Was einmal als Phänomen galt – wenn ein Tempomacher einen Marathon gewinnt – geht heute fast als Gewohnheit, wenn nicht sogar als Tradition durch. Seit dem ersten großen Tempomacher-Sieg vor über einem Jahrzehnt in Los Angeles, passiert es heute mindestens einmal jährlich. Nun war Joseph Ngeny an der Reihe. Er siegte beim Dubai-Marathon in heißen und feuchten Bedingungen in 2:13:02 Stunden. Ngeny, 26, war nur am Start, weil der Dubai-Marathon durch den Tod des Herrschers Scheich Makhtoum am ursprünglichen Datum, dem 6. Januar, nicht stattfinden konnte und verschoben wurde.
Für den Kenianer zahlte sich dieser späte Auftritt aus, und er ergriff die Chance beim Schopfe. Eigentlich sollte Ngeny bis 30 Kilometer Tempo machen, doch bei km 27 rief er seinem Manager, der im Auto hinter ihm fuhr, zu: „Kann ich bis zum Ende laufen?” In der Gewissheit, dass er es konnte, rannte Ngeny – der keine Beziehung zu Noah, dem 1.500-Meter-Sieger der Olympischen Spiele in Sydney 2000 hat („auch wenn wir Freunde sind”) – von nun an sein eigenes Tempo und brach aus der Gruppe aus. Zunächst sah es nach einer Zeit unter dem Streckenrekord von 2:09:33, der von einem anderen Kenianer, Joseph Kahuga im Jahr 2003, gelaufen worden war, aus. Aber die zunehmende Hitze und Luftfeuchtigkeit hinderte ihn daran.
„Ich habe gemerkt, dass die Jungs etwas langsam waren, also habe ich mich entschlossen, das Rennen zu Ende zu laufen”, sagte Ngeny nach dem Rennen. „Aber die letzten zehn, zwölf Kilometer waren auch für mich schwer, und es war ein wenig heiß hier. Meine anderen beiden Marathons war ich in Italien im Oktober und Dezember bei viel kühleren Bedingungen gelaufen.”
Ngeny hatte über eine Minute Vorsprung zum Äthiopier Giday Amha (2:14:25), der sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz verbessern konnte. Der Kenianer Elias Kemboi überholte auf den letzten fünf Kilometern ganze fünf Rivalen und erreichte den dritten Platz mit 2:15:01.
Auch das Frauenrennen ging an eine Kenianerin. Delilah Asiago gewann in 2:43:09. Es war eine Art Gerechtigkeit, denn im letzten Jahr führte Asiago, als ihr plötzlich schlecht wurde und sie sich übergeben musste. Das war gerade einmal 800 m vor dem Ziel passiert. Damals wurde sie von der Äthiopierin Diribe Hunde überholt.
Shitaye Gemechu, die wohl etwas zu früh nach ihrem Sieg beim Rock’n'Roll-Marathon in Phoenix im vergangenen Monat wieder am Start war, kam knapp zweieinhalb Minuten nach Asiago mit 2:43:34 ins Ziel. Der dritte Platz ging in 2:48:47 an die in Frankreich lebende Marokkanerin Kenza Wahbi. Sie profitierte von einer Fehlleitung am Ende des Rennens. Die zweite Favoritin Luminita Talpos aus Rumänien, die letztjährige Siegerin Diribe und Hirut Abera mussten zu viel laufen.
Ergebnisse
Männer:
- Joseph Ngeny (KEN/2:13:02)
- Giday AmhA (ETH/2:14:25)
- Elias Kemboi (KEN/2:15:01)
- Darwit Trfe (ETH/2:15:07)
- Julius Kipkemboi (KEN/2:15:34)
- Ahmed Jaber (QAT/2:16:36)
- Henry Cherono (KEN/2:16:50)
- Wilson Kiprono (KEN/2:16:54)
- Fased Awerson (ERI/2:17:34)
- David Kirui (KEN/2:19:55)
Frauen:
- Deliliah Asiago (KEN/2:43:09)
- Shitaye Gemechu (ETH/2:45:34)
- Kensa Wahbi (MOR/2:48:47)