
Salomon Bushendich gewinnt in Amsterdam.© ING Amsterdam-Marathon
Der Amsterdam-Marathon war der Höhepunkt des vergangenen Wochenendes im internationalen Laufsport. Erst auf den letzten Metern wurde im Olympiastadion der holländischen Metropole das Rennen entschieden. Und dabei hatte schließlich ein Debütant die Nase vorne: Solomon Bushendich gewann den 31. Amsterdam-Marathon in 2:08:52 Stunden. Der Kenianer hatte zwei Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Bernard Barmasai. Dritter wurde der Tansanier Getuli Bayo in 2:10:47. Schnellste Frau war bei teilweise windigen Wetterbedingungen Rose Cheruiyot (Kenia) in 2:28:26. Zweite wurde ihre Landsfrau Helena Loshanyang mit 2:28:51, Rang drei belegte Leila Aman (Äthiopien/2:29:32). Für den Amsterdam-Marathon hatten 6.793 Läufer aus 59 Nationen gemeldet. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, beteiligten sich 18.870 Teilnehmer an der Veranstaltung.
„Ich hatte gut für mein Debüt trainiert und war eigentlich auf eine schnellere Zeit vorbereitet. Leider war es etwas windig”, erklärte der Sieger Solomon Bushendich. Der 22-jährige Kenianer war bisher als guter Halbmarathonläufer in Erscheinung getreten und hatte erst im vergangenen Monat seine Bestzeit über diese Distanz auf 60:14 Minuten gesteigert. Damit wurde er Dritter in Rotterdam. „Bei meinem nächsten Marathon ist es mein Ziel, eine Zeit zwischen 2:06 und 2:07 Stunden zu erreichen”, sagte Solomon Bushendich, der sich bis auf die Zielgerade im Olympiastadion einen spannenden Zweikampf mit Bernard Barmasai geliefert hatte.
Der frühere 3000-Meter-Hindernis-Weltrekordler Barmasai (7:55,72 Minuten), der 1997 in Athen auch Weltmeister über diese Distanz war, war der einzig verbliebene Konkurrent gewesen, nachdem mit Emmanuel Mutai (Kenia) der letzte Tempomacher kurz nach Kilometer 35 ausgestiegen war.
Es war eigentlich ein anderer Debütant, der in Amsterdam vor dem Start im Mittelpunkt gestanden hatte: Der Halbmarathon-Weltmeister des vergangenen Jahres, Fabiano Joseph (Tansania), lief auf der flachen Strecke sein erstes Rennen über die 42,195 km. Lange Zeit lief er locker in der Spitzengruppe mit, die die 30-km-Marke in 1:31:45 Stunden passierte. Doch dann brach der erst 20-jährige Fabiano Joseph ein und kam schließlich abgeschlagen auf Rang zehn in 2:13:24 ins Ziel. Ein anderer hatte sich die Kräfte besser eingeteilt und war nicht das Tempo der Spitzengruppe mitgegangen: Vanderlei Lima (Brasilien), der legendäre Bronzemedaillen-Gewinner des olympischen Marathons 2004, wurde Fünfter in 2:11:36, nachdem er in der Schlussphase eine Reihe von Konkurrenten überholt hatte. Lima hatte in Athen bei Olympia in Führung gelegen, als ihn ein Zuschauer kurzzeitig stoppte. Dennoch gewann er am Ende noch Bronze. Damals stand er im Mittelpunkt, in Amsterdam spielte Lima jedoch keine Rolle.
Im Rennen der Frauen formierten in Amsterdam zunächst vier Läuferinnen die Spitzengruppe: Neben Rose Cheruiyot und Helena Loshanyang waren dies die spätere viertplatzierte Emily Kimuria (Kenia/2:29:56) sowie Gishu Mindaye (Äthiopien), die später aber noch auf Rang sieben zurückfallen sollte. Dieses Quartett passierte die 20-km-Marke in 1:08:32 Stunden. Schon an der Halbmarathonmarke (1:12:34) löste sich Rose Cheruiyot. „Ich hätte gerne meine persönliche Bestzeit unterboten, aber der Wind hat dies wohl verhindert”, erklärte die 30-jährige Kenianerin, die im April in Hamburg als Zweite bei ihrem Debüt 2:27:09 gelaufen war.
Gute Siegzeiten beim Carpi-Marathon
Neben dem Amsterdam-Marathon produzierte auch der italienische Carpi-Marathon am vergangenen Sonntag gute Siegzeiten. Dort gab es wie in der holländischen Metropole einen kenianischen Doppelsieg – und bei den Männern ebenfalls eine Spurtentscheidung. David Kemboi Kiyeng gewann in 2:10:08 Stunden mit nur einer Sekunde Vorsprung vor seinem Landsmann David Omiti Makori. Noch zwei weitere Kenianer blieben auf den nächsten Plätzen unter 2:11 Stunden. Hillary Korir lief als Dritter 2:10:16, Henry Serem wurde in 2:10:59 Vierter. Schnellste Frau war beim Carpi-Marathon die Ungarin Aniko Kalovics mit 2:26:43 Stunden. Sie verbesserte bei ihrem Debüt gleich den ungarischen Rekord von Judit Nagy um gut zwei Minuten. Zweite wurde Rosaria Console in 2:28:50. Die Italienerin hatte zu den aussichtsreichen Läuferinnen beim EM-Marathon von Göteborg gehört. Doch aufgrund einer Behinderung kam sie dort zu Fall, verletzte sich an der Hüfte und musste das Rennen aufgeben.
Während James Kwambai (Kenya) in 2:10:36 den Peking-Marathon vor seinem Landsmann David Kipkorir (2:10:46) gewann, war das Frauen-Rennen im Verhältnis weniger hochklassig. Sun Weiwei (China) siegte in 2:34:41. Weitere Erfolge für Kenia gab es in Neu-Dehli. Bei einem Halbmarathon siegte Francis Kibiwott in flotten 61:36 Minuten vor Cuthbert Nyasango (Simbabwe/62:30). Schnellste Frau war hier die Kenianerin Lineth Chepkirui, die in 70:40 vor der Äthiopierin Erkesso Teyiba gewann (71:22).
Mario Kröckert gewinnt in Essen
Auch aus deutscher Sicht gab es ein relativ erfreuliches Resultat am Sonntag: Bei seinem Marathondebüt gewann Mario Kröckert (Bayer Leverkusen) auf Anhieb den Essen-Marathon. Kröckert, der seine Perspektive auf den langen Straßenstrecken sieht, lief 2:16:54 Stunden – für deutsche Verhältnisse eine ordentliche Zeit. Damit steht Kröckert an zweiter Stelle der deutschen Jahresbestenliste hinter Ulrich Steidl (SSC Hanau/Rodenbach/2:16:02). Schnellste Frau war in Essen Romy Spitzmüller (Leipzig) in 2:40:40.