
Yelena Soboleva (links) feiert mit ihrer zweitplatzierten Landsfrau Yulia Fomenko den russischen Doppelsieg und ihren Weltrekord. © www.photorun.net
„Ich hatte nicht erwartet, dass ich hier den Weltrekord brechen würde, ich lief nur um den Sieg“, sagte Yelena Soboleva, nachdem sie die Hallen-Weltmeisterschaften von Valencia am Sonntag mit einer 1.500-m-Bestzeit von 3:57,71 Minuten gekrönt hatte. „Hinzu kam, dass ich an der 1.000-Meter-Marke die Uhr nicht gesehen hatte, so dass ich nicht wusste wie wir liegen. Natürlich merkte ich, dass es schnell war.“
Den 1.500-m-Weltrekord hat Yelena Soboleva in der Halle bereits zum dritten Mal gebrochen. Vor zwei Jahren steigerte sie die Marke der US-Amerikanerin Regina Jacobs (USA/3:59,98) in Moskau auf 3:58,28 Minuten. Im Februar verbesserte sie sich dann, wiederum bei den nationalen Meisterschaften in Moskau, auf 3:58,05. Verglichen zum Freiluft-Weltrekord der Chinesin Qu Yunxia, die 1993 in Peking 3:50,46 gelaufen war, bewegt sich die Hallen-Bestzeit noch in eher erreichbaren Kategorien. „Den Freiluft-Weltrekord zu brechen, daran brauche ich gar nicht denken – das kann ich nicht“, sagt Yelena Soboleva.
Im Gegensatz zu ihren beiden Weltrekorden hatte Yelena Soboleva vor den Titelkämpfen in Valencia nie bei einer großen Meisterschaft gewonnen. Nach ihrem Hallenweltrekord 2006 wurde sie beim Hallen-WM-Finale wenige Wochen später in Moskau Zweite hinter ihrer Landsfrau Yuliya Chizhenko. Im Sommer 2006 steigerte sie sich dann auf 3:56,43 Minuten, doch im EM-Finale blieb ihr nur Rang vier. Im vergangenen Jahr war sie mit 3:57,30 die schnellste Läuferin des Jahres weltweit, aber im WM-Finale hatte sie keine Chance gegen Maryam Jamal (Bahrain). Immerhin gewann die Moskauerin als Zweite ihre erste Medaille bei einer großen Freiluft-Meisterschaft.
Jetzt hat Yelena Soboleva den Durchbruch auch bei einem großen Titelkampf geschafft – und das gleich mit einem Weltrekord. „Nach Osaka habe ich viel daran gearbeitet, meine Geschwindigkeit auf den letzten 500 Metern des Rennens zu verbessern“, erzählt Yelena Soboleva. Es gab zwei Gründe, warum sie und ihre Landsfrau Yulia Fomenko, die in persönlicher Bestzeit von 3:59,41 Minuten Zweite wurde, für ein schnelles Rennen sorgten. „Ich mag es nicht, in einem Pulk voller Läuferinnen zu rennen. Wenn ich gut laufen will, brauche ich Platz“, sagt die Weltmeisterin. Der Zweite Grund war allerdings der entscheidende: „Mir war klar, dass ich die besten Chancen haben würde, wenn wir das Rennen schnell machen.“
Yelena Soboleva gab aber auch zu, dass sie gar nicht so zuversichtlich gewesen ist bezüglich ihrer WM-Chancen nach den russischen Meisterschaften. „Ich habe mich danach müde gefühlt.“ Am Tag vor dem 1.500-m-Rennen hatte sie zudem die 800 m in der russischen Rekordzeit von 1:56,49 Minuten gewonnen. Damit ist sie über diese Strecke die viertschnellste aller Zeiten in der Halle gelaufen. Der 800-m-Hallenweltrekord von Jolanda Ceplak (Slowenien), die zurzeit aufgrund einer Dopingsperre nicht starten darf, steht bei 1:55,82 Minuten. In der ewigen Weltrangliste folgen dann Stephanie Graf (Österreich/1:55,85) und die früher für die DDR startende Christine Wachtel (1:56,40).
Nach den Moskauer Titelkämpfen verordnete ihr Trainer Matvey Telyatnikov ihr eine zehntägige Pause. „Dadurch schien die Vorbereitungszeit auf Valencia etwas zu kurz zu sein, aber mein Coach hatte Recht. Er sagte, ich sollte schnell laufen und würde damit keine Probleme haben“, erklärt die ursprünglich aus Bryansk, das in der Nähe der Hauptstadt liegt, stammende und heute in Moskau lebende Hallen-Weltmeisterin.
Auf die Frage, ob sie sich jetzt als Olympiafavoritin sieht, antwortet die 25-Jährige: „Das ist schwierig zu sagen. Zunächst einmal muss ich mich ja qualifizieren. Das ist angesichts der starken russischen Mittelstrecklerinnen nicht so leicht. Unsere Meisterschaften sind ja fast schon so hart wie die Spiele selbst. Aber ich will auch nicht gegen eine Russin verlieren.“
Nach einem Doppelstart von Yelena Soboleva sieht es in Peking nicht aus: „Ich werde die 800 Meter sicher irgendwann auch einmal bei einer großen Meisterschaft laufen, aber ich weiß noch nicht wann das sein wird. Ich mag diese Strecke, aber das ist anders als ein 1.500-Meter-Lauf. Über 800 muss man wirklich die ganze Zeit voll rennen.“ Das allerdings hat sie in Valencia auch über 1.500 m gemacht.