Langat und Hahn in Düsseldorf vorne, Pollmächer überzeugt

David Langat löst sich in der Schlussphase des Rennens von Wilfred Kigen. © www.photorun.net

David Langat löst sich in der Schlussphase des Rennens von Wilfred Kigen. © www.photorun.net

David Langat, Susanne Hahn und André Pollmächer sorgten für die Höhepunkte beim Metro Group Marathon Düsseldorf. Während Langat in 2:10:46 Stunden gewann und die zweitbeste je in dieser Veranstaltung erzielte Zeit erreichte, sorgte André Pollmächer für ein Highlight aus deutscher Sicht: Als Dritter steigerte sich der 26-jährige Läufer des LAC Chemnitz auf 2:13:09 Stunden und erzielte die schnellste Zeit eines deutschen Marathonläufers seit neun Jahren! Damals war Michael Fietz 2:11:25 Stunden gelaufen. Das Frauenrennen gewann Susanne Hahn (SV schlau.com Saarbrücken) souverän in persönlicher Bestzeit von 2:29:26. Alle Wettbewerbe zusammengezählt verzeichnete der Metro Group Marathon Düsseldorf rund 10.000 Anmeldungen aus über 65 Nationen. Etwa 400.000 Zuschauer säumten die Strecke bei guten Wetterbedingungen mit Temperaturen von rund 15° Celsius.

Der 29-jährige David Langat war ursprünglich nur als Tempomacher verpflichtet worden, hatte aber angekündigt, dass er durchlaufen wollte. „Ich habe mich am Abend vor dem Rennen endgültig entschlossen, nicht auszusteigen, da ich gut in Form war und die Wettervorhersage günstig war”, erklärte Langat, der in Düsseldorf eine Prämie von 10.000 Euro verdiente. Der Kenianer, der erstmals einen großen Marathon gewann, jedoch in Paris 2006 als Fünfter bereits 2:08:58 Stunden gelaufen war, verwies den favorisierten Wilfred Kigen (Kenia/2:11:30) auf Rang zwei. Kigen erlitt bei Kilometer 36 eine leichte Verletzung der Wadenmuskulatur und konnte das Tempo nicht mehr halten. Dadurch geriet auch der avisierte Streckenrekord von 2:09:47 Stunden außer Reichweite. Bei der Halbmarathonmarke hatten die Kenianer mit einer Durchgangszeit von 63:57 Minuten noch sehr gut im Rennen für eine Kursbestzeit gelegen.

André Pollmächer läuft die beste Zeit eines deutschen Marathonläufers seit neun Jahren. © www.photorun.net

André Pollmächer läuft die beste Zeit eines deutschen Marathonläufers seit neun Jahren. © www.photorun.net

Einen starken dritten Platz in persönlicher Bestzeit von 2:13:09 Stunden belegte André Pollmächer (LAC Chemnitz). „Ich habe mich gut gefühlt und noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt. Ich will mich weiter verbessern. Das große Ziel ist in diesem Jahr natürlich der WM-Marathon in Berlin”, erklärte André Pollmächer, der in Düsseldorf seinen zweiten Marathon lief. In Frankfurt war er vor gut einem halben Jahr 2:14:18 Stunden gelaufen. Bezüglich des WM-Marathons sagte Pollmächer: „Dort wird es natürlich ein anderes Rennen geben, denn der Kampf Mann gegen Mann steht im Vordergrund und nicht die Zeit.”

Beim WM-Marathon in Berlin, bei dem es auch eine Weltcup-Team-Wertung geben wird, könnten sich die besten drei deutschen Männer als Mannschaft so gut platzieren wie schon lange nicht mehr. Denn zumindest zwei weitere Läufer bewegen sich in einem ähnlichen Niveau wie André Pollmächer. Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) lief in Düsseldorf als Sechster ebenfalls erstmals unter 2:14 Stunden (2:13:42). Etwas Pech hatte Falk Cierpinski (SG Spergau), der das Ziel am Rheinufer nach muskulären Problemen auf Rang acht in 2:17:12 erreichte. Doch der 30-jährige Sohn des Doppel-Olympiasiegers im Marathon von 1976 und ’80, Waldemar Cierpinski, hatte sich im vergangenen Jahr bereits auf 2:13:30 Stunden gesteigert. „Ich konnte im Vorfeld des Düsseldorf-Marathons mehrere Wochen aufgrund einer Hüftverletzung nicht richtig trainieren, deswegen bekam ich heute Probleme. Ansonsten hätte ich heute wohl auch eine Bestzeit laufen können”, sagte Falk Cierpinski. Alle drei deutschen Läufer waren lange Zeit in einer größeren, zweiten Gruppe gelaufen und hatten die Halbmarathonmarke nach 66:07 Minuten erreicht. Cierpinski fiel dann als erster zurück, Pollmächer löste sich nach der 35-Kilometer-Marke entscheidend von den verbliebenen Konkurrenten. Der 26-Jährige verfügt über die mit Abstand beste Grundschnelligkeit der deutschen Marathonläufer.

Susanne Hahn gewinnt mit Bestzeit am Rheinufer. © www.photorun.net

Susanne Hahn gewinnt mit Bestzeit am Rheinufer. © www.photorun.net

Während im Frauenrennen Titelverteidigerin Melanie Kraus (Bayer Leverkusen) bereits kurz nach der 5-km-Marke aufgrund einer Muskelzerrung im Oberschenkel aufgeben musste, dominierte Susanne Hahn den Lauf und gewann mit großem Vorsprung in 2:29:26 vor der Debütantin Melanie Schulz (LC Erfurt/2:42:47) und Sonja Oberem (Rhein Marathon Düsseldorf/2:43:49), die ihre leistungssportliche Karriere bereits beendet hat. „Ich hatte mir mehr vorgenommen, aber ab Kilometer 30 wurde es schwer. Ich bekam kaum noch die Beine hoch”, sagte die 31-jährige Siegerin, die eine Prämie von 7.000 Euro verdiente. Zum zweiten Mal in ihrer Karriere blieb Susanne Hahn unter 2:30 Stunden und unterbot die Norm für die Leichtathletik-WM in Berlin (2:32) deutlich. Dabei hatte sie lange Zeit sogar auf Kurs für eine Zeit um 2:27 Stunden gelegen. Die Halbmarathonmarke hatte sie nach 1:13:24 Stunden erreicht. „Ich weiß nicht, warum ich dann plötzlich derartige Probleme bekam. Das ist wieder einmal eine neue Marathon-Erfahrung. Am Ende war ich froh, dass es noch zur Bestzeit gereicht hat”, erklärte Susanne Hahn.

Deena Kastor und Micah Kogo siegen in Edinburgh

Ein perfektes Comeback bei einem internationalen Straßenlauf in Europa ist Deena Kastor geglückt. Die US-Amerikanerin, die im olympischen Marathon von Peking 2008 nach wenigen Kilometern aufgrund eines Ermüdungsbruches im Fuß hatte aufgeben müssen, gewann das 10-km-Rennen in Edinburgh in 32:38 Minuten mit großem Vorsprung vor Jelena Prokopcuka (Lettland/33:14) und der ehemaligen 10.000-Meter-Weltmeisterin Sally Barsosio (Kenia/33:34). Aufgrund des schwierigen, hügeligen Streckenverlaufes durch Edinburgh können dort keine Weltspitzenzeiten erreicht werden. „Die Strecke war wirklich hart, so etwas hat man sonst eigentlich nur im Crosslauf. Aber ich trainiere zu Hause in Mammoth auf derart profilierten Strecken, daher kam mir das entgegen”, erklärte die 36-jährige Deena Kastor, die sagte, dass ihr immer noch 25 Prozent zur Bestform fehlen. Umso erstaunlicher war, wie die Amerikanerin das Rennen dominierte. Schon nach zwei Kilometern hatte sie die Führung übernommen und fortan ständig ausgebaut.

Schwerer hatte es im Männerrennen Micah Kogo. Der kenianische 10-km-Weltrekordler löste sich nach drei Kilometern von seinem schärfsten Rivalen, Bernard Kipyego (Kenia). Doch der Sieger des Berliner Halbmarathons vor einem Monat blieb Kogo ziemlich dicht auf den Fersen. „Ich konnte mir nie sicher sein, denn eine ganze Weile kam er immer wieder mal dichter heran”, erklärte Micah Kogo, der schließlich in 28:13 Minuten vor seinem Landsmann gewann. Bernard Kipyego war nach 28:27 im Ziel. Rang drei belegte der Spanier José-Manuel Martinez mit deutlichem Abstand in 29:33.

Weltmeisterschaften das nächste Ziel von Irina Mikitenko

Die London-Marathon-Sieger Irina Mikitenko und Sammy Wanjiru dominieren auch die WMM-Serie 2008-2009. © www.photorun.net

Die London-Marathon-Sieger Irina Mikitenko und Sammy Wanjiru dominieren auch die WMM-Serie 2008-2009. © www.photorun.net

Die Weltmeisterschaften in Berlin sind nun das nächste große Ziel von Irina Mikitenko (TV Wattenscheid), die in der Vorwoche den London-Marathon in der Jahresweltbestzeit von 2:22:11 Stunden gewonnen hatte. In ihrer Karriere als Bahn-Langstrecklerin hatte sie bei großen interkontinentalen Meisterschaften – Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen – mehrfach hervorragende Platzierungen erreicht, doch zu einer Medaille hat es nie gereicht für die Läuferin aus Freigericht (Hessen). Das soll sich nun in Berlin ändern. „Bis zu den Weltmeisterschaften bleibt für ein Marathontraining gar nicht so viel Zeit. Ich mache jetzt zwei Wochen Pause, um mich zu erholen und dann beginnt die Vorbereitung für Berlin. Wahrscheinlich wird der WM-Marathon mein nächstes Rennen sein, denn es ist zu wenig Zeit, um weitere Wettkämpfe einzustreuen. Die Trainingsplanung für die WM wird so aussehen wie im vergangenen Jahr. Ich werde wieder in St. Moritz trainieren. Aber ich will versuchen, die Trainingsumfänge noch etwas zu steigern”, sagte Irina Mikitenko, die im vergangenen Jahr das maximale Wochen-Pensum zunächst von 180 auf 200 km erhöht hatte und nun im Vorfeld von London bis zu 220 km gelaufen ist. „Meine größte Angst ist die eventuelle Hitze in Berlin bei der WM, denn ich bin keine Hitzeläuferin. Ganz schlimm ist es im Marathon, wenn die Sonne scheint. Aber ich will trotzdem auch bei der WM gewinnen. Dass ich nach dem London-Sieg die Favoritin bin, behagt mir nicht – aber andererseits habe ich gezeigt, dass ich auch mental stark bin und damit umgehen kann.”

Durch den zweiten Triumph in London ist Irina Mikitenko einem erneuten Sieg in der World Marathon Majors (WMM)-Serie ein großes Stück näher gerückt. Sie hat die Maximalpunktzahl von 75 Zählern aus drei Läufen und ist damit kaum noch einzuholen. Denn die nächstplatzierte Athletin, Dire Tune (Äthiopien), hat bereits 35 Punkte Rückstand. „In der WMM-Serie habe ich jetzt sicher eine sehr gute Position. 35 Punkte Vorsprung noch aufzuholen, wird für die anderen Läuferinnen sehr schwer, zumal ich ja auch noch einen Lauf in die Wertung einbringen kann. Die Chancen stehen ausgezeichnet für mich, aber man soll natürlich niemals nie sagen.” Genauso gut im Rennen liegt im Hinblick auf den Sieg in der Serie 2008-2009 Sammy Wanjiru. Der London-Marathon- und Olympiasieger hat mit 65 Punkten ebenfalls einen Vorsprung von 35 Zählern.

Der WMM-Stand der Serie 2008-2009

Männer:
1. Sammy Wanjiru (KEN) 65 Punkte
2. Deriba Merga (ETH) 30
3. Martin Lel (KEN) 26
4. Marilson Gomes dos Santos (BRA) 25
    Evans Cheruiyot (KEN) 25
    Haile Gebrselassie (ETH) 25
    Robert K. Cheruiyot (KEN) 25
    Daniel Rono (KEN) 25
    Abderrahim Goumri (MAR) 25
    Jaouad Gharib (MAR) 25
    Tsegay Kebede (ETH) 25

Frauen:
1. Irina Mikitenko (GER) 75
2. Dire Tune (ETH) 40
3. Salina Kosgei (KEN) 30
    Alevtina Biktimirova (RUS) 30
    Constantina Dita (ROU) 30
6. Lidiya Grigoryeva (RUS) 25
    Paula Radcliffe (GBR) 25
8. Kara Goucher (USA) 20
    Svetlana Zakharova (RUS) 20