Vater Erzählt: Ganz normale Fragen

Von Piet Könnicke

Ist es klug, meinem Jungen ein Trikot mit dem Namenszug eines berühmten Fußballers zu kaufen? Ein T-Shirt, auf dem hinten etwa Beckham draufsteht? Erhöht das nicht wahnsinnig den Erfolgsdruck? Und muss ich mir Sorgen machen, dass sich mein Sohn nur dann vom Drei-Meter-Brett zu springen traut, wenn er eine Taucherbrille auf hat? Was hat es zu bedeuten, wenn meine Frau mich fragt, ob ich jetzt joggen gehe, denn dann würde sie nämlich nicht joggen gehen, weil sie nicht möchte, dass wir uns im Park begegnen. Wieso nicht? Angestrengter als beim rückwärts Einparken wird sie dabei wohl nicht aussehen.

Fragen wie diese begleiten mich ständig. Seit mein Sohn vor neun Jahren auf die Welt kam, frage ich mich, ob er mal Sportler wird. Aufmerksam verfolge ich jeden seiner Schritte, jede Bewegung, um irgendein Talent zu entdecken. Ich selbst bin jetzt 36, und ich treibe so viel Sport, dass sich meine Frau regelmäßig beschwert, dass unser Bad nach verschwitzten Klamotten stinkt. Ich schlag mich mit den ganz normalen Fragen eines Vaters und den alltäglichen Problemen eines Ehemannes herum. In Zukunft will ich Sie an dieser Stelle daran teilhaben lassen.

Wie zum Beispiel an einem dieser schwachen Momenten, der Männer zu unüberlegten Handlungen treibt. In schlimmeren Fällen kaufen sie ein neues Auto. Oder ein Motorrad. Oder sie buchen im indischen Hochsommer eine Busreise von Dehli nach Taj Mahal. Das ließe sich alles erklären gegen das, was ich vor einigen Tagen getan habe. Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich kein einziges Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft sehen werde. Das wäre der größte Liebesbeweis, den ein Mann einer Frau erbringen kann.

Meinem Sohn ist fast das Frühstücksbrot aus dem Mund gefallen, als ich diese irrwitzige Idee kundtat. „Papa…“, hat er nur gesagt und mir einen Moment später mitleidig und großzügig angeboten, mir von jedem Spiel zu erzählen. Er werde nämlich auf alle Fälle keins verpassen.

Nun hat mir meine Frau erklärt, dass ich nichts beweisen müsste. Sie wisse, dass ich sie liebe. Aber ist man sich nicht seit Jahrhunderten unsicher, ob Frauen wirklich das sagen, was sie denken? Kann ich sicher sein, dass sie in Wirklichkeit nicht doch darauf wartet, mich vier Wochen enthaltsam zu sehen? Ich fürchte, ich muss leiden.

Es sei denn, es stimmt, was ich vor kurzem in einer Wochenzeitung gelesen habe. Dort wurde unser Nationalverteidiger Christoph Metzelder gefragt, ob Fußball weiblicher geworden ist, weil die Fußballer jetzt Yoga machen. Meine Frau macht auch Yoga. Und was antwortet Metzelder, ein deutscher Verteidiger, ein Abwehrrecke: Er glaube, es liege an der Metrosexualität, die es erlaube, dass man als Mann mal Schwäche zeigen dürfe. Metrosexualität? Schwäche?

Laut Modekaleidoskop zeigen metrosexuelle Männer ganz offen ihre feminine Seite. Sie tragen Röcke, Flip Flops, rasieren sich ihr Brustfell und auch andere haarige Körper-Partien, sie gehen zur Mani- und Pediküre mit anschließendem Nägellackieren und besuchen leidenschaftlich gern den Friseur. Als metrosexuelles Paradebeispiel wird Englands Fußballstar David Beckham genannt.

Dieses Weichei! Ich schätze, es wird mir nicht schwer fallen, meinen Liebesbeweis zu erbringen und mein Fußball-Zölibat durchzustehen. Nur wird meine Frau nichts davon mitkriegen: Sie wird Fußball gucken und dabei das frisch mit Weichspüler gewaschene Beckham-Trikot unseres Sohnes tragen.