trainiert, und das Wetter war gut. Ich habe dem Tempomacher gesagt, dass er die erste Runde unter 49 Sekunden laufen soll – er hat seine Aufgabe großartig gelöst“, erklärte David Rudisha.

Dass der Kenianer das Vermögen haben würde, den Weltrekord über 800 Meter zu brechen, wurde spätestens im vergangenen Jahr offensichtlich. Im September 2009 hatte er sich in Rieti (Italien) auf 1:42,01 Minuten gesteigert. Zuvor hatte er sich in Berlin bei den Weltmeisterschaften in einem taktischen Halbfinalrennen verkalkuliert, kam mit den kühlen und nassen Bedingungen nicht gut zurecht und war überraschend ausgeschieden. Doch seitdem hatte der Sohn des Silbermedaillengewinners über 4 x 400 m der Olympischen Spiele von 1968 in Mexiko-Stadt – Daniel Rudisha – vor seiner Rückkehr nach Berlin alle 16 folgenden Rennen über 800 Meter gewonnen.

Schon im März war David Rudisha in Topform. Beim Meeting in Melbourne lief er 1:43,15 Minuten – nie zuvor war ein 800-m-Läufer so früh im Jahr so schnell. Dann gewann er unter anderen die hochkarätigen Meetings in Doha, Ostrava und Oslo, wo er mit 1:42,04 Minuten den Stadionrekord des legendären Briten Sebastian Coe brach. Noch schneller war er daraufhin in Heusden-Zolder. Dort stellte David Rudisha mit 1:41,51 Minuten einen Afrikarekord auf und wurde zum zweitschnellsten 800-m-Läufer aller Zeiten. Take The Magic Step® hatte im Juli darüber berichtet, bitte klicken Sie hier für den Beitrag.

Anschließend kehrte David Rudisha nach Kenia zurück, gewann in Nairobi in der die Leistung in der Regel beeinträchtigenden Höhenluft bei den Afrika-Meisterschaften Ende Juli über 800 m in beachtlichen 1:42,84 Minuten und bereitete sich dann weiter auf einen Weltrekordversuch vor.

In Berlin ging wie in Heusden-Zolder und Oslo mit Sammy Tangui sein Landsmann und Trainingspartner als Tempomacher mit an den Start. Er passierte die 400-m-Marke in 48,65 Sekunden. Dicht dahinter lief David Rudisha, der nach 450 Metern die Spitzenposition übernahm, nach 1:14,54 Minuten die 600-m-Marke passierte und auch in der Zielkurve nicht nachließ. „Die letzten 200 Meter waren sehr hart. Aber dann sah ich am Ende, dass die Uhr bei 1:41,09 stehen blieb. Das war fantastisch – ich bin froh, der beste 800-Meter-Läufer der Welt zu sein“, erklärte David Rudisha nach dem größten Triumph seiner jungen Laufbahn. Seine beiden Landsleute Boaz Lalang (1:44,34) und Abraham Kiplagat (1:44,49) belegten mit großem Abstand die Ränge zwei und drei in Berlin.

Schon im vergangenen Jahr hatte Wilson Kipketer prophezeit, dass David Rudisha seinen 800-m-Weltrekord eines Tages brechen würde. Nun wurde er bestätigt. Der Trainer von David Rudisha, Brother Colm O’Connell, hatte gegenüber der kenianischen Zeitung ,The Nation‘ erklärt: „David hat 2010 die beste Chance, den Rekord zu brechen, denn es gibt keine großen Meisterschaften.“ In den kommenden zwei Jahren werden für den neuen Weltrekordler die Weltmeisterschaften 2011 in Daegu (Süd-Korea) und die Olympischen Spiele in London 2012 im Mittelpunkt stehen. Dann will David Rudisha seine ersten großen Medaillen gewinnen.

Die schnellsten zehn 800-m-Zeiten:
1:41,09 David Rudisha (KEN) 2010
1:41,11 Wilson Kipketer (DEN) 1997
1:41,24 Wilson Kipketer (DEN) 1997
1:41,51 David Rudisha (KEN) 2010
1:41,73 Sebastian Coe (GBR) 1981
1:41,73 Wilson Kipketer (DEN) 1997
1:41,77 Joaquim Cruz (BRA) 1984
1:41,83 Wilson Kipketer (DEN) 1996
1:42,01 David Rudisha (KEN) 2009
1:42,04 David Rudisha (KEN) 2010