
Luke Kibet gewinnt den Vienna City-Marathon. © www.photorun.net
Zwei Kenianer sorgten für die Topleistungen bei zwei großen europäischen Marathonrennen am Sonntag: Rodgers Rop gewann den Hamburg-Marathon in 2:07:32 Stunden mit nur einer Sekunde Vorsprung. Währenddessen siegte sein Landsmann Luke Kibet bei warmen Wetterbedingungen in Wien mit 2:10:07.
Rodgers Rop hat seine zweite Chance eindrucksvoll wahrgenommen. Nachdem er vor zwei Wochen beim Rotterdam-Marathon aufgrund der Hitze ausgestiegen war, gewann der Kenianer nun den Hamburg-Marathon. Der 31-Jährige, der zwischenzeitlich wieder in Kenia war und erst in der vergangenen Woche für den größten deutschen Frühjahrsmarathon verpflichtet worden war, lief 2:07:32 Stunden. Dabei ließ er seinen Landsmann Wilfred Kigen in einem packenden Sprintduell nur um eine Sekunde zurück. Dritter wurde ein weiterer Kenianer, der ebenfalls noch unter 2:08 Stunden lief: Kiprotich Kinei lief 2:07:42. Für Rodgers Rop, der 2002 sowohl den Boston- als auch den New York-Marathon gewonnen hatte, war dies eine neue persönliche Bestzeit. Er steigerte sich um zwei Sekunden.
Im Vergleich konnte das Frauen-Rennen nicht mit dem hochklassigen Männerlauf mithalten. Die Äthiopierin Ayelech Worku gewann den Hamburg-Marathon in 2:29:14 Stunden. Hinter ihr folgten zwei Kenianerinnen: Rose Nyangacha wurde Zweite in 2:29:22, Beatrice Omwanza belegte Rang drei mit 2:30:46. Im Gegensatz zu den heißen Vortagen, waren die Wetterbedingungen fast ideal mit Temperaturen um 15° Celsius. Lediglich phasenweise war es etwas windig. Insgesamt hatten sich 23.027 Läufer für den Hamburg-Marathon angemeldet.

Rodgers Rop siegt in Hamburg. © www.photorun.net
Während der Titelverteidiger und Streckenrekordhalter Julio Rey (Spanien/2:06:52) in diesem Frühjahr einen Start beim Paris-Marathon vorgezogen hatten, gaben die Hasen ein Tempo vor, das exakt zu einem neuen Kursrekord hätte führen können. Nach 63:20 Minuten war die erste Hälfte gelaufen. Es waren dann der Debütant Samuel Muturi und Rodgers Rop, die sich absetzten. Sie wurden von einer vierköpfigen Gruppe verfolgt – darunter auch Kigen und Kinei. Während Rop bei 35 km einen entscheidenden Vorstoß startete, lief Muturi nach 35 km in Schwierigkeiten. Auf den letzten sieben Kilometern brach der Kenianer ein und wurde am Ende nur Zwölfter in 2:12:46.
Drei Kilometer vor dem Ziel hatte Rodgers Rop einen Vorsprung von 34 Sekunden und sah wie der sichere Sieger aus. Aber hinter ihm forcierten Kigen und Kinei das Tempo. Und es war der zweifache Frankfurt-Sieger Kigen, der dort 2005 mit 2:08:29 Stunden Streckenrekord gelaufen war, der plötzlich aufschloss zu Rop. In einem dramatischen Finish überholte er zunächst seinen müde wirkenden Landsmann. Aber Kigen hatte nicht mehr mit einer Attacke von Rop gerechnet, der ihn auf den letzten Metern tatsächlich noch einmal überholte und mit einer Sekunde Vorsprung gewann. Kigen lief ebenfalls persönliche Bestzeit.
“Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen und mit dem Sieg – es war ein fantastischer Lauf. Es war mein Ziel, eine neue Bestzeit zu erreichen, daher habe ich von Beginn an auf das Tempo gedrückt. Am Ende schwanden mir zwar die Kräfte, aber es reichte, um zu gewinnen. Das Wetter war perfekt“, sagte Rodgers Rop, der nun durchaus für Kenia nominiert werden könnte für die WM.
Auch im Frauenrennen sollte der Streckenrekord von 2:23:35 gejagt werden. Entsprechend schnell war der erste Teil des Rennens. Zivile Balciunaite (Litauen) passierte dann die Halbmarathonmarke mit rund einer Minute Vorsprung in 72:54 Minuten. Aber sie bekam zusehends Probleme. Am Ende blieb ihr sogar nur Rang vier in 2:31:13.
Worku, Nyangacha und Omwanza hatten zunächst Edith Masai (Kenia) hinter sich gelassen. Die dreifache Cross-Weltmeisterin, die in Hamburg vor zwei Jahren ihr Marathon-Debüt in 2:27:06 Stunden gewonnen hatte, was noch immer ihre Bestzeit ist, schaffte es einmal mehr nicht, im Marathon den Anschluss an die Weltspitze zu finden. Sie wurde schließlich nur Sechste in 2:32:10.
Die drei Afrikanerinnen überholten die führende Balciunaite bei 35 km. Dann forcierte Ayelech Worku noch einmal die Pace und löste sich von den zwei Kenianerinnen. „Ich bin hierher gekommen, um eine gute Zeit zu laufen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich gewinnen könnte, das ist fantastisch. An der 40-km-Marke wusste ich, dass ich eine Chance haben würde.“
Für die beste deutsche Platzierung sorgte Claudia Dreher (Gänsefurther SB), die trotz einer Sehnenentzündung auf Rang acht in 2:33:58 Stunden lief. „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich wollte unbedingt ankommen, und das ist mir gelungen. Es kann nicht jedes Mal optimal laufen“, sagte Claudia Dreher. Rang 18 bei den Männern belegte Martin Beckmann (Leinfelden-Echterdingen) mit 2:15:22 Stunden.
Luke Kibet nicht zu stoppen beim Wien-Marathon
In Wien litten die Topleistungen, wie bei einer Reihe von anderen April-Marathonrennen zuvor, aufgrund des Wetters. Beim 24. Vienna City-Marathon stiegen die Temperaturen in der zweiten Rennhälfte auf gut 20° Celsius in der Sonne. Immerhin blieben trotzdem noch drei Läufer unter 2:11 Stunden beim größten und hochklassigsten österreichischen Laufereignis, das die Rekordzahl von 26.279 Meldungen aus 80 Nationen registrierte. Darunter sind allerdings auch jene Läufer, die beim Halbmarathon, einem Staffelrennen sowie den Wettbewerben für den Nachwuchs an den Start gingen.
Der 24-jährige Kenianer Luke Kibet feierte mit seinem Sieg in 2:10:07 Stunden den größten Erfolg seiner Karriere. Er hatte am Ende 20 Sekunden Vorsprung vor seinem stark aufkommenden Landsmann James Mwangi, der in 2:10:27 ein viel versprechendes Debüt lief. Dritter wurde Abel Kirui mit 2:10:41. Die Kenianer belegten acht der ersten zehn Plätze beim Wien-Marathon. Bester Nicht-Afrikaner war der Potugiese Luis Feiteira als Achter in 2:13:37. Bei seinem ersten ernsthaften Marathonrennen erreichte Falk Cierpinski (Halle) Platz 18 in 2:21:26. Damit verpasste der 28-jährige Sohn des Doppel-Olympiasiegers Waldemar Cierpinski allerdings die angestrebte Zeit unter 2:17 um rund fünf Minuten.
Bei den Männern nahmen die Topathleten das Tempo der Hasen von Beginn an nicht an. Wer weiß, vielleicht war das am Anfang sogar Glück. Denn wenn sie schneller gerannt wären, hätten sie im Praterpark nach fünf Kilometern wohlmöglich vor einer verschlossenen Schranke gestanden. So aber gelang es den überraschten Veranstaltern gerade noch rechtzeitig, Sekunden vor dem Eintreffen der Spitze, die Gefahr zu bannen. Ein Polizist konnte die Barriere öffnen.
Die Hälfte der Strecke sollte ursprünglich in 64:00 Minuten gelaufen werden, doch daraus wurden nur 65:35. „Es wurde warm. Und zudem haben wir uns gegenseitig beobachtet“, erklärte Luke Kibet, warum die Durchgangszeiten viel langsamer waren als geplant. Während Kibet als einer der großen Favoriten die Erwartungen erfüllte, galt dies für die vermeintliche Nummer eins nicht. Der frühere Hindernis-Weltrekordler Bernard Barmasai (Kenia), der 1997 7:55,72 Minuten gelaufen war, wollte in Wien seinen ersten Marathonsieg erreichen und seine Bestzeit von 2:08:52 Stunden deutlich unterbieten. Aus beidem wurde nichts. Kurz vor der 25-km-Marke verlor Barmasai den Kontakt zur Spitzengruppe, bei 35 km stieg er aus. An diesem Punkt forcierten Kibet und sein Trainingspartner Kirui die Pace. Ab 37 km war Kibet alleine unterwegs.
Bei den Frauen setzte sich nach der verletzungsbedingten Absage der Vorjahressiegerin Tomo Morimoto (Japan) die Favoritin durch. Luminita Talpos (Rumänien) lief zu ihrem ersten Marathonsieg in 2:32:21 Stunden, nachdem sie die erste Hälfte in 1:14:23 passiert hatte. Zweite wurde Martha Markos (Äthiopien), die mit 2:35:45 ihre Bestzeit um fast fünf Minuten steigerte, während Susanne Pumper (Österreich/2:37:55) den 250.000 Wiener Zuschauern mit Platz drei eine Freude bereitete. „Ich bin froh über den ersten Sieg, nicht so froh jedoch über die Zeit“, sagte Luminita Talpos, deren Bestzeit bei 2:27:32 steht. Die Rumänin wird nun beim WM-Marathon an den Start gehen.