
Meseret Defar © www.photorun.net
Meseret Defar krönte das 31. Memorial van Damme Golden-League-Meeting in Brüssel mit einer Weltbestzeit über die Zwei-Meilen-Distanz. Vor 47.000 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Arena rannte die 23-jährige Äthiopierin 8:58,58 Minuten, die erste Zeit unter neun Minuten einer Frau. Es war bereits die vierte Weltbestzeit von Meseret Defar in diesem Jahr nach den 3.000 m in der Halle, einem weiteren Zwei-Meilen-Rennen und den 5.000 m von Oslo.
Die Distanz von gut 3,2 km wird selten gelaufen und gehört auch nicht zu irgendeinem offiziellen Meisterschaftswettbewerb. Daher werden über die 2 Meilen keine offiziellen Weltrekorde geführt sondern nur Weltbestzeiten. Der starken Leistung von Meseret Defar tut dies jedoch keinen Abbruch. Sie verbesserte ihren eigenen Weltrekord, den sie im Frühjahr in Carson (USA) mit 9:10,47 Minuten aufgestellt hatte, gleich um fast zwölf Sekunden. Noch deutlicher wird der Wert der Leistung, wenn man die offiziell genommene Zwischenzeit bei 3.000 Metern sieht: Diese Marke passierte Meseret Defar nämlich in 8:24,51 Minuten. Damit nahm sie nicht nur Berhane Adere den äthiopischen Rekord ab und stellte eine zweite Jahresweltbestzeit in einem Rennen auf sondern wurde zur zwölftschnellsten 3.000-m-Läuferin aller Zeiten.
„Ich wollte eigentlich 8:55 Minuten laufen“, erklärte Meseret Defar und fügte hinzu: „Aber 8:57 sind auch nicht schlecht!“ Die Russin Olga Komyagina hatte für Meseret Defar das Tempo gemacht, aber nur rund die Hälfte der Distanz durchgehalten. Danach war die Weltmeisterin über 5.000 Meter von Osaka auf sich alleine gestellt. Das Tempo noch verschärfend, passierte sie die erste Meile in 4:33,07 und schaffte dann noch eine Zeit unter neun Minuten. Mit 9:14,09 Minuten lief die zweitplatzierte Kenianerin Priscah Ngetich einen nationalen Rekord. Dritte wurde ihre Landsfrau Silvia Kibet in 9:16,62.
Im nächsten Jahr will Meseret Defar nicht nur Olympiasiegerin über 5.000 Meter werden sondern sich auch über 10.000 Meter versuchen. „In Peking werde ich die 10.000 Meter nicht rennen, aber ich will 2008 versuchen, den Weltrekord über diese Strecke zu brechen.“ Diese Bestmarke ist eine jener Rekorde, die die Chinesinnen 1993 aufstellten. Wang Junxia rannte damals 29:31,78 Minuten. Eine Zeit, die völlig außer Reichweite war für die Konkurrenz. 2002 bei der EM in München kam Paula Radcliffe (Großbritannien) mit 30:01,09 Minuten etwas dichter heran an die chinesische Wunderzeit. Im nächsten Jahr darf man gespannt sein, ob Meseret Defar tatsächlich die Lücke schließen kann. Angesichts ihrer 5.000-m-Bestzeit scheint dies tatsächlich möglich – sofern sie entsprechende Tempomacherinnen findet.
Bekele verpasst Weltrekord
Das zweite Weltrekordunternehmen von Brüssel scheiterte. „Ich fühle mich besser in Form als in den letzten beiden Jahren“, hatte Kenenisa Bekele erklärt, bevor er seinen eigenen, vor zwei Jahren in Brüssel aufgestellten 10.000-m-Weltrekord (26:17,53 Minuten) angriff. Doch das Problem, auf das der Meeting-Direktor Wilfried Meert noch bei der Pressekonferenz am Vortag hingewiesen hatte, sind bei derartigen Weltrekordjagden die Tempomacher. „Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der alleine vorneweg läuft und die ersten 5.000 Meter in 13:08 Minuten schafft“, erklärte Meert, während der 10.000-m-Weltmeister von Osaka, Bekele, sagte: „Es ist schwierig, über 25 Runden die Konzentration zu behalten, wenn man auch darauf achten muss, dass der Tempomacher schnell genug läuft.“ Genau das war das Problem. Bei idealen Wetterbedingungen verließ der letzte der Hasen, Abreham Cherkos Feleke (Äthiopien), schon nach 3.800 Metern die Bahn. Davor sah es so aus, als würde Kenenisa Bekele seinen Landsmann regelrecht antreiben.
Auf sich alleine gestellt, passierte der Weltrekordler nach 13:13,76 Minuten die 5.000-m-Marke. In der Folge geriet die Bestmarke immer weiter außer Reichweite, jedoch wurde das Rennen plötzlich spannend. Denn der Kenianer Moses Masai hatte Kenenisa Bekele eine Runde vor Schluss fast eingeholt. Aufgescheucht legte der Olympiasieger dann noch einmal zu und gewann am Ende in der Jahresweltbestzeit von 26:46,19 Minuten – diese Zeit steht in der Liste der besten Ergebnisse aller Zeiten immerhin an Position 21. Moses Masai wurde Zweiter in 26:49,20, sein Landsmann Micah Kogo Dritter mit 26:58,42.
Nur Mutai schneller als Cheruiyot in Lissabon
Robert Cheruiyot ist offenbar auf dem besten Weg, den Jackpot der World Marathon Majors (WMM) zu knacken. Der Kenianer führt in der zweijährigen Wertung deutlich und kann sich bei seinem Start beim Chicago-Marathon am 7. Oktober eine halbe Million Dollar sichern. Am Sonntag lief er eine gute Generalprobe beim Lissabon-Halbmarathon.
Bei warmem Wetter mit Temperaturen von rund 25 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit starteten in Lissabon auf einer neuen Strecke insgesamt 14.000 Läufer – 3.000 von ihnen im Halbmarathon. Dabei sah es im Männerrennen nach einem Zweikampf um den Sieg zwischen Robert Cheruiyot und dem zweifachen Marathon-Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko) aus. Doch auf dem letzten Kilometer lief überraschend Emmanuel Mutai (Kenia) an den beiden vorbei und siegte in 61:54 Minuten vor Cheruiyot (62:01) und Gharib (62:05).
Bei den Frauen hatte die Äthiopierin Bizunesh Bekele von Beginn an die Initiative übernommen. Sie lief praktisch zu seinem Start-Ziel-Sieg in 70:20 Minuten vor den beiden Kenianerinnen Salina Kosgei (71:08) und Mary Ptikany (71:37).
Defar gewinnt auch in London
Weniger als 48 Stunden nach ihrem Weltrekord über Zwei Meilen in Brüssel stand Meseret Defar in London an der Startlinie des 5-km-Frauenlaufes. Und auch auf der Straße war die Äthiopierin für ihre Konkurrentinnen nicht zu schlagen. Nach 15:08 Minuten war Meseret Defar im Ziel. In Vorbereitung auf den Chicago-Marathon lief Benita Johnson (Australien) als Zweite 15:28. In einem Spurtduell hatte sie Jo Pavey (Großbritannien) um eine Sekunde hinter sich gelassen.
Erfolg für KIMbia in Philadelphia
In Philadelphia fand ebenfalls am Sonntag der 30. Philadelphia Distance Run statt. Bei dem Halbmarathon erreichte die Rekordzahl von über 11.500 Läufern das Ziel. Dabei waren sowohl bei den Männern als auch den Frauen die Kenianer am schnellsten. Und in der Spitzengruppe dabei waren auch Athleten von KIMbia.
Der Kenianer Julius Kibet siegte in 62:02 Minuten und sicherte sich eine Siegprämie von 8.000 Dollar. Der frühere Bahn-Weltklasseläufer Tom Nyariki, der zur KIMbia-Gruppe gehört, wurde mit nur zwei Sekunden Rückstand Zweiter. „Nyariki hat einen sehr starken Endspurt“, erklärte Kibet, dass es schwer war, den KIMbia-Läufer zu besiegen. Eine weitere Sekunde zurück lag KIMbias John Yuda (Tansania).
Hochklassiger war im Vergleich die Siegzeit bei den Frauen. Hier sicherte sich Pamela Chepchumba die 8.000-Dollar-Prämie in 68:45. Auf den Plätzen folgten ihre Landsfrauen Alice Timbilili (68:54) und Edna Kiplagat (70:11), die ebenfalls zum KIMbia-Team gehört.
KIMbias Ndirangu siegt in Providence
Einen Sieger stellte KIMbia beim 5-km-Rennen in Providence. In einem knappen Zieleinlauf waren die ersten sieben Läufer nur acht Sekunden voneinander getrennt. Simon Ndirangu gewann das Rennen in flotten 13:46 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung vor seinem kenianischen Landsmann Richard Kiplagat. Dritter wurde Dan Browne (USA), der zugleich die in das Rennen integrierten 5-km-US-Meisterschaften für sich entschied. Er lief 13:48 Minuten.
Bei den Frauen war die Siegerin auch zugleich die US-Meisterin: Shalane Flanagan, die bei der WM in Osaka mit Platz acht im 5.000-m-Finale überzeugt hatte, rannte mit deutlichem Vorsprung nach 15:26 Minuten ins Ziel Zweite wurde Sara Slattery (USA/15:42), Rang drei belegte Meskerem Legesse (Äthiopien/15:45).