
Salina Kosgei gewinnt in Kursrekordzeit.
Salina Kosgei war der Star beim Standard Chartered Singapur-Marathon am Sonntag. Die 29-Jährige war zwar die klare Favoritin, doch die elegant laufende Kenianerin zeigte bei ihrem Sieg auch eine beeindruckende Leistung. In Temperaturen von 25° Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von knapp 100 Prozent rannte sie beachtliche 2:31:55 Stunden und verbesserte damit den Kursrekord um knapp drei Minuten. Auch bei den Männern gab es, nun bereits zum dritten Mal in Folge, einen Kursrekord. Der Kenianer Amos Matui lief 2:15:01 Stunden und besiegte damit erneut den Äthiopier Ahebir Demissu. Zudem gelang Mutai erstmals eine Titelverteidigung in der Geschichte des Rennens. Insgesamt nahmen über 30.000 Läufer an der Veranstaltung teil, in die auch Rennen über 10 Kilometer sowie die Halbmarathondistanz integriert waren. Dies war ein Zuwachs von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bereits nach sieben Kilometern löste sich Salina Kosgei aus der Führungsgruppe und damit auch von ihrer schärfsten Konkurrentin, der Vorjahressiegerin Irina Timofeyeva. Die Russin wurde später trotz Fußproblemen noch Zweite in 2:34:35. Emily Kimuria (Kenia) belegte Rang drei in 2:38:37. „Ich habe mich locker gefühlt und dachte, gemessen an den normalen Verhältnissen in Singapur ist das Wetter ganz gut. Deswegen habe ich die Führung übernommen, aber darauf geachtet, dass ich viel Wasser trank”, erklärte Salina Kosgei, die im Gegensatz zu vielen anderen Läufern nicht unter den Bedingungen litt. Im Ziel unterhielt sie sich mit Zuschauern und posierte für Fotos.
Im Gegensatz zum Vorjahr, als Temperaturen von 30° Grad Celsius bei Sonnenschein gemessen wurden, war es dieses Mal tatsächlich etwas angenehmen. Deswegen wird ihre Leistung in der Zukunft schwer zu übertreffen sein. „Ich denke, unter normalen Umständen wäre ich unter 2:30 Stunden gelaufen”, sagte Salina Kosgei. Das klang ein wenig nach Understatement, schließlich ist die Kenianerin in Berlin vor neun Wochen als Zweite persönliche Bestzeit von 2:23:22 gerannt.
Das Männerrennen produzierte eine Wiederholung der Ergebnisse von vor zwölf Monaten. Damals hatte sich zwar Ahebir Demissu zeitweilig gelöst von Amos Matui, doch am Ende gewann der Kenianer den Zweikampf. Dieses Mal ließ Matui seinen schärfsten Konkurrenten Demissu nicht entweichen und löste sich dann mit einem mächtigen Spurt bei Kilometer 41. „Ich war zuversichtlich, dass ich gewinnen würde und habe meine Energie für den letzten Kilometer aufgehoben”, sagte der Sieger. „Jetzt werde ich mir zu Hause in Ruhe meine weiteren Pläne überlegen. Ich würde im nächsten Jahr gerne in Boston oder London starten.”
Ahebir Demissu reagierte philosophisch nach seinem zweiten 2. Platz. „Er hat mich letztes Jahr besiegt, er hat mich dieses Jahr besiegt – was soll ich sagen”, erklärte der Äthiopier, der nach 2:15:22 im Ziel war. Dritter wurde der Kenianer Abel Kirui in 2:15:22. Damit blieben alle drei unter dem Kursrekord, den Amos Matui im vergangenen Jahr aufgestellt hatte (2:15:57).
Amsterdam-Sieger Bushendich gewinnt Lagos-Halbmarathon
Solomon Bushendich, der vor gut sechs Wochen den Lagos-Halbmarathon gewonnen hatte, siegte am Wochenende erneut bei einem großen Rennen. Der Kenianer war beim Lagos-Halbmarathon nach 63:18 Minuten im Ziel. Dabei zeigte er wie schon in Amsterdam seine Qualitäten im Schlussspurt. Denn nur um eine Sekunde distanzierte er seinen Landsmann Francis Kibiwott. Mit deutlichem Abstand kam Dieudonne Disi (Ruanda) nach 66:17 Minuten als Dritter ins Ziel. Schnellste Frau war die Vorjahressiegerin Millicent Doadi (Ghana) in 76:50 Minuten. Über 48.000 Läufer hatten sich für das Rennen registriert, zeitweilig mussten sie mit Autoverkehr auf der Strecke kämpfen.
Beirut-Marathon lief friedlich
Trotz der kritischen politischen Lage im Libanon wurde am Sonntag der Beirut-Marathon gestartet. Das Rennen habe ohne Zwischenfälle stattfinden können, heißt es in einer Pressemitteilung. „Es lief alles glatt und friedlich, der ,Marathon-Waffenstillstand’ wurde respektiert”, wird Sara Nasser vom Organisationsteam zitiert. Am Freitag hatten die Veranstalter mit der schiitischen Hisbollah verhandelt, um einen ungestörten Ablauf des Rennens zu erreichen. Angesichts der andauernden Demonstrationen in Beirut war die Streckenführung noch einmal etwas verändert worden.
Ursprünglich hatte das Rennen bereits eine Woche vorher stattfinden sollen. Doch nach der Ermordung des libanesischen Industrie-Ministers Pierre Gemayel fünf Tage vor dem Marathon hatten die Veranstalter den Lauf um sieben Tage verschoben. Die libanesische Regierung hatte die Veranstalter des Marathons unterstützt. Dadurch war es möglich geworden, nur wenige Monate nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Israel einen solchen Lauf zu organisieren.
In Beirut gab es am Sonntag zwei kenianische Sieger. Bei den Männern gewann Moses Kemboi in 2:17:28 Stunden mit deutlichem Vorsprung vor seinem Landsmann Eric Kiptoon (2:19:55). Schnellste Frau war Eunice Korir, die mit 2:49:25 Stunden lediglich acht Sekunden Vorsprung vor ihrer kenianischen Landsfrau Alemtsehay Kakissa hatte. Das Zuschauerinteresse soll angesichts der politischen Situation jedoch wesentlich geringer gewesen sein als in den Vorjahren.
Katar ohne Weltrekordler Shaheen bei den Asienspielen
Ohne ihren Star Saif Saaeed Shaheen wird die Mannschaft von Katar bei den derzeitigen Asien-Spielen im heimischen Doha antreten müssen. Wie der ,Track Profile Report’ berichtet, laboriert der 3000-Meter-Hindernis-Weltrekordler seit dem Saisonende an Achillessehnenproblemen und musste seine Teilnahme absagen. Dies ist eine größere Pleite für Katar. Schließlich waren die Asien-Spiele in der Heimat offenbar einer der Gründe, eine Reihe von hochkarätigen kenianischen Läufern einzubürgern. Stephen Cherono war einer der ersten von ihnen, der vor gut drei Jahren fahnenflüchtig wurde. Und er war der erfolgreichste Läufer, der Kenia verließ. Seitdem rennt Cherono unter dem Namen Shaheen. Der erst 24-jährige Hindernis-Weltrekordler (7:53,63 Minuten) wollte in Doha auch über 5.000 m antreten.
In einer Blitzaktion hatte der Läufer kurz vor den Weltmeisterschaften in Paris 2003 die Nationalität gewechselt. Und Shaheen wurde auch gleich Weltmeister über die Hindernisse – eine Disziplin, die die Kenianer seit Jahren dominiert hatten. Dass der kenianische Verband damals bei diesem Deal mitspielte, kann nur daran gelegen haben, dass Katar eine entsprechende Kompensation leistete. Für den Läufer selbst ging es nicht einmal um große Summen. Die Kataris hatten dem besten kenianischen Hindernis– und 5000-m-Läufer eine monatliche Rente von 1.000 Dollar auf Lebenszeit versprochen. Cherono gab seinen Namen her und gewinnt seitdem für Katar statt für Kenia. Doch nun muss er zuschauen in Doha.