
Tsegay Kebede setzte sich erneut in Fukuoka durch. © www.photorun.net
Mit der schnellsten Zeit, die je auf japanischem Boden gelaufen wurde, gewann Tsegaye Kebede am Sonntag den traditionsreichen Fukuoka-Marathon. Bei der 63. Auflage des reinen Männer-Eliterennens, das früher als inoffizielle Marathon-Weltmeisterschaft galt, verbesserte der 22-Jährige mit 2:05:18 Stunden seinen eigenen Kursrekord um fast eine Minute. 2008 hatte der Äthiopier in Fukuoka mit 2:06:10 gewonnen.
Mit großem Vorsprung siegte Kebede vor dem nicht mit ihm verwandten Landsmann Tekeste Kebede, der nach 2:07:52 Stunden im Ziel war. Dritter wurde in dem sehr gut besetzten Rennen der Ukrainer Dmytro Baranovsky in 2:08:19. Temperaturen von rund zehn Grad Celsius am Start boten trotz eines leichten Windes gute Bedingungen. So blieben in Fukuoka mit Dereje Tesfaye (Äthiopien/2:08:36) und dem Chicago-Marathon-Sieger des Jahres 2008, Evans Cheruiyot (Kenia/2:09:46), noch zwei weitere Athleten unter der 2:10-Stunden-Marke. Bester Japaner war auf Platz neun Tadashi Shitamori (2:14:42).
„Ich bin froh, dass es mir gelungen ist, schneller zu laufen, als ich es selbst erwartet hatte”, erklärte Tsegaye Kebede, der nun in der Jahresweltbestenliste mit seiner Zeit von Fukuoka an fünfter Stelle steht. „An der 30-Kilometer-Marke war ich überzeugt, dass ich gewinnen kann und als ich später die 40-km-Zwischenzeit sah, wusste ich, dass ich meine eigene Bestzeit noch unterbieten könnte.” Seinen persönlichen Rekord verbesserte er schließlich um zwei Sekunden.
Zunächst hatten die Tempomacher John Kales (Kenia) und Samson Ramadhani (Tansania) die Spitzengruppe genau nach Plan zu einer Halbmarathonzeit von 63:05 Minuten geführt. Zwischen Kilometer 25 und 30 startete Tsegaye Kebede dann seine Initiative und forcierte das Tempo. Den 30-km-Punkt erreichte er nach 1:29:47 Stunden, gefolgt von Dereje Tesfaye, Evans Cheruiyot und Tekeste Kebede. Doch bald konnten seine Konkurrenten nicht mehr mithalten, denn Tsegaye Kebede lief ab Kilometer 30 mit 1000-Meter-Zeiten von deutlich unter drei Minuten den schnellsten Abschnitt im Rennen. 29:14 Minuten benötigte er für die 10 km von der 30-km- bis zur 40-km-Marke.
Der erneute Triumph von Tsegaye Kebede in Fukuoka ist keine Überraschung. Nachdem er sich als 20-Jähriger vor zwei Jahren mit einem achten Platz in Amsterdam auf 2:08:16 Stunden gesteigert hatte, gelang dem Äthiopier 2008 der Durchbruch. Bei den Olympischen Spielen wurde er in Peking Dritter, nachdem er zuvor den Paris-Marathon gewonnen hatte. Dem Sieg in Fukuoka 2008 folgte dann ein zweiter Platz in London im April 2009 mit einer Steigerung auf 2:05:20 Stunden. Beim WM-Marathon in Berlin gewann Tsegaye Kebede im August erneut Bronze.
Bis vor ein paar Jahren lebte Kebede, der als fünftes von 13 Kindern geboren wurde, in großer Armut. Er verdiente umgerechnet etwa 0,13 Euro am Tag und das reichte gerade für etwas Tee, Brot und eine Mahlzeit am Tag. Sein jetziger Erfolg ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass er erst seit etwa drei Jahren ein wirklich ernsthaftes Training absolviert.
Kebedes nächstes Rennen steht bereits fest: Er wird im April wieder beim London-Marathon starten.
Mikitenko und Wanjiru kehren nach London zurück

Irina Mikitenko und Sammy Wanjiru nach ihrem Sieg beim London-Marathon 2009. © www.photorun.net
Irina Mikitenko und Sammy Wanjiru werden am 25. April 2010 beim Virgin London-Marathon an den Start gehen. Beide kehren als Titelverteidiger zu dem Rennen zurück und sind zudem die aktuellen Sieger der World Marathon Majors (WMM)-Serie. Der kenianische Olympiasieger Sammy Wanjiru hatte im April dieses Jahres mit 2:05:10 Stunden den Londoner Kursrekord aufgestellt. Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) will 2010 als zweite Frau nach Katrin Dörre-Heinig einen Hattrick beim London-Marathon schaffen. Ihre Landsfrau hatte den Lauf von 1992 bis 1994 jeweils gewonnen. Race-Direktor David Bedford, der jetzt das Elitefeld bekannt gab, macht es Wanjiru und Mikitenko allerdings nicht einfach, denn er hat ein erstklassiges Feld für das Rennen verpflichtet.
Mit seiner starken Londoner Bestzeit von 2:05:10 Stunden wird Sammy Wanjiru der drittschnellste Läufer im Feld sein. Gleich sechs weitere Athleten wurden verpflichtet, die bereits unter 2:05:30 Stunden gelaufen sind. Der schnellste im Feld ist dabei Duncan Kibet (Kenia), der sich in diesem Jahr als Sieger von Rotterdam auf 2:04:27 Stunden steigerte und damit auch die Jahresweltbestenliste anführt. Ebenfalls nach London reisen wird der aktuelle Marathon-Weltmeister Abel Kirui (Kenia) mit einer Bestzeit von 2:05:04. Martin Lel (Kenia/2:05:15), Tsegaye Kebede (Äthiopien/2:05:18) und Jaouad Gharib (Marokko/2:05:27) weisen darüber hinaus auch Bestzeiten von unter 2:05:30 auf.
„Ich bin froh, dass ich wieder nach London zurückkehren kann”, erklärte der erst 23-jährige Sammy Wanjiru, der 2008 bei dem Rennen bereits den zweiten Platz hinter Martin Lel belegt hatte. „In London sind immer die besten Athleten der Welt am Start. Aber mit Gegnern wie Duncan, Abel und Martin wird es noch härter als zuvor. Ich werde alles geben, um meinen Titel zu verteidigen.”
Anders als bei den Männern ist die Titelverteidigerin auch diejenige mit der schnellsten Bestzeit im Feld: Die deutsche Rekordlerin Irina Mikitenko war in Berlin 2008 nach 2:19:19 Stunden im Ziel. Sechs Athletinnen stehen auf der Londoner Startliste, die bereits unter 2:22 gelaufen sind, gleich zwölf weisen Bestzeiten von unter 2:25 auf. Darunter ist auch Deena Kastor (USA), die 2006 an der Themse mit 2:19:36 den amerikanischen Rekord aufgestellt hatte. Die Olympiasiegerin von Peking 2008, Constantina Dita (Rumänien), wird ebenso in London laufen wie die Weltmeisterin von Berlin 2009, Bai Xue (China). Sehr stark einzuschätzen ist auch Liliya Shobukhova. Die Russin hatte bei ihrem Debüt in London im April den dritten Rang belegt und gewann dann im Oktober den Chicago-Marathon. Während Mara Yamauchi (Zweite hinter Mikitenko im April) wieder auf der Startliste steht, fehlt eine andere Britin: Paula Radcliffe. Es heißt, die Weltrekordlerin (2:15:25) plane 2010 ein weiteres Babyjahr, so dass sie dann keine Wettkämpfe bestreiten könnte.
„Es ist mein Ziel, zum dritten Mal in London zu gewinnen, obwohl ich weiß, dass es angesichts der starken Konkurrenz sehr schwer wird”, erklärte Irina Mikitenko. „Ich laufe gerne in London und bin bestrebt am 25. April topfit zu sein, um die Herausforderung annehmen zu können.”