
Hochspannung bis zum letzten Meter gibt es, wenn Meseret Defar und Tirunesh Dibaba (vorne) aufeinander treffen. © www.photorun.net
Die 12. IAAF Leichtathletik-Weltmeister- schaften, die am kommenden Samstag in Berlin beginnen, sind das größte Sportereignis des Jahres. In einer vierteiligen Vorschau lesen Sie über die Favoriten bei den Langstrecken-Wett-bewerben. Heute geht es um die Bahn-Entscheidungen bei den Frauen (5.000 und 10.000 Meter sowie 3.000-m-Hindernis).
Ein äthiopisches Feuerwerk dürfte es über 5.000 und 10.000 m geben. Möglicherweise kommt es dabei gleich zweimal zum Aufeinandertreffen der beiden besten Bahn-Langstreckenläuferinnen der letzten Jahre: Tirunesh Dibaba und Meseret Defar. Äthiopiens neueste Topläuferin, Meselech Melkamu, dürfte allerdings versuchen in diesen Zweikampf einzugreifen. Und die Kenianerinnen werden alles geben, um die äthiopische Überlegenheit in Berlin zu beenden.
10.000 m: Als Titelverteidigerin wird Tirunesh Dibaba in Berlin über die 25-Runden-Distanz an den Start gehen. Aufgrund des Sieges in Osaka 2007 der heute 27-Jährigen können die Äthiopier im Olympiastadion eine vierte Läuferin ins Rennen schicken, denn alle Weltmeister sind automatisch qualifiziert. Das macht die Sache nicht leichter für Dibaba, da ihre Landsfrauen so stark wie nie zuvor über 10.000 m sind. Während Dibaba im ersten Teil der Saison Verletzungsprobleme hatte und die Strecke 2009 noch gar nicht gelaufen ist, sorgte Meselech Melkamu für eine dicke Überraschung: Die 24-Jährige erzielte die zweitschnellste je gelaufene Zeit mit 29:53,80 Minuten und löste damit Tirunesh Dibaba als Afrika-Rekordlerin ab. Noch hat Melkamu auf der Bahn bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen keine Medaille gewonnen, doch das könnte sich in Berlin ändern. Tirunesh Dibaba, die in Berlin zum dritten Mal in Folge diesen WM-Titel gewinnen möchte, muss sich aber erstmals auch mit ihrer Dauerrivalin Meseret Defar über 10.000 m auseinander setzen. Defar hatte sich in den vergangenen Jahren stets auf die 5.000 m konzentriert. Doch in dieser Saison steigerte sich die 25-Jährige auf 29:59,20 Minuten über die doppelte Distanz. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen in Birmingham war dies das fünftschnellste Ergebnis aller Zeiten. Als vierte Äthiopierin dürfte Ayalew Yimer an den Start gehen, die mit 30:11,87 Minuten Platz vier in der Jahresbestenliste belegt. Angesichts dieser äthiopischen Phalanx dürfte es für die Kenianerinnen schwer werden in Berlin. Die zurzeit schnellste von ihnen, Florence Kiplagat, steigerte sich in diesem Jahr allerdings auch auf 30:11,53 Minuten. Eher ist vielleicht der Olympia-Zweiten Elvan Abeylegesse (Türkei) zuzutrauen, ihre früheren Landsfrauen aus Äthiopien zu ärgern. Liliya Shobukhova (Russland) und Shalane Flanagan (USA) könnten hinter dem afrikanischen Kampf um den WM-Sieg eine wichtige Rolle spielen. Da sich Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon) auf den Marathon konzentriert, ist keine deutsche Läuferin am Start.
Finale: Samstag, 15. August
5.000 m: Meseret Defar ist die Titelverteidigerin über diese Strecke, so dass Äthiopien einmal mehr mit vier Läuferinnen an den Start gehen kann. Die Olympiasiegerin und Jahresweltbeste Tirunesh Dibaba (14:33,65 Minuten), die vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen bei der WM auf die kürzere Strecke verzichtet hatte, wäre voraussichtlich die schärfste Gegnerin von Defar, wenn sie startet. Wiederum dürfte auch Meselech Melkamu im Rennen sein, die über 5.000 m vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen Achte war. Im Gegensatz zu ihrer Glanzzeit über 10.000 m aus diesem Frühjahr, ist sie über 5.000 m (noch) nicht ganz so stark. In dieser Saison konnten allerdings auch die Konkurrentinnen noch keine Zeit unter 14:30 Minuten erreichen. Trotzdem spricht alles dafür, dass die Afrikanerinnen einmal mehr die Medaillen unter sich ausmachen werden. Hier haben die Kenianerinnen voraussichtlich bessere Chancen als über 10.000 m. Allen voran gilt dies für Vivian Cheruiyot, die bereits vor zwei Jahren WM-Silber hinter Defar gewann. Auch in diesem Rennen dürfte Elvan Abeylegesse (Türkei) eine Rolle spielen, nachdem sie bei den Olympischen Spielen über 5.000 m Silber gewonnen hatte. Deutsche Läuferinnen sind nicht am Start.
Vorläufe: Mittwoch, 19. August – Finale: Samstag, 22. August
3.000-m-Hindernis: Gulnara Galkina ist die Frau mit den größten Siegeschancen. Die russische Olympiasiegerin und Weltrekordlerin über die Hindernisse, die als erste und bisher einzige Frau unter neun Minuten lief (8:58,81 Minuten), hat zum letzten Mal vor zwei Jahren ein Rennen über diese Distanz nicht gewonnen. Das allerdings war der WM-Endlauf von Osaka. Hier triumphierte ihre Landsfrau Yekaterina Volkova, die im olympischen Finale von Peking Platz drei belegte. Sie wird auch in Berlin am Start sein. Während Kenias Olympia-Zweite Eunice Jepkorir bei der WM fehlt, ist ihre Landsfrau, die Junioren-Weltrekordlerin Ruth Bisibori, die voraussichtlich stärkste Afrikanerin im Rennen. Doch zwei andere könnten vielleicht eher in die russische Dominanz einbrechen: Die US-Amerikanerin Jennifer Barringer hatte bei den Olympischen Spielen als Neunte überzeugt. Für eine Überraschung gut ist in jedem Fall Marta Dominguez. Die Spanierin, die im Olympiafinale 2008 gestürzt war, kommt von der 5.000-m-Strecke. Hier war sie zweimal WM-Zweite (2001 und 2003). In dieser Saison verbesserte sie sich über die Hindernisse auf 9:09,39 Minuten und führt damit knapp vor Gulnara Galkina die Jahresweltbestenliste an. Für die deutsche Rekordlerin Antje Möldner (SC Potsdam/Bestzeit: 9:27,22) geht es in Berlin darum, das Finale zu erreichen.
Vorläufe: Samstag, 15. August – Finale: Montag, 17. August