Für SOS Outreach 100 Meilen auf dem Rad durch die Rockies

31. July 2009 Von Uta Pippig mit David Wright
Die Kinder und Radfahrer am Verpflegungsstand im Ziel des Radrennens. © SOS Outreach

Mit lautem Gebimmel wurden mehr als 900 Radfahrer von den Kindern empfangen, die uns mit ihren Klingeln und Glocken begrüßten als wir nach dem spektakulären 100-Meilen Dusty Boot River Ride über die Ziellinie fuhren.

Das war ein toller Abschluss für eine Veranstaltung, die das Erleben eines anspruchsvollen und atemberaubenden Terrains mit der Möglichkeit verbindet, das Leben tausender gefährdeter und benachteiligter Kinder zu verbessern.

Die Glocken, mit denen die Kinder läuteten, symbolisierten auf bewegende Weise den Erfolg von SOS Outreach – eine kleine Charity-Organisation, die so viel bewirkt.

Take The Magic Step® unterstützt mit Begeisterung SOS Outreach, den Organisator des 100-Meilen Dusty Boot River Ride. So schloss ich mich den Fahrern an, die bei frischen Temperaturen am 25. Juli morgens in Beaver Creek in etwa 2.280 Metern Höhe starteten. Am Ende des Rennens waren Spendengelder von mehr als $ 50.000 zusammen gekommen. Dieses Geld wird nun dazu verwendet, noch mehr benachteiligte Mädchen und Jungen auf die Skipisten und in die unberührte Natur zu holen, denn dort – das beweisen 15 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet – haben sie die Chance, Fähigkeiten zu erlernen, die ihnen zu einem anderen und besseren Leben verhelfen können.

Für mich war der Höhepunkt des Rennens der Moment, in dem wir an der Ziellinie von Kindern mit lautem Klingeln begrüßt wurden und ich darunter einige der Kinder sehen konnte, denen das Programm zugute kommt. Ihre glücklichen Gesichter und ihr Selbstvertrauen sagten mir, dass sie an diesem Ort gut auf ihre Zukunft vorbereitet werden.

Seit vielen Jahren gibt SOS Outreach mithilfe der eingenommenen Spenden aus dem Ride unterprivilegierten Kindern die Möglichkeit, an Wintersportaktivitäten wie Ski- oder Snowboardfahren teilzunehmen. Im Januar dieses Jahres schlossen sich SOS Outreach und Meet the Wilderness zusammen. Beide Organisationen verfolgen dieselben Ziele und können nun auch Aktivitäten im Sommer anbieten wie beispielsweise Klettertouren, Wandern und Zelten. Kinder zwischen 8 und 18 Jahren, die in ihrem Leben noch nie etwas anderes als die Straßen der großen Stadt gesehen haben, werden in die Berge und eine atemberaubende Natur gebracht und erhalten dazu die nötige Ausrüstung und Kleidung. Erwachsene Mentoren – so genannte „Sherpas” – legen dabei besonderes Gewicht auf die im SOS-Konzept definierten Werte: Mut, Disziplin, Integrität, Klugheit und Selbstwertgefühl.

Eine Begebenheit, wenige Tage vor dem Rennen, hat mich ganz besonders berührt: Seth Ehrlich, der Ride-Direktor, nahm mich mit zum Ausrüstungslager und zeigte mir lange Regalreihen gefüllt mit Helmen, Wanderschuhen und anderen Ausrüstungsgegenständen. Es waren alle möglichen Größen vorhanden, die nur darauf warteten, Kindern dabei zu helfen, einen ihrer Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Dr. Gil Noam, Professor an der Harvard Universität in Boston, der sich eingehend mit den Methoden von SOS Outreach befasst, meint dazu: „Die Programme beinhalten Kurse, um Führungskompetenz sowie den positiven Umgang miteinander unter praktischer Anleitung zu erlernen. Sie liefern den Kindern und Jugendlichen das Handwerkszeug, das sie brauchen, um ihre persönlichen Schwierigkeiten zu überwinden und selbstbewusste, an der Gemeinschaft positiv mitwirkende Erwachsene zu werden.” Nathan Rodriguez von SOS erzählte Take The Magic Step®: „Wir konzentrieren uns auf Minderheiten, auf Kinder aus einkommensschwachen Familien oder mit emotionalen Problemen. Wir arbeiten mit städtischen Schulen zusammen und die Lehrer helfen uns dabei, die Mädchen und Jungen auszuwählen, die am meisten von der Programmstruktur und den -inhalten profitieren können. Wenn wir mit ihnen zum ersten Mal hinaus in die Berge fahren, sind wir bestrebt, dies für die Kinder zu einer Erfahrung werden zu lassen, die ihr Leben verändern wird.

Radfahrer auf ihrem Weg zum höchsten Punkt des atemberaubenden Rundkurses. © Kristin Anderson/Vail Daily
Radfahrer auf ihrem Weg zum höchsten Punkt des atemberaubenden Rundkurses. © Kristin Anderson/Vail Daily

Das 100-Meilen-Rennen (man kann auch Distanzen über 100 oder 67 Kilometer wählen) ist ein ganz besonderes Ereignis. An der Startlinie waren Frauen, Männer und Kinder im Alter zwischen 10 und 76 Jahren, sie hatten sich dort mit allen möglichen Arten von Fahrrädern versammelt. Dies ist kein Rennen im herkömmlichen Sinne, es ist etwas, an dem sich Menschen aller Leistungsstufen erfreuen und gleichzeitig mithelfen können, etwas zu bewirken.

Bei leichtem Westwind, knappen 13° C und teilweise bewölktem Himmel starteten wir in Beaver Creek in etwa 2.280 Metern Höhe und fuhren bis nach Wolcott, das etwa 2.100 Meter hoch liegt. Danach ging es in Richtung Norden und hinauf zum Wolcott Divide mit einer Erhebung von gut 2.500 Metern. Dort wurden die Radfahrer von ehrenamtlichen Helfern einer Versorgungsstation begeistert begrüßt und mit leckerem Erdbeer- und Ananaseis versorgt, so konnten sie sich für die nächste Etappe der Tour stärken. (Ich habe lieber auf das Eis verzichtet und eine Banane verspeist, denn vor uns lagen noch mehr als 130 Kilometer.)

Das lang gezogene Gefälle nach dem Gipfel war atemberaubend. Die Strecke schlängelt sich durch das Eagle River Valley, folgt dem Colorado River mit kleinen Schlenkern über unbefestigte, jedoch für das Rennen gut präparierten Straßen. Dort, wo die beiden Flüsse Colorado und Eagle zusammen fließen, fuhren wir Richtung Osten und folgten dem Eagle River zurück nach Beaver Creek. Und als wäre das Massiv der Colorado Rockies nicht schon genug Inspiration gewesen, tauchten plötzlich noch Nelson Vails und Ron Barton auf.

Radlegende Nelson Vails und Uta am Start des 100-Meilen River Ride. © SOS Outreach
Radlegende Nelson Vails und Uta am Start des 100-Meilen River Ride. © SOS Outreach

Nelson Vails ist eine Legende des Radsports. Als Afroamerikaner in Armut geboren wuchs er in Harlem, einem der New Yorker Ghettos, auf. Als Jugendlicher jobbte er als Fahrradkurier und brauste durch die belebten Straßen von Manhattan, um dort Pakete auszuliefern. In eher unkonventioneller Ausrüstung und Secondhand-Schuhen nahm er an Radrennen teil – und gewann schließlich die Silbermedaille im 1000-m-Zeitfahren bei den Olympischen Spielen 1984! Zwei Jahre später bekam er eine Rolle – natürlich als Fahrradkurier – in dem Film „Quicksilver” mit Kevin Bacon in der Hauptrolle. Die letzten 25 Kilometer des Radrennens fuhr ich in einer Gruppe, die Nelson begleitete und er war unglaublich motivierend für uns alle. Er war einfach gut drauf und hatte immer ermutigende Worte für die Fahrer um ihn herum.

Ron Barton war der einzige von den 910 Fahrern, der die fantastische Landschaft, die er mit seinem Rad durchquerte, nicht vollständig erfassen konnte: Ron ist blind. Dies war bereits sein zweiter River Ride; zudem hatte er am „Race Across America” erfolgreich teilgenommen. Ron fuhr mit seinem „Lotsen” und guten Freund Nate Dick, der ihn durch die manchmal nicht ganz ungefährliche Strecke führte. Seit neun Jahren sind die beiden schon ein Team, fahren Seite an Seite und haben gelernt, instinktiv miteinander zu kommunizieren. „Nate redet die ganze Zeit mit mir, er sagt mir, wo wir anhalten werden, wenn wir einen anderen Gang einlegen oder um eine Ecke fahren müssen, all solche Dinge eben”, erzählt Ron und zwar so, als wäre Radfahren für ihn die natürlichste Sache der Welt. Und Ron ist überzeugt, die Erhabenheit der Berge, durch die wir alle gefahren sind, ebenfalls gespürt zu haben. Lächelnd fügt er hinzu: „Ein guter Lotse wie Nate einer ist, beschreibt mir natürlich auch die Landschaft durch die wir gerade fahren, so dass ich mir bildhaft vorstellen kann, was wir gerade tun.”

Die Teilnehmerzahl des River Ride wächst von Jahr zu Jahr, doch im Vergleich zu den bekannten und großen Wohltätigkeitsorganisationen und deren Events, ist diese Veranstaltung mehr oder minder ein Geheimnis. Deshalb hoffe ich, dass noch sehr viele Menschen von diesem wunderbaren ‚Geheimnis’ erfahren und sich dazu entschließen werden, diese unvergessliche Erfahrung im nächsten Jahr gemeinsam mit uns zu genießen.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten von SOS Outreach finden Sie hier.

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Weitere Grüße

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