In einer sizilianischen Kleinstadt im Südwesten der Insel findet einmal im Jahr ein hochkarätiges 10-Kilometer-Rennen statt. Bei warmen Sommertemperaturen waren es drei starke Halbmarathon- und Marathonläufer, die das Rennen in Scicli bestimmten. Am Ende siegte Martin Lel, der bereits den New-York-City-Marathon und den London-Marathon gewonnen hat. Der Kenianer lief 28:45 Minuten und war deutlich vor Robert Kipkoech Cheruiyot (Kenia/29:24) und Hassan Mubarek Shami (Katar/29:42) im Ziel. Shami ist der Vize-Weltmeister über die Halbmarathondistanz.
Während Haile Gebrselassie (Äthiopien) aufgrund einer Notlandung seines Fluges (siehe weiter unten) nicht an den Start gehen konnte, erklärte Martin Lel nach dem Rennen, dass er Gebrselassies Halbmarathon-Weltrekord von 58:55 Minuten in Rotterdam angreifen möchte. „Danach möchte ich den New-York-Marathon gewinnen”, erklärte der Kenianer.
Beim letzten Leichtathletik-Meeting vor dem Abriss des traditionsreichen Züricher Letzigrundes verpasste Saif Saaeed Shaheen (Katar) den angestrebten Weltrekord über 3.000-Meter-Hindernis. Überlegen gewann der frühere Kenianer jedoch in der Meeting-Rekordzeit von 7:56,54 Minuten. Über die 5.000 m gab es jeweils äthiopische Sieger: Tirunesh Dibaba gewann in 14:45,73 Minuten während Kenenisa Bekele eine Jahresweltbestzeit von 12:48,25 aufstellte.
Zwei Tage später sorgte der für KIMbia startende Abraham Chebii (Kenia) in Monte Carlo für den Höhepunkt in den Laufwettbewerben. Er gewann die 3.000 m in der persönlichen Bestzeit von 7:33,42 Minuten.
Haile Gebrselassie: „Ich werde in Berlin rennen so schnell es geht”
„Ich werde rennen so schnell es geht, aber ich kann nicht sagen, welche Zeit möglich sein wird”, sagte Haile Gebrselassie im Rahmen einer Pressekonferenz des Berlin-Marathons, bei dem er am 24. September neben 40.000 Läufern an den Start gehen wird. Das Wort ,Weltrekord’ nahm der 33-jährige Ausnahmeläufer aus Äthiopien bewusst nicht in den Mund, schließlich hat er diese Marke bei seinen drei bisherigen Rennen über die klassischen 42,195 Kilometer jeweils verpasst.
Den Weltrekord hält sein kenianischer Rivale Paul Tergat, der 2003 den Berlin-Marathon in 2:04:55 Stunden gewonnen hatte. Dass Haile Gebrselassie sich jedoch das Rennen in Berlin ausgesucht hat, ist kein Zufall. „Ich weiß natürlich, dass Berlin eine flache Strecke hat, auf der sehr schnelle Zeiten möglich sind”, erklärte der zweifache 10.000-Meter-Olympiasieger (1996 und 2000), der in seiner Karriere 21 Weltrekorde aufstellte. Sein letzter Rekord, den er Anfang März über 25 km aufstellte (1:11:37 Stunden), ist allerdings noch nicht offiziell anerkannt.
Die Anreise nach Berlin war abenteuerlich für Haile Gebrselassie. Eigentlich hätte er auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt in Sizilien am Samstagabend ein Rennen über 10 km laufen sollen. Doch dort kam der vierfache 10.000-m-Weltmeister nie an. „Das Problem war, dass kurz vor dem Abflug ein Hase ins Triebwerk geraten war. Es roch unterwegs, aber wir dachten, das Essen wird vorbereitet. Nachdem wir schon 1:40 Stunden geflogen waren, entschied der Kapitän, dass wir zurück müssen und bereitete ein Notlandung vor”, erzählte Haile Gebrselassie, der daraufhin die Anschlussflüge nach Italien verpasst hatte.
„Es ist schade, dass ich die 10 km nicht rennen konnte, aber es ist nicht entscheidend für meine Marathonvorbereitung. Und das einzige wirklich wichtige Rennen ist der Berlin-Marathon für mich”, sagte Haile Gebrselassie, der dann eigens für die Pressekonferenz nach Deutschland reiste. Die Marathon-Bestzeit des Äthiopiers steht zurzeit bei 2:06:20 Stunden, mit denen er vor einem Jahr den Amsterdam-Marathon gewonnen hatte. Seine anderen beiden Marathonläufe lief er, abgesehen von einem Rennen als 15-Jähriger in 2:48, in London: 2002 wurde er Dritter in 2:06:35, in diesem Jahr Neunter mit 2:09:05. „Das war in London in diesem Jahr einfach nicht mein Tag”, erklärte Haile Gebrselassie, der in Amsterdam vor einem Jahr gesagt hatte: „Ich weiß, dass ich den Marathon-Weltrekord brechen kann – ich weiß nur nicht, wann das passieren wird.”
„Ich habe nach drei Rennen inzwischen ein besseres Feeling für den Marathon bekommen”, sagte Haile Gebrselassie, der in Berlin auf den zweitschnellsten Marathonläufer aller Zeiten treffen wird, Sammy Korir (Kenia/2:04:56). „Das ist gut für das Publikum, denn es gibt ein spannendes Rennen – es ist weniger gut für mich. Ich hoffe aber, dass Sammy gut trainiert hat, ich werde in Topform sein.”
Befragt zu den aktuellen Dopingfällen in der Leichtathletik, erklärte Haile Gebrselassie: „Es ist wichtig, dass die Schuldigen gefunden werden, damit die sauberen Athleten geschützt werden.” Diese Nachrichten seien nicht schön für den Sport, aber zugleich sei es wichtig, die Betrüger zu überführen.
An ein Karriereende denkt Haile Gebrselassie, der in Stuttgart bei der WM 1993 seinen ersten großen Titel über 10.000 m gewonnen hatte, noch lange nicht. „So lange ich im Training immer der schnellste bin, gibt es keinen Grund ans Aufhören zu denken. Ich habe mir keinen Zeitpunkt gesetzt. Aber Olympia 2008 steht auf jeden Fall auf dem Plan.”