Sammy Wanjiru läuft hochklassiges Debüt in Fukuoka

Sammy Wanjiru gewinnt in Fukuoka mit Kursrekord. © www.photorun.net

Sammy Wanjiru gewinnt in Fukuoka mit Kursrekord. © www.photorun.net

Sammy Wanjiru ist in Fukuoka ein Weltklasse-Marathondebüt gelaufen. Der Kenianer gewann den traditions- reichen japanischen Lauf über die 42,195 km in der Streckenrekordzeit von 2:06:39 Stunden und rannte so das drittschnellste Marathondebüt aller Zeiten. Nur sein Landsmann Evans Rutto (2:05:50) und Äthiopiens Haile Gebrselassie (2:06:35) waren im ersten Versuch schneller. Gebrselassie war allerdings zuvor als Jugendlicher bereits einmal Marathon gelaufen.

Der gerade erst 21-jährige Sammy Wanjiru, der in diesem Jahr bereits Haile Gebrselassie den Halbmarathon- Weltrekord abgenommen hatte und auf 58:33 Minuten steigerte, erreichte in Fukuoka die drittschnellste Zeit des Jahres. Die Pläne des Kenianers für 2008 sind bereits klar: Im April möchte er möglichst in London seinen nächsten Marathon laufen und dabei eine Zeit von 2:05 Stunden erreichen. Damit möchte sich Sammy Wanjiru für den olympischen Marathon in Peking qualifizieren, wo es zu einem Aufeinandertreffen mit Haile Gebrselassie kommen würde.

Ursprünglich wollte Sammy Wanjiru in New York sein Marathondebüt laufen, doch Knieprobleme stoppten ihn. Vier Wochen später war er jetzt in Topform. Wanjiru, der größtenteils in Japan lebt, lief die erste Hälfte in einer größeren Spitzengruppe in 63:30 Minuten. Ab Kilometer 30 war es immer wieder der junge Kenianer, der mit Tempoverschärfungen einen Konkurrenten nach dem anderen abhängte. Schließlich blieb nur noch Deriba Merga übrig. Doch knapp zwei Kilometer vor dem Ziel konnte auch der spätere zweitplatzierte Äthiopier (2:06:50) nicht mehr mithalten. Sammy Wanjiru verbesserte den sieben Jahre alten Kursrekord des Japaners Atsushi Fujita um zwölf Sekunden.

Dritter und damit bester Japaner wurde Atsushi Sato, der mit einer persönlichen Bestzeit von 2:07:13 aller Voraussicht nach einen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Peking sicher hat. Die Rennen in Tokio und Lake Biwa im Februar und März sind die weiteren Qualifikationsläufe für die Japaner.

Ein Hase schnappt sich den Sieg in Singapur

Elijah Mbogo überrascht in Singapur. © Standard Chartered Singapur Marathon

Elijah Mbogo überrascht in Singapur. © Standard Chartered Singapur Marathon

Einem Tempomacher sollte man nur glauben, wenn man ihn wirklich gut kennt. Manche von ihnen steigen nämlich nicht an den avisierten Kilometerpunkten aus sondern rennen einfach weiter, weil sie plötzlich eine gute Siegchance wittern. Genau das passierte beim Standard Chartered Singapur-Marathon am Sonntag. Der erst 19-jährige Kenianer Elijah Mbogo war Pacemaker und am Ende Sieger zugleich. In der Streckenrekordzeit von 2:14:23 Stunden gewann er mit lediglich zwei Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Amos Matui, der das Rennen in den letzten beiden Jahren für sich entschieden hatte und nun einen Hattrick knapp verpasste. Dritter wurde mit David Cheruiyot ein weiterer Kenianer in 2:14:43.

Bei den Frauen war der Kursrekord der Weltklasseläuferin Salina Kosgei (Kenia), die im vergangenen Jahr in 2:31:55 gewonnen hatte, von vornherein eine Nummer zu groß. Hier entwickelte sich ein Zweikampf zwischen der 40-jährigen mehrfachen Cross-Weltmeisterin Edith Masai (Kenia) und der jungen Äthiopierin Alem Ashebier. Sieben Kilometer vor dem Ziel forcierte Ashebier das Tempo und hängte damit Edith Masai ab. Die Äthiopierin gewann in 2:37:08 Stunden deutlich vor der Kenianerin (2:38:07) und sicherte sich so die Siegprämie von 25.000 Dollar. Dritte wurde Caroline Kwambai (Kenia) in 2:38:46. Trotz der schwierigen Bedingungen in Singapur mit 25 Grad zur Startzeit um 5.30 Uhr und einer steigenden Luftfeuchtigkeit verbesserte Alem Ashebier ihre persönliche Bestzeit um rund zwei Minuten. Rund 40.000 Teilnehmer hatten für die drei Laufwettbewerbe in Singapur – Marathon, Halbmarathon und 10 km – gemeldet.

Bis 30 km führte Elijah Mbogo das Spitzenfeld als Tempomacher an. „Ich hatte vorher überlegt, dass ich dieses Mal weiterlaufen würde, wenn ich mich an diesem Punkt gut fühlen würde“, erklärte der 19-Jährige später. „Bei 30 km hatte ich den Eindruck, dass die Läufer um mich herum nicht zu stark sein würden, deswegen habe ich es versucht. Es war interessant, und ich habe in meinem ersten Marathon gleich gewonnen.“ Mbogo erklärte, dass er wusste, dass Amos Matui über einen starken Endspurt verfügt. „Deswegen war es mein Plan, frühzeitig einen deutlichen Vorsprung herauszulaufen.“ Etwa bei Kilometer 35 legte Mbogo einen Zwischenspurt ein und verdoppelte seinen Vorsprung bis 40 km auf 200 Meter. Nun folgte die Schlussoffensive des bisherigen Kursrekordlers Amos Mutai, doch er konnte die Lücke nicht mehr ganz schließen.

Elijah Mbogo hatte vor zwei Monaten bei Rennen in Europa seine Bestzeiten auf 28:24 (10 km) und 61:40 Minuten (Halbmarathon) gesteigert. Danach war der Bruder des Hannover-Marathon-Siegers David Mbogo (2:14:13) nach Kenia zurückgekehrt und hatte sich im Höhentrainingslager vorbereitet auf Singapur.

Auch in Mailand siegt ein kenianischer Debütant

Es war das Marathon-Wochenende der Debütanten und der Kenianer. Nach Sammy Wanjiru in Fukuoka und Elijah Mbogo in Singapur setzte sich auch in Mailand ein Läufer durch, der nie zuvor ein Rennen über die klassischen 42,195 km gelaufen war. Der 25-jährige Evans Cheruiyot gewann den Mailand-Marathon mit knapp 6.000 Läufern in flotten 2:09:15 Stunden vor seinem Landsmann John Birgen (2:09:20) und dem Südafrikaner Norman Mblomo (2:10:39). Auch das Rennen der Frauen gewann eine Kenianerin: Pamela Chepchumba lief dabei gute 2:25:36 Stunden.

Bei den Männern war der London- und New-York-Marathon-Sieger Martin Lel (Kenia) unter den Tempomachern. Die siebenköpfige Spitzengruppe erreichte dann nach 64:24 Minuten die Halbmarathonmarke. In der Folge verlor ein Läufer nach dem anderen den Kontakt zur Spitze, wo sich schließlich ein Zweikampf zwischen Cheruiyot und Birgen entwickelte. Bei Kilometer 39 fiel die Entscheidung, als sich Cheruiyot, der mit 59:05 Minuten zu den schnellsten Halbmarathonläufern aller Zeiten zählt, absetzen konnte. „Ich danke Martin Lel, der mir gute Tipps für mein Debüt gegeben hat“, sagte der Sieger gegenüber der Internetseite iaaf.org später. Beide gehören zur Trainingsgruppe des italienischen Managers Federico Rosa. Nicht das erhoffte starke Debüt erreichte Charles Kamathi. Der Kenianer, 2001 Weltmeister über 10.000 m, wurde Vierter in 2:11:25 Stunden, nachdem er bei Kilometer 30 den Kontakt zur Spitze verloren hatte.

Das Frauenrennen entwickelte sich zu der erwarteten One-Woman-Show: Pamela Chepchumba hatte am Ende über zweieinhalb Kilometer Vorsprung auf die Konkurrenz. Die Kenianerin lief 2:25:36 Stunden. Auf den Plätzen folgten die Italienerin Marcella Mancini (2:34:58) und Petra Teveli (Ungarn/2:35:21).

Haile Gebrselassie meldet sich mit Sieg zurück

Standesgemäß meldete sich Haile Gebrselassie bei seinem ersten Rennen seit dem Marathon-Weltrekord Ende September zurück: Der 34-jährige Äthiopier gewann den 15-km-Lauf von Heerenberg (Holland) in 42:36 Minuten und brach dabei den Streckenrekord. Um sechs Sekunden verbesserte er die Marke, die sein äthiopischer Nachfolger als 10.000-m-Olympiasieger und –Weltrekordler, Kenenisa Bekele, aufgestellt hatte.

Bei starkem Regen und Wind löste sich Haile Gebrselassie gut einen Kilometer vor dem Ziel von seinem letzten Verfolger Ali Mabrouk el Zaidi. Der Läufer aus Libyen stellte als Zweiter mit 42:42 Minuten einen Landesrekord auf. Dritter wurde Kenias Wilson Kipsang in 43:30. Auch bei den Frauen gab es einen äthiopischen Sieg: Deribe Alemu setzte sich in 48:50 vor ihrer Landsfrau Amelework Fikadu (50:16) sowie Peninah Arusei (Kenia/50:26) durch.