
Kenenisa Bekele strebt einen Doppelsieg bei der WM an, den vor ihm noch kein Mann geschafft hat. © www.photorun.net
Kenenisa Bekele wird zum zweiten Mal in seiner Karriere das Langstrecken-Doppel bei den Weltmeisterschaften laufen. Der Äthiopier, der am Montag bereits das 10.000-Meter-Finale gewann, trat heute im Vorlauf an und gewann sein Rennen locker in 13:19,77 Minuten. In Paris bei der WM 2003 hatte Bekele nach seinem 10.000-m-Sieg Platz drei über 5.000 m belegt. Bisher ist es keinem Athleten gelungen, bei Weltmeisterschaften beide Strecken zu gewinnen. Bekele schaffte das Doppel allerdings bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Peking.
Den größten Applaus im ersten Vorlauf erhielt jedoch Bekeles Landsmann Ali Abdosh, der in der Anfangsphase des Rennens einen Schuh verlor, nachdem ihm ein Konkurrent in den Hacken getreten war. Abdosh gab nicht auf und versuchte, über 100 Meter Rückstand wieder aufzuholen. Als er die große Spitzengruppe fast erreicht hatte, wurde das Tempo jedoch vorne angezogen, da es um die Finalplätze ging. Am Ende wurde er 13. in 13:36,52 Minuten. Trotzdem darf er am Sonntag im Finale starten, denn ein Protest der Äthiopier hatte Erfolg. Hinter Bekele qualifizierten sich unter anderen KIMbia’s Matt Tegenkamp (USA/Zweiter in 13:19,87) und der Brite Mo Farah (Dritter in 13:19,94) für den Endlauf, der am Sonntag stattfinden wird.
Den zweiten Vorlauf entschied Moses Kipsiro (Uganda) in 13:22,98 Minuten vor Eliud Kipchoge (Kenia/13:23,34) und James Kwalia C’Kurui (Katar/13:23,57) für sich. Titelverteidiger Bernard Lagat (USA), der tags zuvor noch Bronze im 1.500-m-Finale gewonnen hatte, erreichte ebenfalls das Finale. Er wurde Vierter in 13:23,73. Keine Chance hatte in diesem Rennen der einzige deutsche Läufer, Arne Gabius (Asics Tübingen). Er wurde 14. mit 13:49,13 Minuten.
„Ich habe nicht viel gefeiert nach dem 10.000-Meter-Sieg, sondern bin früh ins Bett gegangen. Ich fühle mich gut”, sagte Kenenisa Bekele. Er will mit seinem zweiten Start versuchen, die Niederlage auszugleichen, die Äthiopien über 10.000 m der Frauen hinnehmen musste. Hier gewann überraschend die Kenianerin Linet Masai. „Wenn du etwas verlierst, woran du dich gewöhnt hast, dann merkst du es. Man kann angesichts dieser Erfahrung sehen, wie wichtig es ist, dass die Besten des Teams dabei sind. Es ist schwierig, wenn sie wegen einer Verletzung oder aus einem anderen Grund fehlen”, erklärte Kenenisa Bekele bezüglich des 10.000-m-Rennens der Frauen. „Die Mehrheit der Äthiopier wird enttäuscht gewesen sein, dass das erwartete Gold verloren ging.” Die Äthiopierinnen hatten zuletzt fünfmal in Folge die Weltmeisterin über die 25-Runden-Distanz gestellt.
Über 800 m qualifizierten sich alle Favoriten in den Vorläufen für das Halbfinale. Pech hatte allerdings der einzige deutsche Starter: Robin Schembera (Bayer Leverkusen) stürzte eingangs der zweiten Runde und kam abgeschlagen als Siebenter seines Rennens in 1:54,47 Minuten ins Ziel.
Währenddessen wurde bekannt, dass Paula Radcliffe (Großbritannien) nicht am Sonntag im Marathon an den Start gehen wird. Die Weltrekordlerin war nach ihrem Testrennen in New York am Sonntag – dort hatte sie einen Halbmarathon souverän gewonnen – nach Berlin gereist. Im Frühjahr hatte sich die Britin einer Operation am Fuß unterziehen müssen, der Lauf in New York war ihr erstes Rennen in diesem Jahr. Radcliffe wird sich nun voraussichtlich auf einen Start beim New York-Marathon Anfang November vorbereiten und wird zuvor möglicherweise bei der Halbmarathon-WM in Birmingham am 11. Oktober starten.
Am Donnerstag fanden bei den Weltmeisterschaften in Berlin keine Lauf-Finals statt.