Laufend in die Freiheit – Berlin feiert grenzenlos

8. November 2014 Von Uta Pippig
© Bundesarchiv/Klaus Lehnartz

Liebe Freunde,

dieser Tage ist es 25 Jahre her, seit die Berliner Mauer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 friedlich gefallen ist. Es war ein Ereignis, das uns die schönsten Stunden in der deutschen Geschichte gebracht hat – und eine Freiheit, die wir ehren.

Wir erinnern uns an die Ereignisse im November 1989 und die Monate davor. Die friedlichen Montagsdemonstrationen, die in Dresden und Leipzig begonnen hatten und sich dann auf Berlin und andere ostdeutsche Städte übertrugen – ein so wichtiger Teil des Beginns des Umbruchs.

Grenzübergang Invalidenstraβe nach der Grenzöffnung. 10. November 1989. © Bundesarchiv/Klaus Lehnartz

Dann folgten dieser denkwürdige Tag und die turbulenten Wochen nach dem Mauerfall. Millionen von Menschen in der ganzen Welt haben damals mit uns gefeiert und die Ereignisse an ihren Fernsehgeräten verfolgt, als sich Tausende an der Mauer versammelten. Ich bin sicher, viele von Ihnen wissen heute noch, wo Sie waren, als Sie zum ersten Mal die Nachricht hörten, dass die Mauer nach 28 Jahren, zwei Monaten und fast 28 Tagen gefallen war.

Die Jahre vergingen; viele sind noch zu jung, um sich an jene bewegende Zeit erinnern zu können. Andere werden die Ausgelassenheit und Freude der Menschen in Ost- und Westberlin niemals vergessen.

Bis heute lässt sich kaum in Worte fassen, was während dieser ersten Stunden in den Menschen vorging. Dass alles so friedvoll ablief, berührt viele von uns noch immer. Gefüllt von Tränen der Erleichterung, der Freude und Hoffnung – zutiefst bewegt blickten viele auf ein Leben im geteilten Deutschland zurück, vor ihnen lag eine ungewisse Zukunft.

Tausende im Grenzbereich… © Bundesarchiv/Heiko Specht

Als mich die Nachricht erreichte, hielt ich mich gerade in einem Trainingslager in Kienbaum auf, 20 Kilometer östlich von Berlin. Zu dieser Zeit war ich Medizinstudentin und büffelte für eine Physikprüfung am nächsten Tag.

Das Radio lief im Hintergrund, ich hörte in den Nachrichten etwas über die Bekanntgabe veränderter Reisebestimmungen bei einer Pressekonferenz. Später erfuhr ich, dass Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros, eine neue Reiseregelung verkündete. Diese sollte allen Ostdeutschen mit sofortiger Wirkung erlauben, Privatreisen ins Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragen zu können.

Ich konnte es nicht glauben. Am nächsten Morgen fuhr ich zu meiner Prüfung in die Physik-Abteilung der medizinischen Fakultät der Humboldt Universität in der Invalidenstraße in Berlin, wenige hundert Meter von einem der Grenzübergänge nach Westberlin entfernt. Unzählige Menschen strömten von Ost- nach Westberlin! Ich war vor Freude überwältigt.

Mein Professor sagte mir, meine Kommilitonen seien schon auf dem Weg zur Mauer. Unsere Prüfung würde in einigen Wochen stattfinden. Heute gebe es wichtigere Dinge zu tun – heute wird gefeiert!

Blumen zur Begrüßung. © Bundesarchiv/Klaus Lehnartz

Die Wochen nach dem Fall der Mauer vergingen rasant. Jeder erlebte sie mit anderen Gefühlen. Viele freuten sich darüber, zum ersten Mal in ihrem Leben ungehindert reisen zu können, andere waren überglücklich, Familienmitglieder zu treffen, von denen die Mauer sie so lange trennte.

Viele von uns Läufern eroberten neue Strecken, rannten begeistert in die Freiheit. Doch es waren nicht nur die Laufstrecken durch die wundervollen Wälder in und um Berlin, die nun für alle zugänglich waren; es gab auch einige großartige neue Wettkämpfe, an denen wir Ostdeutschen endlich teilnehmen konnten.

Drei Tage nach Maueröffnung starteten einige Läufer aus Ostberlin beim traditionellen Westberliner Teufelsberg-Crosslauf. Kurz vor Weihnachten wurde das Brandenburger Tor geöffnet. Am Morgen des 1. Januar 1990 liefen Berliner aus Ost und West gemeinsam mit Läufern aus aller Welt den Neujahrslauf, der erstmals durch das Brandenburger Tor führte: Sechs Kilometer ohne Zeitmessung. Ein bewegender und friedvoller Lauf in die Freiheit!

„Daumen hoch“ beim 40. Berlin-Marathon. © Take The Magic Step

Monate später, Ende September 1990, nahm ich als eine von 25.000 Läufern am Wiedervereinigungs-Marathon teil. Damals waren noch Mauerreste zu sehen, doch das minderte weder Glück noch Hoffnung. Für uns und zehntausende Zuschauer, die damals die Straßen säumten, waren die Mauerteile vielmehr ein Symbol dafür, was Menschen unseres Landes mithilfe vieler Freunde aus dem Ausland am Tag des Mauerfalls und in den Monaten danach auf friedliche Weise erreicht haben.

Und während wir heute nach vorne blicken und unser eigenes Leben gestalten, gibt es viele unter uns, die an das Leben der Anderen denken, an das Leben derer, die für ein einheitliches Land gekämpft und demonstriert haben – damals vor der Wende – und dafür Repressalien erleiden mussten.

© Bundesarchiv

Wir mögen uns jetzt noch an diese Zeit erinnern, irgendwann wird sie jedoch vergessen sein und hoffentlich verziehen mit einem offenen Herzen.

Für viele hat sich das Leben nach dem Mauerfall so sehr verändert. So denke ich an die Menschen unter uns, die noch immer nicht mit den Wirren dieser Zeit und den Herausforderungen der Wiedervereinigung zurechtkommen. …werden sie Mut und Kraft finden können?

Berlin 2014

Im Oktober verbrachte ich mit meiner Familie und Freunden einige schöne Tage in Berlin, in meiner Heimatstadt, die ich so sehr liebe. Hier konnte ich in den vergangenen Jahren auch große Veranstaltungen wie die Leichtathletik-Weltmeisterschaften und den alljährlich stattfindenden Berlin-Marathon verfolgen, der als besonderen Höhepunkt den Zieleinlauf am Brandenburger Tor hat.

Tiergarten in Berlin. © Take The Magic Step

Wir besuchten die Innenstadt, liefen an der einstigen Mauer entlang. Ihr Verlauf ist im Boden markiert; sie ist noch spürbar, wenn man durch beide Teile der Stadt läuft – frei über die Grenzen hinweg, die einst so entmutigend waren. Berlin veränderte sich in den letzten Jahren so sehr, dass ich das Gefühl hatte, die Stadt möchte die Zeit der Mauer möglichst schnell vergessen.

Vielleicht haben Sie mal die Gelegenheit, diese junge und pulsierende Metropole mit ihren aufgeschlossenen und wundervollen Menschen zu besuchen und ihr stetig wandelndes Gesicht zu entdecken – beim Besuch der neuen Museen, der historischen Attraktionen oder wenn Sie sich in einem der vielen Cafés eine wenig Ruhe gönnen.

…auf einer meiner Lieblingswaldstrecken in der Nähe von Berlin. © Take The Magic Step

Während meiner Berlinreise lief ich auch auf einer meiner Lieblingswaldstrecken im Osten der Stadt. In Gedanken versunken, erinnerte ich mich an die Zeit der Wende, an die Menschen: an die Leisen, die Lautstarken, die Politiker und jene, die die Mauer Stück für Stück mit ihren eigenen Händen niedergerissen haben.

Doch mein ganz besonderer Dank geht an die Menschen der Montagsdemonstrationen, durch die dieses historische Ereignis begann – sanft und zugleich kraftvoll mit den Worten: Wir sind ein Volk!

Im Namen des gesamten Take The Magic Step®-Teams sende ich Ihnen meine besten Wünsche für viele Läufe in Freiheit.

Viel Spaß beim Laufen auf friedvollen Wegen!

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