Sensation durch Kenianerin Pamela Jelimo in Hengelo

Sileshi Sihine (links) und Haile Gebrselassie (rechts) belegten in Hengelo die ersten beiden Ränge. © www.photorun.net

Sileshi Sihine (links) und Haile Gebrselassie (rechts) belegten in Hengelo die ersten beiden Ränge. © www.photorun.net

Die Äthiopier dominierten einmal mehr die mit Spannung erwarteten Langstreckenrennen bei dem Leichtathletik-Meeting in Hengelo (Holland): Während Kenenisa Bekele die 5.000 m gewann, siegte sein Landsmann Sileshi Sihine über die 10.000-m-Distanz vor Haile Gebrselassie, der dadurch einen wichtigen Schritt in Richtung Olympia-Nominierung machte. Doch die Show bei den Läufen stahl den Äthiopiern eine Kenianerin: Die 19-jährige Pamela Jelimo zeigte ein atemberaubendes 800-m-Rennen und stürmte in 1:55,76 Minuten ins Ziel. Damit stellte die Newcomerin einen Juniorinnen-Weltrekord auf und verbesserte die Marke der Chinesin Yuan Wang, die 1993 in Peking 1:57,18 gelaufen war.

Doch die famose Zeit von Pamela Jelimo war nicht nur ein Juniorinnen-Weltrekord, sondern auch ein kenianischer Rekord sowie eine Jahresweltbestzeit. Die nationale Rekordmarke von zuvor 1:56,04 Minuten hatte Janeth Jepkosgei bei ihrem WM-Sieg in Osaka 2007 aufgestellt. Sie hat nun plötzlich starke Konkurrenz bekommen durch Pamela Jelimo, die sich in der Liste der schnellsten Läuferinnen aller Zeiten auf Rang 20 einsortiert hat. So schnell wie die Kenianerin in Hengelo war seit fast fünf Jahren keine 800-m-Läuferin mehr.

„Ich bin froh“, sagte Pamela Jelimo, nachdem sie die 1.500-m-Weltmeisterin Maryam Jamal (Bahrain/1:58,66) um fast drei Sekunden distanziert hatte. Rund 250 Meter vor dem Ziel hatte die Kenianerin, die früher eine Sprinterin war und erst seit drei Monaten die 800 m läuft (!), die Führung übernommen und diese ständig ausgebaut. „Beim nächsten Mal kann ich deutlich schneller laufen“, kündigte Pamela Jelimo an. Ihr nächster Start wird am kommenden Sonntag beim DKB-ISTAF im Berliner Olympiastadion sein. Dann trifft sie beim AF Golden League-Auftakt unter anderen auf Janeth Jepkosgei.

Mit seinem zweiten Platz hinter dem 10.000-m-Jahresweltbestzeit laufenden Sileshi Sihine (26:50,53) könnte sich Haile Gebrselassie bereits für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Der äthiopische Superstar lief 26:51,20 Minuten und erklärte: „Eine Zeit unter 27 Minuten war mein Ziel. Jetzt müssen wir noch ein paar andere 10.000-Meter-Rennen abwarten, und dann wird der Verband entscheiden, wer nach Peking fährt.“ Auf einen Marathon-Start hatte Gebrselassie wegen gesundheitlicher Bedenken in der verschmutzten Luft von Peking verzichtet. Auch die Kenianer Eliud Kipchoge (26:54,32) und Leonard Komon (26:57,08) blieben in Hengelo auf den nächsten Rängen noch unter der 27-Minuten-Marke.

Auch in beiden 5.000-m-Rennen gab es Jahresweltbestzeiten. Kenenisa Bekeles Weltrekordangriff auf seine eigene Marke (12:37,35) war jedoch frühzeitig aussichtslos. Souverän gewann der Äthiopier aber schließlich in 12:58,94 Minuten vor dem Kenianer Edwin Soi (13:13,88). „Ich werde bei Olympia keinen Doppelstart versuchen, sondern mich auf die 10.000 Meter konzentrieren“, kündigte Kenenisa Bekele in Hengelo an. Bei den Frauen gab es sogar einen Dreifach-Triumph für Äthiopien: Gelete Burka siegte in 14:45,84 Minuten vor Meselech Melkamu (14:46,25) und Belaynesh Fikadu (14:46,84).

Irina Mikitenko siegt erneut in London

Irina Mikitenko bleibt im Olympiajahr ungeschlagen. Die 35-jährige Läuferin des TV Wattenscheid gewann die Premiere der ,London 10.000’. Bei dem hochkarätigen 10-km-Straßenlauf durch die britische Metropole siegte Irina Mikitenko trotz Regen, Wind und kühlen Temperaturen von rund 10 Grad überlegen in 32:02 Minuten vor der Britin Mara Yamauchi (32:26) und der Ungarin Aniko Kalovics (32:59). Damit hat sie 2008 alle ihre bisher fünf Rennen gewonnen, darunter den London-Marathon im April in offizieller deutscher Rekordzeit von 2:24:14 Stunden.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennen bei sehr unangenehmen Wetterbedingungen auf einem welligen Kurs. Schade, dass es nicht ganz zu einer Zeit von unter 32 Minuten gereicht hat, aber der fünfte Sieg in Folge war mir wichtiger als die Zeit“, sagte Irina Mikitenko, die sich nun auf den Marathon bei den Olympischen Spielen vorbereiten wird. „Vielleicht laufe ich in der Vorbereitung auf Peking noch einen Halbmarathon“, erklärte sie.

Bei den Männern siegte in London Micah Kogo. Der kenianische Weltklasseläufer rannte auf dem Kurs, der teilweise identisch ist mit der olympischen Marathonstrecke im Jahr 2012, 28:08 Minuten und hatte sieben Sekunden Vorsprung vor dem Halbmarathon-Weltmeister Zersenay Tadese (Eritrea). Dritter wurde der Brite Mo Farah in 28:39. Über 6.000 Läufer gingen an dem Feiertag in London an den Start.

KIMbia’s Gathoni siegt beim 10 km Bolder Boulder-Rennen

Die kenianische Läuferin Millicent Gathoni triumphierte beim Bolder Boulder-Rennen über 10 km in Colorado (USA). Damit gab es im Frauen-Rennen in Boulder auch in diesem Jahr wieder einen Sieg für die KIMbia-Gruppe. Nachdem Gathoni und die Äthiopierin Amane Gobena über den Groβteil der Distanz Seite an Seite liefen, löste Gathoni sich schlieβlich und gewann mit einem Vorsprung von vier Sekunden in 32:49 Minuten. Zudem verhalf ihr Sieg dem kenianischen Frauen-Team in der internationalen Team-Wertung zum zweiten Platz hinter den starken Rumäninnen. Auβerdem meldete sich KIMbias Elva Dryer nach den US-amerikanischen Olympia-Qualifikationsrennen im April zurück. Sie kam als zweite US-Amerikanerin hinter Deena Kastor in 34:39 Minuten ins Ziel.

Im Männerrennen gewann abermals Ridouane Harroufi in 28:32 Minuten vor den Äthiopiern Dmessew Tsega (28:33) und Gebo Berka (28:37). Als Teil des Commonwealth-Teams lief KIMbias John Yuda (Tansania) in 28:48 Minuten auf Rang vier und kam damit einen Platz und 9 Sekunden vor seinem Trainingspartner John Korir ins Ziel, der die beste Platzierung unter den kenianischen Läufern erreichte. KIMbias Charles Munyeki wurde Achter in 29:12 Minuten. In der internationalen Team-Wertung setzen sich Äthiopiens Männer durch, gefolgt von dem kenianischen und dem Commonwealth-Team.

Katastrophe für Paula Radcliffe: Olympia-Aus fast sicher

Eine Hiobsbotschaft musste Paula Radcliffe nach einer erneuten Untersuchung in Irland hinnehmen. Wie die BBC berichtet, wurde bei der Marathon-Weltrekordlerin nun ein Ermüdungsbruch im linken Oberschenkel diagnostiziert. Damit ist die Engländerin so gut wie aus dem Rennen im Hinblick auf den olympischen Marathon in Peking, obwohl sie selbst die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. „Ich brauche jetzt Glück. Ich werde sicher nicht starten, wenn ich Schmerzen habe oder nicht gut in Form bin“, sagte Paula Radcliffe gegenüber der BBC. Die 34-Jährige hofft, in zwei Wochen wieder trainieren zu können.

Doch Spezialisten haben ihr selbst gesagt, dass es unmöglich sei, die nötigen Trainingsumfänge für Peking zu erreichen. Ein von der BBC befragter Mediziner bezeichnete die Diagnose als ,Katastrophe’ für Paula Radcliffe. Er rechnet bei derartigen Verletzungen mit einer Heilungszeit von mindestens sechs Wochen. Weitere sechs Wochen dauere es dann normalerweise, bis der Körper wieder vollständig belastbar sei. Damit dürften die Olympischen Spiele für Paula Radcliffe gelaufen sein. In der derzeitigen Phase wäre schon eine vierwöchige Pause zu lange. Die 34-Jährige ärgerte sich, dass die Schwere der Verletzung nicht in den vorherigen Untersuchungen erkannt worden war.

Paula Radcliffe, die nach der Geburt ihrer Tochter im vergangenen November den New York-Marathon gewonnen hatte, hatte sich im Frühjahr bereits eine Zehenverletzung zugezogen. In der Folge dieses Problems verzichtete sie auf den Start beim London-Marathon, den dann sensationell Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) gewann. Vor zwei Wochen bekam Paula Radcliffe Schmerzen in der linken Hüfte. Dann wurde fälschlicherweise ein verschobener Muskel diagnostiziert, der auf den Knochen gedrückt haben soll. Mit Hilfe von Krücken und Ruhe hoffte Paula Radcliffe, das Problem in den Griff zu bekommen. Die neue Diagnose ist nun niederschmetternd für die Engländerin.

Eine ,Safari’ mit kenianischen Freunden

Kenias Läufer dominieren gemeinsam mit den Äthiopiern seit Jahren die Langstrecken. Wann allerdings die besten von ihnen in dieser Saison bei den ersten großen Meetings an den Start gehen, ist unklar. Denn Kenias Leichtathletik-Verbandsfunktionäre machten vielen mit ihrer jüngsten Initiative einen Strich durch die Rechnung. Das ist nichts Neues in Ostafrika. Doch bei den Ideen der Funktionäre handelt es sich meist um eine ,Safari’, die in der Sackgasse endet. Das ausgelöste Chaos, die Undurchsichtigkeit und die Verwirrung, all das löst sich dann nach einer Weile wundersam wieder wie in Luft auf – bis zur nächsten ,Initiative’ von Athletics Kenya (AK). Leidtragende sind in erster Linie die Athleten.

Im aktuellen Fall, den der Londoner Journalist Pat Butcher auf seiner Internetseite ,globerunner.org’ aufdeckt, geht es um die Olympia-Nominierungen. Verbandsfunktionäre, die ansonsten oft nur wenig oder gar keinen Einfluss haben auf die Wettkampfplanung von Topathleten, nutzen die Situation zu Machtspielchen. Am vergangenen Mittwoch schickte AK aus heiterem Himmel eine Nachricht an jene internationalen Manager, die mit kenianischen Athleten zusammenarbeiten. Darin wird mit ganzen sechs Tagen Vorlauf über ein Trainingslager informiert, das am 20. Mai in Eldoret beginnen sollte. Es heißt: „Alle Athleten Ihres Managements müssen sich ohne Ausnahme am 20. Mai in dem Trainingslager einfinden. Athleten, die nicht dort anwesend sind, werden von den Olympia-Ausscheidungen ausgeschlossen, ihre Manager werden suspendiert. Im Hinblick auf Wettkämpfe im Ausland werden die im Trainingslager anwesenden Trainer gegebenenfalls eine Freigabe erteilen. Wir benötigen für die Athleten Ihres Managements einen Trainings- und Wettkampfplan. Bitte stellen Sie sicher, dass diese Instruktionen ohne Fehlverhalten eingehalten werden. Wir freuen uns auf Ihre Kooperation …“ Unterzeichnet ist diese Mitteilung von Isiah Kiplagat, dem Präsidenten von Athletics Kenya.

Damit wird kurzfristig die komplette Planung für den ersten Saisonabschnitt über den Haufen geworfen. Etliche Athleten, die gerade erst aus Kenia nach Europa oder auch in die USA gereist sind, um sich dort auf die erste Wettkampfphase vorzubereiten, mussten Hals über Kopf wieder nach Kenia zurück – in ein Trainingslager, von dem noch nicht einmal bekannt ist, wie lange es eigentlich dauert. Die betroffenen Manager sind erzürnt über das Verhalten der kenianischen Funktionäre. Weil sie damit rechnen müssen, dass AK jegliche öffentliche Kritik mit einer Suspendierung bestraft, äußern sie sich nur ohne Namensnennung. Ein Manager, der einen aktuellen Weltmeister betreut, schickte seinen Athleten nach einem Straßenlauf in Europa am Sonntag zurück nach Kenia, obwohl eigentlich ein Höhentrainingslager in der Schweiz geplant war. „Es ist zwar besser geworden mit den kenianischen Funktionären, die uns früher auch als Blutsauger bezeichnet haben, aber manchmal versteht man nicht, was sie machen. Es ist doch in unserem ureigenen Interesse, dass unsere Athleten bei einer WM oder bei Olympia in Bestform sind“, sagt der Manager. Vor rund zwei Jahren hatte Athletics Kenya mit einer Schwarzen Liste für Aufsehen gesorgt. Unter fadenscheinigen Gründen wurde renommierten Managern, darunter auch der Holländer Jos Hermens, die weitere Zusammenarbeit mit kenianischen Athleten untersagt. Einige Wochen später bekamen die protestierenden Manager eine E-Mail: „Liebe Freunde“, hieß es da, „wir gratulieren zu Ihrem erfolgreichen Protest und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit.“ 2005 waren die kenianischen Athleten bei der WM in Helsinki aufgefallen, weil sie unterschiedliche Kleidung trugen. Wie dann bekannt wurde, war in Kenia vor Beginn der Titelkämpfe ein Teil der Mannschaftsausrüstung verkauft worden.

Dreikampf beim DKB-ISTAF: Jepkosgei gegen Lewis und Jelimo

Einen ebenso mitreißenden wie schnellen Dreikampf könnte es am kommenden Sonntag beim DKB-ISTAF im Berliner Olympiastadion über 800 m geben. Dabei kommt es bei dem Auftakt der prestigeträchtigen AF Golden League-Leichtathletikserie zum Aufeinandertreffen zweier aktueller 800-m-Weltmeisterinnen sowie der derzeit schnellsten Läuferin des Jahres. Die Kenianerin Janeth Jepkosgei und die Australierin Tamsyn Lewis haben dabei etwas gemeinsam, denn beide gewannen ihre WM-Titel überraschend beziehungsweise sogar sensationell. Die Kenianerin stürmte in Osaka im vergangenen Jahr zum Gold, die Australierin schockte die Konkurrenz bei der Hallen-WM im März 2008. In Hengelo sorgte am Sonnabend Pamela Jelimo für eine Sensation. Die erst 19-jährige Kenianerin stellte mit 1:55,76 Minuten einen Juniorinnen-Weltrekord auf.

In Osaka hatte Janeth Jepkosgei 2007 ein Stück Sportgeschichte für Kenia geschrieben. Denn sie ist die erste Mittelstreckenläuferin des Läufer-Landes, die eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gewann. In diesem Jahr möchte sie in Peking ihren sporthistorischen Erfolg weiterführen. Und die 24-Jährige hat noch ein zweites Ziel in dieser Saison: die AF Golden League. „Es ist eine große Herausforderung, den Jackpot zu knacken. Aber ich werde dafür kämpfen“, sagt Janeth Jepkosgei, die in Regel offensiv von der Spitze läuft und in diesem Stil auch das WM-Gold gewann.

Ursprünglich war Janeth Jepkosgei eine 400-m-Hürdenläuferin. Zu den 800 m kam die Kenianerin einst per Zufall. 1999 wollte sie sich für die Jugend-Weltmeisterschaften qualifizieren, jedoch hatten die kenianischen Funktionäre bei den nationalen Ausscheidungen den 400-m-Hürdenlauf aus dem Programm gestrichen. Kurzfristig entschied sie sich für die 800 m und qualifizierte sich auf Anhieb als Zweite.

Für die Sensation der Hallen-WM im März sorgte Tamsyn Lewis. Die Australierin, die auch eine gute 400-m-Läuferin ist, setzte in einem taktischen Rennen ihre Spurtstärke ein und gewann. Nie zuvor hatte sie bei globalen Titelkämpfen auch nur den Endlauf erreicht. Noch rund eine Stunde nach ihrem Triumph wollte Tamsyn Lewis gar nicht glauben, dass sie gewonnen hatte: „Ich befinde mich in einer Art Schockzustand. Ich war froh im Finale zu sein und hatte nichts zu verlieren. In Australien schlafen meine Freunde und meine Familie ja jetzt noch alle – die werden sich wundern, wenn sie aufwachen!“

Die siebenfache australische 800-m-Meisterin kommt aus einer sportlichen Familie: Ihr Vater Greg startete als Sprinter und ihre Mutter Carolyn als Hochspringerin für Australien. Von ihrem älteren Bruder Justin – ein früherer Sprinter – wird sie zurzeit trainiert.

Doch Jepkosgei und Lewis müssen aufpassen, dass sie nicht von der Newcomerin Pamela Jelimo geschlagen werden. Für das hochklassigste deutsche Leichtathletik-Meeting gibt es eine hohe Kartennachfrage. Tickets gibt es online im Internet unter: www.dkb-istaf.de