Zersenay Tadesse und Lornah Kiplagat gewinnen Straßenlauf-WM

Zersenay Tadesse (Eritrea) und Lornah Kiplagat (Niederlande) haben die erstmals veranstalteten Straßenlauf-Weltmeisterschaften über die 20-Kilometer-Distanz gewonnen. Auf einem 5-km-Rundkurs im ungarischen Debrecen zeigte der 24-jährige Tadesse ein weiteres hochkarätiges Rennen. Der Olympia-Dritte von Athen 2004 über 10.000 Meter gewann souverän in 56:01 Minuten und verfehlte dabei den 20-km-Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien) lediglich um 13 Sekunden. Zweiter wurde Robert Kipchumba (Kenia/56:41) während sich Wilson Kiprotich Kebenei (Kenia) in 57:21 die Bronzemedaille sicherte.

Bei den Frauen heißt die erste 20-km-Weltmeisterin Lornah Kiplagat. Die frühere Kenianerin stellte mit 63:21 Minuten zugleich einen Weltrekord auf. Sie unterbot die Marke von Paula Radcliffe (Großbritannien) um fünf Sekunden. Lediglich zwei Sekunden nach Kiplagat war Constantina Tomescu (Rumänien) im Ziel, die vor einem Jahr Halbmarathon-Weltmeisterin gewesen war. Rang drei ging an die Kenianerin Rita Jeptoo mit 63:47.

Bis zum vergangenen Jahr hatte der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF Halbmarathon-Weltmeisterschaften veranstaltet. Nun wurden bei dem WM-Rennen erstmals nicht mehr 21,0975 km sondern nur noch 20 km gelaufen. Früher standen 25 km (Männer) beziehungsweise 15 km (Frauen) auf dem Programm dieser Titelkämpfe.

Beim Männerrennen war Zersenay Tadesse das hohe Tempo von Anfang an mitgegangen. Schon deutlich vor der Hälfte der Distanz hatte er sich dann gemeinsam mit Robert Kipchumba abgesetzt. Auch den Kenianer ließ der Läufer aus Eritrea bald hinter sich. „Ich wollte von Beginn an schnell laufen, deswegen hat mich das hohe Anfangstempo nicht gestört”, erklärte Tadesse gegenüber der Internetseite der IAAF, www.iaaf.org. „Ich habe es genossen, die letzten Kilometer alleine zu laufen.”

Ganz anders entwickelte sich das Rennen bei den Frauen. Hier gab es einen packenden Zweikampf zwischen Constantina Tomescu und Lornah Kiplagat, die vor einem Jahr bei der Halbmarathon-WM hinter der Rumänin Zweite gewesen war. In 47:10 Minuten passierte das Duo die 15-km-Marke, so dass beide gemeinsam nun als neue Europarekordlerinnen über diese Distanz geführt werden. Das war sieben Sekunden schneller als Ingrid Kristiansen (Norwegen) 1987.

„Ich habe mir gedacht, wenn Constantina so schnell laufen kann, dann kann ich das auch. Ich wollte unbedingt gewinnen und mir den 20-km-Weltrekord von Paula Radcliffe zurückholen”, sagte Lornah Kiplagat. Auf den letzten 150 Metern hatte sie den letzten verzweifelten Angriff von Tomescu abgewehrt und zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet.

Zaituc und Wodajo gewinnen Köln-Marathon

Zeitgleich mit den Straßenlauf-Weltmeisterschaften fanden in Deutschland zwei große Marathonrennen statt: in Köln und in München. Teferi Wodajo (Äthiopien) und Luminita Zaituc (LG Braunschweig) gewannen den Köln-Marathon. Während Teferi Wodajo in 2:11:18 Stunden vor Benjamin Itok (Kenia/2:12:08) und Francis Kiprop (Kenia/2:13:00) im Ziel war, lief Luminita Zaituc 2:28:24. Zweitschnellste Frau war Sun Weiwei (China/2:29:39), als Dritte kam Elena Tikhonova (Russland) nach 2:45:54 ins Ziel. Insgesamt hatte für die verschiedenen Wettbewerbe des Köln-Marathons die Rekordzahl von rund 26.000 Teilnehmern gemeldet. Darunter waren gut 13.500 Marathonläufer sowie knapp 6.000 Athleten, die beim neuen Halbmarathon an den Start gingen.

Über die halbe Distanz von 21,0975 km kam es in der Domstadt zu dem Duell zwischen Sabrina Mockenhaupt (Köln Marathon) und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid). Dabei setzte sich Irina Mikitenko frühzeitig von Sabrina Mockenhaupt ab und lief mit einigen Tempoverschärfungen in 70:03 Minuten zum Sieg. Sabrina Mockenhaupt kam in 70:29 Minuten als Zweite ins Ziel. Es war somit eine gelungene Revanche für Irina Mikitenko, die im 10.000-m-Finale der EM von Göteborg im August von ihrer nationalen Rivalin ausgetrickst worden war. 9.850 Meter hatte Mikitenko bei der EM für Mockenhaupt Tempo gemacht, um dann auf den letzten 150 Metern im Kampf um Platz acht überspurtet zu werden. Schnellster Mann bei der Kölner Halbmarathonpremiere war Pascal Meißner (TV Refrath/Leverkusen) noch hinter den beiden ersten Frauen in 71:36 Minuten.

Im Männerrennen löste sich schnell eine größere Spitzengruppe, die Carsten Eich bis zum Halbmarathon als Tempomacher anführte. Neben dem späteren äthiopischen Sieger Teferi Wodajo gehörten auch Benjamin Itok, Joseph Kadon, James Kiplagat Kosgei (alle Kenia), Michael Ngaseke (Zimbabwe), sowie der kenianische Vorjahressieger Francis Kiprop zur Spitze. Kurz bevor Carsten Eich bei Kilometer 21 ausstieg, löste sich Teferi Wodajo mit einer Halbmarathonzwischenzeit von 65:03 Minuten vom Rest der Gruppe. Dahinter versuchte Benjamin Itok lange Zeit aufzuschließen, was ihm bei Kilometer 35 auch für kurze Zeit gelang. Doch der erst 24-jährige Äthiopier, der bisher noch keinen Marathon gewinnen konnte, zog das Tempo noch einmal ein bisschen an um mit fast einer Minute Vorsprung in der Rhein-Metropole zu gewinnen. „Es war ein gutes Rennen für mich, auch wenn es nicht so schnell war”, sagte Teferi Wodajo.

Bei den Frauen waren vor allem zwei Deutsche im Fokus der Öffentlichkeit. Die Europameisterin Ulrike Maisch war der Superstar in Köln, musste aber schon nach sieben Kilometern das Rennen frühzeitig beenden. „Ich habe leider bei einem langen Dauerlauf vor drei Tagen Fußprobleme bekommen und bin heute mit einem getapten Fuß gestartet. Es ist natürlich schade, dass ich so früh aufgeben musste, denn die Stimmung ist super”, sagte Ulrike Maisch nach ihrem Ausstieg. Somit musste Luminita Zaituc zeigen was in ihr steckt, um einen deutschen Sieg beim Köln-Marathon zu sichern. Ihre größte Konkurrentin an diesem Tag war die Chinesin Sun Weiwei. Die 25-Jährige setzte sich kurz vor Kilometer 21, die sie in 63:13 Minuten passierte, von Luminita Zaituc ab. Diese blieb aber immer in Sichtweite und trotz zwischenzeitlicher Krämpfe kämpfte sie sich „mit kleinen Schritten” an Sun Weiwei heran und konnte diese dann auch schließlich überholen. Zwei Kilometer vor dem Ziel hatte Luminita Zaituc schon über eine Minute Vorsprung und rettete diesen auch ins Ziel. Sie sorgte somit für einen perfekten Saisonabschluss. „Ich freue mich, dass es nach einigen Problemen in diesem Jahr für mich ein so tolles Saisonende gibt. Ich bin zuversichtlich für das nächste Jahr”, sagte die deutsche Siegerin, die tags darauf ihren 38. Geburtstag feierte.

Im Rahmen des München-Marathons wurden die Deutschen Meisterschaften veranstaltet. Dabei reichten dem Deutschen Meister Matthias Körner (Pensberg/Bayern) 2:21:55 Stunden zum Sieg. Das zeigt einmal mehr die erschreckend schwache Situation im deutschen Männer-Langstreckenbereich. Die Vizemeisterschaft holte sich Philipp Büttner aus dem hessischen Friedberg mit bereits 2:25:13 Stunden vor dem als Favoriten gehandelten Dirk Schwarzbach aus Kirchdorf bei Hannover.

Die Greifswalderin Carmen Siewert wurde mit 2:47:22 Stunden Deutsche Meisterin. Auch für die Nächstplatzierten wurde München zum bisherigen Höhepunkt ihrer Läuferlaufbahn: Andrea Stengel holte sich mit praktisch zwei gleich starken Hälfen die Silbermedaille vor Anke Holljesiefken mit Endzeiten knapp unter der 2:50-Marke. 10.400 Starter waren in München dabei – einschließlich der 1.800 Läufer bei den erstmals angebotenen 10 km.