Bernard Lagat triumphiert bei der Hallen-WM in Doha

Von Jörg Wenig
Bernard Lagat lief in Doha zum zweiten Mal zum Hallen-WM-Gold über 3.000 m. © www.photorun.net
Bernard Lagat lief in Doha zum zweiten Mal zum Hallen-WM-Gold über 3.000 m. © www.photorun.net

Bereits zum zweiten Mal nach 2004 gewann der US-Amerikaner Bernard Lagat am Sonntag in Doha (Katar) über 3.000 Meter und sorgte damit für die größte Überraschung bei den Laufentscheidungen dieser Hallenweltmeisterschaften.

Am Samstag hatten zunächst die Äthiopier Deresse Mekonnen (1.500 m) und Meseret Defar (3.000 m) zweimal Gold in Doha geholt. Einen Tag später setzte sich dann die ebenfalls aus Äthiopien stammende Kalkidan Gezahegne im 1.500-m-Finale der Frauen durch. Gold Nummer vier ging an Bernard Lagat.

In einem vermeintlich sehr engen 3.000-m-Finalrennen, in dem Kenenisa Bekeles jüngerer Bruder Tariku als Titelverteidiger ins Rennen ging, ließ Bernard Lagat der Konkurrenz am Ende keine Chance. Lange Zeit führte Tariku Bekele. Als der Äthiopier auf der 200-m-Rundbahn das Tempo spürbar anzog, riss er vier Runden vor Schluss das Feld auseinander. Doch Bernard Lagat blieb dran: Er startete kurz vor der letzten Runde seinen Angriff und lief davon. Während der Amerikaner in 7:37,97 Minuten ins Ziel stürmte, kam Tariku Bekele am Ende in 7:40,10 Minuten auf Platz vier. Der neue spanische Europarekordler Sergio Sanchez bestätigte seine Topform in dieser Wintersaison mit einer Silbermedaille in 7:39,55 Minuten, Bronze gewann der Kenianer Sammy Mutahi (7:39,90). Ausgezeichnet schlug sich auf Rang fünf mit Galen Rupp ein weiterer US-Amerikaner (7:42,40).

„Meine Kinder sind extra um sieben Uhr morgens in den USA aufgestanden, um ihren Vater rennen zu sehen – also musste ich etwas zeigen. Ich bin genau so gelaufen, wie es mir mein Trainer gesagt hatte“, erzählte der 35-jährige Bernard Lagat, der 2007 bei der WM in Osaka für Furore gesorgt hatte, als er sowohl die 1.500 m als auch die 5.000 m gewann. „Seit 2007 habe ich einige Erfolge verpasst, aber jetzt bin ich zurück. Mein Fernziel ist das olympische Gold in London 2012. Wahrscheinlich werde ich dort über 5.000 Meter laufen“, sagte Bernard Lagat, der vor Doha in der 3.000-m-Jahresweltbestenliste nicht unter den besten 25 platziert war. Allerdings hatte er in diesem Winter über andere Distanzen Topleistungen gezeigt. So gewann er zum Beispiel bei den Millrose Games in New York zum achten Mal das Meilenrennen auf dem engen Rundkurs des Madison Square Garden. Acht Tage später verbesserte er in Boston mit einer Zeit von 13:11,50 Minuten den US-Rekord über 5.000 m.

Meseret Defar gewinnt vierten 3.000-m-Hallenweltmeistertitel

Meseret Defar gelang ein weiterer Hallen-WM-Sieg. © www.photorun.net
Meseret Defar gelang ein weiterer Hallen-WM-Sieg. © www.photorun.net

Im 3.000-m-Finale der Frauen hatte die Äthiopierin Meseret Defar ursprünglich ein schnelles Rennen geplant. „Aber dann“, erklärte sie gegenüber der Internetseite iaaf.org, „habe ich meine Taktik geändert. Ich merkte, dass es besser wäre abzuwarten und auf den Schlussspurt zu setzen – und das hat gut funktioniert.“ Lange Zeit lief Defar im Finale Seite an Seite mit ihrer Landsfrau Sentayehu Ejigu. Zwei Runden vor Schluss zog die 26-Jährige dann an, übernahm die Spitze und konnte auf den finalen 200 m den kleinen Vorsprung noch etwas ausbauen. Nach 8:51,17 Minuten war Meseret Defar im Ziel und hatte damit ein Novum über die 3.000-m-Hallendistanz aufgestellt: Bereits zum vierten Mal in Folge gewann sie die Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen, die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden.

Hinter Meseret Defar lag in der Schlussphase des Rennens zunächst Sentayehu Ejigu auf Rang zwei, doch Kenias 5.000-m-Weltmeisterin von Berlin, Vivian Cheruiyot, erlief sich im Endspurt noch die Silbermedaille. Sie war in 8:51,85 Minuten vor der Äthiopierin (8:52,08) im Ziel. Für Sentayehu Ejigu war es die erste Medaille bei einer großen Meisterschaft. Vierte wurde Sylvia Kibet (Kenia/8:52,16), Rang fünf belegte die Türkin Alemitu Bekele (8:53,78).

Im 1.500-m-Finale der Männer setzte sich mit Deresse Mekonnen der Favorit durch. Der Äthiopier, der vor zwei Jahren als 20-Jähriger überraschend bei der Hallen-WM triumphiert hatte, verließ sich auf seinen starken Endspurt. Doch es wurde knapp: Erst ausgangs der Zielkurve kam er von außen an die Spitze und gewann schließlich in 3:41,86 Minuten mit genau einer Zehntelsekunde Vorsprung vor Abdalaati Iguider (Marokko) sowie Haron Keitany (Kenia/3:42,32). Deresse Mekonnen war vor wenigen Wochen in Birmingham beachtliche 3:33,10 Minuten gelaufen und wurde damit zum fünftschnellsten Läufer in der Halle. Der einzige deutsche Läufer in Doha, Christian Klein (LC Rehlingen), kam am Freitag im Vorlauf als Siebenter in 3:46,14 Minuten ins Ziel und schied vorzeitig aus. Auch bei den Frauen ging Gold über diese Distanz nach Äthiopien: Kalkidan Gezahegne siegte in 4:08,14 Minuten vor Natalia Rodriguez (Spanien/4:08,30) und Gelete Burka (Äthiopien/4:08,39).

Im 800-m-Finale glich Abubaker Kaki (Sudan) mit einem Sieg in 1:46,23 Minuten die Enttäuschung aus, die er bei der WM in Berlin im vergangenen Sommer durch einen Sturz erlebt hatte. Silber gewann Boaz Lalang (Kenia/1:46,39) vor Adam Kszczot (Polen/1:46,69). Schnell war der 800-m-Endlauf bei den Frauen: Mariya Savinova (Russland) siegte mit einer Jahresweltbestzeit von 1:58,26 Minuten vor der britischen Rekord laufenden Jennifer Meadows (1:58,43). Bronze sicherte sich Alysia Johnson (USA) in 1:59,60.