Bernard Lagat triumphiert bei den Hallen-Weltmeisterschaften

Von Jörg Wenig
Bernard Lagat gewinnt in Istanbul seinen dritten Hallen-WM-Titel. © www.photorun.net
Bernard Lagat gewinnt in Istanbul seinen dritten Hallen-WM-Titel. © www.photorun.net

Der US-Amerikaner Bernard Lagat hat seinen 3.000-Meter-Titel in Istanbul verteidigt und konnte dabei sowohl die kenianischen Spitzenathleten als auch den aktuellen
5.000-m-Weltmeister Mo Farah (Großbritannien) hinter sich lassen. Im einzigen Langstreckenwettbewerb der Hallen-Weltmeisterschaften belegte Arne Gabius (LAV Tübingen) Rang acht. Bei den Frauen gewann die Kenianerin Hellen Obiri überraschend vor der Äthiopierin Meseret Defar das 3.000-m-Gold.

Es waren zunächst die kenianischen Läufer Augustine Choge und Edwin Soi, die an der Spitze das Tempo bestimmten. Richtig schnell wurde es jedoch erst auf den letzten 1.000 Metern. Diesen Abschnitt lief Bernard Lagat in rund 2:24 Minuten. Er hielt dabei stets den Anschluss an die starke kenianische Konkurrenz und war dann in der letzten Runde nicht zu halten. In gut 26 Sekunden – einem 800-m-Tempo – absolvierte Bernard die letzten 200 m und stürmte in 7:41,44 Minuten ins Ziel. Hinter dem US-Amerikaner gab es im Kampf um Platz drei ein Fotofinish. Dabei hatte Mo Farah das Nachsehen, denn Augustine Choge (7:41,77) und Edwin Soi (7:41,78) waren mit hauchdünnem Vorsprung vor dem Briten (7:41,79) im Ziel. Wegen einer angeblichen Behinderung disqualifizierte man Edwin Soi zwischenzeitlich, jedoch wurde diese Entscheidung später nach einem Gegenprotest wieder zurückgenommen.

„Ich habe darauf geachtet, immer in einer guten Position zu sein und fühlte, dass ich am Ende noch genügend Energie hatte“, erklärte der 37-jährige Bernard Lagat, der zum ältesten 3.000-m-Hallen-Weltmeister in der Geschichte dieser Titelkämpfe wurde und dieses Gold zum dritten Mal in seiner Karriere gewann. Bereits 2004 war er Weltmeister in der Halle, vor zwei Jahren siegte er in Doha. „Ich habe es in der Türkei geschafft, und ich weiß, dass ich es in London auch schaffen kann“, sagte der US-Amerikaner mit Blick auf die Olympischen Spiele im Sommer. Bei Olympia hat er bisher zwei Medaillen gewonnen: 2000 war er Dritter und vier Jahre später Zweiter, jeweils über 1.500 m. Ein Olympiasieg wäre die Krönung seiner Karriere.

Seine gute Hallenform hat in Istanbul auch Arne Gabius bewiesen. Mit einem achten Platz im Finale in 7:45,01 Minuten erreichte der 30-jährige Läufer des LAV Tübingen seine beste Platzierung bei einer großen internationalen Meisterschaft. Hinter sich ließ er unter anderen den amtierenden 10.000-m-Weltmeister Yenew Alamirew (Äthiopien/Neunter) und den Australier Craig Mottram (Elfter). Wenn Arne Gabius diese Form im Sommer wieder erreicht, könnte die Olympia-Qualifikation über 5.000 m möglich sein.

Hellen Obiri überrascht die Titelverteidigerin Meseret Defar

Hellen Obiri, hier zu sehen bei der WM 2011, entschied das Frauenrennen für sich. © www.photorun.net
Hellen Obiri, hier zu sehen bei der WM 2011, entschied das Frauenrennen für sich. © www.photorun.net

Im Gegensatz zu den Männern, gab es bei den Frauen einen großen Favoriten: Meseret Defar ging mit Siegeshoffnungen in das Finale. Die äthiopische Läuferin wollte zudem ihre in dieser Disziplin einmalige WM-Erfolgsserie fortsetzen und zum fünften Mal in Folge den Titel gewinnen. Doch auf den letzten Metern gelang es der Kenianerin Hellen Obiri zur Goldmedaille (8:37,16) zu laufen. „Damit hatte ich nicht gerechnet, ich bin enttäuscht“, erklärte Meseret Defar, nachdem sie als Zweite in 8:38,26 Minuten die Ziellinie überquert hatte. Bronze gewann die Äthiopierin Gelete Burka (8:40,18), die sich im Sprintduell gegen Sylvia Kibet (Kenia/8:40,50) durchsetzte.

Meseret Defar hatte sich im Finale nach knapp 1.800 Metern an die Spitze gesetzt und das Tempo daraufhin immer weiter erhöht. Als es in die letzte Runde ging, führte die Titelverteidigerin vor Hellen Obiri, Sylvia Kibet und Gelete Burka. Doch dann ging Hellen rund 100 Meter vor dem Ziel an die Spitze und konnte zudem auf den letzten 50 Metern nochmals zulegen. „Dies ist mein erster großer Sieg, und ich habe die vierfache Weltmeisterin geschlagen – darüber freue ich mich natürlich riesig“, sagte die 22-Jährige, die im vergangenen Jahr beim WM-Finale in Daegu über 1.500 m gestürzt war und so nur Rang elf erreichen konnte. Bei ihrer zweiten großen internationalen Meisterschaft lief sie nun zum Sieg. „Ich hoffe, dass 2012 mein Jahr wird, und ich denke, dass ich auch bei den Olympischen Spielen über 1.500 Meter etwas erreichen kann.“ Erst seit 2011 startet Hellen bei internationalen Rennen.

Bernard Lagat und Mo Farah stellen neue Rekorde während der Hallensaison auf

Mo Farah, hier zu sehen beim Prefontaine Classic-Rennen 2011, lief bei der WM auf Rang vier, nachdem er in Birmingham einen Europarekord aufgestellt hatte. © www.photorun.net
Mo Farah, hier zu sehen beim Prefontaine Classic-Rennen 2011, lief bei der WM auf Rang vier, nachdem er in Birmingham einen Europarekord aufgestellt hatte. © www.photorun.net

Dass Bernard Lagat vor den Hallen-Weltmeisterschaften gut in Form war, hatte der Amerikaner im Verlauf der Wintersaison gezeigt. Er verbesserte beim Leichtathletik-Hallenmeeting ‚Millrose Games‘ in New York am 11. Februar den US-Rekord über 5.000 m um rund vier Sekunden auf 13:07,15 Minuten. Fast zeitgleich stellte Galen Rupp in Fayetteville (im US-Bundesstaat Arkansas) Bernard Lagats US-Rekord über zwei Meilen (8:10,07) mit einer Zeit von 8:09,72 Minuten ein.

Jedoch führen weder Bernard Lagat noch Galen Rupp über die 5.000 m beziehungsweise die zwei Meilen die Jahresweltbestenliste an. In Düsseldorf lief Kenias Thomas Longosiwa am 10. Februar beim PSD Bank Meeting die einzige Zeit unter 13 Minuten in dieser Hallensaison. Er siegte dort mit 12:58,67. Auch über die eher selten gelaufene Zwei-Meilen-Distanz führt ein kenianischer Athlet die Rangliste an: Eliud Kipchoge gewann den Aviva Grand-Prix im britischen Birmingham am 18. Februar mit 8:07,39 Minuten.

In jenem Rennen von Birmingham fielen gleich zwei Jahrzehnte alte Rekorde: Mo Farah stellte eine europäische Bestleistung auf, während Arne Gabius die deutsche Bestmarke knackte. Vor heimischem Publikum lief der Brite, der im US-amerikanischen Bundesstaat Oregon lebt, als Zweiter 8:08,07. Damit verbesserte er die fast 40 Jahre alte Zeit von 8:13,2 Minuten, die der Belgier Emiel Puttemans 1973 gelaufen war. Der in Birmingham fünftplatzierte Arne Gabius stellte mit 8:10,78 einen neuen nationalen Rekord auf. Thomas Wessinghage war 1982 eine Zeit von 8:30,2 Minuten gelaufen. Der 30-jährige Arne Gabius – fast genauso alt wie der frühere deutsche Rekord – hatte bereits eine Woche vor dem Wettkampf in Birmingham überrascht. Beim Internationalen Hallenleichtathletik Meeting in Karlsruhe lief er als Fünfter im 3.000-m-Rennen eine Zeit von 7:38,13 Minuten und kam dabei nah an den deutschen Rekord von Dieter Baumann (7:37,51) heran. Es war dieses Rennen in Karlsruhe, das die schnellsten Zeiten des Jahres produzierte. In einem Fotofinish setzte sich dabei Augustine Choge vor seinem zeitgleichen kenianischen Landsmann Edwin Soi durch. Beide wurden mit 7:29,94 Minuten gestoppt – es sind die einzigen Zeiten unter 7:30 in dieser Saison.

Den schnellsten 3.000-m-Lauf der Frauen in diesem Winter gab es in Birmingham zu sehen. Nachdem die kenianische Doppel-Weltmeisterin Vivian Cheruiyot ihren Start krankheitsbedingt hatte absagen müssen, gewann die Äthiopierin Meseret Defar das Event mit einer Jahresweltbestzeit von 8:31,56 Minuten. Zweite wurde die aktuelle Hallen-Weltmeisterin Hellen Obiri (Kenia) mit 8:35,35.