35.000 rennen im Tokio-Marathon gegen den Wind

Von Jörg Wenig
Der Wind war ein harter Gegner für die Eliteläufer beim Tokio-Marathon. © www.photorun.net
Der Wind war ein harter Gegner für die Eliteläufer beim Tokio-Marathon. © www.photorun.net

Mit mächtigen Schritten entwickelt sich der Tokio-Marathon zu einem der wichtigsten Rennen der Welt über die klassischen 42,195 Kilometer. Früher ein reines Eliterennen der Männer, wurde die Veranstaltung nun bereits zum dritten Mal auch als Massenrennen gestartet. Dabei ging die Rekordzahl von 35.000 Läufern an den Start. Damit war dieses Rennen der größte Marathon, den Japan bisher gesehen hat. Wie schon bei der Massen-Premiere vor zwei Jahren litt die Veranstaltung allerdings unter schlechten Wetterbedingungen, obwohl das Rennen aus dem Februar in den März verlegt worden war. 2007 störte ein eiskalter Regen die Läufer, am Sonntag war es nun ein starker Gegenwind. Dadurch waren die Eliteathleten lange nicht so schnell wie Vorjahressieger Viktor Röthlin (Schweiz/2:07:23).

Im Männerrennen fiel die Entscheidung bei Kilometer 36: Auf einer Brücke zog der 29-jährige Salim Kipsang das Tempo an und konnte seine letzten beiden Konkurrenten entscheidend hinter sich lassen. Sammy Korir (Kenia), mit einer Bestzeit von 2:04:56 Stunden der drittschnellste Läufer aller Zeiten, und der Japaner Kensuke Takahashi waren geschlagen. Die beiden mussten vier Kilometer vor dem Ziel sogar noch den am Ende stark aufholenden Japaner Kazuhiro Maeda vorbeiziehen lassen. Kipsang konnte Maeda allerdings nicht mehr gefährden.

Nach 2:10:27 Stunden war Salim Kipsang, der 2007 seine Marathon-Bestzeit von 2:07:29 Stunden als Dritter in Berlin aufgestellt hatte, im Ziel und feierte den bisher größten Sieg seiner Karriere. 2005 hatte er bereits den Paris-Marathon in 2:08:04 gewonnen. Im vergangenen Jahr war der Kenianer so gut wie nicht in Erscheinung getreten. Jetzt meldete er sich zurück. Zweiter wurde Kazuhiro Maeda mit 2:11:01 Stunden, der damit seinem drittplatzierten Landsmann Kensuke Takahashi (2:11:25) auf den letzten Kilometern noch den WM-Startplatz für Berlin wegschnappte. Auf Rang vier lief Sammy Korir mit 2:11:57.

Zum ersten Mal wurde bei dem neuen Tokio-Marathon auch ein Frauen-Eliterennen integriert. In den vergangenen Jahren hatten die Veranstalter darauf noch verzichtet, um keine Konkurrenz zum traditionellen Frauen-Elite-Marathon im November aufzubauen. Dieses Rennen findet jedoch zukünftig nicht mehr statt. Die neue Ära begann mit einem Heimsieg: Die 29-jährige Mizuho Nasukawa gewann das Rennen in flotten 2:25:38 Stunden. Es war ihr erster großer Sieg bei einem bedeutenden Straßenlauf, jedoch konnte sie sich nicht für die WM qualifizieren, da das Frauen-Rennen in diesem Jahr noch nicht zu den japanischen Qualifikationsläufen gehörte.

Trotz des Windes steigerte Mizuho Nasukawa ihre bisherige Bestzeit von 2:29:49 Stunden deutlich. Sie hatte allerdings Glück, dass sie relativ windgeschützt in einer Männergruppe laufen konnte, nachdem sie sich kurz vor der 30-km-Marke an die Spitze gesetzt hatte. Über drei Minuten hinter ihr folgte Yukari Sahaku (Japan/2:28:55) auf Rang zwei. Dritte wurde die WM-Dritte von Osaka 2007, Reiko Tosa (Japan), in 2:29:19. Alevtina Biktimirova (Russland) lief auf Rang vier mit 2:29:33.

Durch die Integration des Frauen-Eliterennens erfüllt der Tokio-Marathon alle notwendigen Voraussetzungen für eine zukünftige Aufnahme in die World Marathon Majors (WMM).

Pacemaker Benjamin Kiptoo überrascht beim Rom-Marathon

Als ,Hase' gekommen, als Sieger gegangen – Benjamin Kiptoo gewinnt in Rom. © www.photorun.net
Als ,Hase' gekommen, als Sieger gegangen – Benjamin Kiptoo gewinnt in Rom. © www.photorun.net

Nicht zum ersten Mal hat ein Pacemaker bei einem großen Marathon die Favoriten überrascht: Der Kenianer Benjamin Kiptoo gewann den Rom-Marathon in 2:07:17 Stunden. Das war nicht nur ein Streckenrekord, sondern auch die schnellste je in Italien gelaufene Marathonzeit. In diesem Jahr rannte bisher nur Haile Gebrselassie (Äthiopien) bei seinem Sieg in Dubai mit 2:05:29 Stunden schneller als Kiptoo. Eine Überraschung gab es auch im Frauenrennen, das die Äthiopierin Firehiwot Dado mit 2:27:08 für sich entschied.

Bei Kilometer 35 fiel im Rennen der Männer eine Vorentscheidung. Weder Benjamin Kiptoo noch sein ebenfalls als Pacemaker verpflichteter Landsmann Joseph Ngeny gingen aus dem Rennen. Stattdessen setzten sie sich von Philip Manyim und Paul Kirui ab. Während Kiptoo als Sieger seine bisherige Bestzeit – mit 2:09:24 hatte er im vergangenen Jahr den Brescia-Marathon gewonnen – um über zwei Minuten steigerte und den größten Sieg seiner Karriere feierte, schob sich Paul Kirui in 2:08:23 noch auf Rang zwei. „Ich habe mich nach 25 Kilometern gut gefühlt, deswegen habe ich es versucht“, erklärte Benjamin Kiptoo gegenüber der Internetseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF. Der Sieger und der zweitplatzierte Kirui kommen beide aus derselben Management-Gruppe des Italieners Dr. Gabriele Rosa. Die Kenianer belegten in Rom gleich die ersten zehn Plätze. Joseph Ngeny wurde Dritter mit 2:08:41 und auch Hosea Rotich blieb auf Rang vier mit 2:09:47 noch unter 2:10 Stunden.

Bei den Frauen ruhten die italienischen Hoffnungen auf Anna Incerti, die sich im vergangenen Jahr als Siegerin in Mailand auf 2:27:42 Stunden verbessert und vor drei Wochen den Rom-Ostia-Halbmarathon gewonnen hatte. Doch es war nicht der Tag der Anna Incerti. Die Italienerin bekam nach der 30-km-Marke Schwierigkeiten und kam am Ende nicht über Platz fünf hinaus. Immerhin blieb sie mit 2:29:33 zum zweiten Mal unter 2:30 Stunden.

Knapp zweieinhalb Minuten vor Anna Incerti war die äthiopische Außenseiterin Firehiwot Dado als Siegerin ins Ziel gelaufen. Sie war mit einer Marathon-Bestzeit von 2:37:34 Stunden ins Rennen gegangen und hatte bis dato international keine Rolle gespielt. Nun verbesserte sie sich in Rom um über zehn Minuten und gewann vor Tetyana Filonyuk (Ukraine/2:27:43) und Haile Lema Kebebush (Äthiopien/2:28:08).

Martin Lel und Kara Goucher in Topform in Lissabon

In Lissabon haben Martin Lel und Kara Goucher vor ihren Marathonrennen im April der Konkurrenz ein klares Zeichen gegeben: Sie sind in Topform. Der Kenianer, der als Titelverteidiger beim London-Marathon am 26. April an den Start gehen wird, gewann den Halbmarathon in Lissabon in 59:56 Minuten. Kara Goucher dominierte das Frauenrennen in Portugal und siegte mit 68:30. Die US-Amerikanerin bereitet sich auf den Boston-Marathon am 20. April vor.

Im Männerrennen von Lissabon entwickelte sich ein Vierkampf. Am Ende setzte sich zwar Martin Lel relativ klar durch, doch die drei hinter ihm folgenden Läufer erreichten alle binnen zehn Sekunden nach dem Sieger das Ziel. Jaouad Gharib (Marokko), der gegen Martin Lel schon mehrmals bei den großen Marathonrennen knapp verloren hatte und in London ebenfalls am Start sein wird, zeigte dabei auch viel versprechende Form. Er blieb auf der schnellen Lissabonner Strecke mit 59:59 Minuten ebenfalls noch unter einer Stunde. Die nächsten beiden Plätze belegten dann wieder Kenianer: Robert Cheruiyot wurde in 60:05 Zweiter, Gedion Ngatumy belegte Rang drei mit 60:06.

Es war dagegen nicht der Tag des Marathon-Olympiasiegers Sammy Wanjiru. Der Kenianer, der auch beim London-Marathon laufen wird, musste sich mit deutlichem Rückstand in 61:23 Minuten mit Rang sieben begnügen. Wanjiru ist der Weltrekordler im Halbmarathon mit 58:33 Minuten.

Kara Goucher, die im vergangenen Jahr ihr Marathondebüt in New York als Dritte beendet hatte, lief bei zeitweilig windigem Wetter ein Rennen von der Spitze weg. Nach einer 15-km-Durchgangszeit von 49:34 konnte die schnellste US-Halbmarathonläuferin aller Zeiten (66:57) noch etwas zulegen und erreichte das Ziel in 68:30 Minuten. Zweite wurde Alice Timbilili (69:00) vor ihrer kenianischen Landsfrau Jane Kiptoo (69:07). Die zweifache New York-Marathon-Siegerin Jelena Prokopcuka (Lettland) wurde mit 69:58 Vierte.

Viktor Röthlin muss auf London-Start verzichten

Europas zurzeit bester Marathonläufer muss auf den geplanten Start beim London-Marathon am 26. April verzichten. Viktor Röthlin leidet an einer Lungenembolie und darf deswegen vier Wochen lang keinen Sport treiben. Dies gab der Schweizer auf seiner Internetseite bekannt. Bei einer Lungenembolie kann es zu einem Ausfall von Lungengewebe kommen.

Viktor Röthlin wollte sich ursprünglich noch bis zum 20. März in Kenia im Höhentraining auf den Start beim London-Marathon vorbereiten. Doch der 34-Jährige musste das Trainingslager vorzeitig abbrechen, um sich in der Schweiz in Behandlung zu begeben. Vor gut einem Monat hatte er beim Ras Al Khaimah-Halbmarathon in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Rennen vorzeitig aufgegeben. Damals litt Viktor Röthlin unter Magenproblemen.

In den vergangenen Jahren hatte sich Viktor Röthlin stets auf die großen Meisterschaftshöhepunkte vorbereitet. Bei den Weltmeisterschaften in Osaka gewann er 2007 sensationell eine Bronzemedaille. Auch bei den Olympischen Spielen in Peking war er als Sechster der beste nicht-afrikanische Marathonläufer. Vor einem Jahr hatte er zudem den Tokio-Marathon in persönlicher Bestzeit von 2:07:23 Stunden gewonnen. In diesem Jahr wollte sich Viktor Röthlin zum ersten Mal auf die großen Frühjahrs- und Herbstmarathonrennen konzentrieren und plante keinen WM-Start. Doch nun muss der Schweizer einen Rückschlag hinnehmen.