Spannendes Duell zwischen Kibet und Gebrselassie in Berlin erwartet

Der Start des Berlin-Marathons. © www.photorun.net

Der Start des Berlin-Marathons. © www.photorun.net

Vier Wochen nach den Weltmeisterschaften in Berlin startet in der deutschen Hauptstadt der nächste spektakuläre Lauf: Der real,- Berlin-Marathon ist das erste einer Reihe von großen Herbstrennen über die 42,195 Kilometer. Dabei kommt es am Sonntag zu einem hochkarätigen Duell: Weltrekordler und Titelverteidiger Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:03:59 Stunden) trifft auf den Jahresweltbesten Duncan Kibet (Kenia/2:04:27). Nie zuvor waren zwei Läufer mit derartig schnellen Bestzeiten in einem Rennen.

Die 36. Auflage des Berlin-Marathons, für den die Rekordzahl von 40.923 Läufern aus 122 Nationen gemeldet haben, ist eines von drei Herbstrennen, das zu den World Marathon Majors (WMM) zählt. Nach Chicago und New York endet die WMM-Serie 2008-2009. Doch die Sieger stehen schon jetzt praktisch fest, denn ihr Punktvorsprung ist enorm. Olympiasieger Sammy Wanjiru (Kenia), der in Chicago am 11. Oktober einen Weltrekordangriff starten wird, und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) sind nur noch theoretisch einzuholen. Dafür müsste schon einer der Nächstplatzierten im Herbst bei den drei WMM-Rennen zweimal gewinnen, ohne dass die Führenden selbst noch besonders punkten. Irina Mikitenko dürfte also als erste Läuferin zum zweiten Mal die WMM-Serie für sich entscheiden. Sie wird erstmals beim Bank of America Chicago-Marathon an den Start gehen. Eine halbe Million Dollar erhalten die beiden WMM-Sieger jeweils.

Berlin scheint das perfekte Pflaster für Marathon-Weltrekorde zu bieten. Seit dem ersten Berlin-Marathon im Jahr 1974 wurden insgesamt sieben Weltbestzeiten aufgestellt, sechs davon alleine in den vergangenen elf Jahren. Haile Gebrselassie, der in seiner Karriere insgesamt 26 Bestzeiten gelaufen ist, steht als einziger zweimal in dieser Liste: mit 2:04:26 (2007) und 2:03:59 (2008).

Paul Tergat (Kenia), der 2003 in Berlin als erster den Marathon unter 2:05 Stunden gelaufen war (2:04:55), nannte während eines Interviews vor einigen Monaten vier Landsleute, denen er im Marathon zutraut in die Bereiche von Haile Gebrselassie vorzudringen und vielleicht sogar die Weltrekordzeit des Äthiopiers zu unterbieten: Olympiasieger Sammy Wanjiru, Martin Lel, James Kwambai und – Duncan Kibet.

Duncan Kibet in Berlin vor dem Brandenburger Tor. © www.photorun.net

Duncan Kibet in Berlin vor dem Brandenburger Tor. © www.photorun.net

Mit Duncan Kibet trifft Haile Gebrselassie in der Tat auf den stärksten Gegner seit Jahren. Der 31-jährige Kenianer führt zurzeit die Jahresweltbestenliste an und ist mit seiner Rotterdam-Siegzeit von 2:04:27 Stunden so dicht an Haile Gebrselassie herangekommen wie kein anderer zuvor. Auch Duncan Kibet ist zuzutrauen, in Berlin unter 2:04 Stunden zu laufen. Man darf gespannt sein, wer gegebenenfalls noch in dieses Duell eingreifen kann.

„Ich habe mich für den real,- Berlin-Marathon entschieden, weil ich in Berlin die Perspektive gesehen habe, meine Bestzeit weiter verbessern zu können”, erklärte Duncan Kibet und antwortete auf eine Frage bezüglich des Duells mit Haile Gebrselassie: „Ich weiß nicht, wie er trainiert hat, und er weiß es umgekehrt ebenso wenig über mich. Insofern müssen wir abwarten und sehen, wie sich das Rennen entwickelt. Aber ich will versuchen, sein Tempo mitzugehen.”

Eine so starke Steigerung auf 2:04:27 Stunden hatte Duncan Kibet, der vom Italiener Claudio Berardelli trainiert wird, selbst nicht erwartet. Doch er weiß auch, dass er noch schneller laufen kann. „Mein Trainingspartner James Kwambai wurde am vergangenen Sonntag beim Rotterdam-Halbmarathon in 59:09 Minuten Dritter. Das ist ein gutes Zeichen”, erklärte Duncan Kibet.

Bei den Frauen kehrt die Vorjahreszweite Askale Tafa Magarsa (Äthiopien) nach Berlin zurück. Die 24-Jährige, die sich im vergangenen Jahr hinter Irina Mikitenko auf die Weltklassezeit von 2:21:31 Stunden verbesserte, geht als Favoritin an den Start. 2008 war sie innerhalb von neun Monaten gleich drei Marathonrennen gelaufen, 2009 ist Askale Tafa Magarsa dagegen bisher noch gar nicht in Erscheinung getreten. Auch über kürzere Distanzen startete sie nicht. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, wenn sie sich konzentriert auf den Marathon vorbereitet. Jedoch lässt sich ihre aktuelle Form schwer einschätzen. Die stärkste Gegnerin von Magarsa dürfte eine Landsfrau sein: Atsede Habtamu lief beim Dubai-Marathon 2009 im Januar – trotz eines Unwetters in der Endphase des Rennens – 2:25:17 und wurde Zweite.

Haile Gebrselassie: „Ich bin in besserer Form als 2008″

Haile Gebrselassie bei seinem Sieg in Berlin im vergangenen Jahr. © www.photorun.net

Haile Gebrselassie bei seinem Sieg in Berlin im vergangenen Jahr. © www.photorun.net

Haile Gebrselassie beantwortete im Vorfeld des Rennens in Berlin die folgenden Fragen:

Mit welchem Ziel gehen Sie in Berlin an den Start?

Haile: Ich will gewinnen und das mit einem Weltrekord!

Wie ist Ihre Form verglichen zum vergangenen Jahr? 2008 litten Sie kurz vor dem Rennen in Berlin unter einem Wadenproblem.

Haile: Insgesamt bin ich in besserer Form als vor einem Jahr. Und ich habe keinerlei derartige Probleme wie 2008 mit meiner Wade.

Wie viele Trainingskilometer haben Sie durchschnittlich pro Woche absolviert in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon und wie lang war der längste einzelne Lauf?

Haile: Also, Trainingskilometer in Äthiopien zu messen, das ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Ich renne nicht immer auf normalen Straßen oder Wegen. Ich weiß nicht genau, wie viele Kilometer ich in der Woche laufe, aber ich schätze, dass es zwischen 200 und 240 sind. 240 wäre das Maximum, in vielen Wochen laufe ich ungefähr 200 Kilometer. Mein längster Trainingslauf dauert drei Stunden.

In Berlin treffen Sie auf Duncan Kibet – das ist eine große Herausforderung. Was denken Sie darüber?

Haile: Ja, natürlich ist ein Rennen mit Duncan Kibet eine große Herausforderung. Aber im vergangenen Jahr hatte ich mit James Kwambai auch einen Gegner, der bis Kilometer 34 noch mit mir an der Spitze war. Sollte nun Duncan Kibet noch nach 35 Kilometern mitlaufen, könnte sich in der Tat ein taktisches Rennen entwickeln, bei dem wir den Weltrekord verpassen könnten – es sei denn, er ist in der Form, den Weltrekord selbst zu brechen.

Sie starten zum vierten Mal in Folge beim Berlin-Marathon. Wie ist Ihr Verhältnis zu der Stadt und zu Deutschland?

Haile: Schon bei meinem ersten Start in Deutschland fühlte ich mich sehr wohl. Damals bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart 1993 habe ich eine Gold- und eine Silbermedaille gewonnen. Ich habe viele schöne Erinnerungen an Wettkämpfe in Deutschland – bezogen sowohl auf die Hallensaison mit Meetings in Stuttgart oder Karlsruhe als auch den Sommer mit der Golden League in Berlin und natürlich den Marathon in Berlin. Ich bin stolz darauf, so viele Weltrekorde in Deutschland aufgestellt zu haben. Die Zuschauerbegeisterung beim real,- Berlin-Marathon ist erstaunlich – jeder scheint mich und meinen Namen zu kennen. Für die Fans, die immer genau wissen wollen, was ich mache, gibt es jetzt meinen Haile-Twitter im Internet unter: http://twitter.com/HaileGebr

Die großen Herbst-Marathonrennen:
Daten und Favoriten

Berlin (20.9.)

World Marathon Majors (WMM)-Rennen
IAAF Gold Label Race
Meldezahl: 41.000
Anmeldungen noch möglich: nein

Siegprämie: 70.000 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 371.000 Dollar

Streckenrekorde:
2:03:59 – Haile Gebrselassie (ETH) WR
2:19:12 – Mizuki Noguchi (JPN)

Topathleten und Bestzeiten:
Männer: Haile Gebrselassie (ETH/2:03:59/WR), Duncan Kibet (KEN/2:04:27), Atsushi Fujita (JPN/2:06:51), Francis Kiprop (KEN/2:08:30), Eshetu Wondimu (ETH/2:08:41), David Langat (KEN/2:08:58), Mariko Kiplagat (KEN/2:09:04), Dereje Debele Tulu (ETH/2:09:08), Alfred Kering (KEN/2:09:19), Cuthbert Nyasango (ZIM/Debüt).
Frauen: Askale Tafa Magarsa (ETH/2:21:31), Atsede Habtamu (ETH/2:25:17), Genet Getaneh (ETH/2:26:37), Silvia Skvortsova (RUS/2:27:07), Rosaria Console (ITA/2:27:48), Tatiana Aryasova (RUS/2:29:09).

Chicago (11.10.)

World Marathon Majors (WMM)-Rennen
IAAF Gold Label Race
Meldezahl: 45.000
Anmeldungen noch möglich: nein

Siegprämie: 125.000 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 579.000 Dollar

Streckenrekorde:
2:05:42 – Khalid Khannouchi (MAR)
2:17:18 – Paula Radcliffe (GBR)

Topathleten und Bestzeiten (soweit bekannt):
Männer: Sammy Wanjiru (KEN/2:05:10), Abderrahim Goumri (MAR/2:05:30), Vincent Kipruto (KEN/2:05:47), Evans Cheruiyot (KEN/2:06:25), Ben Maiyo (KEN/2:07:09), Wesley Korir (KEN/2:08:24).
Frauen: Irina Mikitenko (TV Wattenscheid/2:19:19), Deena Kastor (USA/2:19:36), Teyba Erkesso (ETH/2:24:18), Liliya Shobukhova (RUS/2:24:24), Lidiya Grigoryeva (RUS/2:25:10), Mizuho Nasukawa (JPN/2:25:38), Adriana Pirtea (ROM/2:28:52).

Amsterdam (18.10.)

IAAF Silver Label Race
Meldezahl: vorauss. 8.000
Anmeldungen noch möglich: nein

Prämien nicht bekannt

Streckenrekorde:
2:06:20 – Haile Gebrselassie (ETH)
2:22:20 – Gete Wami (ETH)

Topathleten und Bestzeiten (soweit bekannt):
Frauen: Hilda Kibet (NED/2:32:10)

Frankfurt (25.10.)

IAAF Gold Label Race
Meldezahl: vorauss. 13.500
Anmeldungen noch möglich: ja (frankfurt-marathon.com)

Siegprämie: 21.500 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): 135.000 Dollar

Streckenrekorde:
2:07:21 – Robert Cheruiyot (KEN)
2:25:12 – Alevtina Biktimirova (RUS)

Topathleten und Bestzeiten (soweit bekannt):
Männer: William Kiplagat (KEN/2:06:50), Robert Cheruiyot (KEN/2:07:21), Wilfred Kigen (KEN/2:07:33), Jason Mbote (KEN/2:07:37), Gilbert Kirwa (2:08:21), Stephen Kiogora (KEN/2:08:24), Günther Weidliner (AUT/2:12:39).
Frauen: Rose Cheruiyot (KEN/2:25:48), Ruth Wanjiru (KEN/2:27:38).

New York (1.11.)

World Marathon Majors (WMM)-Rennen
IAAF Gold Label Race
Meldezahl: ca. 45.000
Anmeldungen noch möglich: nein

Siegprämie: vorauss. 130.000 Dollar
Gesamtpreisgeld (ohne Zeitprämien): über 600.000 Dollar

Streckenrekorde:
2:07:43 – Tesfaye Jifar (ETH)
2:21:43 – Margaret Okayo (KEN)

Topathleten und Bestzeiten (soweit bekannt):
Männer: Ryan Hall (USA/2:06:17) – voraussichtlich: Paul Tergat (KEN/2:04:55), Hendrick Ramaala (RSA/2:06:55), Marilson Gomes dos Santos (BRA/2:08:37)
Frauen: Start denkbar: Paula Radcliffe (GBR/2:15:25/WR)

World Marathon Majors (WMM)
Stand der Serie 2008-2009

Männer:
1. Samuel Wanjiru (KEN) 65
2. Tsegaye Kebede (ETH) 35
3. Deriba Merga (ETH) 30
4. Emmanuel Mutai (KEN) 26
    Martin Lel (KEN) 26
    Robert K. Cheruiyot (KEN) 26

Frauen:
1. Irina Mikitenko (GER) 75
2. Dire Tune (ETH) 40
3. Alevtina Biktimirova (RUS) 30
    Salina Kosgei (KEN) 30
    Constantina Dita (ROU) 30
6. Xue Bai (CHN) 25
    Lidiya Grigoryeva (RUS) 25
    Paula Radcliffe (GBR) 25

Eine WMM-Serie erstreckt sich jeweils über einen Zwei-Jahres-Zyklus. Die beiden Sieger erhalten am Ende ein Preisgeld von 500.000 US-Dollar.