Vierfach-Erfolg kenianischer Läufer bei der Halbmarathon-WM

Florence Kiplagat, hier zu sehen beim Erreichen des Crosslauf-WM-Titels 2009 im jordanischen Amman, hat nun auch Gold bei der Halbmarathon-WM gewonnen. © www.photorun.net

: Florence Kiplagat, hier zu sehen beim Erreichen des Crosslauf-WM-Titels 2009 im jordanischen Amman, hat nun auch Gold bei der Halbmarathon-WM gewonnen. © www.photorun.net

Bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im chinesischen Nanning sorgte Wilson Kiprop für eine große Überraschung, es gelang ihm, den Favoriten Zersenay Tadese (Eritrea) auf den zweiten Platz zu verweisen. Viermal in Folge hatte der Eritreer die Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen souverän gewonnen, doch nun hieß der Sieger Wilson Kiprop. Der 23-Jährige war nach 60:07 Minuten im Ziel. Bei den Frauen setzte sich mit der Kenianerin Florence Kiplagat dagegen die Favoritin in 68:24 durch. Die Läufer aus Kenia gewannen auch die beiden Team-Titel und erreichten damit einen Vierfach-Triumph.

Als großer Favorit war Zersenay Tadese an den Start des Männerrennens gegangen. Der 28-Jährige hatte nicht nur viermal in Folge den Halbmarathon-WM-Titel gewonnen, er war in diesem Jahr auch so schnell wie kein anderer zuvor: Im Frühjahr hatte Zersenay Tadese den Weltrekord des Kenianers Sammy Wanjiru auf hervorragende 58:23 Minuten verbessert.

Entsprechend selbstbewusst begann Zersenay Tadese das Rennen bei warmen Temperaturen von knapp über 20 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von gut 60 Prozent. Der Titelverteidiger setzte sich an die Spitze des Feldes. Den 10-Kilometer-Punkt erreichte er nach 28:49 Minuten gemeinsam mit rund einem Dutzend Konkurrenten. Deutlich reduziert hatte sich die Spitzengruppe fünf Kilometer später: An der 15-km-Marke (42:49) konnten nur noch drei kenianische Läufer mit Zersenay Tadese Schritt halten. Neben Wilson Kiprop waren dies Silas Kipruto und Sammy Kitwara, der mit der zweitschnellsten Bestzeit an den Start gegangen war (58:58).

Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel entwickelte sich dann der Zweikampf zwischen Titelverteidiger Zersenay Tadese und Herausforderer Wilson Kiprop. Denn zunächst war Silas Kipruto und kurz darauf auch Sammy Kitwara zurückgefallen. Kurzzeitig übernahm Wilson Kiprop nun die Führung, Zersenay Tadese reagierte allerdings sofort und setzte sich wieder an die Spitze. Wilson lief clever, setzte auf einen Erfolg im Schlussspurt und wartete bis 100 Meter vor dem Ziel. Dann zog er das Tempo an, ließ dem Favoriten keine Chance und gewann in 60:07 Minuten. Der Eritreer schien überrascht, verfiel in Dauerlauftempo und überquerte mit vier Sekunden Rückstand die Ziellinie. Die Bronzemedaille sicherte sich Sammy Kitwara mit 60:22 deutlich vor Silas Kipruto und dem zeitgleichen Samuel Tsegay (Eritrea/beide 61:03). Sechster wurde mit Titus Masai ein weiterer Kenianer (61:24).

Wilson Kiprop ist der erste kenianische Läufer seit 2004, der das Männerrennen bei der Halbmarathon-WM gewinnen konnte. Zudem sorgte er gemeinsam mit Florence Kiplagat für den ersten Doppelsieg einer Nation bei diesen Titelkämpfen seit 1999. Damals gewannen die Kenianer Paul Tergat und Tegla Loroupe. „Es ist ein großer Erfolg für mich, hier Gold geholt und den vierfachen Gewinner geschlagen zu haben“, erklärte Wilson Kiprop gegenüber der Website des internationalen Leichtathletik-Verbandes (iaaf.org). „Ich konnte mir aber nie sicher sein, denn ich wusste, dass es ein enges Rennen werden würde.“

Wilson war vor eineinhalb Jahren sein Halbmarathon-Debüt in Berlin gelaufen. Damals wurde er mit 60:34 Minuten Sechster. In diesem Frühjahr rannte er sein Marathondebüt in Prag (Tschechien), wo er als Fünfter nach 2:09:09 Stunden im Ziel war. Über die 21,0975 km steigerte er sich dann im September als Sieger in Lille (Frankreich) auf 59:39 Minuten. Im Sommer hatte er zweimal mit exzellenten Leistungen über 10.000 Meter auf sich aufmerksam gemacht: Zunächst lief er in der dünnen Höhenluft von Nairobi 27:26,93 Minuten, dann gewann er bei den Afrika-Meisterschaften in Kenias Hauptstadt mit 27:32,91. Jetzt stürmte Wilson Kiprop in Nanning zum bisher größten Erfolg seiner jungen Karriere. Wilson, der bereits in der Grundschule mit dem Laufen begann, war als Jugendlicher nach Angaben der Website des internationalen Leichtathletik-Verbandes gezwungen, aufgrund finanzieller Probleme seine Schulbildung vorzeitig zu beenden und zu arbeiten. Jedoch hörte er nie mit dem Laufsport auf, begann auch international auf sich aufmerksam zu machen und kann nun mittels seines großartigen Erfolges seinen Geschwistern eine Schulbildung ermöglichen.

Bei den Frauen war der Sieg von Florence Kiplagat keine Überraschung, obwohl die Kenianerin erst ihr zweites Rennen über die halbe Distanz lief. Die ebenfalls erst 23-jährige Gewinnerin hatte Anfang September in Lille bei ihrem Halbmarathon-Debüt auf Anhieb hochklassige 67:40 Minuten erreicht. Zuvor war Florence auch schon Cross-Weltmeisterin (2009). Nun lief sie hier in Abwesenheit von Titelverteidigerin Mary Keitany (Kenia) mit zehn Sekunden Vorsprung vor Dire Tune (Äthiopien) ins Ziel und gewann in einer Zeit von 68:24 Minuten. Bronze ging an Peninah Arusei (Kenia) in 69:05, während Feyse Tadese (Äthiopien/69:28) Rang vier belegte.

„Die Konkurrenz war stark, und es war nicht einfach in diesem Klima“, sagte Florence Kiplagat. Schon bald nach dem Start hatten sich die besten Kenianerinnen und die besten Äthiopierinnen in der Spitzengruppe formiert – die stärksten Läuferinnen dieser beiden Nationen kämpfen seit Jahren über die Langstrecken auf der Bahn, im Crosslauf und auf der Straße um die ersten Plätze. An der 15-km-Marke (Durchgangszeit: 48:42 Minuten) waren noch jeweils zwei Läuferinnen übrig: Florence Kiplagat und Peninah Arusei in den kenianischen sowie Dire Tune und Feyse Tadese in den äthiopischen Trikots. Bald darauf entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Florence und Dire, den die kenianische 10.000-m-Rekordlerin (30:11,53) jedoch eindeutig zu ihren Gunsten entschied. Florence wirkte stärker und löste sich schließlich kurz nach der 20-km-Marke (65:06) entscheidend. Gut zwei Wochen vor ihrem Start beim Commerzbank Frankfurt-Marathon war jedoch auch Dire Tune mit ihrer Leistung zufrieden. „Es war nicht einfach bei diesen Wetterbedingungen“, sagte die äthiopische Läuferin.

Der Äthiopier Getu Feleke läuft Kursrekord in Amsterdam

Getu Feleke läuft als Sieger mit einem Kursrekord ins Ziel im Amsterdamer Olympiastadion. © Amsterdam-Marathon/Oranges Pictures

Getu Feleke läuft als Sieger mit einem Kursrekord ins Ziel im Amsterdamer Olympiastadion. © Amsterdam-Marathon/Oranges Pictures

Passend zum Jubiläum wurde beim 35. Amsterdam-Marathon erstmals in seiner Geschichte eine Siegzeit von unter 2:06 Stunden erreicht. Der 23-jährige Äthiopier Getu Feleke sorgte mit 2:05:44 für den erhofften Kursrekord. Das Rennen in Amsterdam ist damit der zehnte Marathon weltweit, der einen Streckenrekord von unter 2:06 Stunden aufweist. Berlin, Rotterdam, Dubai, London, Paris, Boston, Prag, Fukuoka und Chicago sind die anderen Läufe mit derartig beeindruckenden Bestzeiten. Schnellste Frau war am Sonntag die Kenianerin Alice Timbilili, die nach 2:25:03 Stunden im Ziel war. Parallel ausgerichtete Laufwettbewerbe hinzugerechnet, hatten sich 31.463 Athleten aus 73 Nationen für den Amsterdam-Marathon gemeldet.

Bei anfangs kühlen, aber insgesamt sehr guten Wetterbedingungen lief die Spitzengruppe ein konstant hohes Tempo. Zehn Läufer erreichten die Halbmarathonmarke nach 63:05 Minuten, der 30-km-Punkt wurde in 1:29:43 Stunden passiert. Es war dann Getu Feleke, der rund sechs Kilometer vor dem Ziel an die Spitze ging und das Tempo so hoch hielt, dass ihm zunächst nur noch ein Konkurrent folgen konnte. Doch auch der kenianische Debütant Wilson Chebet konnte bald darauf nicht mehr mithalten. An der 40-km-Marke hatte er einen Rückstand von 15 Sekunden. In 2:06:12 Stunden wurde Wilson Chebet schließlich Zweiter. Damit lief er eines der schnellsten Marathondebüts aller Zeiten. Einmal mehr überzeugte der Amsterdam-Marathon auch in der Breite der Spitze bei den Männern, denn noch vier weitere Läufer blieben unter 2:08 Stunden: Chala Dechase wurde in 2:07:23 Dritter, gefolgt von Cherkos Feleke (2:07:29), Hailu Mekonnen (alle Äthiopien/2:07:37) und dem Kenianer Shadrack Kiplagat (2:07:56).

Getu Feleke feierte in Amsterdam den größten Erfolg seiner Karriere. Dreimal war der Äthiopier zuvor im Marathon gestartet: Sein Debüt lief er 2009 in Wien, wo er als Siebenter nach 2:11:42 Stunden im Ziel war. In Amsterdam steigerte er sich dann vor einem Jahr auf 2:09:32 und wurde Achter. Im Mai lief der 23-Jährige in Prag auf Rang vier in 2:08:04. Nun steigerte er sich um 2:20 Minuten und erreichte die zehntschnellste Zeit des Jahres. Den erst ein Jahr alten Kursrekord des Kenianers Gilbert Yegon (2:06:18) unterbot der Äthiopier um gut eine halbe Minute.

Im Frauenrennen passierte die Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 1:12:32 Stunden. Die Entscheidung fiel dann kurz nach 30 km (1:43:57), als sich Alice Timbilili von ihren äthiopischen Konkurrentinnen absetzte. Die 27-jährige Crosslauf-Vizeweltmeisterin von 2005 lief dann noch einen großen Vorsprung heraus. In persönlicher Bestzeit von 2:25:03 gewann sie mit gut zwei Minuten vor Eyerusalem Kuma (Äthiopien/2:27:04). Auf den nächsten Plätzen blieben noch drei weitere Äthiopierinnen unter 2:30 Stunden: Robe Guta (2:27:44), Woinshet Girma (2:27:51) und Shitaye Bedaso (2:29:48).