Atsede Baysa und Lemi Berhany Hayle gewinnen den 120. Boston Marathon

Von Jörg Wenig
Der Start des Frauenrennens in Hopkinton. © www.PhotoRun.net
Der Start des Frauenrennens in Hopkinton. © www.PhotoRun.net

Bei sonnigem Wetter mit etwas Wind und in der Schlussphase warmen Temperaturen von rund 20 Grad Celsius lief Lemi Berhanu Hayle zum Sieg bei der 120. Auflage des Boston-Marathons. Er überquerte die Ziellinie in 2:12:45 Stunden vor seinem Landsmann Lelisa Desisa und dürfte damit die Olympia-Qualifikation geschafft haben. Titelverteidiger Lelisa war nach 2:13:32 im Ziel. Dritter wurde mit Yemane Tsegay in 2:14:02 ein weiterer äthiopischer Läufer. Bei den Frauen setzte sich nach einer erfolgreichen Aufholjagd, die an den Triumph von Uta Pippig beim 100. Boston-Marathon 1996 erinnerte, Äthiopiens Atsede Baysa mit 2:29:19 Stunden vor ihrer Landsfrau Tirfi Tsegaye (2:30:03) durch. Dritte wurde Kenias Joyce Chepkirui mit 2:30:50. Einen guten achten Rang belegte bei dem traditionsreichen Lauf Fate Tola mit 2:34:38, die für die LG Braunschweig startet.

Das Rennen der Männer: Lemi Berhanu Hayle erneut vor Lelisa Desisa

Lemi Berhanu Hayle gewann den Boston-Marathon und hat nun beste Chancen auf einen Olympia-Start. © www.PhotoRun.net
Lemi Berhanu Hayle gewann den Boston-Marathon und hat nun beste Chancen auf einen Olympia-Start. © www.PhotoRun.net

Die erste Hälfte des Rennens ließen die Favoriten langsamer angehen. Bei dem traditionell ohne Tempomacher stattfindenden Rennen erreichte eine 17-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 66:48 Minuten. Erst um Kilometer 25 herum wurde es schneller. Und es waren die äthiopischen Läufer, die das Tempo verschärften – allen voran Titelverteidiger Lelisa Desisa. Kurz vor Kilometer 27 hatte er sich abgesetzt, doch ein Konkurrent konnte im hügeligen Teil des Boston-Marathons dran bleiben: Lemi Berhanu Hayle. Genau dieses Duell hatte es bereits im Januar 2015 in der Schlussphase des Dubai-Marathons gegeben. Auch damals gewann Lemi das Rennen vor Lelisa. Wie in Dubai wartete Lemi bis jenseits der 40-km-Marke mit seinem Antritt. Just als Lelisa, der in Boston bereits 2013 gewonnen und vom dritten Sieg geträumt hatte, an der letzten Erfrischungsstation einen kleinen Schlenker machte, um einen Wasserbecher zu greifen, trat Lemi an und zog davon.

„Ich konnte sehr konstant trainieren und war vor dem Start zuversichtlich, dass ich gewinnen könnte“, sagte der erst 21-jährige Lemi Berhanu Hayle, der in diesem Januar in Dubai bereits Rang zwei belegt und dabei mit 2:04:33 Stunden eine persönliche Bestzeit aufgestellt hatte. Damit ist er nach wie vor die Nummer zwei in der Jahresweltbestenliste, so dass er nach seinem Boston-Triumph sehr gute Chancen haben sollte, für Olympia nominiert zu werden.

Das Rennen der Frauen: Aufholjagd von Atsede Baysa

Atsede Baysa triumphierte nach einer starken Aufholjagd in Boston. © www.PhotoRun.net
Atsede Baysa triumphierte nach einer starken Aufholjagd in Boston. © www.PhotoRun.net

Auch die Frauen waren nicht auf Tempo bedacht. In relativ langsamen 36:20 Minuten passierten sie die 10-km-Marke. Zu diesem Zeitpunkt war die Titelverteidigerin bereits aus dem Rennen. Kenias Caroline Rotich fiel auf dem neunten Kilometer ans Ende der Führungsgruppe zurück, schien leicht zu humpeln und ging aus dem Rennen.

Das Tempo wurde bis zur Halbmarathonmarke, die eine elfköpfige Spitzengruppe nach 1:15:33 Stunden erreicht hatte, nicht viel schneller. Trotzdem war eine weitere Favoritin nicht mehr vorne dabei: Olympiasiegerin Tiki Gelana lief schließlich auf Rang 14 in 2:42:38 ins Ziel.

An der Spitze konnten sich nach knapp 25 km vier Läuferinnen absetzen: Tirfi Tsegaye, die bei ihrem Dubai-Sieg im Januar die nach wie vor aktuelle Jahresweltbestzeit von 2:19:41 Stunden aufgestellt hatte, sowie die Kenianerinnen Joyce Chepkirui, Valentine Kipketer und Flomena Cheyech Daniel. Während Flomena nur noch wenige Kilometer dran bleiben konnte, verlor Joyce erst nach gut 35 km den Kontakt. Auffällig war dann, dass Tirfi Tsegaye sich immer wieder umschaute – sie sah die aufholende Atsede Baysa frühzeitig kommen. Tirfi forcierte schließlich nach rund 38 km das Tempo und ließ Joyce Chepkirui zurück. Doch rund drei Kilometer vor dem Ziel hatte Atsede Baysa, die nach 35 km noch 37 Sekunden Rückstand hatte, die Führende eingeholt und ließ sie kurz danach hinter sich. „Ich bin mein Rennen gelaufen und habe gesehen, dass sie vorne etwas müder wurden. Ich freue mich, dass ich nach einigen Jahren wieder ein Rennen der World Marathon Majors gewonnen habe“, sagte die 29-jährige Atsede, die 2012 in Chicago mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:22:03 triumphiert hatte.

Wie jedes Jahr waren auch bei der diesjährigen Auflage des traditionsreichen Marathons viele Teilnehmer dabei, die für einen guten Zweck in Boston an den Start gehen. Etwa 6.000 Männer und Frauen sammelten so jeder mindestens 5.000 US-Dollar für ihre jeweilige Wohltätigkeitsorganisation. Im vergangenen Jahr kam laut der Boston Athletic Association, dem offiziellen Veranstalter des Rennens, die beeindruckende Summe von 28,3 Mio. US-Dollar an Spenden zusammen.

Uta beim Boston-Marathon 1996. © Getty Images/Timothy A. Clary
Uta beim Boston-Marathon 1996. © Getty Images/Timothy A. Clary

Uta, dreimalige Gewinnerin des Rennens (1994, 1995, 1996), war ebenfalls in Boston, um die 120. Auflage des ältesten jährlich stattfindenden Rennens und den 20. Jahrestag ihres Sieges in 1996 zu zelebrieren. Am Samstag vor dem Rennen entschied sich Uta spontan dazu, selbst die Laufschuhe zu schnüren und die 42,195 Kilometer von Hopkinton nach Boston zu rennen.

„Die Teilnahme in Boston war wie eine Zeitreise von heute in die Vergangenheit und wieder zurück“, sagte Uta. „Ich schaute bergab auf das Läuferfeld nach dem ersten Kilometer und dachte, ‚Wow! All diese Läufer… und ich bin wirklich hier!‘ Das war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich möchte der Stadt Boston, den Organisatoren der Boston Athletic Association und dem Team von John Hancock, allen ehrenamtlichen Helfern, den Zuschauern und meinem Take The Magic Step-Team ganz herzlich danken. Und eine riesige Gratulation an alle Teilnehmer.“ Ein Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender WBZ TV können Sie auf www.Instagram.com finden.

Die Ergebnisse des 120. Boston-Marathons

Männer:

1.Lemi Berhanu HayleETH2:12:45 Stunden
2.Lelisa DesisaETH2:13:32
3.Yemane TsegayETH2:14:02
4.Wesley KorirKEN2:14:05
5.Paul LonyangataKEN2:15:45
6.Sammy KitwaraKEN2:16:43
7.Stephen ChebogutKEN2:16:52

Frauen:

1.Atsede BaysaETH2:29:19 Stunden
2.Tirfi TsegayeETH2:30:03
3.Joyce ChepkiruiKEN2:30:50
4.Jelena ProkopcukaLAT2:32:28
5.Valentine KipketerKEN2:33:13
6.Flomena Cheyech DanielKEN2:33:40
7.Buzunesh DebaETH2:33:56