
Patrick Makau Musyoki siegte erneut in Berlin. © Matthias Thiel / Vattenfall BERLINER HALBMARATHON
Fast in der Manier eines Mittelstrecklers gewann Patrick Makau Musyoki den Berliner Halbmarathon. In einem dramatischen Sprint-Finish setzte sich der 23-jährige Kenianer in sekundengenau 60 Minuten gegen Eshetu Wondimu durch. Der Äthiopier wurde in 60:01 Zweiter. Siegerin Peninah Arusei erzielte mit 68:22 Minuten die drittschnellste Zeit des Jahres und die drittschnellste Zeit in der Geschichte des Rennens. Einmal mehr bestätigte der Berliner Halbmarathon seine Position als eines der größten und hochkarätigsten Rennen weltweit über die genau 21,0975 km lange Strecke. Alle Wettbewerbe zusammengerechnet, hatten 24.551 Athleten aus 86 Nationen gemeldet – darunter waren 20.660 Läufer über die ,halbe Distanz’. Über 150.000 Zuschauer säumten die Strecke trotz des kühlen Wetters.
„Wir wollten schneller laufen, aber es war zu kalt. Aber ich will nächstes Jahr wieder kommen, um meinen Kursrekord zu brechen“, sagte Patrick Makau Musyoki, der dennoch die siebtbeste Zeit des Jahres und das siebtschnellste Ergebnis in der Geschichte des Rennens erreichte. Vor einem Jahr hatte Patrick Makau Musyoki mit 58:56 Minuten einen Kursrekord und damit die viertschnellste Zeit aller Zeiten erreicht. Dieses Mal deuteten schon die ersten Zwischenzeiten darauf hin, dass der Rekord nicht fallen würde. Nach 14:07 beziehungsweise 28:22 Minuten hatte die Spitzengruppe die Km-Punkte 5 und 10 erreicht. Nach 10 km war das Rennen damit schon fast eine Minute langsamer als 2007, was allerdings auch daran lag, dass der Tempomacher keine Rolle spielte. Schon nach wenigen Kilometern lief Charles Ngolepus (Kenia) nicht mehr in der Spitzengruppe.
42:48 und 57:00 wurden dann bei 15 und 20 km für die Spitzengruppe gestoppt, die noch gut einen Kilometer vor dem Ziel aus vier Läufern bestand. Neben Musyoki und Wondimu waren dies der am Ende drittplatzierte Elijah Keitany (Kenia/60:10) und William Todoo (Kenia), der schließlich Vierter wurde in 60:12. Erst auf den letzten Metern löste sich Makau Musyoki von Eshetu Wondimu, der vor einem Jahr in 60:08 Minuten bereits Vierter war in Berlin. Fünf Läufer blieben heute unter 61 Minuten. Deutsche Topathleten waren bei den Männern nicht am Start. Schnellster Deutscher war Rico Schwarz (ASV Erfurt) in 67:15 auf Rang 19.
Das kühle Wetter verhinderte auch bei den Frauen eine noch schnellere Zeit. „Bei wärmerem Wetter hätte ich noch schneller laufen können“, erklärte Peninah Arusei, die ihre Bestzeit um gut eine Minute steigerte. Für ihren Sieg erhielt sie ebenso wie Patrick Makau Musyoki 2.500 Euro. „Ich habe mich anfangs umgeschaut und war dann zuversichtlich, dass ich gewinnen würde“, kommentierte Arusei ihr Solorennen, das sie vor Pauline Wangui (Kenia/69:51) und der früheren Kenianerin Isabellah Andersson (Schweden/71:24) gewann.
Lange Zeit sah es sogar so aus als ob Peninah Arusei die Jahresweltbestzeit ihrer Landsfrau Philes Ongori (67:57 Minuten in Marugame/JPN) unterbieten könnte. Nach 31:56 Minuten hatte sie die 10-km-Marke erreicht, nach 48:12 war sie bei 15 km. Doch auf den letzten Kilometern verlor Peninah Arusei etwas an Fahrt und verpasste die Marke somit um 25 Sekunden.
Claudia Dreher (LG Ihleläufer Burg), die einzige deutsche Topläuferin im Feld, musste sich aufgrund von Magenproblemen übergeben und gab das Rennen bei Kilometer 18 auf. Beste Deutsche war Sandra Boitz (SC DHfK Leipzig) auf Rang 13 in 1:21:39.
Ergebnisse, Männer:
| 1. Patrick Makau Musyoki | KEN | 60:00 |
| 2. Eshetu Wondimu | ETH | 60:01 |
| 3. Elijah Keitany | KEN | 60:10 |
| 4. William Todoo | KEN | 60:12 |
| 5. Joseph Maregu | KEN | 60:48 |
| 6. Wilson Kipsang | KEN | 61:03 |
Frauen:
| 1. Peninah Arusei | KEN | 68:22 |
| 2. Pauline Wangui | KEN | 69:51 |
| 3. Isabellah Andersson | SWE | 71:24 |
| 4. Dulce Maria Rodriguez | MEX | 71:25 |
| 5. Milka Jerotich | KEN | 72:18 |
| 6. Beatrice Omwanza | KEN | 72:40 |
Paris Marathon mit 30.000 Läufern, zwölf rennen unter 2:10
Spitzen- als auch breitensportlich hochklassig war der Paris-Marathon. Bei dem ersten der großen April-Marathonrennen gingen knapp 30.000 Läufer an den Start. Dabei produzierte das Männerrennen die besten Resultate: Gleich zwölf Läufer blieben beim Paris-Marathon unter 2:10 Stunden. Dabei siegte Tsegaye Kebede (Äthiopien) in seinem zweiten Marathon in der Weltklassezeit von 2:06:40 nach einem spannenden Zweikampf mit Moses Arusei. Der Kenianer war nach 2:06:50 im Ziel. Die Zeit von Kebede ist die zweitschnellste des Jahres bisher. Lediglich Haile Gebrselassie (Äthiopien) lief bei seinem Sieg in Dubai in 2:04:53 Stunden im Januar schneller.
Nach 63:40 Minuten hatte die Spitzengruppe die Halbmarathonmarke passiert, so dass die beiden Erstplatzierten die zweite Hälfte schneller rannten als die erste. Auch der drittplatzierte Josea Rotich (Kenia/2:07:24) und der folgende Äthiopier Gudisa Shentema (2:07:34) erzielten noch Weltklassezeiten.
Bei den Frauen musste sich die favorisierte Äthiopierin Worknesh Tola, die mit einer Bestzeit von 2:25:42 Stunden nach Paris gereist war, der Kenianerin Martha Komu geschlagen geben. Die Außenseiterin hatte sich in der Schlussphase des Rennens von Tola abgesetzt. Dennoch blieb es spannend bis zum Schluss, denn nur vier Sekunden trennten die Siegerin von der Zweitplatzierten. Komu gewann in 2:25:33, Tola lief 2:25:37. Lenah Cheruiyot (Kenia) lief als Dritte 2:26:00. „Ich danke Gott für alles, was er mir heute gegeben hat“, kommentierte Martha Komu ihren Überraschungscoup gegenüber der Internetseite www.iaaf.org. Die Kenianerin hatte ihre Bestzeit um sieben Minuten gesteigert.
Ergebnisse, Männer:
| 1. Tsegaye Kebede | ETH | 2:06:40 |
| 2. Moses Kimeli Arusei | KEN | 2:06:50 |
| 3. Josea Rotich | KEN | 2:07:24 |
| 4. Gudisa Shentema | ETH | 2:07:34 |
| 5. David Kemboi | ETH | 2:08:34 |
| 6. Abraham Chelanga | KEN | 2:08:56 |
Frauen:
| 1. Martha Komu | KEN | 2:25:33 |
| 2. Worknesh Tola | ETH | 2:25:37 |
| 3. Lenah Cheruiyot | KEN | 2:26:00 |
| 4. Shitaye Gemeshu | ETH | 2:26:10 |
| 5. Alice Timbilil | KEN | 2:26:45 |
| 6. Tanya Filonyul | UKR | 2:28:40 |
50.000 Läufer beim Stramilano
Traditionell zu den größten und hochklassigsten Läufen der Welt gehört der Stramilano. Bei dem 12-km-Rennen für die breite Masse und dem mit zahlreichen Topathleten gespickten Halbmarathonrennen gingen am Sonntag 50.000 Athleten an den Start. Beim Stramilano, bei dem in den 90er Jahren die Kenianer Moses Tanui und Paul Tergat Weltrekorde über die 21,0975 km aufgestellt hatten, versagten dieses Mal jedoch die Tempomacher. Daher waren die Siegzeiten in Mailand nicht so schnell wie üblich. Am Ende gewann der Kenianer Philemon Kisang Kipchumba in 62:14 Minuten vor Wilson Businei (Uganda/62:18) und John Korir Cheruiyot (Kenia/62:24). Der Sieger Kipchumba wird nun beim Wien-Marathon am 27. April an den Start gehen, während die schnellste Frau des Stramilano, Maria Zeferina Baldaia, den Hamburg-Marathon am gleichen Tag rennen wird. Die Brasilianerin war in 1:13:50 Stunden deutlich vor Hafida Gadi Richard (Frankreich/1:14:21) und Ornella Ferrara (Italien/1:15:00) im Ziel.
Äthiopier Zewdie knapp vor Farah in Carlsbad

Vivian Cheruiyot triumphierte in Carlsbad. © www.photorun.net
Ein dramatisches Finish gab es im Männerrennen des 5-km-Laufes von Carlsbad (Kalifornien). Der Äthiopier Terefe Maregu Zewdie siegte in 13:34 Minuten mit nur einer Sekunde Vorsprung vor dem Briten Mo Farah. Eine weitere Sekunde zurück folgten in 13:36 Minuten gleich drei Läufer: Haron Lagat (Kenia) wurde Dritter, Collis Birmingham (Australien) und Josphat Boit (Kenia) belegten die nächsten Plätze. Es war nicht der Tag der US-Hoffnung Alan Webb. Der Amerikaner gab das Rennen knapp einen Kilometer vor dem Ziel entkräftet auf.
Bei den Frauen gab es einen Dreifach-Erfolg für die Kenianerinnen: Vivian Cheruiyot, die WM-Zweite von Osaka 2007 über 5.000 m, siegte in 15:14 Minuten vor Rose Kosgei (15:21) und Genoveva Kigen (15:41). Vierte wurde US-Läuferin Sara Slattery mit 15:59. Vor acht Jahren hatte der Kenianer Sammy Kipketer in Carlsbad den noch aktuellen Weltrekord von 13:00 Minuten aufgestellt.
Chebii und Changeywo siegen beim Great Ireland Run
Hochkarätig besetzt war auch der Great Ireland Run in Dublin. Bei dem 10-km-Lauf gewann der frühere Weltklasse-Bahnlangstreckler Abraham Chebii. Der Kenianer lief 28:48 Minuten und war vor Abdullah Ahmad Hassan (Katar/28:51) im Ziel. „Ich hatte während des ganzen Rennens zu kämpfen, um zu gewinnen. Auf den letzten 300 Metern bin ich gesprintet“, sagte Abraham Chebii, der dieses Rennen bereits vor einem Jahr gewonnen hatte. Dritter wurde der Cross-Europameister Sergey Lebid (Ukraine/28:59).
Bei den Frauen musste sich Jo Pavey der Kenianerin Doris Changeywo geschlagen geben, die in 32:15 Minuten gewann. Die Britin war auf dem hügeligen Kurs sieben Sekunden später im Ziel. Dritte wurde Aniko Kalovics (Ungarn) in 32:45 Minuten. „Doris war in sehr guter Form, aber mein Resultat zeigt mir, dass ich für den Sommer auf dem richtigen Weg bin“, erklärte Jo Pavey. Auf Rang sieben lief Benita Johnson in 33:36. Die Australierin gab bekannt, dass sie auf den geplanten Start beim London-Marathon am nächsten Sonntag aufgrund eines Trainingsrückstandes verzichtet.
Sri Lanka-Marathon von Bombenattentat überschattet
Ein Wochenende mit vielen großen internationalen Rennen, bei denen Topläufer, Breitensportler und Zuschauer in stimmungsvoller Atmosphäre den Erfolg des Laufsports dokumentierten, erlebte eine schwarze Stunde: Beim Sri Lanka-Marathon starben 13 Menschen bei einem Bombenanschlag unmittelbar vor dem Start des Rennens. Über 90 Läufer wurden verletzt. Die Bombe explodierte als ein Minister der Regierung den Startpunkt erreichte, um das Startsignal zu geben. Der Minister starb ebenso wie ein Nationaltrainer und der Läufer Kuruppe A. Karunaratne, der bei Olympia 1992 in Barcelona im Marathon gelaufen ist. Karunaratne war auch bei der WM 1993 in Stuttgart am Start. 1991 hatte er bei den Südasien-Spielen die 10.000 m und den Marathon gewonnen.