
Gulnara Galkina-Samitova jubelt über Gold und die erste Zeit unter neun Minuten. © www.photorun.net

Pamela Jelimo (links) und Janeth Jepkosgei schrieben über 800 m Sportgeschichte für Kenia. © www.photorun.net
Ein Youngster und ein Routinier gewannen bei den Olympischen Spielen im großen Stil Goldmedaillen an den vergangenen zwei Tagen: Zunächst durchbrach am Sonntag die 30-jährige Russin Gulnara Galkina-Samitova die Neun-Minuten-Barriere im 3.000-m-Hindernislauf, dann rannte einen Tag später die zwölf Jahre jüngere Pamela Jelimo zum 800-m-Sieg in Afrikarekordzeit und Juniorinnen-Weltrekord.
Als erste unter neun Minuten zu laufen, das war das große Ziel von Gulnara Galkina-Samitova, die daran bereits Anfang Juni in Oslo gescheitert war. Nun schaffte sie es bei den Olympischen Spielen auch ohne Tempomacherin. Nach 8:58,81 Minuten war die Russin im Ziel – fast neun Sekunden vor der zweitplatzierten Kenianerin Eunice Jepkorir. Noch mehr Leichtathletik-Geschichte schrieb Gulnara Galkina-Samitova in Peking, denn sie wurde zur ersten Hindernis-Olympiasiegerin in der Historie der Spiele. Die für Frauen noch relativ neue Disziplin stand bisher nicht auf dem olympischen Programm.
Vor vier Jahren war Gulnara Galkina-Samitova trotzdem bei Olympia am Start: In Athen wurde sie über 5.000 m Sechste. Schon ein Jahr vorher, 2003, war sie zum ersten Mal über die Hindernisse gelaufen. In jener Saison erreichte sie bereits 9:08,33 Minuten. Vor allem ein Trainerwechsel sei der Grund für ihre Verbesserung auf unter neun Minuten, erklärte Gulnara Galkina-Samitova, die vor einem Jahr in Osaka bei der WM mit dem schwül-heißen Wetter nicht zurecht gekommen war und als Weltrekordlerin (damals: 9:01,59) nur Rang sieben belegt hatte. Am Sonntagabend in Peking war es dagegen kühl, das half bei der Rekordjagd. Trainiert wird Gulnara Galkina-Samitova, die mit dem 400-m-Läufer Anton Galkin (44,83 Sekunden) verheiratet ist, jetzt vom nationalen Langstreckentrainer Gennady Suvorov. Früher war der 76-jährige Minulla Chinkin ihr Coach.
Wenige Stunden vor dem Finale erhielt Gulnara Galkina-Samitova einen Glücksbringer. Als sie nachmittags mit ihrem Trainer einen Kaffee trinken ging, trafen sie Valeriy Borchin, den Olympiasieger über 20 km Gehen. „Er schenkte mir den Blumenstrauß, den er bei der Siegerehrung erhalten hatte. Mein Trainer sagte, wenn ich die Blumen annehme, werde ich gewinnen“, erzählte Gulnara Galkina-Samitova. „Ich werde sie weiter verschenken. Die Blumen sollen noch anderen Mitgliedern unseres Teams Glück bringen.“
Pamela Jelimo sorgte in dieser Saison bereits vor Olympia für viel Aufsehen. Die frühere 400-m-Läuferin eroberte die 800-m-Distanz im Sturm. Erst 18 Jahre alt, hat sie alle ihre Rennen über die zwei Stadionrunden gewonnen. Das olympische Finale war erst 800-m-Lauf Nummer elf in ihrer Karriere. Nachdem ihre Freundin und Trainingspartnerin Janeth Jepkosgei (Kenia), die 800-m-Weltmeisterin von Osaka, in der ersten Runde des Finales von Peking für das Tempo gesorgt hatte, ging Pamela Jelimo an die Spitze und siegte schließlich in 1:54,87 Minuten vor ihrer Landsfrau – damit hatte sie zum vierten Mal in diesem Jahr einen Juniorinnen-Weltrekord aufgestellt und zum dritten Mal einen Afrika-Rekord.
Doch noch mehr erreichte auch Pamela Jelimo in China: Sie ist die erste kenianische Frau, die über eine Mittelstrecke eine olympische Medaille gewonnen hat. Im vergangenen Jahr hatte Janeth Jepkosgei die erste 800-m-Medaille bei einer WM für Kenias Frauen gewonnen. Für Pamela Jelimo ist sogar der 25 Jahre alte Weltrekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova, die 1983 in München 1:53,28 Minuten gelaufen ist, in Reichweite – das zeigte das olympische Finale ohne Tempomacherinnen einmal mehr.
Pamela Jelimo wurde einst von ihrer Mutter inspiriert, mit der Leichtathletik zu beginnen. Sie war bis zum letzten Jahr jedoch eine 200- und 400-m-Läuferin. Doch von der Weltspitze war sie damals weit entfernt. Es war dann unter anderen Janeth Jepkosgei, die sie überzeugte, sich über 800 m zu versuchen. „Das war nicht leicht, mich zu überreden. Und ich musste dann sehr viel trainieren, um besser zu werden.“ Als Pamela Jelimo dann jedoch überraschend Afrika-Meisterin wurde und dabei die legendäre Maria Mutola (Mozambique) schlug, die in Peking Fünfte wurde, stand für sie fest: die 800 m sind ihre Strecke.