
Kenenisa Bekele (Nr. 1662) auf dem Weg zum olympischen Doppelsieg – schafft er das auch in Berlin? © www.photorun.net
Am kommenden Samstag beginnt in Berlin das größte Sportereignis des Jahres: die 12. IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften. In einer vierteiligen Vorschau lesen Sie über die Favoriten bei den Langstrecken-Wettbewerben. Heute geht es um die Bahn-Entscheidungen bei den Männern (5.000 und 10.000 Meter sowie 3.000-m-Hindernis).
Kenenisa Bekele ist der Athlet, der über die Bahn-Langstrecken im Berliner Olympiastadion im Mittelpunkt stehen wird. Der Äthiopier könnte ein Stück WM-Geschichte schreiben, wenn er sowohl über 5.000 als auch über 10.000 m an den Start geht und beide Strecken gewinnt. Denn das ist bisher noch keinem Mann gelungen. Bei den Frauen schaffte dies einzig Bekeles Landsfrau Tirunesh Dibaba vor vier Jahren in Helsinki.
10.000 m: Auf jeden Fall wird Kenenisa Bekele über diese Strecke an den Start gehen. Hier will der 27-Jährige zum vierten Mal in Folge Weltmeister über die 25-Runden-Distanz werden. Das hat bis jetzt nur einer geschafft: Haile Gebrselassie, der von 1993 bis 1999 in Folge diesen Titel gewann. In diesem Jahr allerdings ist der Doppel-Olympiasieger von Peking (5.000 und 10.000 m) noch kein Rennen über 10.000 m gelaufen. Und über 5.000 m wirkte er speziell zu Beginn der Saison noch nicht souverän. Beides hat mit dem Ermüdungsbruch im Fuß zu tun, den sich Bekele im Herbst 2008 zugezogen hatte. Wie stark seine Form über 10.000 m ist, bleibt abzuwarten. Allerdings würde der Äthiopier wohl kaum an den Start gehen, wenn er keine Siegchance sähe. Einmal mehr zählt sein Landsmann Sileshi Sihine zu seinen schärfsten Herausforderern. Er war bei den letzten beiden Olympischen Spielen (2008 und 2004) sowie bei den vergangenen zwei Weltmeisterschaften (2007 und 2005) jeweils Zweiter hinter Weltrekordler Kenenisa Bekele. Doch auch die Kenianer werden alles versuchen, um erstmals seit 2001 (Charles Kamathi) wieder einen Weltmeister über 10.000 m zu stellen. Am Start sein wird unter anderem Micah Kogo. Der Kenianer, der eine starke Bestzeit von 26:35,63 Minuten hat und damit der sechstschnellste Läufer aller Zeiten ist, war bei Olympia 2008 bereits Dritter. Auch der Cross-Weltmeister von 2007, Zersenay Tadese (Eritrea), oder der für Katar startende Nicholas Kemboi sowie Boniface Kiprop (Uganda) könnten im 10.000-m-Finale von Berlin eine Rolle spielen. Deutsche Läufer sind nicht am Start.
Finale: Montag, 17. August
5.000 m: Wenn Kenenisa Bekele drei Tage nach dem 10.000-m-Finale zum Vorlauf über 5.000 m an den Start geht, ist er der Mann, den es zu schlagen gilt. Der Äthiopier ist über diese Strecke auch in dieser Saison ungeschlagen und ist nach vier Meetings noch im Rennen um den AF Golden-League-Jackpot. Einmal hat Kenenisa Bekele bereits erfolglos versucht, das Langstrecken-Doppel bei der WM zu gewinnen: 2003 in Paris wurde er nach seinem 10.000-m-Sieg Dritter über die halbe Distanz. Damals hieß der Sieger Eliud Kipchoge. Der Kenianer wird auch in Berlin wieder am Start sein. Der US-Amerikanische Titelverteidiger Bernard Lagat triumphierte 2007 in Osaka über 5.000 m. Auf seine Schnelligkeit in einer möglichen Spurtentscheidung wird Kenenisa Bekele achten müssen. Saif Saaeed Shaheen (Katar) hatte ursprünglich auch das Vermögen Bekele in Gefahr zu bringen. Saif ist nach wie vor der Weltrekordler über die 3.000-m-Hindernis. Er wird über 5.000 m in Berlin starten. Doch nach einer Reihe von Verletzungsproblemen war Shaheen zuletzt noch nicht wieder in Bestform. Für den einzigen deutschen Starter, Arne Gabius (LAV Asics Tübingen), wird es sehr schwer werden, das Finale zu erreichen.
Vorläufe: Donnerstag, 20. August – Finale: Sonntag, 23. August
3.000-m-Hindernis: Diese Disziplin ,gehört’ den Kenianern, und es spricht alles dafür, dass der Weltmeister in Berlin wieder aus dem ostafrikanischen Land kommen wird. Seit den ersten Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki haben die Kenianer über die Hindernisse sieben Gold-, acht Silber- und vier Bronzemedaillen gewonnen. Seit der WM in Tokio 1991 stellten sie mit zwei Ausnahmen immer die Sieger. 2003 und 2005 hieß der Weltmeister Saif Saaeed Shaheen – der gebürtige Kenianer hatte die Staatsbürgerschaft gewechselt und startet seitdem für Katar, was am Anfang für Entrüstung in seinem Heimatland gesorgt hatte. Doch Shaheen wird in Berlin nicht über 3.000-m-Hindernis starten, von ihm droht den Kenianern somit dieses Mal keine Gefahr. Gespannt sein darf man sicher auf Bob Tahri. Der Franzose hat wieder zu seiner Bestform zurückgefunden und stellte Anfang Juli in Metz mit 8:02,19 Minuten sogar einen Europarekord auf. Da der Titelverteidiger Brimin Kipruto automatisch für die WM qualifiziert war, können die Kenianer in Berlin sogar vier Läufer ins Rennen schicken. Neben Weltmeister und Olympiasieger Kipruto sind dies Ezekiel Kemboi, der mit 7:58,85 Minuten die Jahresweltbestenliste anführt, Paul Koech und Richard Mateelong. Bei der WM in Osaka vor zwei Jahren schafften es die Kenianer zum zweiten Mal nach Athen 1997 gleich alle drei Medaillen zu gewinnen. Das werden sie in Berlin wieder versuchen. Für den einzigen deutschen Starter, Steffen Uliczka (TSV Preetz), scheint die Finalqualifikation außer Reichweite.
Vorläufe: Sonntag, 16. August – Finale: Dienstag, 18. August