Interview mit Elana Meyer: „Ich liebe es, fit zu sein“

Von Scott Douglas
Elana Meyer mit Tegla Loroupe bei Loroupes Peace Run im November 2006. © privat
Elana Meyer mit Tegla Loroupe bei Loroupes Peace Run im November 2006. © privat
Elana Meyer mit Tegla Loroupe bei Loroupes Peace Run im November 2006  © www.photorun.net
Elana Meyer mit Tegla Loroupe bei Loroupes Peace Run im November 2006 © www.photorun.net

Nach einer außergewöhnlich langen und erfolgreichen Karriere hatte Elana Meyer im Frühjahr 2005 ihren Rücktritt bekannt gegeben. International war sie 1992 bei den Olympischen Spielen von Barcelona bekannt geworden. Es waren die ersten Spiele, bei denen die Südafrikaner nach dem jahrzehntelangen Bann aufgrund der Apartheid-Politik wieder zugelassen waren. Das große Duell zwischen Elana Meyer und der Äthiopierin Derartu Tulu, bei dem Meyer über 10.000 m eine Silbermedaille gewann, war nicht nur ein mitreißendes Rennen – es war ein starkes Symbol für die Bemühungen des afrikanischen Kontinentes, die rassistische Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Nachdem Südafrika und damit auch Elana Meyer wieder international startberechtigt war, gehörte die Athletin über ein Jahrzehnt hinweg zu den besten Läuferinnen der Welt. Unter vielen Erfolgen waren ein WM-Titel im Halbmarathon, Weltrekorde über 15 km und im Halbmarathon, sehr gute Platzierungen bei den Cross-Weltmeisterschaften sowie ein zweiter Rang beim Boston-Marathon 1995. Ihre Bestzeiten sind zum Beispiel 30:52 Minuten über 10 km, 46:57 über 15 km, 66:44 im Halbmarathon und 2:25:15 Stunden im Marathon.

Nach ihrem Rücktritt vom Leistungssport hat sich Elana Meyer im wahrsten Sinne des Wortes neue hohe Ziele gesetzt – sie möchte den Mount Everest besteigen. Take The Magic Step™ hat mit der in Südafrika lebenden Elana Meyer jüngst das folgende Interview über E-Mail geführt.

Was waren die Gründe für Ihren Rücktritt vom Leistungssport?

Es war 26 Jahre her, seit ich meinen ersten Halbmarathon gewonnen hatte. Ich bin 40, und es gibt noch viele andere Dinge, die ich in meinem Leben machen möchte. Das wäre schwierig solange man professionell läuft.

Was haben Sie seit Ihrem Rücktritt gemacht – sowohl in Bezug auf das Laufen und die Fitness als auch bezüglich auf Ihren Tagesablauf?

Ich wollte wirklich weg von einem extremen Training, ich wollte das Laufen nur noch für meine eigene Fitness und aus Spaß machen. Ich renne dreimal in der Woche, habe aber zusätzlich angefangen mit Golf, Wasserski, Klettern und Bergsteigen. Dies ist für mich ein fantastischer Lebensstil, bei dem ich das machen kann, was ich mag und alles mit Fitness verbunden ist. Ich habe außerdem mein eigenes Motivations-Programm aufgebaut, mit dem ich für Unternehmen tätig bin. Und ich übernehme teilweise auch selbst das Training. Seit Februar bin ich zudem Direktorin einer Sport-Stiftung, JAG. Das Ziel ist dabei, Kinder zum Sport zu motivieren. Sie sollen eine Alternative erhalten, um sich physisch zu betätigen. Dieses Programm beginnt offiziell im April, ist also noch in der Entwicklungsstufe.

Im Herbst hatten Sie einmal davon gesprochen, den Two Oceans-Ultramarathon in Südafrika zu laufen – das machen Sie jetzt aber doch nicht. Was ist passiert?

Ich hatte mich verletzt und habe dadurch zwei Monate an Training verloren, so dass ich entschied, meine Pläne zu ändern. Es ist zu wenig Zeit übrig für die Vorbereitung eines 56-km-Rennens. Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch einmal ins Wettkampfgeschehen zurückkehre. Mal sehen, wie es kommt. Ich liebe es sowieso, fit zu sein – Fitness und Gesundheit sind wichtige Aspekte meines Lebensstils. Fitness trägt bei zu einer sehr guten Lebensqualität und ermöglicht es, andere Aktivitäten mit mehr Freude auszuüben.

Hatten Sie überlegt, Ihre Karriere als Ultra-Läuferin fortzusetzen?

Der Two Oceans-Marathon ist der schönste landschaftliche Lauf, und der ist bei mir vor der Haustür. Es war weniger die Distanz sondern die Schönheit dieses Laufes, die mich anzog. Es wäre eine Art Rückkehr nach Hause gewesen, nachdem ich während der letzten 15 Jahre immer im Ausland am Start war. Mein Ziel war es wirklich, einfach nur den Two Oceans-Marathon zu laufen, nicht jedoch damit ein Comeback zu starten.

Fühlt sich das Laufen mit 40 Jahren anders an als früher? Ist es nur die Uhr, die Sie wissen lässt, dass Sie langsamer sind als früher?

Ich bin sehr gerne 40. Ich fühle mich großartig, und ich genieße es, erfahren zu sein und glücklich, aber auch herausgefordert zu werden. Bezüglich des Laufens: ich bin zwei Jahre lang sehr wenig gelaufen, so dass ich den Unterschied sehr wohl merke. Ich bin noch weit weg von einer guten Form – die Zukunft wird zeigen, wie es weiter geht. Aber sicherlich bin ich jetzt langsamer.

Wenn Sie zurückblicken: würden Sie sagen, dass der Bann gegen Südafrikas Sportler geholfen hat, die Apartheid zu beenden?

Nein, ich glaube nicht, dass der Boykott des südafrikanischen Sportes eine Rolle bezüglich des Endes der Apartheid gespielt hat. Vielleicht war das anders mit dem wirtschaftlichen Boykott.

Politik und Sport lassen sich fast unmöglich trennen. Wann denken Sie, dass es gut ist, wenn die beiden Bereich zusammenspielen und wann nicht?

Ich denke, dass einzelne Sportler oder Mannschaften überhaupt nicht dazu benutzt werden sollten, um politische Ziele durchzusetzen – diese Politik raubt dem Sport das faire Spielfeld, auf dem die besten Athleten der Welt eine Chance haben sollen, zu gewinnen.

Wie denken Sie, könnte der Sport helfen, Dinge in der Welt zu verbessern, ohne dabei als politisches Mittel eingesetzt zu werden?

Sport ist ein fantastisches Mittel, um Menschen zusammen zu bringen. Sport beschäftigt Kinder und verbessert die Lebensqualität von fast jedem, der Sport betreibt. Sport fördert die Kameradschaft sowie ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Leistung.

Sie sind in Ihrer langen Karriere in der ganzen Welt Rennen gelaufen. Welche sind die drei, die Sie besonders in Erinnerung haben?

Die olympische Medaille in Barcelona gewonnen zu haben, war ein absolutes, emotionales Highlight. Darauf hatte ich jahrelang gewartet, nachdem ich bereits 1984 und 1988 die Qualifikationszeiten erreicht hatte. Es war eine dramatische Geschichte, zu den Olympischen Spielen zu kommen. Ich weiß nicht, ob ich mehr aufgeregt oder mehr erleichtert war. Das zweite Rennen, an das ich mich besonders erinnere, ist der Sieg bei der Halbmarathon-WM 1994 in Oslo. Und Nummer drei: der Halbmarathon in Japan, bei dem ich den aktuellen Weltrekord gelaufen bin.

Bevor Südafrikas Sportler wieder startberechtigt waren, hatten Sie schon sehr viele Rennen bestritten ohne echte Konkurrenz. Glauben Sie, dass Ihnen diese Rennen damals in Südafrika für Ihre Karriere nach 1992 eher geholfen oder eher geschadet haben?

Während einiger meiner stärksten Jahre bin in isoliert in Südafrika gelaufen. Ich bin damals bei vielen Rennen an den Start gegangen, denn ich liebe den Wettkampf. Und es war damals die einzige Möglichkeit, schnelle Zeiten zu erreichen. Ich hätte damals sehr gerne die Chance gehabt, internationale Wettkämpfe zu laufen – ich war jung, hungrig und in der besten Form meines Lebens!

Obwohl Sie einige gute Marathonläufe gerannt sind, hatten Sie über kürzere Strecke beständiger Erfolge. Woran, glauben Sie, liegt das?

Ich liebe Wettkämpfe. Ich glaube, manchmal hat mir eine Marathonvorbereitung nicht so viel Spaß gemacht, denn es ist eine längere Trainingsphase mit wesentlich weniger Wettkämpfen. Vielleicht war ich auch nicht geduldig genug. Ich mochte es immer, harte Rennen zu laufen. In einem Marathon musste ich darauf achten, dass ich gleichmäßig und nicht zu schnell lief – das war anders als mein normaler Wettkampfstil.

Sie sind in der Zwischenzeit eine ambitionierte Bergsteigerin geworden. War dies schon immer Ihr Ziel, das Sie früher aufgrund Ihrer Lauf-Karriere nicht verfolgen konnten? Oder ist dies ein Hobby, das sich nach Ihrem Rücktritt entwickelt hat?

Das Drama am Mount Everest 1996 hat mich fasziniert, aber es war nie ein persönlicher Wunsch, die Berge zu bezwingen. Es war mehr zufällig, dass ich dann auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimanjaro, stieg. Das hat mir sehr gefallen, es war eine der erstaunlichsten Erfahrungen die ich je gemacht habe. Es war ein tolles Gefühl, auf dem höchsten Berg meines Kontinentes zu stehen – dieser Kontinent ist ein Teil von mir. Das war eine ziemlich emotionale Sache, und ich hatte das starke Gefühl, dass ich doch eigentlich sehr unbedeutend bin in dieser Welt. Ich würde gerne mehr Zeit in den Bergen verbringen, denn dort wird mein Geist angeregt.