
Auf Ryan Hall ruhen die Hoffnungen der Amerikaner im Männerrennen von Boston. © www.photorun.net
Der Boston-Marathon ist am 20. April das erste Rennen der World Marathon Majors (WMM) in diesem Jahr. In der laufenden Serie 2008-2009 steht dabei Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) auf der Pole Position. Bei den Männern führt der Olympiasieger Sammy Wanjiru (Kenia). Aufgrund der sich jährlich überlappenden Zwei-Jahres-Serien der WMM beginnt in Boston zugleich die Wertung für die nächste Runde (2009-2010). Dadurch sammeln die ersten fünf Männer und Frauen jeweils doppelt Punkte für zwei Serien.
In Boston geht dabei im Männerrennen ein Athlet an den Start, dem man zutrauen kann, als erster Weißer in der noch jungen WMM-Historie eine Rolle in einer Serie zu spielen: Ryan Hall. Vor gut zwei Jahren sorgte der heute 26-jährige US-Amerikaner beim Halbmarathon in Houston für einen Paukenschlag, als er die Stunden-Barriere unterbot und mit 59:43 Minuten einen US-Rekord aufstellte. Anschließend lief er in London ein starkes Marathondebüt mit 2:08:24 Stunden, ein Jahr später steigerte er sich an der Themse auf 2:06:17. Damit ist Ryan Hall der schnellste Läufer im Feld beim Boston-Marathon, wo er auf der welligen Strecke auf eine Reihe von starken Kenianern treffen wird. Darunter ist auch Titelverteidiger Robert Kipkoech Cheruiyot, der in Boston zum fünften Mal gewinnen möchte.
Der einzige andere weiße Marathonläufer, der zurzeit vielleicht die Chance hätte, eine gute Rolle in einer WMM-Serie zu spielen ist Viktor Röthlin. Doch der Schweizer muss nach einer zweifachen Lungenembolie auf den geplanten Start beim London-Marathon verzichten. In der britischen Metropole findet am 26. April das zweite Frühjahrsrennen statt, das zu den World Marathon Majors gehört. In London starten dabei mit Sammy Wanjiru und Irina Mikitenko die beiden Führenden in der aktuellen Serie.
Irina Mikitenko, die bereits die Serie 2007-2008 gewann und dadurch ein Preisgeld von einer halben Million US-Dollar erhielt, hat aufgrund ihrer beiden Siege in London und Berlin 2008 bereits 50 Punkte und einen guten Vorsprung. Sollte ihr ein zweiter Triumph an der Themse gelingen, für den es 25 WMM-Punkte gibt, hätte sie beste Chancen, zum zweiten Mal in Folge den WMM-Jackpot zu knacken. Auf Platz zwei liegen zurzeit mit jeweils 30 Zählern Alevtina Biktimirova (Russland) und Olympiasiegerin Constantina Dita (Rumänien). Die Russin steht jedoch weder in Boston noch in London auf der Startliste und kann somit im Frühjahr keine weiteren Punkte gewinnen.
In Boston hoffen die Amerikaner auch im Frauenrennen auf eine US-Läuferin: Kara Goucher. Sollte sie gegen Vorjahressiegerin Dire Tune (Äthiopien) gewinnen, könnte das Irina Mikitenko zusätzlich helfen bei der neuen Jackpot-Jagd. Denn Kara Goucher hat bisher erst 10 Punkte und wird damit in der aktuellen WMM-Wertung keine entscheidende Rolle mehr spielen können.
WMM-Stand 2008-2009:
Männer:
1. Samuel Wanjiru (KEN) 40 Punkte
2. Martin Lel (KEN) 26
3. Evans Cheruiyot (KEN) 25
Robert K. Cheruiyot (KEN) 25
Haile Gebrselassie (ETH) 25
Marilson Gomes dos Santos (BRA) 25
Abderrahim Goumri (MAR) 25
8. Abderrahime Bouramdane (MAR) 16
9. Jaouad Gharib (MAR) 15
James Kwambai (KEN) 15
David Mandago (KEN) 15
Frauen:
1. Irina Mikitenko (GER) 50 Punkte
2. Alevtina Biktimirova (RUS) 30
Constantina Tomescu-Dita (ROU) 30
4. Lidiya Grigoryeva (RUS) 25
Paula Radcliffe (GBR) 25
Dire Tune (ETH) 25
7. Catherine Ndereba (KEN) 16
Ludmila Petrova (RUS) 16
Askale Tafa Magarsa (ETH) 16
10. Rita Jeptoo (KEN) 15
Svetlana Zakharova (RUS) 15
Irina Mikitenko nach Paderborn-Sieg bereit für London

Irina Mikitenko ist zwei Wochen vor dem London-Marathon in Topform. © www.photorun.net
Titelverteidigerin Irina Mikitenko ist bereit für den Flora London-Marathon am 26. April. Die deutsche Marathon-Rekordlerin (2:19:19 Stunden) gewann das 10-Kilometer-Rennen beim Paderborner Osterlauf in hochklassigen 31:22 Minuten. Das ist die zweitschnellste Zeit des Jahres über diese Strecke und die zweitschnellste, die je eine deutsche Läuferin über 10 km erreichte. Damit krönte Irina Mikitenko den Paderborner Osterlauf, bei dem die Rekordzahl von gut 8.000 Meldungen registriert wurde.
„Ich bin froh über dieses Ergebnis und kann mit dieser Zeit sehr gut leben. Denn ich hatte mir ein Ergebnis von 31:30 Minuten vorgenommen”, sagte die 36-jährige Irina Mikitenko, die bei dem Rennen nach 4 km die Führung übernahm und den Lauf dann dominierte. Die 5-km-Marke passierte sie wie geplant nach 15:45 Minuten. Auf der zweiten Hälfte konnte die Läuferin des TV Wattenscheid sogar noch etwas zulegen. Im Ziel war sie mit 31:22 über eine Minute schneller als die Kenianerinnen Sally Barsosio (32:25) und Alice Mogire (33:21).
Am vergangenen Montag war Irina Mikitenko aus ihrem Höhentrainingslager in Kirgisien zurückgekehrt. Vier Wochen hatte sie dort gut trainieren können. „Am fünften Tag nach dem Höhentrainingslager an den Start zu gehen, ist sicher nicht der ideale Zeitpunkt, aber entscheidend ist für mich bezüglich des Timings das Rennen in London”, sagte Irina Mikitenko, die am Ostersonnabend bei Temperaturen zwischen 23 und 25° Celsius laufen musste. „Das war ein bisschen zu warm – ich fühlte mich danach etwas müde, was aber auch damit zusammen hängt, dass der Temperaturunterschied so plötzlich gekommen war.”
Die Zeit von Irina Mikitenko ist die zweitschnellste in der Welt in diesem Jahr. Nur Vivian Cheruiyot (Kenia), die in Puerto Rico mit 31:12 gewonnen hatte, ist in der Saisonbestenliste noch vor der Deutschen platziert. Der nationale Rekord von Irina Mikitenko steht seit 2008 bei 30:57 Minuten. Der Sieg in Paderborn ist ein gutes Omen für die Läuferin, denn auch vor einem Jahr gewann sie dort beim parallel veranstalteten Halbmarathon. Anschließend triumphierte sie in London.
Das Männerrennen gewann in Paderborn am Samstag Peter Kamais (Kenia) mit 28:16 Minuten. Job Tanui (Kenia/28:23) und Urige Arado Buta (Norwegen/28:24) belegten die nächsten Plätze. Die Kenianer dominierten auch den Halbmarathon, bei dem sie gleich die ersten acht Ränge belegten. Stephen Koech siegte in 62:34 Minuten vor Eliud Kiplagat (62:37) und Phillip Rugut (62:41). Bei den Frauen gewann Susanne Hahn (schlau.com Saarbrücken) in 1:13:19 Stunden vor den Kenianerinnen Irene Cherop (1:14:11) und Loise Kangogo (1:14:54).
Kenias Läuferstar Paul Tergat bei 25-km-Rennen in Berlin
Kenias Lauf-Superstar Paul Tergat wird bei den BIG 25 am 10. Mai in Berlin an den Start gehen. Diese spektakuläre Startzusage gab Race-Direktor Gerhard Janetzky bekannt. Paul Tergats Verpflichtung ist die hochkarätigste in der Geschichte des ältesten deutschen City-Laufes, der 1981 als ,25 km de Berlin’ seine Premiere hatte. Der Kenianer hatte 2003 in Berlin als erster Läufer die Marathon-Schallmauer von 2:05-Stunden durchbrochen. Jetzt kommt Paul Tergat nach Berlin zurück und jagt den 25-km-Weltrekord.
„Wir freuen uns, dass es gelungen ist mit Paul Tergat einen der besten Läufer aller Zeiten für die BIG 25 zu verpflichten. Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten Athleten, sondern zugleich ein außerordentlicher Sympathieträger für den Laufsport, der sich auch sozial engagiert”, sagte Gerhard Janetzky. Paul Tergat ist seit 2004 Botschafter des World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen (UN).
Neben dem 25-km-Lauf stehen am 10. Mai auch ein 10-km-Rennen sowie eine 5×5-km-Staffel auf dem Programm. Gestartet wird auf dem Olympischen Platz, Ziel aller Wettbewerbe ist das Berliner Olympiastadion. Die Veranstalter von Berlin Läuft rechnen mit rund 9.000 Läufern. Informationen und Anmeldemöglichkeiten für jene, die bei den BIG 25 in einem Rennen mit Paul Tergat laufen möchten, gibt es im Internet unter: www.berlin-laeuft.de
Paul Tergat gehört zu den erfolgreichsten Läufern der Leichtathletik-Historie. Fünfmal in Folge gewann er die Goldmedaille über die Langstrecke bei den Cross-Weltmeisterschaften (1995 – 1999) – mehr Siege in Serie erreichte bis heute kein anderer Athlet. Paul Tergat war aber nicht nur im Cross, sondern auch auf der Bahn und auf der Straße erfolgreich, was nur ganz wenigen anderen Läufern gelungen ist. In den 90er Jahren stellte er Weltrekorde über 10.000 Meter, im 15-km-Straßenlauf und im Halbmarathon auf. 1996 und 2000 gewann er jeweils Silber bei Olympischen Spielen über 10.000 m.
Seinen größten Triumph im Marathon feierte Paul Tergat 2003, als er den Berlin-Marathon in 2:04:55 gewann. Nie zuvor war ein Läufer über die 42,195 km in unter 2:05 Stunden gelaufen. Damit ist der Kenianer, der 2005 den New York-Marathon gewann, heute noch der viertschnellste Marathonläufer aller Zeiten. Knapp sechs Jahre später kommt er nun nach Deutschland zurück. Bei den BIG 25 jagt Paul Tergat wieder einen Weltrekord: Dieser steht über 25 km bei 1:12:45 Stunden. Der Kenianer Paul Koech hat ihn 2004 in Berlin aufgestellt.
Der heute 39-jährige Paul Tergat ist immer noch in beachtlicher Form. Anfang März gewann er den Lake Biwa-Marathon in Japan trotz Jetlag-Problemen mit 2:10:22 Stunden. Am vergangenen Wochenende wurde Paul Tergat Zweiter beim Great Ireland-Rennen über 10 km in Dublin. Erst im Endspurt wurde er ganz knapp geschlagen vom Portugiesen Rui Pedro Silva. „Drei Wochen nach dem Marathon schon wieder so schnell rennen zu können, das ist für mich nicht nur gut, das ist fantastisch”, sagte Paul Tergat. „Ich werde jetzt vor allem Schnelligkeit trainieren, die Ausdauer ist vorhanden”, sagte der Kenianer mit Blick auf die BIG 25 in Berlin. „Ich bin selbst begeistert von meinen Leistungen, deswegen gibt es jetzt überhaupt keinen Grund, trotz meines Alters über das Karriereende zu reden.”