Sammy Wanjiru und Liliya Shobukhova triumphieren in der Hitze von Chicago

Der Start des Chicago-Marathons. © www.photorun.net

Der Start des Chicago-Marathons. © www.photorun.net

Zum zweiten Mal in Folge haben Sammy Wanjiru und Liliya Shobukhova den Chicago-Marathon gewonnen bei dem 36.195 Läufer die Ziellinie überquerten. In der World Marathon Majors (WMM)-Serie 2009-2010 ist dem kenianischen Marathon-Olympiasieger von Peking 2008 der Sieg nur noch theoretisch zu nehmen, während er der russischen London-Marathon-Siegerin dieses Jahres bereits sicher ist.

Sammy Wanjiru siegte bei der 33. Auflage des Bank of America Chicago-Marathons in 2:06:24 Stunden, während Liliya Shobukhova mit 2:20:25 Stunden ihre eigene Jahresweltbestzeit unterbot, einen russischen Rekord aufstellte und zur zehntschnellsten Marathonläuferin aller Zeiten aufstieg. Gemessen an Temperaturen von am Ende rund 25 Grad Celsius sind die Siegzeiten außerordentlich stark.

Spannendes Duell im Männerrennen

Bei den Männern formierte sich bald nach dem Start eine rund achtköpfige Spitzengruppe. Neben Sammy Wanjiru liefen unter anderen der London-Marathon-Sieger Tsegaye Kebede und Deriba Merga (beide Äthiopien) in dieser Gruppe. Die drei lagen auch in der WMM-Serie vor dem Start vorne und hatten noch Chancen auf den Sieg, wobei Sammy Wanjiru und Tsegaye Kebede sogar punktgleich an der Spitze der Wertung waren. Dementsprechend sollte sich ein ganz großes Duell zwischen dem Kenianer und dem Äthiopier entwickeln.

Als die Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 62:35 Minuten erreichte, waren die Favoriten auf Kurs für einen Streckenrekord (Sammy Wanjiru hatte die Marke vor einem Jahr auf 2:05:41 Stunden verbessert), doch in der zweiten Hälfte wurde das Tempo etwas langsamer, was in erster Linie an den steigenden Temperaturen lag.

Während Tsegaye Kebede und Sammy Wanjiru an der Spitze das Rennen bestimmten, fiel hinter ihnen ein Mitfavorit nach dem anderen zurück. Nach rund 28 Kilometern lief Robert Kiprono Cheruiyot, der im April mit einem Kursrekord den Boston-Marathon gewonnen hatte, bereits nicht mehr in der Spitzengruppe. Kurz nach der 30-km-Marke (1:29:36 Stunden) konnte Deriba Merga nicht mehr mithalten. Hinter den beiden jeweils 23 Jahre alten Tsegaye Kebede und Sammy Wanjiru war nun nur noch der noch drei Jahre jüngere Feyisa Lilesa. Vier Kilometer vor dem Ziel begann auch der äthiopische Youngster den Kontakt zu verlieren, denn vorne machte Tsegaye Kebede immer wieder Tempo. Auch Sammy Wanjiru bekam Schwierigkeiten und fiel ein Stück zurück. Immer wieder versuchte der Olympiasieger vergeblich, die Lücke zu schließen, doch Tsegaye Kebede hielt mit eigenen Tempoverschärfungen dagegen. Der Äthiopier schien bereits als Sieger festzustehen, und Sammy Wanjiru wirkte, als hätte er sich schon fast damit abgefunden.

Sammy Wanjiru triumphierte erneut in Chicago. © www.photorun.net

Sammy Wanjiru triumphierte erneut in Chicago. © www.photorun.net

„Ich begann, die Hoffnung zu verlieren, denn ich war nicht in bester Verfassung”, erklärte der Kenianer später, der im April beim London-Marathon verletzungsbedingt ausgestiegen war und längere Zeit benötigte, um wieder in Form zu kommen. In der letzten harten Trainingswoche vor dem Chicago-Marathon hatte ihn zudem ein Magen-Darm-Virus gestoppt. „Vor dem Rennen dachten wir, wenn ein zweiter oder dritter Platz herauskäme, dann wäre das ein Erfolg. Was heute passiert ist, ist für mich die größte Überraschung, die ich im Marathon bisher erlebt habe”, erklärte Sammy Wanjirus italienischer Manager Federico Rosa gegenüber der Internetseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF).

Doch der Olympiasieger gab nie auf und wusste, dass er die besseren Chancen in einem möglichen Schlussspurt haben würde. Denn Sammy Wanjiru verfügt über eine enorme Grundschnelligkeit und war Halbmarathon-Weltrekordler. Zudem läuft er gerne bei warmen Temperaturen. Bei deutlich größerer Hitze und Luftfeuchtigkeit wurde er 2008 in Peking souverän Olympiasieger in olympischer Rekordzeit von 2:06:32 Stunden. In Chicago schaffte es Sammy Wanjiru dann tatsächlich, dem Rennen kurz vor dem Ziel noch eine Wende zu geben. Er lief an den London-Sieger heran, überholte ihn und sprintete auf den letzten paar hundert Metern unaufhaltsam davon. Nach 2:06:24 Stunden hatte er mit 19 Sekunden Vorsprung vor einem geschockten Tsegaye Kebede (2:06:43) gewonnen.

Durch ihr mitreißendes Duell hatten Samy Wanjiru und Tsegaye Kebede ihren Vorsprung im letzten Teil des Rennens stark vergrößert. Mit deutlichem Abstand kam Feyisa Lilesa als Dritter nach 2:08:10 Stunden ins Ziel. Drei weitere Athleten blieben unter 2:10 Stunden – Wesley Korir (2:08:44), Vincent Kipruto (2:09:08) und Robert Kiprono Cheruiyot (2:09:28/alle Kenia).

Liliya Shobukhova siegt souverän

Liliya Shobukhova gewann in russischer Rekordzeit. © www.photorun.net

Liliya Shobukhova gewann in russischer Rekordzeit. © www.photorun.net

Im Rennen der Frauen setze sich abermals Liliya Shobukhova durch. Die Russin hat nunmehr drei große Marathonläufe in Folge gewonnen: Chicago 2009, London 2010 und jetzt erneut Chicago. Die 32-Jährige ging dabei nicht das sehr schnelle Anfangstempo der Äthiopierinnen mit. Als Atsede Baysa und Mamitu Daska die Halbmarathonmarke nach 69:45 Minuten erreicht hatten, lief Liliya Shobukhova mit etwa 100 Metern Rückstand hinter den beiden her.

Während die Dubai-Marathon-Siegerin Mamitu Daska bald darauf deutlich zurückfallen sollte, baute Atsede Baysa, die im April den Paris-Marathon in 2:22:04 gewonnen hatte, ihren Vorsprung zunächst noch aus. Knapp eine halbe Minute lag sie nach 30 km vor Liliya Shobukhova. Doch je länger das Rennen dauerte, desto mehr litt die Äthiopierin unter der Wärme. „Meine Form war gut, aber es war zu heiß”, sagte Atsede Baysa später. Sie wurde immer langsamer und die sehr konstant laufende Liliya Shobukhova kam immer dichter heran. „Es war keine Überraschung für mich, dass die Äthiopierinnen langsamer wurden – ich hatte immer das Gefühl, das Rennen unter Kontrolle zu haben”, sagte Liliya Shobukhova.

Etwa an der 34-km-Marke holte die russische Läuferin die führende Äthiopierin ein und übernahm die Führung. Der Sieg war ihr sicher, doch Liliya Shobukhova kämpfte noch um einen Rekord: Ihre Landsfrau und Trainingspartnerin Galina Bogomolova war 2006 als Zweite in Chicago russischen Landesrekord gelaufen (2:20:47). Mit 2:20:25 verbesserte Liliya Shobukhova diese Marke schließlich um 22 Sekunden und lief die schnellste Zeit im Frauen-Marathon seit Irina Mikitenko 2008 (2:19:19 in Berlin). Zweite wurde Atsede Baysa in 2:23:40, Rang drei belegte die Russin Maria Konovalova (2:23:50), die sich in ihrem zweiten Marathon um fast zwölf Minuten steigerte.

Hinter Desiree Davila (USA/2:26:20) und vor Mamitu Daska (2:28:29) kam die 38-jährige deutsche Rekordlerin Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) auf Platz fünf mit 2:26:40. Die deutsche WMM-Siegerin der vergangenen zwei Jahre fühlte sich nach einer schweren Erkältung in der Vorbereitung auf das Rennen im September nicht stark genug, um ganz vorne mitzulaufen. „Eine erste Hälfte von 70 Minuten konnte ich nicht laufen. Deswegen habe ich mich bewusst zurückgehalten”, erklärte Irina Mikitenko. „Allerdings musste ich dadurch durchweg alleine laufen, und in der zweiten Hälfte des Rennens wurde es richtig warm.” Dennoch gelang es der zweifachen London-Marathon-Siegerin (2008 und 2009), ein recht gleichmäßiges Tempo zu laufen – die erste Hälfte hatte sie in 73:06 Minuten absolviert, im zweiten Abschnitt überholte sie eine Reihe von Konkurrentinnen.

Zufrieden war Irina Mikitenko mit ihrem Wettkampf nicht, doch sie will daraus Motivation für die kommenden Rennen ziehen. Angesichts der sehr starken Konkurrenz, einer nicht idealen Vorbereitung und hohen Temperaturen, die ihr nicht liegen, hat sich Irina Mikitenko in Chicago achtbar geschlagen.

Auf dem flachen Kurs des Chicago-Marathons mit dem Ziel und Start im beliebten Grant Park ging am 10.10.10 die Rekordzahl von 38.132 Athleten aus allen Teilen der USA sowie über 100 Ländern der Welt an den Start. Der Marathon ist in jedem Jahr zudem für viele hunderte Läufer eine hervorragende Möglichkeit für einen guten Zweck zu laufen. Allein im Jahr 2009 sammelten mehr als 8.000 Charity-Läufer zusammen etwa 10 Millionen US-Dollar für 123 Wohltätigkeitsorganisationen weltweit.

KIMbias John Korir gewinnt Boston-Halbmarathon

John Korir, hier beim New York City-Halbmarathon 2007, siegte in Boston. © www.photorun.net

John Korir, hier beim New York City-Halbmarathon 2007, siegte in Boston. © www.photorun.net

Am vergangenen Sonntag meldete sich KIMbias John Korir mit einem Sieg beim Boston-Halbmarathon zurück. Der Kenianer, der zur KIMbia-Trainingsgruppe von Dieter Hogen gehört, gewann das Rennen über die 21,0975 km bei großartigen Laufbedingungen in 62:21 Minuten. Es war allerdings äußerst knapp, denn in der Schlussphase hatte zunächst sein Landsmann und Trainingspartner bei KIMbia, Alan Kiprono, das Tempo an der Spitze bestimmt. Doch mit einem starken Schlussspurt sicherte sich John Korir den Sieg in 62:21 vor dem zeitgleichen Alan Kiprono. Die beiden verpassten den drei Jahre alten Eventrekord von Tom Nyariki (Kenia) um lediglich eine Sekunde. Dritter wurde mit Linus Maiyo (63:06) ein weiterer Kenianer.

Schnellste Frau unter der Rekordzahl von 4.550 gemeldeten Läufern war Caroline Rotich. Die Kenianerin lief auf dem neuen Kurs des Rennens zu einem Start-Ziel-Sieg in 70:52 Minuten und unterbot den bisherigen Eventrekord um fünf Sekunden. Sie feierte damit eine gelungene Generalprobe für ihre Teilnahme beim im November anstehenden ING New York City-Marathon. Auch die nächsten beiden Ränge gingen an Läuferinnen aus Kenia: Janet Cherobon wurde in 71:50 Zweite, Jane Kibii belegte mit 76:02 Platz drei. Unter den Teilnehmern befanden sich 500 Spendenläufer des Dana-Farber-Krebsinstituts. Sie sammelten bei diesem Event geschätzte 250.000 US-Dollar für einen guten Zweck.

Leonard Komon läuft deutschen Allcomer-10-km-Rekord in Berlin

Mit einem deutschen Allcomer-Rekord hat Leonard Komon am Sonntag die Asics Grand 10 in Berlin gewonnen. Der Kenianer erreichte über die 10-km-Distanz 27:12 Minuten und erzielte damit die schnellste Zeit, die je auf deutschem Boden über diese Strecke gelaufen wurde. Schnellste Frau war Agnieszka Gortel (Polen) in 34:08 Minuten. Bei dem Rennen mit Start und Ziel am Schloss Charlottenburg gingen bei kühlen, trockenen und sonnigen Wetterbedingungen 7.145 Läufer aus 27 Nationen an den Start.

Das Aufeinandertreffen des aktuellen Weltrekordlers über die 10-km-Distanz, Leonard Komon (26:44 Minuten), und seines Vorgängers, Micah Kogo (Kenia/27:01), gewann Ersterer souverän. Nachdem zunächst vier Kenianer – neben Leonard Komon und Micah Kogo auch Mike Kigen und Jacub Cheshari – die Spitzengruppe formierten, setzte sich im zweiten Abschnitt der Weltrekordler deutlich ab. Die Hoffnungen auf einen Weltrekord erfüllten sich zwar nicht, jedoch erreichte der erst 22-jährige Sieger des Rennens mit 27:12 Minuten einen deutschen Allcomer-Rekord.

Die zuvor schnellste in einem deutschen 10-km-Rennen erreichte Zeit hatte Leonard Komons Landsmann Daniel Chebii erst vor rund einem Monat beim Düsseldorfer Kö-Lauf mit 27:43 Minuten aufgestellt. Das Ergebnis von Leonard Komon ist die elftschnellste Zeit über 10 km und die viertschnellste in diesem Jahr. „Ich war mir nicht sicher, ob ich hier den Weltrekord noch einmal packe. Aber es war ein tolles Rennen, und das Publikum in Berlin ist fantastisch“, erklärte der Kenianer, der nun seine Saison beendet.

Mit 13 Sekunden Rückstand lief Mike Kigen als Zweiter ebenfalls noch schnelle 27:25 Minuten, die für ihn auch eine persönliche Bestzeit bedeuten. Die nächsten drei Ränge belegten ebenfalls kenianische Läufer: Jacub Cheshari wurde in 28:10 Minuten Dritter, gefolgt von Micah Kogo (28:24) und Stephen Tum (28:25). Als bester Nicht-Afrikaner belegte Vorjahressieger Jan Kreisinger (Tschechische Republik/29:37) vor dem besten Deutschen, Marc Schulze (Berlin/29:40), Rang sechs.

Im schwächer besetzten Frauenrennen siegte die Favoritin Agnieszka Gortel aus Polen, die ihre persönliche Bestzeit auf der schnellen Berliner Strecke um 20 Sekunden auf 34:08 Minuten steigern konnte. Auf dem zweiten Platz landete die Leipzigerin Carina Schipp, die in 36:30 vor Dawn Domaschk (USA/36:39) im Ziel war.