Berlin und der sprintende Bär erobern die Herzen bei der WM 2009

28. August 2009 Von Uta Pippig
Marathonläufer auf dem Weg zum Brandenburger Tor. © www.PhotoRun.net

Liebe Freunde,

überall in der Stadt Berlin gab es während der neun spektakulären Tage der Leichtathletik Gewinner – und dazu zählen nicht nur die Athleten, die bei den Weltmeisterschaften für Schlagzeilen sorgten.

Es war fantastisch, eine Atmosphäre voller Wärme, Freundschaftlichkeit und Verbundenheit zu spüren, die den Besuchern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hervorragende Leistungen auf der Bahn oder der Straße wurden auf beeindruckende Weise von den vielen begeistert jubelnden Zuschauern honoriert, die die Reihen im historischen Olympiastadion füllten oder stundenlang die Straßen an den Rennstrecken säumten, um den mehr als 1.800 Athleten zuzujubeln.

Uta trifft Heike Drechsler, die Weltmeisterin im Weitsprung von 1983 und 1993. © Camera4
Uta trifft Heike Drechsler, die Weltmeisterin im Weitsprung von 1983 und 1993. © Camera4

Über die spannenden Laufveranstaltungen berichtete unser Take The Magic Step-Team. Doch mir sind zwei Begebenheiten in lebhafter Erinnerung, die erst nach den Rennen passierten und die zeigten, welch kameradschaftlicher Geist diese Weltmeisterschaften prägte. Die erste Begebenheit passierte nach dem eindrucksvollen Wettkampf über die 5.000-Meter-Distanz zwischen dem US-Amerikaner Bernard Lagat und dem äthiopischen Weltrekordhalter Kenenisa Bekele. Lagat ging auf der Zielgeraden nach vorne, doch der unglaublich starke Bekele hielt noch einmal dagegen und gewann in 13:17,09 Minuten. Es folgte eine bewegende Szene: Lagat umarmte den Sieger als Zeichen seiner Bewunderung und Freundschaft. Etwas später am selben Tag verfolgten wir die 4 x 400-Meter-Staffel der Männer, in der Australien vor den USA Platz drei erreichte. Auch hier gab es keine verärgerten Verlierer. Die Australier – offensichtlich völlig davon überwältigt, die Bronze-Medaille gewonnen zu haben – gingen sofort auf das amerikanische Team zu, um gemeinsam mit ihnen auf der Bahn zu feiern und für die Fotografen zu posieren.

Dem historischen Brandenburger Tor – 1791 erbaut und heute eines der bedeutendsten Freiheitssymbole der Bundesrepublik seit dem Fall der Mauer – ließen die Organisatoren eine ganz besondere Rolle zukommen: Erstmalig lagen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Start und Ziel der Marathonläufe nicht im Stadion, sondern direkt unter dem berühmten Bauwerk. Auf dem zehn Kilometer langen Marathon-Rundkurs durchquerten die Läufer vier Mal Teile der Berliner Innenstadt, die einmal in Ost- und Westberlin aufgeteilt war. Zum Schluss hielten die Organisatoren noch eine besondere Überraschung bereit: Eine Stunde nach Ende des Männer-Marathons fand der Champions Run auf dem 10-km-Rundkurs statt. Etwa 8.000 Läufer nahmen daran teil, und sie konnten dabei die vielen Sehenswürdigkeiten genießen, an denen kurz zuvor die besten Marathonläufer der Welt vorbei gerannt waren.

Vielen Dank, Berlino! © privat
Vielen Dank, Berlino! © privat

Kurz vor Beginn der Leichtathletikver-anstaltungen konnte ich Ihnen Berlino, das liebenswerte Maskottchen der Weltmeister-schaften, bereits vorstellen. Berlino hat während dieser neun Tage seinem Namen alle Ehre gemacht! Schnell eroberte er die Herzen der Zuschauer, als er an der Ziellinie nach dem 10.000-Meter-Lauf der Frauen die Teilnehmerin, die als Letzte durch das Ziel kam, bärig umarmte … oder mit dem beeindruckenden Usain Bolt posierte, nachdem der Jamaikaner seine zweite Goldmedaille gewonnen und seinen zweiten Weltrekord über die 200 Meter aufgestellt hatte … und beim 10.000-Meter Finale der Männer außen auf der achten Bahn so schnell wie er konnte neben den afrikanischen Athleten herlief.

Vielleicht kam der wahre Geist dieser Weltmeisterschaften sogar erst in den Schlussmomenten so richtig zum Ausdruck. Während der Abschlusszeremonie strömten die freiwilligen Helferinnen und Helfer gemeinsam mit den Athleten aus dem Stadiontunnel und füllten nach und nach sämtliche Bahnen und den Innenraum des Olympiastadions. Diese wunderbare Atmosphäre war für viele Menschen sehr bewegend. Mit stehenden Ovationen revanchierte sich das Publikum bei allen Mitwirkenden – es war ein herzliches Dankeschön voller Anerkennung für diejenigen, die mit viel Herz, Fleiß und Engagement diese Weltmeisterschaften zu einem eindrucksvollen und unvergessenen Erlebnis machten.

Danke Berlin – Du bist großartig!

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