
Paula Radcliffe gewann bereits 2005 den WM-Titel im Marathon. © www.photorun.net
Startet Paula Radcliffe im Marathon am Schlusstag der Weltmeisterschaften von Berlin? Das ist auch zehn Tage vor dem Start des Marathonrennens der Frauen noch die große Frage. Am kommenden Sonntag wird die britische Weltrekordlerin (2:15:25 Stunden), die zum letzten Mal in New York im November 2008 ein Rennen absolvierte und sich im März einer Fußoperation unterzog, in New York beim Halbmarathon an den Start gehen. Danach wird sie entscheiden, ob sie genau eine Woche später bei der WM läuft.
Paula Radcliffe will in Berlin nur antreten, wenn sie wirklich fit ist – ist das der Fall, dann ist sie die Favoritin, da Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) wegen ihres kürzlich verstorbenen Vaters nicht an den Start gehen wird. Die Deutsche lief beim London-Marathon im April in 2:22:11 Stunden Jahresweltbestzeit und ist damit noch immer die schnellste Läuferin des Jahres. Auch 2008 war sie die Nummer eins in der Jahresweltbestenliste mit ihrem deutschen Rekord von 2:19:19.
Einmal mehr würde sich Paula Radcliffe in Berlin sicherlich mit den starken Äthiopierinnen auseinandersetzen müssen. Zum äthiopischen Team zählen unter anderen die Dubai-Marathon-Siegerin dieses Jahres, Bezunesh Bekele (Bestleistung: 2:23:09), und Dire Tune. Die 24-Jährige hatte 2008 in Boston und zuvor in Houston gewonnen. In diesem April war Tune knapp geschlagene Zweite in Boston. Im Gegensatz zu früheren Jahren lief sie 2009 bisher nur einen Marathon und hat sich dadurch sicherlich langfristiger und besser auf das Meisterschaftsrennen vorbereiten können.
Dire Tune war bislang bei zwei Weltmeisterschaften (Helsinki und Osaka) sowie einmal bei den Olympischen Spielen (Peking) am Start, kam jedoch jeweils nicht unter die besten zehn. „In früheren Jahren gab es immer wieder Probleme für uns bei der Nominierung. Es gab Spannungen und wir beäugten uns gegenseitig. In diesem Jahr ist das anders, es hat sich einiges verändert. Ich bin zuversichtlich nach meinem Training und glaube, dass wir in Berlin dominieren können. Ich halte sogar für möglich, dass wir alle drei Medaillen gewinnen”, wurde Dire Tune kürzlich auf der Website des internationalen Leichtathletik-Verbandes (iaaf.org) zitiert. Die Äthiopierin hat in diesem Jahr bereits den Ras Al Khaimah-Halbmarathon in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewonnen, wo sie sich auf 67:18 Minuten verbesserte und damit einen Landesrekord aufstellte.
Während sich in Kenias WM-Marathonteam keine große Favoritin findet, könnte eine US-Amerikanerin vielleicht für eine Überraschung sorgen: Kara Goucher, die in Osaka bei der WM 2007 Bronze über 10.000 Meter gewann, lief erst im vergangenen November ihren ersten Marathon. Dabei belegte sie einen beachtlichen dritten Platz in New York mit 2:25:33 Stunden. In Boston war sie dann im April erneut Dritte. Vor kurzem bewies Kara Goucher starke Form, als sie den Chicago-Halbmarathon in 68:05 Minuten gewann. Bisher hat noch nie eine US-Amerikanerin einen WM-Marathon gewonnen.
Traditionell stark sind im Marathon die Japanerinnen. Nach Berlin zurückkehren wird Yoko Shibui, die 2004 den Berlin-Marathon in der damaligen japanischen Rekordzeit von 2:19:41 Stunden gewann. Yoshimi Ozaki (Bestzeit: 2:23:30) und Yuri Kano (2:24:27) könnten in Berlin auch eine gute Rolle spielen. Ähnlich gut besetzt sein wird das chinesische Team. Die Olympia-Dritte von Peking 2008, Chunxiu Zhou (PB: 2:19:51), ist der Star der Chinesinnen. Die erst 20-jährige Xue Bai lief im vergangenen Jahr bereits 2:23:27 Stunden.
Hart wird es nach dem Ausfall von Irina Mikitenko für das deutsche Team. Die ursprünglich einmal erhoffte Chance auf eine Bronzemedaille im parallel stattfindenden Weltcup-Teamwettbewerb dürfte dahin sein. Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon), die im Oktober 2008 den Frankfurt-Marathon in 2:26:22 gewonnen hatte, hat sicherlich die besten Platzierungschancen. Doch unter die ersten zehn zu kommen, wird schwer. Neben der 28-Jährigen werden in Berlin Susanne Hahn (SV schlau.com Saarbrücken/Bestzeit: 2:29:26), Melanie Kraus (Bayer Leverkusen/2:27:58), Luminita Zaituc (LG Braunschweig/2:26:01) und Europameisterin Ulrike Maisch (LAV Rostock/2:30:01) antreten.
Finale: Sonntag, 23. August