Kenenisa Bekele: „Ich bin bereit für ein Duell mit Usain Bolt“

Von Jörg Wenig
Kenenisa Bekele auf dem Weg zum 10.000-m-Sieg in Berlin. © www.photorun.net
Kenenisa Bekele auf dem Weg zum 10.000-m-Sieg in Berlin. © www.photorun.net

Neben Sprint-Superstar Usain Bolt (Jamaika) hat bei den Weltmeisterschaften der Leichtathletik noch ein weiterer Athlet zwei Einzeltitel gewonnen: Kenenisa Bekele schaffte dabei am Schlusstag in Berlin ein Novum. Denn als erster Mann gewann er bei einer Weltmeisterschaft beide Langstrecken-titel. Sechs Tage nach seinem 10.000-Meter-Sieg war er auch über 5.000 m nicht zu schlagen. Nach 13:17,09 Minuten war der Äthiopier im Ziel und hatte ein packendes Spurt-Duell gegen den Titelverteidiger Bernard Lagat (USA) mit 24 Hundertstel-sekunden Vorsprung für sich entschieden. Lagat bezeichnete Bekele später als „einen der größten Athleten aller Zeiten“. „Er hat alles, was man braucht, um so erfolgreich zu sein, Kenenisa ist großartig. Es wird lange dauern, bis wir wieder einen solchen Läufer sehen werden“, sagte Bernard Lagat. Der 27-jährige Kenenisa Bekele sprach mit Take The Magic Step® in Berlin:

Wie fühlen Sie sich nach dem Doppelsieg?

Kenenisa Bekele: Dieser Doppelsieg war sehr wichtig für mich. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass ich das geschafft habe – das ist etwas besonderes, denn keiner hat vor mir dieses Doppel bei einer WM gewonnen. Aber es war ein hartes Rennen über 5.000 Meter.

Gab es im 10.000-m-Finale eine äthiopische Team-Taktik?

Kenenisa: Wir hatten keine Team-Taktik in diesem Finale. Wenn das Rennen so schnell ist wie im 10.000-Meter-Endlauf, dann funktioniert das nicht. Ist das Tempo langsam, ist eine Team-Taktik durchaus drin. So aber kannst du nur für dich selbst laufen.

Sie haben zwei Goldmedaillen gewonnen, doch Ihre Landsfrauen, die eigentlich als Favoritinnen galten, waren auf der Langstrecke nicht ganz so erfolgreich.

Kenenisa: Ich bin stolz über meine Erfolge. Es ist nicht leicht, wenn du in einer großen Meisterschaft für dein Land rennst, die Erwartungen sind groß. Wenn du etwas verlierst (die Goldmedaillen bei den Frauen; Anm. d. Red.), woran du dich gewöhnt hast, dann trifft es dich. Man kann angesichts dieser Erfahrung sehen wie wichtig es ist, dass die Besten des Teams dabei sind. Es ist schwierig, wenn sie wegen einer Verletzung oder aus einem anderen Grund fehlen. Die Mehrheit der Äthiopier wird enttäuscht gewesen sein, dass diese Goldmedaillen verloren gingen.

Kenenisa Bekele feiert seinen Doppelsieg bei der WM in Berlin. © www.photorun.net
Kenenisa Bekele feiert seinen Doppelsieg bei der WM in Berlin. © www.photorun.net

Sie haben in Ihrer Karriere alles erreicht – was treibt Sie an, welche Motivation haben Sie?

Kenenisa: Ich habe sicherlich schon viel erreicht, aber ich will meine Bestzeiten noch weiter steigern. Und ich freue mich immer auf das Laufen, es macht mir einfach großen Spaß.

Wo werden Sie jetzt noch starten?

Kenenisa: Ich will in der Golden League den Jackpot gewinnen und werde in Zürich und Brüssel laufen, anschließend dann auch beim World Athletics Final in Thessaloniki.

Trauen Sie sich zu, Ihre Weltrekorde über 5.000 und 10.000 m noch weiter zu verbessern?

Kenenisa: Ja, das ist möglich, allerdings nicht in dieser Saison. Das ist das Ziel, das ich mir für das kommende Jahr gesetzt habe, denn dann finden keine großen Meisterschaften statt.

Stimmt es, dass Sie sich inzwischen selber trainieren?

Kenenisa: Ja, ich kontrolliere und plane mein eigenes Training schon seit rund zwei Jahren. Ein Coach könnte mir nur wenig helfen, höchstens bei 10 bis 15 Prozent meines Trainings. Manchmal unterstützt mich Woldemeskel Kostre (Äthiopiens Lauf-Chefcoach; Anm. d. Red.) bei Einheiten auf der Bahn. Es macht mir Spaß, mein eigenes Training und meine eigene Taktik zu bestimmen.

War der ,Trainer‘ in Berlin zufrieden mit seinem Athleten?

Kenenisa lacht und sagt: Ja, der Coach ist happy!

Wie haben Sie sich auf die WM vorbereitet?

Kenenisa: Nachdem ich, bei meinem ersten Saisonstart nach meiner Verletzung, über 1.500 Meter in Hengelo aus dem Rennen gegangen bin, habe ich mit meiner Familie gesprochen und gesagt, dass ich jetzt mehr trainieren muss, um in bessere Form zu kommen. Ich habe dann jeden Tag zweimal trainiert und bin dabei mal 20, mal 10 und mal 5 Kilometer gelaufen. Auf der Bahn habe ich im Schnitt dreimal pro Woche trainiert.

Wie schnell können Sie denn über 100 Meter laufen? So schnell wie Usain Bolt?

Kenenisa: Meine Bestzeit steht bei 11,0 Sekunden.

Wenn Sie über 800 Meter gegen Usain Bolt laufen würden, wer würde gewinnen?

Kenenisa: Über 800 Meter schlage ich Usain auf jeden Fall. Für ein solches Duell wäre ich bereit.

Ihr Englisch wird immer besser – lernen Sie die Sprache zu Hause?

Kenenisa: Nein, ich lerne zurzeit kein Englisch zu Hause. Aber dadurch, dass ich mehr und mehr Englisch spreche, wird es besser.

Träumen Sie manchmal davon, dass Sie siegen?

Kenenisa: Ja, ich träume oft davon, dass ich ein Rennen gewinne.

Träumen Sie dabei auch von Marathonrennen? Wann werden Sie den ersten laufen?

Kenenisa: Nein, vom Marathon habe ich bis jetzt noch nicht geträumt. Zurzeit kann ich nicht sagen, wann ich mein Debüt über diese Strecke laufen werde.